Es gibt weltweit wohl keinen Unternehmer, der medial so präsent ist wie Elon Musk. Zuletzt holte der Südafrikaner zu einem Rundumschlag aus und attackierte den KI-Pionier OpenAI, die Videoplattform YouTube sowie die „woke“ Google-KI. Immer wieder führt der Multimilliardär Kleinkriege mit anderen Tech-Unternehmern wie Mark Zuckerberg oder der Presse selbst, wie auch Ende Januar, als unter anderem die Washington Post über schwere Unfälle mit Tesla-Fahrzeugen berichtete, die aufgrund von Sicherheitslücken beim autonomen Fahren entstanden seien. Eine Fehde lieferte sich Musk auf seinem Kurznachrichtendienst X zuletzt auch mit einem brasilianischen Richter, der die Sperrung mehrerer X-Profile von Vertrauten des strafrechtlich sanktionierten brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro angeordnet hatte. Der Jurist warf Musk im Gegenzug vor, X kriminell zu missbrauchen. Der polarisierende Unternehmer lässt aber auch die Arbeit beim alten und neuen E-Auto-Weltmarktführer Tesla nicht ruhen: In diesem Sommer möchte Musk endlich sein mehrere Jahre altes Versprechen des ersten Robotaxis einlösen. Die Pläne für einen Billig-Tesla, die internationale Schlagzeilen machten, werden indes offenbar eingestampft.
Musk zu brasilianischem Richter: „Schande über dich, Alexandre“
„Dieser Richter hat schamlos und wiederholt die Verfassung und das Volk von Brasilien verraten [...] Schande über dich, Alexandre“. Mit diesen Worten attackierte Musk den brasilianischen Richter Alexandre de Moraes, nachdem dieser in den vergangenen Jahren ein ums andere Mal die Sperrung von Profilen einflussreicher Personen auf diversen Online-Plattformen angeordnet hatte – unter anderem auch auf dem von Musk geführten Kurznachrichtendienst X. Die gesperrten Social Media-Konten waren überwiegend Anhängern des umstrittenen ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zuzuordnen, den das TSE (portugiesisch.: Tribunal Superior Eleitoral; dt.: Oberstes Wahlgericht) im vergangenen Sommer aufgrund von kontroversen Aussagen rund um Sicherheitsmängel im brasilianischen Wahlsystem für acht Jahre von allen politischen Ämtern ausschloss. Auch die betroffenen Personen sollen nach Ansicht des Gerichts bewusst Desinformation gestreut haben.
Jedenfalls fordert Musk nun die Absetzung beziehungsweise den Rücktritt von de Moraes, der als einer von elf Richter am Obersten Gerichtshof des südamerikanischen Landes tätig ist. Am Sonntag schrieb de Moraes auf X von einer kriminellen Instrumentalisierung der X-Plattform und stellte klar, dass das soziale Netzwerk nicht dazu befugt sei, „gerichtliche Anordnungen zu missachten“ und Konten zu reaktivieren, deren Sperrung vom Obersten Gerichtshof angeordnet wurde – soziale Netzwerke seien „kein rechtsfreier Raum“. Auch der brasilianische Generalstaatsanwalt Jorge Messias schaltete sich inzwischen in die Fehde ein. Es könne nicht sein, dass „Milliardäre, die im Ausland leben, […] gerichtliche Anordnungen missachten“ und Behörden im jeweiligen Land bedrohen. Erfahrungsgemäß steckt der als emotional geltende Musk in solchen Situationen nicht zurück. Das letzte Kapitel in diesem neuesten X-Zwist dürfte also noch nicht geschrieben sein.
Kommt das Tesla-Robotaxi im August?
Aus dem Hause Tesla hat Musk derweil gute Neuigkeiten zu vermelden: Bereits vor einigen Jahren kündigte das Unternehmen die Entwicklung eines Robotaxis an, das einem X-Post Musks zufolge nun endlich vorgestellt werden soll – und zwar planmäßig am 8. August. Das Vorantreiben des autonomen Fahrens ist für Musk ein Prestigeprojekt, bislang konnte der große Durchbruch hier aber noch nicht erzielt werden. Aktuell fungiert Teslas Autopilot lediglich als eine Art Fahrassistenzsystem. Und selbst hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu folgenschweren Unfällen, beispielsweise weil die verwendeten Kameras – Musk verzichtet im Vergleich zur Google-Tochter Waymo, die ein ähnliches Projekt verfolgt, auf die teuren Laserradare – von der Sonne geblendet wurden. Auch deshalb blicken die nordamerikanischen Aufsichtsbehörden bereits mit Argusaugen auf die Entwicklungen in diesem Bereich. Ob ein solches Robotaxi überhaupt die notwendige Zulassung bekommt, bleibt abzuwarten. Man könnte durchaus vermuten, dass der Zeitpunkt der Bekanntgabe der Robotaxi-Vorstellung von Musk nicht zufällig gewählt wurde. Zum einen präsentierte der Tesla-Konzern in der vergangenen Woche eher enttäuschende Quartalszahlen – wenngleich man die Spitzenposition beim weltweiten E-Auto-Absatz wieder vom chinesischen Konkurrenten BYD zurückerlangen konnte. Zudem soll wohl ein weiteres Langzeit-Projekt vor dem Aus stehen.
Teslas „Billig-Modell“ wohl auf dem Abstellgleis
Vor fast 20 Jahren kündigte Tesla an, dass man ein preiswerteres Familienauto für den Massenmarkt entwickeln und ins Produktportfolio aufnehmen wolle. Der Preis des Fahrzeugs sollte jüngsten Aussagen zufolge bei etwa $25 000 liegen. Wie zwei Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters jetzt aber verlauten ließen, soll dieses Billig-Modell-Projekt nun eingestellt worden sein. Während sich Tesla selbst bislang nicht zu diesen Behauptungen äußerte, war es natürlich einmal mehr Elon Musk, der hier in die kommunikative Offensive ging – und das, wie soll es anders sein, selbstverständlich auf seiner Plattform X. Dort schrieb er kurz und knapp: „Reuters lügt (wieder)“. Noch im Januar kündigte er öffentlichkeitswirksam an, dass die Produktion des auch als Modell 2 bezeichneten kostengünstigeren Fahrzeugs im dritten Quartal 2025 in Texas anlaufen solle. Der 52-Jährige wies in der Vergangenheit auch immer wieder darauf hin, dass die Entwicklung eines solchen Modells für die breite Masse ein wichtiger Bestandsteil der Absatzsteigerungspläne sei. 2020 sagte Musk, man wolle bis 2030 die Absätze so weit nach oben schrauben, dass jährlich rund 20 Millionen Teslas verkauft werden. Zum Vergleich: Toyota, der absatzstärkste Autobauer weltweit, verkaufte im Jahr 2023 in etwa 11.23 Millionen Fahrzeuge. Einmal mehr verfolgt Elon Musk also äußerst ambitionierte Ziele – ob er diese erreichen wird, bleibt auch in Anbetracht der zuletzt stark aufstrebenden Konkurrenz in China abzuwarten.
Und die Tesla-Aktie?
Abwarten heißt es aktuell auch beim Tesla-Wertpapier – zumindest aus unserer (technischen Analyse-)Sicht. Der Anteilsschein korrigierte seit dem Allzeithoch im November 2021 (bei $414.50) um rund 75 Prozent. Wir gehen zwar vorrangig davon aus, dass der Tiefstand hier bereits bei $101.20 vor mehr als einem Jahr erreicht wurde, verorten den Titel primär aber weiterhin in einer komplexen Korrekturbewegung. Diese sollte jedoch alsbald zu einem Ende kommen. Entsprechend dürften sich hier zeitnah lukrative Einstiegsmöglichkeiten ergeben, welche wir zu gegebener Zeit mit unseren TECH33-Abonnenten teilen werden.



