Bayer kassiert Milliardenstrafe – und erwägt Aufspaltung
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Bayer kassiert Milliardenstrafe – und erwägt Aufspaltung

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Simeon Koch

Solch eine hohe Strafe hat der Leverkusener Pharmariese Bayer noch nie kassiert, wenn es um das verrufene Herbizid Glyphosat ging: Ein Geschworenengericht im nordamerikanischen Bundesstaat Pennsylvania hat die Bayer-Tochter Monsanto zu einer Zahlung von mehr als $2.25 Milliarden verurteilt. $250 Millionen davon erhält ein Kläger als Schadenersatz, der seine Krebserkrankung auf die jahrelange Nutzung des Unkrautvernichters Roundup zurückführt – einen von Monsantos Verkaufsschlagern der letzten Jahrzehnte, gegen den zahlreiche Umweltorganisationen protestieren, weil er das gesundheitsschädliche Glyphosat enthält. Bayer will nun in Berufung gehen. Zuletzt hatte man eine Reihe von Gerichtsprozessen für sich entscheiden können und war deshalb positiv gestimmt. Experten gehen davon aus, dass die Strafe verringert wird, erkennen in der neuen Dynamik aber akute Gefahren für den DAX-Konzern, der zuletzt auch ohne die Glyphosat-Probleme mit Widrigkeiten zu kämpfen hatte: Anlässlich einer angekündigten Entlassungswelle wird spekuliert, ob Bayer sich in seine Einzelteile auflösen könnte, um Verluste abzufangen.

Bayer sieht in Berufung gute Chancen

„Wir sind überzeugt, dass wir in der Berufung starke Argumente haben, um dieses Urteil aufzuheben oder zumindest den verfassungswidrig überhöhten Schadenersatz zu reduzieren“, ließ Bayer in einer Stellungnahme nach dem Urteilsspruch verlauten. Schon 2019 war Bayer zu einer Strafzahlung von $2 Milliarden an ein amerikanisches Ehepaar verdonnert worden, das ebenfalls gesundheitliche Schäden durch die Nutzung von firmeneigenen Produkten davongetragen hatte – bis zum aktuellen Schuldspruch die höchste Strafe, die Bayer in Sachen Glyphosat aufgebrummt wurde. Durch die Anfechtung konnte man die Summe damals zwar deutlich drücken, der Fall hatte aber Signalwirkung und führte zu einer weiteren Klagewelle, in deren Folge Bayer zahlreichen außergerichtlichen Vergleichen zustimmte. Das verhinderte zwar mögliche gerichtliche Niederlagen, kostete aber Milliarden und schädigte vor allem das Image in den USA. Laut den Anwälten des Klägers, der nun in Pennsylvania recht bekam, sende das Urteil des Geschworenengerichts „ein klares Signal, dass dieser multinationale Konzern grundlegende Veränderungen braucht“.

Begonnen haben die Glyphosat-Querelen für Bayer mit der Übernahme des nordamerikanischen Biotechnologie-Giganten Monsanto, der 2018 für gut $60 Milliarden gekauft wurde und die Geschäfte auch in Übersee beflügeln sollte. Das verheerende Erbe von Monsanto entpuppte sich in den Vereinigten Staaten allerdings als Milliardenfalle – gleich mehrere Produkte wurden zum Gegenstand milliardenschwerer Klagen wegen vermeintlich verursachter Gesundheitsschäden bei ehemaligen Kunden. Laut Experten hat kein deutsches Unternehmen jemals so viel für eine Übernahme gezahlt wie Bayer infolge des Monsanto-Deals. 2019 bezeichneten die Bayer-Investoren das Geschäft in einem Misstrauensvotum gegen den Bayer-Vorstand als „Debakel“, bis heute wurden rund 113 000 Gerichtsprozesse ausgetragen, 50 000 weitere stehen aus. Um Klagen beizulegen hat Bayer bereits rund $10 Milliarden gezahlt und ganze $16 Milliarden vorsichtshalber zurückgestellt. Angesichts der nun verhängten Milliardenstrafe kritisierte der Pharmakonzern, das Urteil stehe im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und Einschätzungen von Behörden. Zwar stufte die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein, andere Regulatoren sind sich da nicht ganz so sicher – etwa in Europa.

EU gibt grünes Licht für Glyphosat

Erst im vergangenen Juli gab die Lebensmittelbehörde der Europäischen Union grünes Licht für eine erneute Zulassung von Glyphosat, nachdem der Unkrautvernichter drei Jahre lang untersucht wurde. In ihrer Neubewertung erklärte die Behörde: „Bei der Bewertung der Auswirkungen von Glyphosat auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt wurden keine kritischen Bereiche ermittelt, die Anlass zur Sorge geben“. Die Risikobewertung, die zu einer fünfjährigen Verlängerung der Glyphosat-Freigabe durch die EU-Kommission führen könnte, basiere „auf der Auswertung vieler Tausend Studien und wissenschaftlicher Artikel“, resümierte die Lebensmittelbehörde damals. Auch die Europäische Chemikalienagentur war 2022 zu der Erkenntnis gelangt, dass Glyphosat die wissenschaftlichen Kriterien für eine Einstufung als krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend nicht erfüllt – Kernargumente vieler Klagen in den USA. Im Juni vergangenen Jahres hatten Wissenschaftler mehreren Agrarchemie-Konzernen vorgeworfen, Studien zur Toxizität ihrer Produkte vorsätzlich zurückzuhalten, darunter auch Bayer. Dabei geht es um gesundheitsgefährdende Einflüsse auf ungeborene Kinder, deren Überprüfung im EU-Zulassungsverfahren nicht grundsätzlich vorgeschrieben sind. 2017 forderte das EU-Parlament zwar ein Verbot von Glyphosat, die Kommission verlängerte die Zulassung aber bis 2022 und dann noch einmal interimsmäßig bis Ende letzten Jahres. Nun sieht es so aus, als könnte sich das wiederholen.

Für Bayer wäre das eine gute Nachricht nach den Schwierigkeiten der letzten Monate. Denn das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln kann für Bayer eine wahre Goldgrube sein, wie das Jahr 2022 zeigte. Damals spülten Monsanto-Produkte Milliarden in die Kassen, am besten verkauften sich Unkrautgifte wie das kontroverse Glyphosat-Mittel Roundup. Letztes Jahr drehte der Wind, die Verkäufe liefen schlecht und allein auf Glyphosat entfielen Abschreibungen in Milliardenhöhe, wohl auch wegen des finanziellen Drucks durch Gerichtsprozesse – obgleich man zehn der jüngsten 16 Verhandlungen für sich entscheiden konnte. Bayer korrigierte im Sommer seine Wachstumserwartungen, schon damals wurde über eine Aufspaltung gemunkelt. Die Idee dabei wäre, die drei zentralen operativen Bereiche des Unternehmens, nämlich Verbrauchergesundheit, Arzneimittel und Agrarwissenschaft teilweise auszugliedern und dem Mutterkonzern damit operative, finanzielle und auch juristische Last von den Schultern zu nehmen. In der ersten Januarhälfte kündigte Bayer an, zahlreiche Stellen zu streichen, um zu sparen. Betreffen soll diese Verschlankung besonders Führungspositionen, um bürokratische Trägheit abzubauen.

Trotz aller Widrigkeiten – Bayer-Aktie bald verdoppelt?

Bill Anderson, seit letztem Sommer Vorstandsvorsitzender bei Bayer, bezeichnete die Entlassungen als notwendig, aber „schmerzhaft“, die Performance des DAX-Konzerns aber als „nicht akzeptabel“. Über eine Aufspaltung ist die letztgültige Entscheidung noch nicht gefallen. Die jüngsten Abverkäufe des Bayer-Papiers, die in den letzten Stunden durch ein breites Gap übers Wochenende Fahrt aufnahmen und in den ersten Handelsstunden des heutigen Montags schon gute fünf Prozent betrugen, steht im Einklang mit dem Primärszenario unserer technischen Analyse. Die übergeordnete Korrektur sollte aber bald vorbei sein, für unsere Abonnenten haben wir einen langfristigen Tradingbereich hinterlegt, der eine Chance für lukrative Investments bietet. Sobald der Kurs wieder nach oben abdreht, was laut unserer Analyse alsbald der Fall sein sollte, dürfte es wieder stramm und rasch aufwärts gehen. Um alle Prognosen für Trendwenden und Einstiege inklusive exakter Preisziele und Handelszonen für Bayer und die weiteren DAX-Titel zu erhalten, empfehlen wir unser DAX40-Paket mit täglichen Updates. In diesem erhalten Sie auch Kurznachrichten per Mail, wenn wir in einen Titel ein- respektive aus einem Titel aussteigen.

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