„Was die Wirtschaft in diesem Jahr am stärksten fordern wird, ist das geringe Wachstumspotenzial – uns fehlen Hände und Köpfe, um die notwendige Arbeit ins Werk zu setzen“, fasste Wirtschaftsminister Robert Habeck die Analyse des Jahreswirtschaftsberichts zusammen, die am gestrigen Mittwoch der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Wie erwartet, wurden die schwachen Prognosen für das mittelfristige Wirtschaftswachstum bestätigt, mit Blick auf Energiepreise, Investitionskraft und die Inflation gab sich Habeck aber zuversichtlich. Es gebe „deutliche Anzeichen für eine Verbesserung“, ein baldiger Aufschwung sei aber an ambitionierte Bedingungen geknüpft. Um einen Kollaps abzuwenden, müsse die verfügbare Arbeitskraft besser genutzt werden, auch das Streitthema der Steuervergünstigung für Unternehmen kam wieder auf den Tisch: Schon Anfang Februar hatte die Regierung gewarnt, dass „Wirtschaft und Demokratie“ durch die Stagnation „unter Druck geraten“. Nunmehr gehe es „um nichts Geringeres, als darum, die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Industriestandorts zu verteidigen“. Und dabei spielt auch Elon Musks Tesla eine Rolle.
Tesla als Stabilisator in der „geopolitischen Zeitenwende“?
Rund 2.6 Millionen Menschen zwischen 20 und 30 haben laut Habeck in Deutschland keinen berufsqualifizierenden Schulabschluss, das entspricht in dieser Kohorte einem Anteil von rund 17 Prozent. Gleichzeitig fehlen rund 700 000 Arbeitskräfte, die Dunkelziffer müsse laut Ministerium auf rund zwei Millionen geschätzt werden. Für negative Dynamik sorgen in diesem Kontext Entlassungswellen bei wichtigen Playern der deutschen Wirtschaft wie dem Pharmariesen Bayer, der an Milliardenschäden durch Kundenklagen knabbert oder auch beim größten europäischen Software-Unternehmen SAP, das weitreichende Umstrukturierungen anstrebt, um in Sachen Künstliche Intelligenz wettbewerbsfähig zu bleiben. Genau hier wolle man mit einem „Reformbooster“ ansetzen, die staatlichen Mittel für Subventionen würden so stark ausgeschüttet wie seit Jahrzehnten nicht mehr. „Entgegen der schlechten Konjunkturdaten“ seien „die Gewinne der Unternehmen sehr ordentlich gewesen“, unterstrich der Wirtschaftsminister. Dennoch wurden die ohnehin schwachen Konjunkturprognosen von Analysten durch die Bundesregierung nochmal auf 0.2 Prozent hinabkorrigiert, eine weitere Verschlechterung sei nicht auszuschließen. Um das zu verhindern, brauche es eine bessere Integration von ausländischen Arbeitskräften: „Wenn wir alle diese Menschen nicht als Partner, Freunde und Deutsche betrachten, dann kollabiert die Wirtschaft.“
Eine baldige Erholung sei nämlich an konkrete Bedingungen geknüpft: „Wir kommen von zwei Prozent Potenzialwachstum in den 1980ern, sind jetzt auf 0.7 und werden weiter runtergehen, wenn wir nichts tun. Es fehlt an allen Ecken und Kanten an Arbeitskräften“. Als gesamte Ökonomie stehe man mit Blick auf internationale Verwerfungen außerdem vor einer „geopolitischen Zeitenwende, die auch die Wirtschaft fordert“. So hänge Deutschlands Wirtschaftswachstum vom „historisch niedrigen Welthandel“ ab, das sei „einer der Hauptgründe, warum wir von unserer Wachstumsprognose aus dem Herbst, als wir von 1.3 Prozent ausgingen, so deutliche Abstriche machen müssen.“ Die wichtigste Aufgabe sei nun, den Industriestandort Deutschland zu stärken, der zuletzt unter der schwachen Konjunktur gelitten hatte und von Experten historische Krisenzustände prophezeit bekommt. Eine große Rolle dabei spielen laut Habeck auch internationale Unternehmen, wobei kein Konzern explizit genannt wurde. Gemeint war unter anderem wohl auch Tesla: Der E-Auto-Gigant eröffnete erst 2022 seine Gigafactory im brandenburgischen Städtchen Grünheide und liegt bei den Plänen einer massiven Erweiterung mit den Bürgern über Kreuz. Obgleich die Politik Tesla in den letzten Jahren bei seinen Expansionsplänen bis an die Grenzen des Baurechts unterstützte, bereitet der Fall Elon Musk Kopfzerbrechen, weil eine deutliche Mehrheit der Anwohner bei einer Abstimmung gegen eine Erweiterung der Gigafactory votiert hat.
Deutschland ächzt wegen Inflation – und brilliert bei KI!
Insgesamt komme Deutschland „langsamer aus der Krise als erhofft“, gab der Bundeswirtschaftsminister auf der Pressekonferenz zu. Grund dafür sei auch der schwache Binnenkonsum, die Last der im Vorjahr auf 5.9 Prozent taxierten Inflation werde bald aber geringer: „Die Lohnzuwächse sind spürbar und werden in diesem Jahr oberhalb der Inflationsrate liegen“. Hinsichtlich der Teuerung gebe es also „deutliche Anzeichen für eine Verbesserung. Das liegt vor allem an den hohen Lohnabschlüssen des vergangenen Jahres und an einem starken Anstieg des verfügbaren Einkommens.“ Seit 2020 hatte die Inflation laut Bundesstatistik oberhalb des verfügbaren Einkommensniveaus gelegen, was sich in diesem Jahr erstmals wieder ändern werde. Dadurch steigen die freien finanziellen Mittel für privaten Konsum, was der Kaufkraft und im zweiten Schritt der fertigenden Industrie, dem Handel und dem Dienstleistungssektor zugutekommt. Dabei hofft man auch auf Zinssenkungen der Europäischen (kurz: EZB) und der nordamerikanischen Zentralbanken (engl.: Federal Reserve; kurz: FED), die in einer gestrigen Sitzung zumindest ankündigte, dass die Spitze der aktuellen Zinskurve wahrscheinlich erreicht sei, man sich mit Kürzungen aber noch gedulden müsse.
Die Ideen aus dem Jahreswirtschaftsbericht stießen aber auch auf Kritik. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Martin Wansleben, monierte die Probleme in der Integration fähiger Arbeitskräfte aus dem Ausland und der Handlungsschnelligkeit der politisch Zuständigen: „Es mangelt nicht an guten Vorschlägen. Die Politik darf nicht nur über die Verbesserung der Standortbedingungen reden, sondern muss endlich handeln.“ Die Vorschläge der Regierung für unzureichend befindet auch Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie: „Es fehlt weiterhin ein Befreiungsschlag, eine mutige und umfassende Agenda, die uns in Sachen Wettbewerbsfähigkeit wieder an die internationale Spitze bringt“. Zwar hat Deutschland in vielen Bereichen der Forschung und Entwicklung den internationalen Anschluss (vorerst) verloren, ausgerechnet in der aktuellen Boom-Branche rund um Künstliche Intelligenz mischt man aber immer noch ganz vorne mit: Bei der Nutzung von KI durch Organisationen steht die Bundesrepublik global auf Platz zwei, in Europa ist man der zweitwichtigste Entwickler von KI-Anwendungen. Bei KI-Fähigkeiten landet Deutschland europaweit allerdings nur auf dem elften Platz.
Microsoft will „globale deutsche Spitzenposition ausbauen“
Das will Microsoft nun ändern und tätigt dafür die größte Einzelinvestition seiner Geschichte in Deutschland. Über die nächsten zwei Jahre sollen 3.3€ Milliarden in deutsche KI-Infrastruktur fließen, in Nordrhein-Westfalen will Microsoft eine neue Cloud-Region einrichten. Ziel ist, wichtigen Großkunden wie Bayer oder RWE auch räumlich nahe zu sein, um deren Rechenzentren möglichst effizient betreuen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt der Microsoft-Investition soll die Rhein-Main-Region sein, wo bereits ein Cloud-Netz von Microsoft besteht, das nun ausgebaut werden soll. Microsoft investiert auch in Spanien (2.1€ Milliarden), Großbritannien (2.9€ Milliarden) und Australien (rund 3€ Milliarden), Deutschland steht in der Liste der Investitionsankündigungen des Software-Riesen aber an der weltweiten Spitze. Damit wolle der Konzern „der deutschen Wirtschaft ermöglichen, von KI zu profitieren, um auch weiterhin ihre globale Spitzenposition bei der Wettbewerbsfähigkeit auszubauen“, resümierte Microsoft-Präsident Brad Smith. Microsoft und Tesla könnten also tatsächlich zu eminenten Wachstumstreibern für die schwächelnde deutsche Wirtschaft avancieren, zumindest bringen sie gute Nachrichten, die hierzulande dringend gebraucht werden. Wer von der absehbaren Erholung des Heimatmarktes profitieren möchte, ist mit unseren Analysen zum Deutschen Leitindex DAX und den darin enthaltenen größten deutschen Unternehmen bestens beraten. Gleiches gilt für die amerikanischen Tech-Giganten um Microsoft und Tesla, aber auch Google, Apple oder den aktuellen Überflieger Nvidia.




