Wahljahre sind in den Vereinigten Staaten bekannt für starke wirtschaftliche Performance. Und das ist kein Wunder, schließlich will der amtierende Präsident so viele Argumente wie möglich für seine Wiederwahl sammeln. Das funktioniert am besten, wenn die Aktien gut laufen, Arbeitsplätze geschaffen werden und die Leute zufrieden sind. Der Wählerwille aber geht weit über ökonomische Belange hinaus. Und so trieb der frühe Wahlkampf für die nahende Präsidentschaftswahl schon manch bemerkenswerte Blüte: Ende Januar drosselte Joe Biden den Export von Flüssiggas, obwohl die Vereinigten Staaten gerade zum Weltmarktführer geworden waren. Kritiker vermuteten politische Motive, um linke und ökologisch gesinnte Wähler zurückzugewinnen. Einen Monat später sprach sich Joe Biden als erster Präsident überhaupt in der wichtigsten Rede seiner Amtszeit für die Cannabis-Legalisierung aus. Erneut schienen die wahltaktischen Motive offensichtlich: Die jahrzehntelang cannabisfeindliche Bundespolitik hängt vielen Amerikanern zum Hals hinaus. Und so ähnlich verhält es sich mit Kryptowährungen, womit wir wieder bei der Wirtschaft wären. Spätestens seit der Zulassung der Bitcoin-ETFs sind digitale Assets eines der dominanten politischen Themen in den Vereinigten Staaten. Und Joe Biden gerät wegen seiner skeptischen Haltung gehörig unter Druck.
„Biden überhäuft uns mit Vorschriften“: Donald Trump als „Krypto-Kandidat“
Denn während Joe Biden immer noch die scharfe Linie der nordamerikanischen Börsenaufsicht (engl.: Securities and Exchange Commission; kurz: SEC) befürwortet, die Altcoins als Wertpapiere deklarieren und hart sanktionieren möchte, setzt sich Donald Trump mit kryptofreundlichen Äußerungen an die Spitze nationaler Umfragen. Vor wenigen Tagen betonte der Republikaner bei einem öffentlichen Auftritt, den restriktiven Umgang mit digitalen Assets seines Amtsnachfolgers zu konterkarieren. Noch vor Monaten betonte Trump, keine Konkurrenz für den US-Dollar zuzulassen und hält nach wie vor an diesem Standpunkt fest. Noch im März unterstrich der voraussichtliche republikanische Präsidentschaftskandidat: „Ich will eine Währung, ich will den Dollar. Ich will nicht, dass die Leute den Dollar aufgeben“. Und doch hat sich der Wind in Sachen Krypto eindeutig gedreht. Bezeichnete Trump den Bitcoin 2021 noch als „Betrug“, der sich „gegen den US-Dollar“ richte, so schlägt er nun deutlich harmonischere Töne an: „Ich habe gesehen, dass diese Assets intensiv genutzt werden. Und ich möchte das den Leuten eigentlich nicht wegnehmen“. Außerdem hätten Krypto-Zahlungen für eine von ihm mitgetragene Sneaker-Kollektion unlängst gut funktioniert und er werde „Leute auch zukünftig gerne in Bitcoin bezahlen lassen“.
Krypto-Spendenaufruf auf Donald Trumps Kampagnen-Webseite
Und als man sich gerade fragte, was Trump damit genau meinte, ließ sein Wahlkampfteam gestern Abend die nächste Krypto-Bombe platzen: Trump nimmt nun Wahlkampfspenden in Bitcoin, Ethereum und einigen Altcoins an, darunter auch die Meme-Coins Shiba Inu und Doge Coin. In einer Stellungnahme schrieb Trumps Team, dass man eine „Krypto-Armee“ aufbauen und gegen die „Anti-Krypto-Armee“ zu Felde ziehen wolle. Wer damit gemeint war, lässt sich leicht erraten – und spätestens der Spendenaufruf auf Trumps offizieller Wahlkampf-Webseite lieferte die Antwort: Mit der Möglichkeit, Kryptowährungen zu spenden, demonstriere man „Trumps Erfolg als Meister der amerikanischen Freiheit und Innovation“. Trump sei „bereit, neue Technologien anzunehmen, um Amerika wieder groß zu machen“, während „Bidens Regulationen uns alle mit Vorschriften und Bürokratie überhäufen“. Das klang zwar sehr nach rhetorischem Geplänkel, hatte aber gesessen. Und kam offenbar ganz hervorragend bei den amerikanischen Wählern an. In den jüngsten Umfragen liegt Donald Trump, mittlerweile selbsternannter „Krypto-Kandidat“, vor Joe Biden. Vor einem Jahr hatte der Amtsinhaber in der öffentlichen Meinung noch deutlich besser abgeschnitten als Trump. Ausgerechnet seine bisher wenig kompromissbereite Krypto-Politik könnte Biden nun umkrempeln, um wieder aufzuholen.
Krypto-Tauwetter in den USA und der EU?
Einen ersten Schritt machten Bidens Demokraten bei der Abstimmung über einen Gesetzesentwurf, der von der SEC eingebracht wurde und Banken die Verwahrung von Kryptowährungen erheblich erschwert hatte. Mit 60 zu 38 Stimmen und damit vereinten Kräften der so häufig gespaltenen Demokraten und Republikaner wurde der Vorschlag im nordamerikanischen Senat abgeschmettert. Biden hätte zwar ein Vetorecht, mit dem er die Entscheidung eigenmächtig rückgängig machen könnte, ein solcher Schritt wäre aber unpopulär. Ähnliche Ursachen scheint die augenscheinliche Kehrtwende der Börsenaufsicht bei der Verhandlung über Spot-ETFs für Ethereum zu haben, die vor wenigen Stunden publik wurde und den Krypto-Markt in Aufruhr versetzte. Lange schienen ETH-Spot-ETFs ausgeschlossen, dann aber vermeldeten namhafte ETF-Analysten die offenbar schlagartige Meinungsänderung der Behörden. Eric Balchunas von Bloomberg, der auch die Zulassung der Bitcoin-ETFs Monate im Vorfeld ankündigte, sprach in einem Tweet am Dienstagabend von einer „politischen Angelegenheit“. Fahrt ist in die Angelegenheit seit gestern jedenfalls gekommen: Zumindest fünf potenzielle ETF-Emittenten haben überarbeitete Anträge eingereicht, nachdem die SEC überhastet nach Anpassungen verlangt hatte. Betreffen sollen die Änderungen vor allem das Ethereum-Staking, das die SEC offenbar im Rahmen der ETFs nicht akzeptiert.
Die Regulatoren in den USA sind mit ihrem sich abzeichnenden Kurswechsel nicht allein, denn auch in Europa scheint rund um Kryptowährungen zunehmend politisches Tauwetter einzusetzen. Kürzlich hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (kurz: ESMA) um Stellungnahmen wichtiger europäischer Vermögensverwalter gebeten, um auszuloten, ob Kryptowährungen in deren Portfolios aufgenommen werden dürfen. Laut Insidern spielt diese bis August terminierte Evaluation eine eminente Rolle bei der künftigen Integration von digitalen Assets in die Finanzwirtschaft der Europäischen Union. Der EU-Investmentmarkt umfasst ein Volumen von rund 12€ Billionen und könnte mit einer positiven Entscheidung der ESMA auch über institutionelle Kanäle mit dem Krypto-Markt interagieren. Wer an diesen Entwicklungen partizipieren möchte, kann auf die kurz- und langfristigen Preisprognosen unserer Analysepakete für Bitcoin/Ethereum und die wichtigsten Altcoins zurückgreifen. Wäre Joe Biden bei uns Abonnent, dann wüsste er schon länger, dass Kryptowährungen wohl kaum aufzuhalten sind – und hätte sich die aktuellen politischen Kopfschmerzen womöglich erspart.




