Erst im vierten Quartal 2023 luchste der chinesische Autobauer dem E-Mobilitätspionier Tesla die Spitzenposition im Hinblick auf die weltweiten E-Fahrzeugabsätze ab, im ersten Quartal 2024 sieht die Sache schon wieder ganz anders aus: Nachdem bei BYD in den Monaten Januar bis März vor allen Dingen das Geschäft auf dem Heimatmarkt stark schwächelte und das niedrigste Umsatzwachstum seit mehr als zwei Jahren verzeichnet wurde – auch aufgrund einer zunehmenden Zahl inländischer Konkurrenten –, vermeldete Tesla nun am gestrigen Dienstag seine Zahlen zum jüngst abgelaufenen Quartal. Der nordamerikanische Konzern eroberte zwar mit rund 387 000 verkauften Fahrzeugen den E-Auto-Thron zurück, blieb jedoch weiter hinter den Erwartungen der Analysten zurück und enttäuschte damit die Anleger.
Dass der Autobauer BYD ambitionierte Ziele verfolgt, spiegelt sich auch in der Offensive auf den europäischen Markt wider. Das Unternehmen wird seine Fahrzeuge zukünftig mit eigenen Frachtern nach Europa transportieren. Allein in Deutschland sollen über 100 Autohäuser des Konzerns entstehen, in Ungarn baut BYD aktuell ein eigenes Werk. Während man also der westlichen Konkurrenz rund um VW, BMW, Mercedes-Benz und Tesla den Kampf angesagt hat, lief es zuletzt ausgerechnet auf dem heimischen Markt nicht mehr ganz so gut: Noch 2022 gingen dort die E-Auto-Verkaufszahlen im Jahresvergleich um 74 Prozent nach oben, das Jahr 2023 brachte lediglich ein Absatzwachstum in Höhe von 21 Prozent. Hinzu kommt ein von BYD angezettelter Preiskampf, der merklich an der Rendite des chinesischen Platzhirsches nagt. Im ersten Quartal 2024 verkaufte BYD etwa 300 000 Fahrzeuge, im Vergleich mit dem vorangegangenen Rekord-Quartal bedeutet dies einen Rückgang von rund 43 Prozent.
Tesla: Erster Auslieferungsrückgang seit der Coronapandemie
Und Tesla? Der von Elon Musk geführte Konzern sollte nach der Einschätzung der Experten in den ersten drei Monaten des Jahres rund 443 000 Fahrzeuge verkaufen (und diese Zahlen wurden zuletzt schon nach unten angepasst). Dennoch verfehlte das Unternehmen die Prognose deutlich, im abgelaufenen Quartal wurden lediglich 386 810 Autos an den Mann gebracht. Im Vergleich mit dem ersten Quartal 2023 setzte Tesla somit 8.5 Prozent weniger Fahrzeuge ab. Nachdem der E-Autobauer in den vergangenen Jahren mit seiner Produktion aufgrund der hohen Nachfrage kaum hinterherkam, stehen in den Monaten Januar bis März – trotz Fertigungsunterbrechungen wegen eines Brandanschlags auf die Gigafactory in Berlin – nun 433 371 produzierte Fahrzeuge jenen 386 810 verkauften gegenüber. Zum ersten Mal seit knapp vier Jahren sieht sich Tesla mit einem Auslieferungsrückgang konfrontiert.
Teslas Zukunftsaussichten? Experten eher pessimistisch
Die enttäuschenden Zahlen sind nicht die einzige Hiobsbotschaft für Tesla: Zum einen wird im Europäischen Parlament derzeit diskutiert, inwiefern etwaige erhöhte Zölle für aus China importierte Elektrofahrzeuge den Konkurrenzkampf im Sektor wieder etwas „fairer“ gestalten würden. Das würde nicht nur chinesische Konzerne wie BYD, Geely, Xpeng, Xiaomi oder Li Auto betreffen, auch der Import des von Tesla in Shanghai gefertigten (überarbeiteten) Model 3 würde in diesem Fall deutlich kostspieliger werden. Zum anderen laufen bald die staatlichen Subventionen beim Kauf von E-Autos in vielen europäischen Ländern aus, die anhaltend hohen Zinsen tun ihr Übriges. Darüber hinaus könnte im Westen ein ähnlich heftiger Konkurrenzkampf im E-Mobilitätssektor entbrennen, wie es bereits aktuell in China der Fall ist. So ist auch im Hinblick auf die CO2-Vorgaben der EU damit zu rechnen, dass die europäischen Konzerne, allen voran die deutschen Giganten VW, BMW und Mercedes-Benz, ihre E-Produktpallette kontinuierlich ausweiten.
Nach jahrelangem „Boykott“: Auf Preissenkungen folgt Marketing-Offensive
Tesla hatte die Preise seiner Modelle in den vergangenen Monaten deutlich gesenkt, um den rückläufigen Verkaufszahlen entgegenzuwirken und der chinesischen Konkurrenz Paroli bieten zu können. Seit August 2022 ging der Durchschnittspreis über alle Modelle hinweg von über $64 000 auf rund $48 000 zurück. Nun möchte man auch die öffentliche Bewerbung des Unternehmens und seiner Produkte ausweiten. Auf X fand Musk im Jahr 2019 noch durchaus deutliche Worte im Hinblick auf etwaiges Tesla-Marketing: „Ich hasse Werbung“, sagte der Südafrikaner damals. Nach gerade einmal $175 000 im Jahr 2022 stiegen die Werbeausgaben 2023 auf $6.4 Millionen. Im Vergleich mit anderen Big Playern der Branche, die in diesem Bereich jährlich teils Milliarden ausgeben, ist das aber immer noch ein sehr kleines Budget – und es ist davon auszugehen, dass dieses im Jahr 2024 nochmals stark nach oben geschraubt wird.
E-Auto-Sektor in der Krise?
Die Marktkapitalisierung der prägenden Akteure im internationalen E-Auto-Sektor schrumpfte seit 2021 um fast $1 Billion. Auch die Tesla-Aktie, die im Zuge der Bekanntgabe der Zahlen kurzzeitig rund sechs Prozent absackte, kam in den letzten Monaten massiv unter die Räder: In der Spitze korrigierte sie seit dem Allzeithoch im November 2021 rund 75 Prozent, aktuell notiert sie noch knapp 60 Prozent unter den damals erreichten $414.50. Wenngleich wir technisch betrachtet nicht ausschließen können, dass es hier nochmals deutlich tiefer geht, nehmen wir primär an, dass der Titel mit dem Tief bei $101.20 im Januar 2023 seinen Boden erreicht hat. Auch gehen wir – entgegen der pessimistischen Einschätzung vieler Fundamentalanalysten – davon aus, dass das Wertpapier langfristig neue Höchststände erreicht. Wie deutlich das aktuelle Allzeithoch in der nächsten langfristigen Impulsbewegung laut unserer Analyse überschritten wird, erfahren die Kunden unseres TECH33-Aktienpakets in den regelmäßigen Updates. Wie sich die Aktien der chinesischen E-Autobauer BYD, Xpeng, Geely und Co. zukünftig entwickeln und ob wir hier ebenfalls neue Allzeithochs erwarten, lesen Sie im China-Titans-Paket.



