Bitcoin, willkommen im Mainstream!
#Kryptowährungen

Bitcoin, willkommen im Mainstream!

Author

Simeon Koch

Es ist vollbracht. Nach Jahren des erbitterten Kampfes der nordamerikanischen Börsenaufsicht (eng. Securities and Exchange Commission, kurz: SEC) gegen Spot-Anlageprodukte mit Kryptowährungen sind gestern Abend die ersten Bitcoin-Spot-ETFs zugelassen worden. Ab Donnerstag soll der Handel auf mehreren amerikanischen Börsen möglich sein. Elf Anträge wurden durchgewunken, der Kryptomarkt feiert. In einer Stellungnahme zur Genehmigung schrieb SEC-Vorsitzenden Gary Gensler noch am Abend, die Entscheidung sei kein Dammbruch für weitere Krypto-ETFs – prompt wurde er aus den eigenen Reihen scharf kritisiert. Auch der bereits vor einigen Tagen ausgebrochenen Euphorie in der Ethereum-Community konnten Genslers Worte nichts anhaben – ganz im Gegenteil.

Chronologie eines historischen Abends

Seit Monaten prognostizierten Analysten wie Eric Balchunas und James Seyffart von Bloomberg, dass der SEC nach Ablauf aller Fristen nichts übrigbleibe, als die Bitcoin-ETFs am 10. Januar zu genehmigen. Entsprechend blank lagen die Nerven am Kryptomarkt mit jeder Stunde, die im Laufe des gestrigen Tages verstrich. Schon am Morgen hatte sich die Börsenaufsicht mit einem zuerst auf X, vormals Twitter, veröffentlichten und dann sofort wieder gelöschten Statement zur Genehmigung der Bitcoin-Fonds blamiert – laut Aussage ihres Vorsitzenden Gary Gensler wegen eines Hacker-Angriffs. Am frühen Abend ging es dann aber wirklich los: Gegen 17:00 Uhr teilte die weltgrößte Optionsbörse Cboe aus Chicago mit, dass die Genehmigung zur Listung des Bitcoin-ETFs von Invesco/Galaxy erteilt worden sei. Dabei handelte es sich allerdings nur um die Bestätigung, dass der Handel im Falle einer späteren Zulassung durch die Börsenaufsicht ermöglicht werde. Nur wenige Minuten später klopfte die Cboe bei der SEC an, um die Handelsfreigabe für die Bitcoin-Produkte der Vermögensverwalter und ETF-Aspiranten Fidelity, VanEck, Ark Invest und Franklin Templeton zu beschleunigen.

Um kurz vor halb acht schienen bereits alle elf beantragten Bitcoin-ETFs im Bloomberg-Terminal auf mit dem Zusatz, die Freigabe stehe kurz bevor. Eine halbe Stunde später meldete sich wiederum die Cboe zu Wort, machte die Listung von sechs Spot-ETFs bekannt und verlautbarte anschließend, dass der Handel schon am nächsten Tage beginnen werde. Verunsicherung machte sich breit, als die Cboe um kurz nach neun Uhr abends auf Weisung der SEC alle Listungen wieder zurückziehen musste. Wie sich herausstellte, war das aber keine Absage, sondern nur ein Aufschub – die Börsenaufsicht wollte die große Bitcoin-Bühne für sich allein haben und betrat sie um kurz vor zehn. Wie erwartet, teilte die SEC in einem offiziellen Dokument mit, dass sie alle elf Einreichungen der Antragssteller um BlackRock, VanEck, Ark Invest und Co. genehmige – allerdings brach kurz darauf die Webseite der Behörde zusammen und die Mitteilung war nicht mehr abrufbar. Kurz kochten die Emotionen auf Social Media nochmal hoch.

Grayscale hat es endlich geschafft!

Zwei Minuten später bestätigte Frank Chaparro, Sprecher von Grayscale in einem X-Post, dass der hauseigene Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) an der New Yorker Börse NYSE gelistet werden dürfe und die notwendigen behördlichen Genehmigungen erteilt worden seien. Gerade Grayscale hatte auf dem Weg zum Spot-ETF einen langen und beschwerlichen Kampf mit der SEC ausgetragen: Kurz nach der Gründung 2013 avancierte der Krypto-Vermögensverwalter zum Urheber des ersten großen Bitcoin-Anlageprodukts in Form des GBTC, der bis zur Freigabe für die Umwandlung in ein Spot-Produkt allerdings als geschlossener Fonds ohne Echtzeit-Parität zum tatsächlichen Bitcoin-Preis gehandelt wurde. Aus vorgeblichen Gründen des Anlegerschutzes sträubte sich die Börsenaufsicht mit ihrer kryptoskeptischen Speerspitze Gary Gensler jahrelang gegen die Konversion in ein Spot-Produkt, ein Gericht erklärte diese Sturheit im vergangenen Oktober für rechtswidrig und die SEC gab nach.

Mit dem Grayscale-Urteil leitete der offenbar frustrierte Gary Gensler gestern Abend ein langes Statement zur Genehmigung der Bitcoin-ETFs ein, das auf der Webseite der SEC erschien. Er habe „oft gesagt“, dass die Börsenaufsicht „im Rahmen des Gesetzes handelt, wie die Gerichte es interpretieren“. Man habe seit 2018 „mehr als 20 ETF-Anträge für Spot-Bitcoin-Anlageprodukte abgelehnt. Einer dieser Anträge, eingebracht von Grayscale, betraf die Umwandlung des Grayscale Bitcoin-Trust in einen Spot-ETF“. Jetzt sei man allerdings konfrontiert „mit einer Reihe von ETF-Anträgen, die jenen ähneln, welche wir in der Vergangenheit abgelehnt haben. Die Umstände haben sich aber verändert“. Und das habe mit dem Grayscale-Urteil zu tun – „basierend auf diesen Umständen halte ich es für den nachhaltigsten Weg, die Listung und den Handel dieser Spot-Bitcoin-ETFs zu genehmigen“. Und das nächste gewichtige Eingeständnis folgte: Zugelassen habe man die ETFs für ein Asset, „das kein Wertpapier, sondern einen Rohstoff darstellt, nämlich Bitcoin“.

Bitcoin ist kein Wertpapier!

Damit wird final bestätigt, was Gensler bereits in vielen Reden und Äußerungen der letzten Jahre angedeutet hatte, worauf er sich aber lange nicht festnageln lassen wollte: Bitcoin ist offiziell aus dem Fadenkreuz der Wertpapier-Ermittlungen seitens der SEC genommen worden. Somit gilt er für die Behörden nicht als registrierungspflichtiger Anteilsschein an einem Unternehmen, sondern als Rohstoff, der ganz anderen – für den Bitcoin deutlich besseren – Regulationen unterliegt. Ebenso überraschend kam die Zusage, dass der Handel mit den neuen BTC-Anlageprodukten bereits innerhalb der nächsten Stunden starten solle. In den letzten Wochen hatten Experten befürchtet, die ETFs könnten zwar angenommen, durch einen deutlich späteren Handelsstart von der SEC aber nochmal hinausgezögert werden. Diese Sorgen sind nun vorerst ausgeräumt.

Gary Gensler beließ es aber nicht beim Eingeständnis seiner Niederlage gegen das Krypto-Flaggschiff. Zwar sei Bitcoin kein Wertpapier, die ETF-Zulassung sollte aber „auf keinen Fall signalisieren“, dass die SEC bereit sei, Anlageprodukte für andere Kryptowährungen zu billigen. Auch bedeute diese Einstufung des Bitcoins kein Urteil über „den Status anderer Krypto-Assets“ unter den nordamerikanischen Wertpapiergesetzen. Gensler schob hinterher: „Wie ich schon in der Vergangenheit gesagt habe – und ohne auf eine bestimmte Währung anzuspielen – handelt es sich bei der großen Mehrheit der Krypto-Assets um Fälle für das Wertpapier-Gesetz“. Abschließend sprach der SEC-Vorsitzende trotz der Genehmigung eine Warnung aus: „Obwohl wir neutral sind“, wolle er anmerken, dass Bitcoin „in erster Linie ein spekulativer, volatiler Vermögenswert ist, der auch für illegale Aktivitäten wie Cyber-Kriminalität, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung genutzt wird“. Anleger sollten „angesichts der unzähligen Risiken im Zusammenhang mit Bitcoin und Produkten, deren Wert an Kryptowährungen gebunden ist, vorsichtig bleiben.

„Künstliche Hysterie“ – SEC bei Bitcoin-Frage gespalten

Hester Peirce, eine Kommissarin der SEC, die am Urteil über die Bitcoin-ETFs beteiligt war, kritisierte in einem Statement kurz darauf die „unnötige Saga“ um die Zulassung und damit Gary Genslers Marschrichtung der vergangenen Jahre scharf. Man müsse „kein Wertpapier-Anwalt sein, um die Unterschiede zu sehen in der Behandlung von Bitcoin-ETF-Anträgen, verglichen mit Einreichungen für andere Anlageprodukte, die routinemäßig zugelassen werden“. Mit Blick auf Bitcoin habe man „ein Jahrzehnt an Möglichkeiten verschwendet, um unsere Arbeit zu erledigen. Hätten wir den gleichen Standard wie bei anderen rohstoffbasierten Anlageprodukten angewandt, hätten wir diese Produkte schon vor Jahren genehmigen können“. Stattdessen habe man sich jahrelang dagegen gesträubt – „bis uns ein Gericht dazu zwang“. Nicht nur werde diese Farce den Ruf der SEC „weit über die Krypto-Welt hinaus schädigen“, auch habe man „durch das Nichtbefolgen unserer normalen Standards und Prozesse bei der Betrachtung von Spot-Bitcoin-ETFs eine künstliche Hysterie um sie herum geschaffen“. Hätten diese Produkte den üblichen Weg der Zulassung genommen, „wie es bei anderen vergleichbaren Produkten üblich ist, hätten wir die zirkusähnliche Atmosphäre, in der wir uns jetzt befinden, vermeiden können“.

Mit dem baldigen Handelsstart verändert sich für Bitcoin einiges: Millionenschwere Initialinvestments der involvierten Vermögensverwalter stehen kurz bevor oder wurden bereits getätigt, durch die Zulassung der Spot-ETFs und den Handel auf öffentlichen Wertpapierbörsen werden nicht nur große institutionelle Investoren erstmals Zugriff auf Bitcoin-Anteile haben – auch der Ruf des Bitcoins selbst wird sich nachhaltig ändern. Erst vor wenigen Tagen führte der ETF-Aspirant Bitwise eine Umfrage unter 437 Fachleuten durch. Das Ergebnis: 88 Prozent der befragten Finanzberater wollen Bitcoin kaufen, sobald die ETFs da seien. Wurde Bitcoiist ern lange Zeit behördlich beargwöhnt, so verleihen die neuen ETFs der größten Kryptowährung nun mehr Seriosität und ermöglichen institutionellen Anlegern regulierte Investments. Die Börsenaufsicht wiederum ist sich in diesen denkwürdigen Stunden uneins, interne Kritik wird laut am Bitcoin-Misstrauen, die Gary Gensler jahrelang vor sich und der Behörde hertrug. Das könnte nachhaltige Auswirkungen auf die Regulierung anderer Kryptowährungen haben, etwa bei Ethereum – auch, wenn Gensler sich hier noch unkonkret gibt.

Woher kommt die ETH-Euphorie?

Bei der zweitgrößten Kryptowährung war schon vor der Zulassung der Bitcoin-ETFs Euphorie zu spüren, die sich nach Genslers Statement noch verstärkte. Bereits vor einigen Tagen wurde bekannt, dass sich Antragssteller für Ethereum-Spot-ETFs, die beim ganzen Trubel um Bitcoin regelrecht untergegangen waren, gute Chancen auf eine baldige Zulassung ausrechnen. Gary Genslers Statement, dass die meisten, aber eben nicht alle anderen Kryptowährungen unter das Wertpapier-Gesetz fallen, deutete die Ethereum-Community als Wink mit dem Zaunpfahl, dass auch die 2015 von Vitalik Buterin aus der Taufe gehobene zweigrößte Blockchain-Währung vom Verdacht freigesprochen werden könnte, ein regulierungsbedürftiges Wertpapier zu sein. Mehrfach hatte Gary Gensler in öffentlichen Reden und Aussagen der vergangenen Jahre Andeutungen in diese Richtung gemacht, druckste bei direkten Nachfragen aber zuletzt nur noch herum. Investoren und Fans von Ethereum zeigen sich zuversichtlich, was auch am Kurs nicht spurlos vorübergeht. Mit der Zulassung der Bitcoin-ETFs dürfte es sich nun noch mehr lohnen, die Kursentwicklungen der wichtigsten Krypotwährungen mithilfe profunder technischer Analyse im Auge zu behalten – etwa mit unserem BTC/ETH- oder Altcoin-Paket.

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.