ChatGPT-Hack und Klage von Elon Musk: OpenAI im Kreuzfeuer von SEC und New York Times
#Technologie

ChatGPT-Hack und Klage von Elon Musk: OpenAI im Kreuzfeuer von SEC und New York Times

Author

Simeon Koch

Was waren das für turbulente letzte Wochen bei OpenAI, dem Marktführer für Künstliche Intelligenz? Im vergangenen November feuerte der Vorstand seinen eigenen Geschäftsführer Samuel Altman, der zum Gesicht für OpenAIs Aufschwung vom unbekannten Startup zum KI-Riesen avanciert war. Dann streikten die Mitarbeiter und forderten Altmans Rückkehr, woraufhin die Führungsriege ihre Entscheidung revidierte. Altman selbst hatte zwischenzeitlich bei Microsoft angeheuert, hielt OpenAI dann aber doch die Treue. Die nächste große Innovation, die er als neuer alter Geschäftsführer vorstellen durfte, war vor wenigen Tagen das Videoprogramm SORA, das aus Textbefehlen verblüffend realistische Kurzfilme bastelt. Derweil setzt der große OpenAI-Mäzen Microsoft schon auf den nächsten möglichen Shootingstar der Branche und investiert kräftig in einen französischen Konkurrenten. OpenAI aber schlägt zurück, setzt auf die Entwicklung eines humanoiden Roboters und steigt damit ins Wettrennen mit Teslas Blechkameraden Optimus ein, den Elon Musk in naher Zukunft als Haushaltshelfer auf den Markt bringen will. Die Posse um Altmans Entlassung schien so gut wie vergessen, da platzt die nordamerikanische Börsenaufsicht in die Aufbruchsstimmung bei OpenAI und ermittelt gegen die Führungsriege – der Vorwurf lautet auf Täuschung der Anleger. Zu allem Überdruss wird OpenAI jetzt auch noch von Tesla-Gründer Elon Musk verklagt.

Wurden OpenAI-Anleger von Altman in die Irre geführt?

„Ich habe mich noch nie so sehr auf die Zukunft gefreut wie in diesem Moment“, schrieb Altman bei seiner Rückkehr zu OpenAI, nachdem sich seine Unterstützer gegen den Vorstand durchgesetzt und ihn als CEO reaktiviert hatten. „Ich bin extrem dankbar für die harte Arbeit von allen Beteiligten in einer unsicheren und nie dagewesenen Situation. Und ich glaube, dass uns diese Widerstandsfähigkeit und der Glaube an uns selbst in der Industrie einzigartig macht“. Vielleicht rechnete Altman zu diesem Zeitpunkt schon damit, dass die Behörden früher oder später Aufklärung fordern würden für den kuriosen Zwist an der Führungsspitze des weltweit einflussreichsten KI-Unternehmens. Schließlich sorgte der Vorfall nicht nur bei OpenAI, sondern auch bei Microsoft für Schlagzeilen und Verwirrung: Bekommt der Software-Konzern von Bill Gates wirklich den KI-Pionier Altman? Kehren OpenAI aus Protest die wichtigsten Mitarbeiter den Rücken, wie in einem offenen Brief an den Vorstand angedroht? Oder laufen die Spezialisten des ehemaligen Startups gar zum wichtigsten Investor Microsoft über, der wegen seines Milliarden-Engagements bei OpenAI selbst im Fokus der europäischen und nordamerikanischen Wettbewerbshüter steht?

All diese Fragen dominierten nicht nur internationale Schlagzeilen, sondern auch die Erwägungen von wichtigen Investoren beider Unternehmen. Laut Insider-Informationen untersucht die nordamerikanische Börsenaufsicht (engl.: Securities and Exchange Commission; kurz: SEC) deshalb, ob Altman und weitere Führungskräfte von OpenAI ihre Geldgeber womöglich fahrlässig in die Irre geführt haben. In den letzten Stunden sollen dafür zuständige Ermittler bereits interne Dokumente zur eingehenden Prüfung angefordert haben, um festzustellen, ob sich der Verdacht erhärtet. Dazu wurden einige OpenAI-Mitarbeiter aufgefordert, ihre Nachrichten und E-Mails abzuspeichern und zur Verfügung zu stellen. Die Führungsriege des KI-Unternehmens hatte Sam Altman bereits im November vorgeworfen, wichtige Informationen vorenthalten zu haben, besonders bei der Suche nach Finanzquellen sei er nicht „konsequent offen in seiner Kommunikation gewesen“. Stein des Anstoßes waren laut informierten Quellen Altmans Kontakte zu Investoren aus dem Mittleren Osten für ein KI-Chip-Projekt, über die er den Vorstand nicht vollständig unterrichtet haben soll. Der Vorstand selbst ist seit Altmans Rückkehr und den folgenden personellen Verwerfungen noch gar nicht wieder komplett besetzt und soll in den nächsten Wochen durch neue Mitglieder vervollständigt werden – auch diese Entwicklung beobachten Investoren mit Argusaugen.

Billionen für KI-Chips – Milliarden-Streit mit New York Times

Da sich weder OpenAI oder Altman noch die SEC selbst zu den Ermittlungen äußerten, ist bisher unklar, welche Anklagepunkte der Behörde konkret vorschweben und ob die Ermittlungen gegen den zurückgekehrten Geschäftsführer allein oder den gesamten Vorstand geführt werden. Als Altman in seiner Rede zum Wiederantritt vor seinen Mitarbeitern sagte: „Ich bin mir sicher, dass über diese Zeit Bücher geschrieben werden“, dürfte er sich etwas anderes ausgemalt haben. Umso forscher versucht er nun, die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz bei OpenAI voranzutreiben. Der Mittlere Osten steht dabei einmal mehr im Fokus, laut übereinstimmenden Medienberichten wirbt Altman um billionenschwere Investments für den Bau von Fabriken für KI-Chips und spricht dafür laut Insider-Informationen mit potenten Geldgebern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Plan soll vorsehen, mithilfe einer Finanzspritze von $5 bis $7 Billionen in den nächsten Jahren Dutzende Chipfabriken zu bauen – zum Vergleich: Deutschlands Bruttoinlandsprodukt beträgt rund $4.3 Billionen. Mit dem Projekt will Altman offenbar die milliardenschwere Produktionsfirma Taiwan Semiconductor Company (TSMC) betrauen, die mit 56 Prozent Marktanteil im Bereich der weltweiten Chip-Auftragsfertigung unangefochtener Marktführer ist. Laut einer Sprecherin habe OpenAI „produktive Gespräche über den Ausbau der globalen Infrastruktur und der Lieferketten für Chips, Energie und Rechenzentren geführt“. Auch der Chip-Gigant Nvidia, der gerade um den wichtigen Absatzmarkt China kämpft, baut auf Produkte von TSMC.

Mit den Behörden werde man in allen Belangen eng zusammenarbeiten, versicherte OpenAI: „Wir werden die US-Regierung angesichts der Bedeutung für die nationalen Prioritäten weiter auf dem Laufenden halten und freuen uns darauf, zu einem späteren Zeitpunkt weitere Details mitzuteilen.“ Klarheit will OpenAI auch im Rechtsstreit mit der New York Times und anderen großen Medienhäusern schaffen. Mehrere Klagen prasselten bereits auf den ChatGPT-Entwickler ein: Mächtige Zeitungen fordern die Vernichtung wichtiger Datensätze, die mit journalistischen Leistungen ihrer Angestellten und damit ihrem geistigen Eigentum trainiert wurden. Dabei steht die Befürchtung im Raum, dass KI-Modelle journalistische Arbeit nicht nur verdrängen könnten, sondern auch urheberrechtlich geschützte Inhalte stehlen und kopieren könnten. An vorderster Front werfen die New York Times dem Software-Riesen Microsoft und seinem Schützling OpenAI vor, Millionen Artikel rechtswidrig verwendet und damit einen Schaden in Milliardenhöhe verursacht zu haben. Im Vorfeld der Klage waren Gespräche über Lizenzvereinbarungen gescheitert. Mit dem deutschen Verlag Axel Springer, dem nicht nur die BILD, sondern auch die WELT und viele wissenschaftliche Publikationsreihen angehören, handelte OpenAI im Dezember einen vergleichbaren Vertrag aus und bezahlt für die Nutzungsrechte mehrere 10€ Millionen im Jahr.

ChatGPT-Hack? Elon Musk fühlt sich von OpenAI betrogen

OpenAI bezichtigt die New York Times im Gegenzug, ChatGPT gehackt zu haben, damit der Chatbot Artikel hinter der Paywall hervorholt und sich damit selbst kompromittiert. Die Verteidigung sprach von einem Bug und zehntausenden koordinierten Versuchen, um „höchst ungewöhnliche“ Resultate zu erzielen, das gleiche einem „Auftragskiller“: „Normale Menschen benutzen die Produkte von OpenAI nicht so.“ Die Anwälte der Times halten dagegen, dass es „bizarr“ sei, ihre Recherche als Hacking zu bezeichnen. Es sei nur darum gegangen, „nach Beweisen dafür zu suchen, dass sie die urheberrechtlich geschützten Werke der Times gestohlen und reproduziert haben“. Und als hätte OpenAI vor Gericht nicht schon alle Hände voll zu tun, ist die Klägerliste jetzt um einen sehr prominenten Namen länger geworden: Am Donnerstag reichte Elon Musk in San Francisco Klage gegen OpenAI ein.

Sam Altman und Co. haben laut Musks Anwälten ihr wichtigstes Versprechen gebrochen: „Bis heute wird auf der Webseite von OpenAI behauptet, dass ihre Charta sicherstellen soll, dass KI der gesamten Menschheit zugutekommt. In Wirklichkeit wurde OpenAI in eine geschlossene Plattform umgewandelt und ist de facto eine Tochtergesellschaft des größten Technologieunternehmens der Welt: Microsoft." 2015 hatte Musk OpenAI mitgegründet und eigenen Angaben nach $44 Millionen zur Verfügung gestellt. Musks Klage wird erst bearbeitet, der Ausgang all dieser Gerichtsverfahren dürfte zukunftsweisend für die KI-Forschung sein. Der Fortschritt in Sachen Künstlicher Intelligenz scheint trotzdem kaum aufhaltbar. Wie sich die Aktien der KI-affinen Tech-Riesen schlagen und wann man am besten investiert, erfahren Sie in unserem TECH33-Paket. Mit von der Partie sind etwa der KI-Mäzen Microsoft, der ab sofort verstärkt an selbstlernenden Algorithmen tüftelnde iPhone-Hersteller Apple oder Nvidia, das mit fulminanten Geschäftszahlen kürzlich für Furore und neue Allzeitrekorde an der Börse sorgte.

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.