Anschnallen, Bitcoin! Diese Woche wird wild
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Anschnallen, Bitcoin! Diese Woche wird wild

Author

Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Kryptomarkt blickt nervös auf die CLARITY-Abstimmung am Dienstag.
  • FOMC-Meeting am Mittwoch trifft auf hartnäckige Inflation und steigende Ölpreise.
  • Am Freitag folgt die Bank of Japan mit einem womöglich folgenschweren Zinsentscheid.

Guten Morgen!

Für Bitcoin und die internationalen Finanzmärkte steht eine ungewöhnlich ereignisreiche Woche bevor. Am Dienstag entscheidet der US-Senat zunächst über die Fortsetzung der Beratungen zum CLARITY Act, am Mittwoch folgt der Zinsentscheid der Federal Reserve. Während die Krypto-Branche auf einen möglichen regulatorischen Durchbruch hofft, sorgen zugleich steigende Ölpreise, hartnäckige Inflation und neue Warnungen aus der KI-Branche für zusätzliche Unruhe.

Besonders beim CLARITY Act hat sich die Ausgangslage in den vergangenen Stunden überraschend verändert. Die Republikaner haben einen überarbeiteten Gesetzentwurf vorgelegt, der zahlreiche Forderungen der Demokraten aufnimmt. Gleichzeitig hat US-Präsident Donald Trump den geplanten Ethik-Regeln offenbar zugestimmt. Damit könnte die entscheidende Hürde am Dienstag plötzlich näher rücken. Für Bitcoin ist das wichtig – doch der Markt muss gleichzeitig auf die Fed blicken.

CLARITY Act: Plötzlich steigen die Chancen wieder

Der US-Senat stimmt am Dienstag, dem 15. September, über ein sogenanntes Cloture-Votum zum CLARITY Act ab. Dabei geht es noch nicht um die endgültige Verabschiedung des Gesetzes, sondern darum, ob die Beratungen über die aktuelle Fassung beginnen können. Dafür sind 60 Stimmen erforderlich. Die Republikaner verfügen über 53 Sitze, weshalb mindestens sieben Demokraten oder unabhängige Senatoren zustimmen müssen.


Am morgigen Dienstag stimmt der US-Senat über den neuen CLARITY-Entwurf ab. Die Neuerungen haben es in sich.


Die neue Fassung enthält nach Angaben der republikanischen Senatoren Cynthia Lummis, John Boozman und Tim Scott insgesamt 126 substanzielle Änderungen gegenüber dem bisherigen Entwurf. Besonders wichtig sind dabei die von Demokraten geforderten Ethikregeln. Sie sollen unter anderem Präsident, Vizepräsident, Kongressmitglieder, bestimmte Bundesbedienstete und deren Ehepartner bei Geschäften mit Kryptowährungen deutlich stärker einschränken.

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Auch Donald Trump hat sich laut Berichten grundsätzlich mit diesen Einschränkungen einverstanden erklärt. Hintergrund sind die politischen Diskussionen um die umfangreichen Krypto-Aktivitäten des Präsidenten und seiner Familie. Die neuen Regeln sollen Interessenkonflikte bei Amtsträgern begrenzen. Bemerkenswert ist dabei, dass die Beschränkungen nicht in gleicher Form für andere Familienmitglieder wie Kinder gelten sollen. Genau diese Ethik-Frage war zuletzt einer der größten Streitpunkte.

Die Reaktion des Wettmarktes zeigt, wie stark sich die Einschätzung innerhalb weniger Stunden verändert hat. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der CLARITY Act noch in diesem Jahr als geltendes Recht beschlossen wird, lag bei Polymarket zuletzt nur bei rund zwölf Prozent. Nach der Überarbeitung durch die Republikaner sprang sie auf rund 30 Prozent. Mitte Februar hatte der Wert noch über 80 Prozent erreicht, bevor er bis zum Tief Ende August stetig gefallen war.

...und dann die Fed: Inflation macht Bitcoin nervös

Ein erfolgreiches CLARITY-Votum am Dienstag wäre noch nicht der endgültige Durchbruch. Danach müssten weitere Beratungen und die finale Abstimmung im Senat folgen. Auch das Repräsentantenhaus muss die Senatsfassung behandeln. Das Zeitfenster dafür ist eng: Die Senatoren verlassen Washington Anfang Oktober, Anfang November stehen die Midterm-Wahlen an. Die Abstimmung am Dienstag ist also eine wichtige Richtungsentscheidung – genau wie die FOMC-Sitzung am nächsten Tag.


Kevin Warsh steckt im Zwiespalt: Trump fordert eine Zinssenkung, aber die Inflation ist hoch. Der Markt erwartet eine Zinsanhebung.


Denn nur rund 24 Stunden später folgt der zweite große Termin. Die Federal Reserve veröffentlicht am Mittwoch um 20:00 Uhr deutscher Zeit ihren Zinsentscheid. Nach dem jüngsten Anstieg der Inflation rechnet der Markt inzwischen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit aktuell bei rund 87 Prozent – vor den jüngsten Inflationsdaten waren es lediglich etwa 67 bis 70 Prozent.

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Die Ursache liegt vor allem in den überraschend hartnäckigen Preisdaten. Die Kern-Verbraucherpreise stiegen im August um 0.3 Prozent und damit stärker als die erwarteten 0.2 Prozent. Die Gesamtinflation lag mit 3.4 Prozent im Jahresvergleich im Rahmen der Prognosen. Gleichzeitig stiegen die Erzeugerpreise um 5.4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lagen damit ebenfalls leicht über den Erwartungen.

Für die Märkte bedeutet das eine schwierige Kombination: Die Fed steht unter Druck, die Inflation wieder stärker zu bekämpfen, während US-Präsident Donald Trump weiterhin niedrigere Zinsen fordert und sogar droht, den Handel mit wichtigen Wirtschaftspartnern einzustellen. Fed-Chef Kevin Warsh hatte selbst vor einer zu hartnäckigen Inflation gewarnt. Eine Zinserhöhung könnte daher seine Glaubwürdigkeit stärken, zugleich aber die politischen Spannungen mit Trump weiter verschärfen.

Öl und KI-Panik verschärfen die Lage zusätzlich

Als wäre das nicht genug, droht aus dem Ölmarkt ein weiterer Inflationsschock. Nach neuen Angriffen auf saudische Energieanlagen und Schiffsverkehr im Persischen Golf stieg Brent am Montag über 107 Dollar je Barrel, WTI notierte bei rund 103 Dollar. Besonders kritisch ist die Unterbrechung der saudischen East-West-Pipeline, über die normalerweise rund vier Millionen Barrel täglich transportiert werden können – etwa vier Prozent der weltweiten Versorgung.


Der Ölpreis bricht aus, KI-Forscher sprechen dramatische Warnungen aus: Der Markt wird die Störgeräusche nicht los.


Gleichzeitig wächst die Unsicherheit rund um den KI-Sektor. Ehemalige und aktuelle KI-Forscher warnen zunehmend vor den Risiken einer möglichen Superintelligenz. Der ehemalige Anthropic-Forscher Jacob Coxon erklärte, Mitarbeiter der Branche glaubten ernsthaft, dass KI die Menschheit bis zum Ende des Jahrzehnts auslöschen könnte. Anthropic-Forscher Evan Hubinger bezifferte seine persönliche Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios auf unter zehn Prozent.

Und auch Japan könnte die Märkte durchschütteln

Am Freitagmorgen folgt schließlich der nächste potenzielle Belastungsfaktor: Die Bank of Japan entscheidet um 5:00 Uhr deutscher Zeit über die Zinsen. Erwartet wird eine Anhebung auf 1.25 Prozent. Gleichzeitig ist der Yen innerhalb einer Woche um rund 4.5 Prozent gestiegen. Für die globalen Märkte ist das relevant, weil ein stärkerer Yen den sogenannten Carry Trade unter Druck setzt: Anleger finanzieren sich günstig in Yen und investieren das Geld in höher verzinste Aktien und andere Vermögenswerte.

Steigende japanische Zinsen und ein stärkerer Yen können diesen Mechanismus umkehren. Anleger müssen dann ihre Yen-Kredite teurer zurückzahlen und könnten dafür ausländische Anlagen verkaufen. Das Volumen ist erheblich: Die grenzüberschreitende Yen-Verschuldung wird auf rund 2.35 Billionen Dollar geschätzt. Ausgerechnet die USA drängen Japan dennoch auf höhere Zinsen und einen stärkeren Yen. US-Finanzminister Scott Bessent nimmt dabei mögliche kurzfristige Turbulenzen offenbar in Kauf, um langfristig größere Risiken am US-Anleihemarkt zu begrenzen.

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Die Finanzmärkte starten verhalten in diese Woche. Der S&P 500 schloss am Freitag bei 7656 Punkten und fiel heute vorbörslich auf 7616 Punkte zurück. Der Nasdaq-100 beendete die vergangene Woche bei rund 29 370 Punkten, rutschte am Montagmorgen jedoch auf 29 000 ab. Bitcoin hatte ein unspektakuläres Wochenende und geht mit rund 77 600 Dollar in den Montag, während Ethereum sich knapp über 2500 Dollar hält. Der WTI-Ölpreis steht rund 2.5 Prozent im Plus bei 102.50 Dollar pro Barrel. Gold rutschte dagegen unter 4400 Dollar je Unze. Der deutsche DAX hält sich knapp unter 25 600 Punkten.


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