Die jüngste Krypto-Korrektur ist eigentlich ein unwürdiger Schlusspunkt für dieses Jahr. Und doch fügt sie sich nahtlos in das Gesamtbild ein. Eine Explosion der Euphorie, neue Allzeithochs und Schwups wieder runter, bis Neulinge zähneknirschend kapitulieren. Trotz der heftigen Abverkäufe kurz vor Weihnachten war 2024 historisch für den Kryptomarkt. Viele sprechen vom wohl markantesten Jahr in der Bitcoin-Geschichte. Wie es historische Ereignisse aber so an sich haben, hat 2024 denjenigen, die hautnah dabei waren, alles abverlangt. Frenetische Höhen, verzweifelte Tiefen und zwischendurch nervenzerreibende Langeweile. Extreme, die man lieben und vor allem aushalten können muss.
Wer standhaft geblieben ist und seine Überzeugung trotz all der Stürme in den letzten Monaten nicht verloren hat, konnte nicht nur deutliche Kursgewinne verbuchen, sondern auch wertvolle Lektionen lernen. Dank ihrer unregulierten Natur potenzieren Bitcoin und Altcoins all das, was die traditionellen Finanzmärkte ausmacht: Volatilität, Emotionen und lehrreiche Erfahrungen. Allerdings nur für diejenigen, die entschlossen und mutig genug sind, die rauen Seiten auszuhalten. Das Jahr 2024 hat diese Erkenntnis auf den Punkt gebracht: Am Ende gewinnen diejenigen, die durchhalten und kluge Entscheidungen treffen, während andere von Panik oder Übermut geblendet werden. Lassen Sie uns also gemeinsam zurückblicken auf ein historisches Jahr – vielleicht das wichtigste in der Krypto-Geschichte.
2024 brachte die Bitcoin-ETFs…
Das Jahr war noch keine zwei Wochen alt, da lieferte es den ersten Paukenschlag – und was für einen: Am 10. Januar wurden in den Vereinigten Staaten offiziell die ersten börsengehandelten Spot-ETFs zugelassen, die den Bitcoin-Preis in Echtzeit abbilden. Für die Adaption von Kryptowährungen im institutionellen Rahmen und auf dem breiten Börsenparkett war das ein historischer Meilenstein. Schließlich war es ab diesem Zeitpunkt auch für technisch wenig versierte Kleinanleger und vor allem für Großinvestoren wie Versicherungen und Pensionsfonds möglich, die größte Kryptowährung über regulierte Anlagevehikel zu kaufen und zu verwahren.
Grund zum Feiern gab es auch bei Coinbase: Die US-Börse war schon in den ETF-Anträgen der vorangegangenen Monate zum offiziellen Verwahrer der Bitcoin-Bestände bei den größten ETF-Anbietern um BlackRock ausgewählt worden. Die offizielle ETF-Genehmigung der SEC zementierte dann die rosigen Aussichten: Coinbase würde milliardenschwere Bitcoin-Bestände für die größten institutionellen Investoren verwahren und dabei kräftig mitverdienen. Die Nachfrage nach der Coinbase-Aktie stieg sprunghaft – nicht ohne Grund, wie sich bald herausstellen sollte.
Schon zum Handelsstart verzeichneten die Bitcoin-ETFs historische Bestmarken und erreichten in Rekordzeit die magische Marke der zehn Milliarden Dollar. Damit aber nicht genug: Es dauerte nur bis Anfang November, bis der IBIT-Fonds von BlackRock den hauseigenen Gold-ETF überflügelte. Damit hatte Bitcoin – zumindest bei BlackRock – in weniger als einem Jahr geschafft, wofür die Gold-ETFs mehr als 20 Jahre gebraucht hatten. MicroStrategy kann darüber nur müde lächeln. Mittlerweile hält das Unternehmen von Michael Saylor fast eine halbe Million Bitcoin, hatte damit einen großen Anteil am Kaufdruck der zweiten Jahreshälfte und ruft zahlreiche Kritiker auf den Plan. Aber selbst das ist nur eine der vielen Geschichten dieses vollgepackten Krypto-Jahres.
Wie der Kryptomarkt aber nun mal ist, passierte zunächst erstmal das genau Gegenteil dessen, was jeder nach der ETF-Euphorie erwartet hatte: Anstatt auf neue Rekordhöhen zu marschieren, korrigierten Bitcoin und die Altcoins erstmal deutlich. Nachdem der Bitcoin am Tag nach der ETF-Zulassung fast an den 50 000 US-Dollar gekratzt hatte, ging es in den zwei Wochen danach mehr als 20 Prozent bergab. Als der Preis in den letzten Januartagen zurück unter 40 000 Dollar fiel war die Panik groß – und wieder einmal war die Angst im Markt der beste Indikator für einen lokalen Boden.
… und eine historische Pleiten-Serie für die SEC
Der Rest ist Geschichte: Von Ende Januar bis Mitte März ging es für den Bitcoin schlappe 90 Prozent nach oben und damit auf ein neues Allzeithoch oberhalb der 70 000 Dollar – so früh wie nie zuvor im Rhythmus der bisherigen Vierjahreszyklen. Filmreif war aber nicht nur diese Kursbewegung, denn während Bitcoin seine erste große Bullenmarkt-Rallye durchlief, ging es innerhalb der traditionell kryptokritischen US-Börsenbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) heiß her.
Jahrelang hatte sich der nun scheidende SEC-Chef Gary Gensler mit Händen und Füßen gegen Krypto-ETFs gewehrt – musste sich dem Druck der großen Player um BlackRock und Co. am Ende aber beugen. Viel zu spät allerdings, da waren sich viele von Genslers Kollegen einig. SEC-Kommissarin Hester Peirce kritisierte ihren Chef ebenso harsch wie öffentlich: Es sei eine Schade, dass man mit dem Bitcoin-ETF so lang gewartet habe, „bis uns ein Gericht dazu zwang“. Hintergrund war der Gerichtsprozess der SEC gegen den Krypto-Vermögensverwalter Grayscale, der schon vor Jahren einen ETF aufsetzen wollte, aber immer wieder von der Behörde daran gehindert wurde.
Grayscale klagte schließlich und bekam im August 2023 vor einem Berufungsgericht in den Vereinigten Staaten Recht: Laut den zuständigen Richtern war die Weigerung der SEC nicht rechtskonform, das strikte ETF-Verbot wurde annulliert. Das war zwar noch keine Zulassung, der Widerstand aber bröckelte bereits merklich. So weit hätte es aber gar nicht kommen dürften, unterstrich Hester Peirce im Januar: Die jahrelange rechtswidrige ETF-Ablehnung werde den Ruf der SEC „weit über die Krypto-Welt hinaus schädigen“, konstatierte Peirce. Außerdem habe man „durch das Nichtbefolgen unserer normalen Standards und Prozesse bei der Betrachtung von Spot-Bitcoin-ETFs eine künstliche Hysterie um sie herum geschaffen“.
Hätte man Bitcoin behandelt, „wie es bei anderen vergleichbaren Produkten üblich ist, hätten wir die zirkusähnliche Atmosphäre, in der wir uns jetzt befinden, vermeiden können“, schloss Peirce ihr vernichtendes Urteil über die Versäumnisse ihrer eigenen Behörde. Damit begann für die SEC eine historische Serie von Niederlagen, die das Jahr 2024 prägte: Erst zog die Behörde in einem wichtigen Gerichtsverfahren gegen Coinbase den Kürzeren, holte sich vor Gericht gegen den Metamask-Entwickler Consensys ein blaues Auge – und musste schließlich mitansehen, wie der jahrelange Rechtsstreit um die Wertpapier-Frage von XRP sehr zugunsten von Ripple ausging. Dabei ist die Zulassung der Ethereum-ETFs noch gar nicht eingerechnet.
Donald Trump und die magischen 100K
Freilich war die Zulassung der Ethereum-ETFs keine besonders herbe Niederlage für die SEC – überraschend kam sie trotzdem. Während die Bitcoin-Fonds den institutionellen Zugang zum Kryptomarkt revolutionierten und damit das zentrale Narrative des aktuellen Bullruns setzten, fügten die Ethereum-ETFs dieser Story das nächste, mindestens genauso wichtige Kapital hinzu. Im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft zwischen Donald Trump und Joe Biden respektive später Kamala Harris waren Kryptowährungen so präsent wie nie zuvor. Und im Zentrum stand neben Bitcoin vor allem der Streit um die Ethereum-ETFs, den Donald Trump nutzte, um Druck auf seinen Kontrahenten auszuüben.
Der Kryptomarkt wurde zum Politikum, ebenso wie die Frage, ob Kryptowährungen nun illegale Wertpapiere sind, oder nicht. Jahrelang hatte die SEC hier eine harte Linie gefahren – Donald Trump versprach nun aber, dem „Krypto-Kreuzzug von Joe Biden und Kamala Harris“ zu beenden, wie er es selbst bei seinem denkwürdigen Auftritt bei der diesjährigen Bitcoin-Konferenz formulierte. „Verkaufen Sie nie Ihre Bitcoin“, rief Trump der johlenden Menge im Juni von seinem Rednerpult auf der Bitcoin-Bühne in Nashville aus zu und sicherte sich damit die Unterstützung der Community.
Natürlich waren Trumps Bitcoin-Versprechen nicht der Hauptgrund für seine erneute Wahl zum US-Präsidenten nach seinem ersten Sieg gegen Hillary Clinton 2016. Einige Stimmen dürften ihm seine großen Ankündigungen über deine milliardenschwere strategische Bitcoin-Reserve, Steuerfreiheit für Investitionen in US-amerikanische Krypto-Projekte oder regulatorische Freiheiten für Altcoins aber eingebracht haben. Entsprechend euphorisch reagierte der Markt Anfang November über Trumps Wahlerfolg.
Bei Bekanntwerden der ersten Ergebnisse brach Bitcoin auf ein neues Allzeithoch aus und verließ damit die quälend lange Seitwärtsphase des Sommerlochs. In diesem Jahr stellte Bitcoin nämlich nicht nur positive Rekorde auf: Die sechsmonatige Korrektur nach dem ersten Top im März war eine der längsten überhaupt in einem Halving-Jahr. Der ganze Frust der zähen Sommermonate war aber spätestens vergessen, als Bitcoin dann Anfang Dezember zum ersten Mal in seiner Geschichte die magische Marke der 100 000 US-Dollar durchstieß.
Wird 2025 noch viel besser?
Wir blicken also zurück auf ein Jahr, das für den Kryptomarkt in vielfacher Hinsicht historisch war. Und dabei haben wir noch gar nicht vom Altcoin-Sektor angefangen, der seine ganzen eigenen Geschichten zu erzählen hatte: Angefangen beim vermeintlichen Memecoin-Superzyklus, über die großen Projekte von Cardano und Ripple, die KI-Revolution von Render oder den Hype um Real World Assets, in dem Chainlink oder Hedera Hashgraph eine große Rolle spielen. Doch trotz all dieser Entwicklungen bei kleineren Kryptowährungen stand Bitcoin in diesem Jahr unangefochten im Rampenlicht – nicht zuletzt belegt durch die stetig wachsende BTC-Dominanz.
Könnte 2025 nun das Jahr der Altcoins werden? Zumindest mit Blick auf die letzten Zyklen deutet vieles darauf hin: Traditionell performen Altcoins im Frühjahr eines Post-Halving-Jahres (diesmal also 2025) deutlich besser als Bitcoin, während BTC das Halving-Jahr (in diesem Jahr 2024) dominiert. Außerdem dürfte ein weiterer wichtiger Faktor dem Altcoin-Sektor im nächsten Jahr in die Karten spielen, und zwar die globale Liquidität. Zwar hat die US-Notenbank Federal Reserve kürzlich erst für einen heftigen Abverkauf gesorgt, indem sie sich auf striktere Geldpolitik verlegte – die künftige Lockerung der Zinszügel ist aber vorgezeichnet. Und damit möglicherweise ein goldenes Jahr für Altcoins.


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