Nach der Hiobsbotschaft im vierten Quartal, als Tesla die globale E-Auto-Krone gegen den chinesischen Shooting Star BYD verlor, lieferten die kürzlich veröffentlichten Geschäftsergebnisse einen erneuten Dämpfer. Die am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegte Bilanz blieb hinter den Erwartungen zurück: Während die operativen Kosten markant anstiegen, war der operative Gewinn deutlich rückläufig, der erzielte Quartalsumsatz lag eine gute halbe Milliarde unterhalb der Prognosen vieler Analysten. Für das laufende Jahr kündigte Tesla selbst ein deutlich schwächeres Wachstum als zuletzt an, man befinde sich laut Quartalsbericht momentan in einer Übergangsphase und erwarte erst längerfristig wieder stärkere expansive Impulse. Gleichzeitig schlägt sich der wertvollste börsennotierte Autohersteller mit namhaften internationalen Medienhäusern herum, die in den letzten Wochen Recherchen zu mangelhaften Bauteilen und unzufriedenen Kunden veröffentlicht hatten. Tesla streitet die Vorwürfe kategorisch ab – und wirbt für autonomes Fahren.
Cybertruck-Kritik und schwache Bilanz
„Unsere Firma befindet sich derzeit zwischen zwei großen Wachstumswellen“, rechtfertigte der Stromer-Gigant das verhaltene Quartalsergebnis – „die erste begann mit der globalen Expansion der Model 3/Y-Reihe und die nächste, so glauben wir, wird durch die globale Expansion rund um das Fahrzeug der nächsten Generation eingeleitet“. Damit dürfte Tesla unter anderem auf den futuristischen Cybertruck anspielen, der seit Ende November in den Vereinigten Staaten ausgeliefert wird, aber immer wieder für Probleme und negative Pressemeldungen sorgt. Zwar fahre der vollelektrische Pickup gut und beschleunige rasant, die Reichweite sei unter normalen Wetter- und Straßenbedingungen aber um ein gutes Drittel geringer als von Tesla offiziell angegeben. Auch lade der Akku langsam, während der Verbrauch die Werte eines normalen Tesla Model 3 teils um das Dreifache überstieg, was Reichweite und Akku-Effizienz ebenfalls einschränkt. Zum Verbrauch des Cybertrucks hatte Tesla allerdings von vornherein auch keine konkreten Angaben gemacht.
Erst vor wenigen Stunden wurde bekannt, dass Tesla außerdem ein Werbevideo geschönt haben soll, bei dem ein Cybertruck das Rennen auf eine Viertelmeile gegen einen Porsche 911 gewinnt. Fans hatten nachgerechnet und festgestellt, dass nur die halbe Strecke gefahren wurde. Der leitende Cybertruck-Ingenieur schrieb anschließend auf Twitter, dass man aus Sicherheitsgründen nicht die ganze Strecke gefahren sei und lediglich per Simulation errechnet habe, dass der Cybertruck den Porsche auch über eine Viertelmeile geschlagen hätte. Zu Teslas "Verteidigung” sei hier allerdings angemerkt, dass der Elektro-Pickup beim Rennen zusätzlich einen Anhänger mit einem weiteren Porsche darauf zog und dieser Anhänger für die Geschwindigkeit von etwa 140 Kilometern pro Stunde nicht ausgelegt war. Ähnlich enttäuscht wie Social Media auf das gemogelte Cybertruck-Video reagierten Anleger auf die Zahlen für das vierte Quartal: Der Umsatz stieg zwar um drei Prozent auf rund $25.2 Milliarden, Analysten hatten aber mit knapp $25.9 Milliarden gerechnet. Während die operativen Kosten um fast ein Drittel auf rund $2.4 Milliarden anstiegen, sank der operative Gewinn um nahezu die Hälfte auf etwas weniger als $2.1 Milliarden ab.
„Revolution“ gegen chinesische Konkurrenz
In den vergangenen Quartalen hatte Tesla wiederholt Preissenkungen verkündet, um die Verkäufe zu steigern und damit auch die Konkurrenz aus Fernost auszustechen, gegen die man dann aber – im Fall des rasant aufsteigenden chinesischen E-Auto-Herstellers BYD – letztlich den Kürzeren gezogen hatte. Bei Tesla selbst wurde durch diese Strategie zwar das Absatzwachstum hochgehalten, gleichzeitig litt aber die Profitabilität. Gerade bei der Anzahl der produzierten und verkauften Fahrzeuge könne die Wachstumsrate in diesem Jahr niedriger ausfallen als noch in den letzten zwölf Monaten, verkündete Tesla im Quartalsbericht. Geschuldet sei dies „der Einführung des Fahrzeugs der nächsten Generation“, an dem „unsere Teams in der Gigafactory Texas arbeiten“. In der Zwischenzeit werde man die Umsätze in anderen Sparten steigern und damit die Phase zwischen den selbst identifizierten „Wachstumswellen“ überbrücken: „Im Jahr 2024 sollte die Wachstumsrate der Auslieferungen und Einnahmen in unserem Geschäftsbereich Energiespeicherung das Automobilgeschäft übertreffen“. Elon Musk selbst gab sich „optimistisch, was die Zeit angeht“, man entwickle ein „revolutionäres“ Produktionssystem und könne damit zum wertvollsten Unternehmen der Welt werden.
Die Konkurrenz aus China bezeichnete Musk unlängst in einer Telefonkonferenz als „extrem gut“ und warnte gleichzeitig vor dem Preisdruck, der aus dem Reich der Mitte auf den globalen Markt schwappe: „Wenn es keine Handelsschranken gibt, werden sie die meisten anderen Autofirmen in der Welt zerstören“. Den Kampf mit den aufstrebenden Kontrahenten aus Fernost will Tesla mithilfe des „Fahrzeugs der nächsten Generation“ für sich entscheiden und meint damit offenbar die hauseigene Technologie für autonomes Fahren. Vor einem halben Jahr hatte Musk angekündigt, die eigene Full Self-Driving-Software (vollständig selbstfahrend; engl. kurz: FSD) stoße auf reges Interesse großer Autohersteller, ruderte nun aber wieder etwas zurück: „Ich denke, sie glauben, dass es noch nicht real ist“. Dazu beitragen könnte auch Misstrauen, das der Tesla-Software aus international renommierter Presse entgegenschlägt. So berichtete die nordamerikanische Washington Post kürzlich über schwere Unfälle, die aufgrund von Sicherheitslücken beim autonomen Fahren entstanden seien. Die britische Nachrichtenagentur Reuters will zudem aufgedeckt haben, dass Tesla chronische Defekte an den eigenen Autos wider besseres Wissen negiert und den Rückruf hinausgezögert habe.
Tesla wehrt sich gegen investigative Anschuldigungen
Laut der Reuters-Recherche berichten zehntausende Tesla-Besitzer von Problemen mit Bauteilen in der Lenkung und Karosserie, die mindestens sieben Jahre zurückreichen. Laut Interviews mit Technikern und Insidern soll Tesla mehr über die Häufigkeit und den Umfang solcher Defekte gewusst haben, als man der Öffentlichkeit und Sicherheitsbehörden mitgeteilt habe – das würden auch Tesla-Dokumente aus den Jahren 2016 bis 2022 belegen. Tesla habe Forderungen von Kunden ignoriert und Rückrufaktionen verzögert, indem man Fahrern die Schuld für maschinelles Versagen gegeben habe. Auch neigten Elon Musk und Tesla dazu, Bedenken von Kunden und Mitarbeitern diesbezüglich zu ignorieren, um neue Produkte und deren Verkauf voranzutreiben und empfindliche Kosten für Reparaturen aus dem Weg zu gehen. Tesla habe in diesem Jahr 260 Beschwerden wegen einschlägiger technischer Mängel erhalten, im Vergleich zu etwa 750 bei General Motors und 230 bei Toyota, obwohl Teslas Marktanteil insgesamt deutlich niedriger ist. Tesla bezeichnete den Reuters-Bericht im Gegenzug als „vage und unsinnig“, prangerte „stark irreführende“ sowie „unvollständige und demonstrativ inkorrekte Informationen“ der Verfasser an.
Nicht nur sei Tesla im Rahmen der Garantieansprüche für die meisten Reparaturen der betroffenen 120 000 Fahrzeuge aufgekommen, auch zeigten viele kompromittierende Bilder von Defekten keine fehlerhaften Bauteile, sondern Beschädigungen infolge von Unfällen, die allerdings eine Versicherungsfrage seien. Man verfüge über fortgeschrittenste Systeme zur Identifikation von fehlerhaften Teilen oder Abläufen an den Fahrzeugen, was als herausragendes Merkmal gelten sollte und „von unseren Aufsichtsbehörden oft als großer Sicherheitsvorteil angeführt wird. Die Reuters-Recherche rücke Tesla ungerechtfertigt in schlechtes Licht: „Gegenteilig zu den Aussagen des Artikels, die auf falschen Daten basieren, geht Tesla ehrlich und transparent mit Sicherheitsregulatoren auf der ganzen Welt – jede andere Behauptung ist schlichtweg falsch“. Diese „Haarspalterei im Journalismus“ führe „zur Verfehlung der Wahrheit, ein Muster in vielen negativen Berichten über Tesla“. Schließlich male es ein „falsches Bild, wenn man nur die einseitige Sicht vereinzelter Kunden abbildet und sie als die universelle Erfahrung aller Tesla-Fahrer darstellt“.
„Fehlerhafte“ Vorwürfe nach tödlichen Unfällen
Ähnlich entschieden wehrte Tesla sich vor einigen Tagen gegen die Vorwürfe von Sicherheitslücken in der FSD-Software seitens der Washington Post und beklagte erneut lückenhafte und tendenziöse Berichterstattung. Laut jüngeren Daten liege die Unfallrate bei Verwendung der eigenen Autopilot-Technologie mit einem Unfall etwa alle sieben Millionen Kilometer erheblich niedriger als bei Nichtverwendung, wo man einen Unfall etwa alle zwei Millionen Kilometer registriert habe. Damit sei die Autopilot-Technologie etwa zehnmal sicherer als der nordamerikanische Durchschnitt und rund fünfmal sicherer als ein Tesla ohne aktivierte Selbstfahr-Assistenz. Die Washington Post nutze „Fehlverhalten seitens der Fahrer, um Systemprobleme anzudeuten“. Der entsprechende Artikel „versteht die Sache falsch, berichte fehlerhaft und basiert auf Anschuldigungen, während wichtige Fakten außen vorgelassen werden“. So habe die Washington Post nicht erwähnt, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Tesla für sein eigenes System ausgegeben hatte, beim betreffenden Unfall missachtet worden seien.
Im Herbst 2023 hatte ein kalifornisches Gericht Tesla im ersten Prozess wegen eines tödlichen Unfalls im Zusammenhang mit dem Assistenz-System Recht gegeben. 2019 war ein Tesla-Modell 3 mit 105 Kilometern pro Stunde von einem Highway abgekommen, wobei der Fahrer getötet und zwei Mitfahrer schwer verletzt wurden. Die Mitfahrer warfen Tesla anschließend vor, Fehler im Sicherheitssystem verschwiegen zu haben. Tesla hielt dagegen, dass Fahrer trotz Autopilot die Verkehrslage im Blick behalten müssen und das auch immer so kommuniziert worden sei. Außerdem sei der Fahrer alkoholisiert gewesen und die Nutzung der FSD-Software zum Unfallzeitpunkt lasse sich nicht mehr nachweisen. Tesla gewann das Gerichtsverfahren, ein weiteres, auf das sich die Washington Post berief, ist aber anhängig: Ebenfalls 2019 war ein weiterer Modell 3-Fahrer unter einen Lastwagen geraten, weil der Autopilot nicht rechtzeitig reagiert haben soll. Weitere ähnliche Prozesse laufen, der kürzliche Sieg könnte Tesla aber einen wichtigen Präzedenzfall verschafft haben.
Tesla-Aktie bald vierstellig?
Die eigene Mission sei unverändert klar: „Unsere Prinzipien sind von Anfang an gleich geblieben: das sicherste und am leichtesten zu fahrende Auto der Welt zu bauen und gleichzeitig den globalen Umstieg auf nachhaltige Energie voranzutreiben“. Der Kurs der Tesla-Aktie wurde im vergangenen Jahr von diesen Ankündigungen beflügelt und stieg bis Anfang Januar um beeindruckende rund 160 Prozent. Seit Jahreswechsel stottert der Motor allerdings etwas, in den letzten Tagen purzelten wieder ein paar Prozent von der Uhr. Damit nähert Tesla sich erneut spannenden Einstiegsbereichen, mit dem richtigen Timing sind auch in Zukunft deutliche Gewinne mit dem Wertpapier einzufahren. Schließlich befindet sich der Kurs laut unserer Analyse im übergeordneten impulsiven Aufwärtstrend, nachdem die letzte große Korrekturwelle Anfang 2023 ihr Ende gefunden hat. Während die Aktie derzeit bei einem Wert von rund $200 notiert, sollte im Zuge der laufenden Aufwärtsbewegung ein wichtiger Widerstand bei über $400 gebrochen werden, längerfristig sind in der aktuellen Bewegung gar vierstellige Kurswerte zu erwarten. Um den richtigen Zeitpunkt für eine Investition zu finden und regelmäßig über entsprechende Möglichkeiten informiert zu werden, bietet sich unser beliebtes TECH33-Paket an – neben Tesla mit Tech-Giganten wie Apple oder Microsoft, aber auch Palantir, Paypal und Nvidia!




