Es ist Freitag und somit lassen wir eine weitere spannende Handelswoche hinter uns. Was so alles in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns in unserem Wochenrückblick an.
Montag – Tesla streicht zehn Prozent der Stellen 
Wie Tesla-Chef Elon Musk am Montag bekanntgab, soll im Rahmen von Sparmaßnahmen weltweit jede zehnte Stelle gestrichen werden. So liefen die Geschäfte beim E-Auto-Marktführer in den vergangenen Monaten alles andere als rosig; zuletzt wurde wohl deshalb auch das Langzeitprojekt eines „Billig-Teslas“ eingestampft. Musk schrieb in einer internen Mail an die Belegschaft, dass man davon überzeugt sei, dass „eine effiziente und schlanke Organisation“ unabdingbar ist, um die zukünftigen Herausforderungen erfolgreich meistern zu können. So sei es in den vergangenen Jahren im Zuge des rasanten Wachstums in bestimmten Bereichen zur Doppelung von Positionen respektive Verantwortlichkeiten gekommen, welche nun abgebaut werden müssten. Wenngleich es laut Musk nichts gibt, was er „mehr hasst“, sollen nun also bis zu 14 000 Mitarbeiter zeitnah ihre Siebensachen packen. Der (mediale) Aufschrei ist laut – vor allen Dingen in Deutschland, wo der nordamerikanische Elektromobilitätspionier in seiner Gigafactory im Brandenburger Grünheide inzwischen mehr als 12 000 Menschen beschäftigt. Verschiedene Medien berichteten am Montag, dass an diesem Standort – der Anfang März Opfer eines Brandanschlags seitens Klimaaktivisten wurde – bis zu 3000 Stellen von den Tesla-Sparmaßnahmen betroffen sein könnten. Tesla wies diese Spekulationen, die „jeder Grundlage“ entbehren, zwar bereits zurück, dass es auch in Grünheide zum Abbau von Stellen kommen wird, scheint aber beschlossene Sache. Beschlossene Sache ist übrigens auch, dass wir den Tesla-Anteilsschein im Sinne unserer primären Wellenanalyse auf den letzten Metern seiner seit November 2021 andauernden Korrektur sehen. Wann wir hier wieder einsteigen, teilen wir mit unseren TECH33-Kunden natürlich, wie immer, per Kurznachricht.
Dienstag – G42: Microsoft greift nach dem nächsten KI-Unternehmen
In den vergangenen Monaten war es vor allen Dingen das Narrativ der Künstlichen Intelligenz, das an den Aktienmärkten weltweit als Zugpferd fungierte. Die großen Profiteure waren hierbei insbesondere der Chip-Gigant Nvidia sowie der Microsoft-Konzern. Letzterer investierte schon vor geraumer Zeit über $10 Milliarden in den nordamerikanischen KI-Pionier OpenAI, welcher inzwischen bereits mit schier unglaublichen $80 Milliarden bewertet wird. Die KI-Investitionslust von Microsoft-CEO Satya Nadella wurde damit aber längst nicht gestillt, investiert das Unternehmen doch Milliardenbeträge in Standorte auf der ganzen Welt – unter anderem auch in Deutschland – und ist weiter stets auf der Suche nach dem nächsten KI-Shootingstar. Fündig wurde man hierbei unter anderem im Februar in Frankreich, wo man mit dem vielversprechenden (und wohl bald mit einer $5-Milliarden-Bewertung ausgestatteten) Start-up Mistral eine zukunftsorientierte Partnerschaft schloss. Microsoft streckt seine Fühler aber dennoch weiter aus – und „krallt“ sich nun bereits den nächsten aufstrebenden Stern am KI-Himmel: $1.5 Milliarden wird das von Bill Gates gegründete Unternehmen in die KI-Firma G42 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten pumpen. Microsoft-Präsident Brad Smith, der im Zuge der Investition Teil des G42-Vorstands wird, ließ verlauten: „Unsere beiden Unternehmen werden gemeinsam daran arbeiten, künstliche Intelligenz, digitale Infrastruktur und Services in unterversorgte Länder zu bringen“. In den Deal involviert sein sollen wohl auch die Regierungen der beiden Länder; offenbar sollen die Aktivitäten von G42 in China auf „Wunsch“ der Vereinigten Staaten deutlich reduziert werden. Jedenfalls wird das Unternehmen zukünftig im Rahmen seiner KI-Anwendungen auf Microsofts Azure-Cloud zurückgreifen. Ergänzend dazu verfügt G42 über ein umfangreiches Produktportfolio, welches beispielsweise selbstfahrende Autos sowie eine eigene Cloud-Software beinhaltet. Microsoft erhofft sich durch die Zusammenarbeit mit G42 die Ausweitung seines Kundenstamms in den Regionen Afrika und Zentralasien, wo man bislang mit seinen Rechenzentren noch nicht so richtig Fuß fassen konnte.
Mittwoch – Boeing-Ingenieur: „Das wird vielen Menschen das Leben retten“

In 5000 Metern Flughöhe abgebrochene Flugzeugteile, verhängte Flugverbote, zurücktretende Führungskräfte, verlangsamte Produktion, abgehängt vom größten Konkurrenten Airbus – der Flugzeugbauer Boeing entwickelt sich langsam, aber sicher zu einem Dauergast hier auf der HKCM News. Am Mittwoch sorgten nun Aussagen des Boeing-Mitarbeiters Sam Salehpour vor dem nordamerikanischen Heimatschutzausschuss medial für Furore: So prangert der seit zehn Jahren für das Unternehmen tätige Ingenieur weitreichende Mängel an der 787 Dreamliner-Serie (im Zuge einer zuletzt wohl beschleunigten Produktion) an: „Die gesamte weltweite Flotte braucht meiner Meinung nach Aufmerksamkeit. Und die Aufmerksamkeit besteht darin, dass man die Lücken überprüfen und sicherstellen muss, dass es kein Potenzial für ein vorzeitiges Versagen gibt“. Auch berichtete Salehpour von Drohungen seitens des Unternehmens, als er diese Probleme intern angesprochen habe. Er sei jedoch mit sich „im Reinen“, denn seine Bekanntmachung werde „vielen Menschen das Leben retten“. Brisant in diesem Zusammenhang: Im März soll sich ein anderer Boeing-Mitarbeiter, der ebenfalls Mängel an den Flugzeugen öffentlich angesprochen hatte, das Leben genommen haben. Die Boeing-Führung widerspricht derweil den Vorwürfen von Salehpour. Man habe „volles Vertrauen in die 787 Dreamliner“, bei der Produktion sei man äußerst vorsichtig und sorgfältig vorgegangen, alle Inspektionen und Tests hätten die Zuverlässigkeit der Jets bestätigt. Die Flugaufsichtsbehörde der USA, die Federal Aviation Administration (kurz: FAA), hat die Untersuchungen jedenfalls aufgenommen. Die Aktie des Luft- und Raumfahrtunternehmens, welche wir in unserem US-Titans-Paket führen, sollte sich derweil derzeit auf den letzten Metern eines korrektiven Landeanflugs befinden. Primär sehen wir den Titel also alsbald wieder auf der Oberseite durchstarten.
Donnerstag – Xiaomi: E-Auto-Verkäufe deutlich höher als erwartet
Während sich die Branchenführer zuletzt mit weniger ansehnlichen Geschäftszahlen konfrontiert sahen – der chinesische BYD-Konzern, der inzwischen mit eigenen Frachtern nach Europa liefert, wächst so langsam wie seit 2022 nicht mehr, der von Elon Musk geführte E-Auto-Pionier Tesla verzeichnete sogar einen Auslieferungsrückgang –, konnte der chinesische E-Mobilitätsnewcomer Xiaomi seine Erwartungen nach eigenen Angaben um das Drei- bis Fünffache übertreffen: Das Unternehmen, das bis zuletzt vorwiegend Smartphones produzierte, brachte Ende März sein erstes E-Auto auf den Markt und verdichtet somit weiter den massiv umkämpften Sektor. Und die Nachfrage nach der limitierten Erstauflage des Modells SU7, der sogenannten Founder’s Edition, war derart groß, dass nun zwölf Tage früher als ursprünglich geplant die Auslieferungen des Standardmodells anliefen. Xiaomi Gründer Lei Jun, für den der Einstieg in den E-Mobilitätssektor das „letzte große unternehmerische Projekt“ seines Lebens sein soll, punktet vor allen Dingen mit dem Preis seiner Karossen: Das Basismodell kostet knapp unter $30 000 und ist somit (in China) rund $4000 günstiger als das vergleichbare Basismodell des Tesla Model 3. Noch in diesem Monat möchte Xiaomi die Auslieferung der Max- und Pro-Modelle in die Wege leiten. Der Anteilsschein des Unternehmens konnte seit Verkaufsstart des SU7 in der Spitze bereits rund 40 Prozent zulegen. Wir halten hier derzeit Ausschau nach lukrativen Einstiegspunkten, über welche wir unsere China-Titans-Kunden zu gegebener Zeit natürlich per Mail informieren werden.
Freitag – Netflix geht gegen Passwort-Sharing vor – und pulverisiert die Erwartungen 
Ähnlich umkämpft wie der E-Mobilitätssektor gestaltete sich in den vergangenen Jahren auch die Streaming-Branche. Im vierten Quartal des letzten Jahres präsentierte mit Netflix einer der absoluten Big Player überraschend starke Geschäftszahlen – und hieran scheint das Unternehmen aus der nordamerikanischen Provinz Kalifornien nun im ersten Quartal 2024 nahtlos anzuknüpfen: So konnte man abermals 9.33 Millionen neue Kunden akquirieren; die Analysten hatten hier „lediglich“ 4.9 Millionen neue Nutzer prognostiziert. Insgesamt nutzen weltweit nun knapp 270 Millionen Menschen das Streaming-Angebot des im Jahr 1997 als DVD-Verleih gegründeten Unternehmens. Die abermals gestiegenen Kundenzahlen gehen auch darauf zurück, dass Netflix zuletzt verschärft gegen das sogenannte Passwort-Sharing vorging, in dessen Rahmen sich mehrere Nutzer ein und denselben Account teilen. Positiv auf das Geschäftsergebnis wirken sich natürlich auch die Preiserhöhungen aus, die in den vergangenen Monaten primär in Europa – unter anderem letzte Woche in Deutschland – durchgesetzt wurden. So konnte der Quartalsgewinn von $1.3 Milliarden auf $2.33 Milliarden nach oben geschraubt werden; der Umsatz zog um 15 Prozent auf $9.37 Milliarden an. Das Ende der preislichen Fahnenstange scheint hier aber noch nicht erreicht. Laut Vize-Chef Greg Peters möchte man den Streamingdienst zukünftig nochmals deutlicher attraktiver machen, was dazu führen werde, dass die Nutzer unter Umständen nochmals „etwas mehr Geld bezahlen“ müssen. Das Netflix-Management informierte zudem darüber, dass man ab sofort nicht mehr alle drei Monate die Nutzerzahlen veröffentlichen möchte – auch weil diese aufgrund der unterschiedlichen Abo-Modelle nicht mehr so aussagekräftig seien –, sondern den Fokus, wie auch die meisten anderen Branchen, vornehmlich auf monetäre Metriken wie Umsatz und Gewinn legen werde. Für das laufende Quartal erwartet der Unterhaltungsriese einen Umsatz in Höhe von $9.49 Milliarden; im Gesamtjahr 2024 sollen die Erlöse um bis zu 15 Prozent ansteigen. Ansteigen sollte mittel- respektive langfristig übrigens auch die Netflix-Aktie, die im Zuge der Präsentation der Quartalszahlen etwas nachgab. Wir erwarten hier im nächsten Schritt dennoch eine Überschreitung der runden $700-Marke; übergeordnet sollte es hier gar bis deutlich über die $1000 gehen.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!




