Das Wichtigste in Kürze:
- Cloud-Geschäft wächst weiter kräftig
- Langfristige Indikatoren drehen bullisch
- Primärszenario sieht weiteres Abwärtspotenzial
In unserem neuen Format Chart des Tages nehmen wir künftig regelmäßig einen Titel aus unseren Analysepaketen (oder in besonderen Fällen auch andere Titel) gemeinsam mit unserem zuständigen Analysten unter die Lupe. Den Auftakt macht heute SAP SE. Ein Wert, bei dem unser Analyst nach eigener Aussage derzeit ganz genau hinschaut.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der KI-Sektor, lange der Taktgeber der Rally, hat zuletzt spürbar gelitten – die Turbulenzen rund um Nvidia haben wir in unserer letzten Experts-View-Ausgabe ausführlich eingeordnet. Im Gegenzug sind viele Software-Werte fulminant zurückgekommen; der Software-Index IGV zählt zu den auffälligsten Gewinnern dieser Rotation. Genau in diesem Spannungsfeld ist SAP so interessant: Der Konzern verbindet beide Welten – Cloud-Software auf der einen, KI-Ambitionen auf der anderen Seite. Weil am Ende der Software-Charakter überwiegt, profitiert SAP von der aktuellen Rotation im Marktsentiment eher, als dass es darunter leidet.
Wichtig: Dass „Chart des Tages" SAP herausgreift, ist keine Kaufempfehlung. Das Format zeigt, welche Titel unser Analyst gerade besonders genau beobachtet – die Einordnung ersetzt dabei keine eigenverantwortliche Anlageentscheidung!
Was fundamental gerade passiert
Die Zahlen zum zweiten Quartal am 23. Juli fielen deutlich besser aus als befürchtet. Der aktuelle Cloud-Auftragsbestand kletterte auf 22.9 Milliarden Euro und lag damit währungsbereinigt 26 Prozent über dem Vorjahr. Der Cloud-Umsatz legte bereinigt um 24 Prozent zu, der Konzernumsatz auf 9.9 Milliarden Euro. CEO Christian Klein sprach von einer Trendwende, nachdem der Auftragsbestand zwei Quartale lang hinterhergehinkt war.
SAP im Monatschart: Kurs, MACD und wichtige Ereignisse der Firmenhistorie
Die Kehrseite: SAP nahm die Prognose für das operative Ergebnis 2026 leicht zurück, auf 11.8 bis 12.2 Milliarden Euro. Grund sind die im Juli abgeschlossenen Zukäufe Dremio und Prior Labs, deren Verwässerung auf über 100 Millionen Euro veranschlagt wird. Cloud-Umsatzziel und der erwartete freie Cashflow von rund 10 Milliarden Euro blieben unverändert. Parallel läuft ein Aktienrückkauf über bis zu 10 Milliarden Euro.
Ende August drehte die Stimmung erneut. Die UBS stufte SAP von „Kaufen“ auf „Neutral“ ab und begründete das mit dem schleppenden Tempo bei der Umsetzung der KI-Angebote. Die Aktie verlor daraufhin rund vier Prozent und war schwächster Wert im DAX. Es ist dieselbe Debatte, die den Titel das ganze Jahr über begleitet: Wie schnell lassen sich autonome Agenten tatsächlich monetarisieren?
Zwei Lesarten im Chart
„SAP gehört momentan zu den Titeln, die wir besonders eng begleiten“, sagt unser Analyst. Der Grund liegt weniger im Tagesgeschäft als in der Struktur des übergeordneten Verlaufs. Nach dem Hoch aus dem Vorjahr steckt die Aktie in einer ausgedehnten Korrektur. Die entscheidende Frage lautet: Ist dieser Abschnitt bereits abgehakt oder fehlt noch ein Kapitel?
Die Antwort unseres HKCM-Analysten fällt bewusst differenziert aus. „Dass die übergeordnete Korrektur schon abgeschlossen ist, davon gehen wir erst einmal nicht aus.“ Gleichzeitig räumt er dem Alternativszenario ausdrücklich eine hohe Relevanz ein. Genau diese Spannung zwischen beiden Lesarten macht den Titel aus seiner Sicht derzeit so interessant.
Was für das Alternativszenario spricht
Rückenwind kommt von den langfristigen Indikatoren. Der MACD im Zwei-Wochen-Chart hat bereits nach oben gedreht. Im Monatschart läuft er langsam auf einen bullischen Cross zu. „Auf den längeren Zeitebenen sieht der Wert wirklich interessant aus", so der Analyst des Euro-Titans-Paket der HKCM.
MACD der SAP-Aktie im Monatschart
Setzt sich diese Variante durch, traut er SAP sogar ein neues Allzeithoch zu. Wichtig ist ihm dabei die Einordnung: Es wäre kein Startschuss für einen neuen Aufwärtstrend, sondern eine überschießende Zwischenbewegung innerhalb der laufenden Korrektur. Ein feiner, aber entscheidender Unterschied für die Positionierung.
Kommt die Aktie in den kommenden Wochen deutlicher zurück, wäre das für ihn kein Warnsignal, sondern eine Gelegenheit. Für genau diesen Fall ist im Analysepaket der HKCM ein langfristiger Einstieg vorgesehen, um die bestehende Position aufzustocken.
Das Risiko bleibt auf dem Tisch
So spannend das Alternativszenario auch klingen mag, so klar benennt unser Analyst aber auch die Gegenseite. Das Primärszenario sieht weiterhin vor, dass SAP unter das markante Korrekturtief der vergangenen Monate abtaucht. In diesem Fall wäre noch deutlich mehr Abwärtspotenzial vorhanden, bevor der Boden gefunden ist.
„Das muss man wissen, wenn man sich den Titel jetzt anschaut", betont er. Entwarnung gibt es damit noch nicht. Wer hier engagiert ist, sollte die Bandbreite beider Verläufe im Kopf haben und entsprechend in sein eigenverantwortliches Handeln einplanen.
Der Blick nach vorne
Bemerkenswert ist, dass beide Szenarien am Ende in dieselbe Richtung zeigen. Ob die Korrektur nun bereits vorbei ist oder noch eine tiefere Etappe folgt: Danach sollte die Aktie wieder in ihren übergeordneten Aufwärtstrend übergehen. Der Unterschied liegt im Weg dorthin und im Zeitpunkt des Einstiegs.
Übergeordnete Einschätzung zu SAP der HKCM
Fundamental passt das Bild durchaus zusammen. Der Auftragsbestand liefert die Substanz für die kommenden Jahre, während Marge und KI-Monetarisierung kurzfristig für Zweifel sorgen. Beides zusammen erklärt, warum SAP derzeit weit oben auf der Beobachtungsliste steht. Nicht, weil der Ausgang schon feststeht, sondern weil sich hier zwei plausible Verläufe gegenüberstehen.
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