Die Euphorie um Ethereum ist zurück, nachdem sich die Chancen auf eine Spot-ETF-Zulassung über Nacht vervielfacht haben sollen. Lange zog sich die jüngste Korrekturphase, besonders der Altcoin-Sektor wurde so hart getroffen wie seit einem Jahr nicht mehr. Die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum schien in den vergangenen Wochen langsam auszubluten. Allein vom bisherigen Jahreshoch am 12. März bis Mitte Mai büßte ETH mehr als $1000 an Kurswert und fast $150 Milliarden an Marktkapitalisierung ein – das entspricht nahezu dem doppelten Wert der Solana-Blockchain. Während an den traditionellen Börsen letzte Woche fast $950 Millionen in Bitcoin-Fonds flossen, rutschten Ethereum-Anlageprodukte mit einem Minus von $23 Millionen in die roten Zahlen. Auf Monatsebene war der Verlust doppelt so groß. Getrieben war die Anlegerflucht wohl vom wachsenden Pessimismus rund um die nahende Entscheidung über Spot-ETFs für Ethereum. In den letzten Stunden schlug die Stimmung plötzlich um: Namhafte ETF-Analysten erwarten nach Insider-Leaks eine Zulassung, die ETH-Nachfrage explodiert. Sollte die Börsenaufsicht in den USA übermorgen die ersten ETH-Spot-ETFs zulassen, wäre das ein Paradigmenwechsel für den gesamten Altcoin-Sektor. Und ausgerechnet Joe Bidens bisherige Krypto-Skepsis könnte die Chancen dafür erhöhen.
Ethereum-ETFs werden „politische Angelegenheit“
Bitcoin ist kein Wertpapier! Das war die unzweideutige Botschaft von Gary Gensler, dem Vorsitzenden der nordamerikanischen Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission; kurz: SEC) in seiner Stellungnahme zur Genehmigung der ersten Bitcoin-Spot-ETFs im Januar. Das sei zwar kein Urteil „über den Status anderer Krypto-Assets“, betonte Gensler, schließlich handle es sich „bei der großen Mehrheit der Blockchain-Währungen um Fälle für das Wertpapier-Gesetz“. Und dennoch machte sich unter Ethereum-Befürwortern Optimismus breit – Spot-Anlagefonds für Ethereum und damit milliardenschwere Zuflüsse von der traditionellen Börse schienen auch für die zweitgrößte Kryptowährung nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die Vorfreude aber verebbte rasch, der bekannte ETF-Analyst Eric Balchunas korrigierte die Wahrscheinlichkeit für ETH-ETFs in den zurückliegenden Wochen kontinuierlich nach unten und bezeichnete sie noch vor wenigen Tagen als „verschwindend gering“. Zwar beließ Balchunas seine Schätzung vorerst bei 25 Prozent Wahrscheinlichkeit – verglichen mit den mehr als 90 Prozent, mit denen der Bloomberg-Analyst den Bitcoin-ETF vorhergesagt hatte, klang das aber nach der Erwartung einer nahezu sicheren Ablehnung durch die SEC. Zu wenig schien die Börsenaufsicht mit den Antragsstellern zu kommunizieren.
In den Wochen vor der Genehmigung der Bitcoin-ETFs hatten sich Vertreter der SEC und hochrangiger Vermögensverwalter um BlackRock, Fidelity und Ark Invest getroffen, um wichtige Eckpfeiler der ETF-Anträge zu diskutieren und anzupassen. Immer wieder gelangten Indizien für fortgeschrittene Verhandlungen an die Öffentlichkeit – und die fehlten im Vorfeld der finalen Deadline für die Entscheidung über ETH-ETFs an diesem Donnerstag nahezu vollkommen. Das allerdings änderte sich in der Nacht auf Dienstag schlagartig. Am gestrigen Abend schrieb Eric Balchunas auf X, vormals Twitter: „Update: James Seyffart und ich erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Zulassung der ETH-ETFs auf 75 Prozent (von zuvor 25 Prozent)“. Auslöser seien „Gerüchte von heute Nachmittag, dass die SEC eine 180-Grad-Wende vornehmen könnte“, wobei es sich dabei „zunehmend um eine politische Angelegenheit“ handle. Laut Balchunas habe diese Neuigkeit den Markt auf dem falschen Fuß erwischt – schließlich spiegelte sich die Erwartung der Ablehnung bereits seit Wochen in der gedämpften Stimmung unter Ethereum-Investoren wider. Bei der Entscheidung steht die SEC mit dem Rücken zur Wand. Am Donnerstag läuft die letzte Deadline für den ersten ETH-ETF-Antrag des Vermögensverwalters VanEck aus, die Börsenaufsicht hatte ihre Entscheidung – genau wie beim Bitcoin-ETF – bisher mehrfach vertagt.
Joe Biden braucht Stimmen – und den ETH-ETF?
Am 9. April hatte VanEck-Geschäftsführer Jan van Eck in einem Interview offen angezweifelt, dass der eigene ETF-Antrag akzeptiert würde. Der Vermögensverwalter Grayscale, dessen Bitcoin-ETF GBTC durch milliardenschwere Abflüsse traurige Berühmtheit erlangte, zog seinen Antrag vor knapp zwei Wochen sogar vollständig zurück. Beobachter spekulierten, dass Grayscale von der SEC bereits eine inoffizielle Absage erhalten hätte und sich das öffentliche Scheitern des eigenen Antrags durch den freiwilligen Rückzug ersparen wollte. Diese Sorgen scheinen sich wegen des erwarteten Richtungswechsels der SEC nun in Wohlgefallen aufzulösen – und das, wie Eric Balchunas in seinem Tweet andeutete, wohl vor allem aus politischen Gründen. Vor wenigen Tagen stimmte das nordamerikanische Parlament gegen einen Gesetzesentwurf, der es Banken und institutionellen Anlegern erschwert hätte, mit Kryptowährungen zu handeln. Der amtierende Präsident Joe Biden deutete zwar an, von seinem Veto-Recht Gebrauch zu machen und die Entscheidung eigenmächtig zu kippen, das allerdings wäre wohl eine äußerst unpopuläre Entscheidung.
Mit Blick auf die im November anstehende Präsidentschaftswahl, wo Biden sich voraussichtlich einmal mehr gegen Donald Trump behaupten will, könnte sich eine Fortsetzung der kryptoskeptischen Marschrichtung fatal auswirken. Und dass Biden bereit ist, seine politische Agenda an seinen potenziellen Wählern auszurichten, zeigte sich in den letzten Monaten bereits im kontrovers diskutierten Exportstopp für Flüssiggas und der jüngst beschlossenen Neubewertung von Cannabis auf Bundesebene. Trump äußerte sich in den letzten Wochen mehrfach positiv mit Blick auf den Krypto-Markt, was Biden zusätzlich unter Druck setzt. Sollte die SEC am Donnerstag tatsächlich die ersten ETH-ETFs durchwinken, würde das für den Altcoin-Sektor aus gleich mehreren Gründen eine kleine Revolution bedeuten. Zum ersten Mal bekäme der traditionelle Finanzmarkt dadurch unmittelbaren Zugang zum Spot-Handel mit dem Altcoin-Marktführer Ethereum. Das würde nicht nur potenzielle Zuflüsse in Milliardenhöhe bei ETH, sondern auch eine Neubewertung des gesamten Altcoin-Sektors in der öffentlichen Wahrnehmung bedeuten.
Ist Ethereum ein Wertpapier? Und wenn schon!
Eine ETF-Zulassung käme zwar nicht der Bestätigung gleich, dass Ethereum kein Wertpapier ist – würde im Zweifelsfall aber bedeuten, dass diese Frage gar keine so große Rolle für mögliche Altcoin-Anlageprodukte spielt wie bisher angenommen. Diesen Standpunkt vertritt auch BlackRock-CEO Larry Fink, der erst Ende März in einem Interview betonte, dass ein ETH-ETF auch möglich sei, wenn Ethereum als Wertpapier eingestuft werde. Rückt die Wertpapier-Frage beim behördlichen Umgang mit Altcoins in den Hintergrund, würde das einen Paradigmenwechsel bedeuten: Die aktuell größte Hürde für Altcoin-ETFs wäre damit ausgeräumt. Für den börslichen Handel muss die SEC etwaige Ethereum-ETFs am Donnerstag aber noch nicht zulassen. Die dafür notwendigen Dokumente haben eine längere Bearbeitungsfrist. Die vorläufige Zulassung würde als Symbol aber bereits ausreichen, um die Euphorie im Krypto-Markt neu zu befeuern. Der Markt wurde positiv überrascht – und reagierte entsprechend explosiv. Wie es mit den Preisen von Ethereum und den wichtigsten Altcoins rund um Solana, Polkadot und Chainlink weitergeht, erfahren Sie regelmäßig und topaktuell in den Updates unseres beliebten Altcoin-Pakets.





