Machtkampf bei Tesla? Musk will mehr Macht
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Machtkampf bei Tesla? Musk will mehr Macht

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Simeon Koch

Am Sonntag postete Elon Musk bei X, vormals Twitter, ein Video, das den humanoiden Tesla-Roboter Optimus beim Wäschefalten zeigt. Die Bewegungen sind hölzern, aber präzise, scheinen ohne äußere Hilfe auszukommen. Das Video verbreitete sich in Windeseile auf der Plattform, Investoren feierten den vermeintlichen Durchbruch. Bis Musk einräumte, dass Optimus bei diesem kleinen Kunststück ferngesteuert gewesen sei – und hinterherschob, er fordere von nun an mehr Mitspracherecht bei Tesla, weil er sich sonst mit der Entwicklung Künstlicher Intelligenz im Unternehmen nicht wohlfühle. Künftig wolle er 25 Prozent Stimmrecht, was seinen Einfluss verdoppeln würde. Kritiker wittern manipulatives Verhalten und werfen Musk vor, die Aktionäre unter Druck zu setzen. Musk selbst reagiert derweil gewohnt lapidar – und vergleicht seine Situation mit Mark Zuckerberg bei Meta.

Wird die KI-Schiene ausgegliedert?

„Ich fühle mich nicht wohl, Tesla zu einem Marktführer in KI und Robotik zu machen, ohne rund 25 Prozent Entscheidungsgewalt innezuhaben“, schrieb Musk am Sonntagvormittag in einem X-Posting. Im Moment hält Musk noch rund 13 Prozent der Tesla-Aktien, nachdem er 2022 Anteile in Milliardenhöhe liquidiert hatte, um Twitter zu kaufen. Ein Machtmonopol wolle er damit nicht schaffen, beteuerte er. Das geforderte Viertel des Stimmrechts sei „genug, um einflussreich zu sein“, solle aber nicht verhindern, „dass ich überstimmt werden kann“. In diesem Punkt unterstützten ihn viele Fans und Investoren auf Twitter, schließlich gilt Musk als durchaus kompetent im Bereich der Künstlichen Intelligenz und forderte in der Vergangenheit mehrfach effiziente Regulierung entsprechender Technologien. Nach dieser ohnehin schon kontroversen Einleitung folgte im Posting dann allerdings der Teil, der auf harschen Gegenwind stieß.

So schrieb der reichste Mann der Welt über seine Forderung eines verdoppelten Mitspracherechts: „So lange das nicht der Fall ist, bevorzuge ich, entsprechende Produkte außerhalb von Tesla zu bauen“ und wies darauf hin, dass „Tesla nicht ein Startup ist, sondern ein Dutzend“. Somit verfüge er über zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, KI-Anwendungen zu produzieren, ohne sie der unmittelbaren Entscheidungsgewalt des Mutterkonzerns zu unterstellen. Kritiker warfen Musk daraufhin vor, Investoren unter Druck zu setzen und ihnen keine Wahlfreiheit zu lassen – schließlich basiere der Wert des Unternehmens auf den weitreichenden Versprechungen, die Musk in der Vergangenheit in Richtung autonomen Fahrens und fortgeschrittener Robotik mithilfe von Künstlicher Intelligenz gegeben habe. Werde diese Sparte nun ausgegliedert, könne das zu drastischen Kursverlusten führen. Auch wurde von Beobachtern ein nun ausbrechender Machtkampf im Vorstand vermutet.

Laut Musk kein Machtkampf bei Tesla

Diesen Theorien versuchte Musk umgehend einen Riegel vorzuschieben: „Ich sollte anmerken, dass das Tesla-Board ausgezeichnet ist“, schrieb er ein paar Stunden nachdem die Spekulation über Zerwürfnisse in der Führungsetage auf X entbrannt war. Der Grund für seinen Vorstoß sei, dass im 2018 eröffneten Gerichtsverfahren um ein vor Jahren beschlossenes und zwischenzeitlich berühmt gewordenes Vergütungspaket noch kein Urteil gesprochen sei. Das von Anteilseignern beklagte Paket sah vor, dass Musk mit wachsender Marktkapitalisierung weitere Firmenanteile in Milliardenhöhe als Boni für erreichte Ziele erhalten sollte – inklusive der damit einhergehenden Stimmrechte. Bei gewissen Anstiegen der Marktkapitalisierung würde sich sein Anteil am Unternehmen laut diesem Plan von damals 22 auf ganze 28 Prozent steigern. Laut einschlägigen Informationen sollen alle im Plan beinhalteten Meilensteine bereits erreicht sein.

Weil dieses Gerichtsverfahren aber andauert, will Musk nun auf anderem Wege für vollendete Tatsachen sorgen: „Wenn ich 25 Prozent habe, heißt das, ich bin einflussreich, kann aber überstimmt werden“. Zum aktuellen Zeitpunkt „mit 15 Prozent oder weniger“ mache es der niedrigere notwendige Anteil, um seine Interessen auszuhebeln „leichter für dubiose Interessen, die Macht zu übernehmen“. Infrage käme für ihn auch eine sogenannte Zwei-Klassen-Struktur im Stimmrecht, allerdings sei dies nach erfolgtem Börsengang für Tesla rechtlich nicht mehr möglich. Eine solche Struktur sieht verschiedene Stimmrechte für bestimmte Shareholder-Gruppen vor, etwa größeren Einfluss für Gründer oder frühe Investoren.

Tesla-Vorstand schweigt – und wird von Musk gelobt

Mit Blick auf Mark Zuckerbergs Macht im Meta-Konzern ließ Musk verlauten: „Es ist seltsam, dass eine verrückte Mehrklassenaktienstruktur wie bei Meta, die den nächsten 20 Generationen der Zuckerbergs die Kontrolle gibt, vor dem Börsengang in Ordnung ist, aber selbst eine vernünftige Zweiklassenstruktur nach dem Börsengang nicht erlaubt ist“. Von Tesla kam zu der Angelegenheit vorerst keine Stellungnahme. Angesprochen auf eine mögliche Auseinandersetzung mit der Tesla-Führung wiegelte Musk am Montag erneut ab und schrieb lakonisch auf X: „Überhaupt kein Streit oder Machtkampf. Das Tesla-Board ist hervorragend.“ Über seine Pläne einer KI-Ausgliederung ließ Musk sich vorerst nichts mehr entlocken. Dabei ist genau die am interessantesten an der ganzen Geschichte. Schließlich bewerten viele Analysten die von Tesla entwickelten autonomen Technologien als Treiber für die Börsenbewertung des E-Auto-Riesen.

Genannt werden dabei nicht nur Algorithmen für autonomes Fahren oder der wäschefaltende humanoide Roboter Optimus, sondern auch der Tesla-Supercomputer Dojo, der dafür gebaut wurde, KI-Modelle zu trainieren: Im September schätzte Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas, dass ebenjener Dojo den Marktwert des Unternehmens in Zukunft um fast $600 Milliarden steigern könnte. Entsprechend spannend wird die weitere Entwicklung der Tesla-Aktie, die Teil unseres beliebten Tech33-Pakets ist und dort regelmäßig analysiert wird – inklusive lukrativer Zielzonen für Käufe oder Trading-Positionen. Für unsere Abonnenten – unabhängig vom gebuchten Markt – ist zudem aktuell der HKCM-Sonderbericht über den US-Markt mit exklusiven Einblicken und Prognosen für das kommende Jahr verfügbar.

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Simeon Koch

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