Wäre es Ihnen egal, wenn dieser Text von einer Künstlichen Intelligenz geschrieben worden wäre? Würden Sie ihn genauso gern lesen, wenn kein menschlicher Kopf mit Gefühlen, Gedanken und Zweifeln hinter diesem Artikel stünde, sondern ein selbstlernender Algorithmus, der Emotionen höchstens nach außen hin imitieren kann, seine menschliche Konkurrenz in der technischen Fähigkeit des Schreibens aber schon lange überflügelt hat? Wäre es besser, perfekt austarierte Sätze zu lesen, die ein Computer mithilfe von unzähligen Datensätzen zusammengestoppelt hat – oder wäre Ihnen eine Geschichte lieber, die jemand erzählt, der so ist wie Sie, nämlich menschlich? Zugegeben, das sind sehr philosophische Fragen und vor fünf Jahren hätte man sie wohl als dystopische Hirngespinste abgetan. Soweit aber scheint der Zeitpunkt nicht mehr entfernt zu sein, an dem wir uns genau damit auseinandersetzen müssen – wenn man OpenAI-Geschäftsführer Sam Altman glaubt. Kürzlich präsentierte Altman Ergebnisse einer Studie mit der University of Pennsylvania, der zufolge neben vielen anderen auch Schriftsteller akut durch KI gefährdet seien. Weltweit dürften rund 300 Millionen Jobs betroffen sein. Umso größer ist das wirtschaftliche Potenzial des KI-Sektors, den OpenAI dominiert. Das französische Start-up Mistral und Elon Musk wollen diese Vorherrschaft nun beenden.
Dank ChatGPT: OpenAI ist über $80 Milliarden wert
Im Januar 2023 hatte ChatGPT 100 Millionen Nutzer: Und das nur zwei Monate nach Veröffentlichung des Programms durch seinen Entwickler, das ehemalige Start-up OpenAI. TikTok liegt auf dem zweiten Platz der am schnellsten adaptierten Programme der digitalen Geschichte und brauchte für die magische Marke der 100 Millionen Nutzer neun Monate. Instagram benötige dafür zweieinhalb Jahre, Facebook fast fünf. Mittlerweile hat ChatGPT mehr als 180 Millionen registrierte User, generierte allein im vergangenen Februar mehr als 1.6 Billionen Besuche und ist damit einer der wichtigsten Gründe für OpenAIs neue Bewertung von über $80 Milliarden. Beziffert wurde diese Summe für einen Aktien-Deal mit dem milliardenschweren Risikoinvestor Thrive Capital, der sich vor wenigen Wochen verfügbare Anteile sicherte, die Höhe seines Investments aber nicht bekannt gab. Bei einem ähnlichen Geschäft im Frühjahr letzten Jahres wurde OpenAI noch auf rund $29 Milliarden geschätzt. Der Erfolg des ehemaligen Start-ups steigert die Aufmerksamkeit potenter Investor am KI-Pionier, der aufgrund der turbulenten Entlassung und Wiedereinstellung von CEO Altman im März auch ins Visier der nordamerikanischen Börsenaufsicht geriet. Die Gerichtsverfahren wegen vermeintlicher Irreführung der Anleger und enger Verbindungen zum frühen Mäzen Microsoft scheinen die bekannte Investorin Cathie Wood von Ark Invest nicht zu stören.
Vor einigen Tagen gab der Vermögensverwalter bekannt, mit seinem Ark Venture Fund Anteile von OpenAI zu kaufen und dafür rund vier Prozent des $54 Millionen schweren Fonds aufzubringen. Im Venture Fund finden sich neben OpenAI auch der Fortnite-Entwickler Epic Games und Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX wieder, die ihr satellitenbetriebenes Starlink-Internet nun auch für Handys freischalten will. Elon Musk selbst ist – obwohl er die Firma einst mitgründete – kein großer Fan mehr von OpenAI und sagte Sam Altman und Co. schon mehrfach offen den Kampf an. Sein nächster großer Schachzug trägt den Namen xAI und soll OpenAI in Sachen KI-Innovation zeitnah den Rang ablaufen. xAI wurde schon vergangenes Jahr gegründet, große Schlagzeilen produzierte man bisher aber kaum. Das soll sich mit einer neuen Finanzierungsrunde nun ändern – laut Insider-Berichten will Musk von zahlungskräftigen Investoren ganze $3 Milliarden einsammeln, womit die Bewertung von xAI auf $18 Milliarden anwachsen würde. Als großen Vorteil von xAI bezeichnet Musk in einem geleakten Dokument, dass KI-Programme der Firma mit den Daten der Social-Media-Plattform X, vormals Twitter, trainieren könnten und damit einen entscheidenden Vorteil gegenüber Sprachmodellen anderer Firmen hätten, die nicht über derart große Datensätze verfügen.
Elon Musk und Mistral haben milliardenschwere KI-Pläne
Laut Musk soll Künstliche Intelligenz schon 2025 oder 2026 den menschlichen Intellekt universal übertreffen können. Ausnahmsweise ist sich der ehemals reichste Mann der Welt in diesem Punkt mit OpenAI-CEO Sam Altman weitestgehend einig. Laut einer Studie, die OpenAI mit der University of Pennsylvania durchgeführt hat, werden besonders Jobs gefährdet sein, deren Anforderungsprofil auf dem Sammeln und Auswerten von Daten verschiedenster Art basiert. Konkret werden hier Steuerfachangestellte, Datenmanager und Analysten genannt. Aber auch kreative Arbeiten von Webdesignern oder Schriftstellern sollen stark betroffen sein. Schätzungen der Investment-Bank Goldman Sachs zufolge werde KI weltweit etwa 300 Millionen Jobs obsolet machen, die stärksten Auswirkungen sollen in Industrienationen zu spüren sein, in denen ein Großteil der wirtschaftlichen Wertschöpfung auf geistige Arbeit entfällt. Als verhältnismäßig sicher gelten dagegen körperliche und technische Arbeiten oder etwa der Spitzensport. Kritik bekommt Altman für diese Haltung von einem aufstrebenden Konkurrenten. Medienwirksam warf Arthur Mensch, CEO und Gründer des französischen KI-Entwicklers Mistral seinem Mitbewerber vor, „Gott erschaffen“ zu wollen.
Fragwürdig sei laut Mensch die „religiöse“ Überhöhung der sogenannten Artificial General Intelligence (AGI), also Künstlicher Intelligenz, die menschliche Fähigkeiten in den meisten oder sogar allen kognitiven Belangen übertrifft. Dennoch geht auch Mensch davon aus, dass KI künftig eine ganze Reihe wichtiger Aufgaben übernehmen wird. Gleichzeitig würden aber auch zahlreiche neue Jobs entstehen, um den Einsatz von KI zu überwachen und zu koordinieren. Und hier seien Menschen laut dem Mistral-Geschäftsführer unverzichtbar. Dass die Arbeitslosigkeit wegen autonomen Algorithmen bald explodiert, befürchtet Mensch nicht. Mistral positioniert sich nicht nur ideologisch gegen Sam Altman und dessen KI-Ambitionen. Genauso wie ehemals OpenAI erhielt auch das französische Start-up unlängst fürstliche finanzielle Zuwendungen von Microsoft. Dafür will Mistral, ähnlich wie Elon Musks xAI, eine Finanzierungsrunde abhalten – bäckt dabei aber kleinere Brötchen als der Tesla-Chef. Trotzdem will Arthur Mensch mehrere Hundert Millionen von interessierten Investoren einsammeln und seinem gerade mal ein Jahr alten Start-up eine Bewertung von ganzen $5 Milliarden verschaffen. OpenAI aber schläft auch nicht und verkündete erst künstlich eine Kooperation mit dem Software-Riesen Adobe, um generative KI in dessen weit verbreitete Bild- und Videobearbeitungsprogramme um Photoshop und Premiere Pro zu integrieren. Wie es mit den Aktien von Microsoft, Elon Musks Tesla oder dem neuen OpenAI-Partner Adobe weitergeht, erfahren Sie in den regelmäßigen Analyse-Updates unseres beliebten Tech33-Analysepakets.



