Der Autor dieses Texts hat kürzlich zwei Drittel seines Investments mit einem neuen Altcoin verloren. Dabei sah alles so gut aus. Ein Team in der Schweiz, das seit Jahren an der Blockchain arbeitet. Ein E-Sports-Team, das im Namen des Projekts von einem internationalen Erfolg zum nächsten eilt. Eine einwandfrei funktionierende Plattform (im Altcoin-Sektor keine Selbstverständlichkeit) und eine ebenso große wie erwartungsvolle Community (noch weniger selbstverständlich). Die Social Media-Kanäle platzten vor Nutzer-Interaktion aus allen Nähten, namhafte Partnerschaften mit anderen Blockchain-Unternehmen schienen das Bild eines optimalen Small Cap-Geheimtipps abzurunden. Und dann noch die Anwendungsbereiche: Blockchain-Gaming, Künstliche Intelligenz und Decentralized Infrastructure (DePIN) in einem – die heißen Narrative des aktuellen Zyklus. Da konnte eigentlich nichts schief gehen. Zum Einstand wurde der Coin auf einer wichtigen zentralisierten Handelsbörse gelistet (eine weitere Green Flag) und der Preis schoss in einer riesigen grünen Kerze aufwärts. Wer schnell war, konnte bei $0.04 kaufen. Dann ging es auf $0.05. Und dann nur noch abwärts. Wochenlang. Die Käufer auf Social Media wurden ungeduldig, der Kurs halbierte sich. Und dann nochmal. Und nochmal. Irgendwann stand er bei $0.006. Fast 90 Prozent Verlust vom ersten Handelstag innerhalb weniger Wochen. Obwohl das Projekt eigentlich einwandfrei war.
In den sozialen Medien machten erboste Investoren schnell den Grund für den plötzlichen Preisverfall aus: Das Projekt hatte Unmengen an Coins kostenlos an jene verteilt, die bereits die Plattform nutzten. Weitere Airdrops und Freischaltungen bisher gesperrter Token in den Händen früher Investoren folgten fast jeden Tag nach dem offiziellen Launch. Und zu allem Überdruss waren in mehreren privaten Vorverkaufsrunden auch noch millionenschwere Token-Pakete zu deutlich niedrigeren Preisen verkauft worden – an institutionelle Investoren und solche, die irgendwie an dieses Privileg gekommen waren. Diese bevorzugten Käufer waren trotz des Dumps immer noch mehrere 100 Prozent im Plus, schauten sich den Preisverfall aber natürlich nicht lange an, sondern stießen ihre Bestände ab und nahmen noch mit, was sie kriegen konnten. So krachte der Kurs Stockwerk um Stockwerk tiefer. Selbst die tapfersten Unterstützer, die immer wieder nachgekauft hatten, um ihren Durchschnittspreis zu verringern, schienen aufzugeben. Außer Frustration und Vorwürfen gegen das Entwickler-Team war aus der kürzlich noch so gespannten Community nicht mehr viel zu hören. Ein Nutzer schrieb in die Telegram-Gruppe des Projekts: „Hab‘ alles im Verlust verkauft und in Pepe gesteckt. Heute Breakeven. Kann ich nur empfehlen“.
Memes als Hedge gegen seriöse Altcoins
Das hätte man in früheren Zyklen als reines Glücksspiel abgetan. Mittlerweile aber scheinen zumindest die prominenten Meme Coins ein probates Mittel zu sein, um sich gegen Verluste bei Projekten mit tatsächlichem Nutzen abzusichern. Das klingt absurd – und das ist es auch. Der Grund dafür liegt allerdings nur teilweise bei den Meme Coins selbst, die technisch gesehen keinerlei Nutzwert besitzen. Abgesehen natürlich von der reinen Spekulation und groteskem Profitpotenzial in einem Sektor, der noch weitaus volatiler ist als der ohnehin schon hektische Krypto-Markt. Schon zu Beginn des aktuellen Bullenmarktes trumpften Meme Coins auf. Neben dem Pionier Doge Coin auch neue Projekte, die sich auf Memes, also scherzhafte Bilder oder Cartoons stützen. Pepe Coin (PEPE) mit dem Maskottchen des gleichnamigen schief grinsenden Frosches, den das Internet gerne als Reaktion auf alle möglichen abstrusen, peinlichen oder amüsanten Situationen ausspuckt, legte eine ähnlich starke Rallye hin wie Shiba Inu (SHIB), ein Coin mit dem Konterfei eines kläffenden Hundes. Über tausend Prozent Kurszuwachs verzeichnete auch Book of Meme (BOME) in wenigen Wochen, dessen Emblem den Pepe-Frosch mit abgewandelter Mimik zeigt. Hinzu kommen unzählige weitere Projekte, die sich auf Hundebilder, Katzenfotos oder andere Artefakte der jüngeren Internetkultur stützen. Diese Meme Coin-Rallye sorgt für Kopfzerbrechen im Krypto-Markt.
Im letzten Bull Run etwa explodierten Meme Coins zum Zyklus-Abschluss und brachten damit die überhitzte Manie des damals hoffnungslos überkauften Krypto-Marktes ein letztes Mal auf den Punkt. Sie waren so etwas wie die Kirsche auf der Torte einer vermeintlich geplatzten Spekulationsblase und für viele Außenstehende der letzte Beweis dafür, dass Bitcoin und Co. nichts sein können als ein hochgehyptes Schneeballsystem einiger verrückter Internet-Nerds. Und selbst Krypto-Kenner sahen den Meme Coin-Hype kritisch, schließlich schien er dem Ansehen des gesamten Marktes erheblich zu schaden. Seit der Bullenmarktspitze 2021 galt deshalb für viele das eherne Gesetz: Meme Coins explodieren erst, wenn der Zyklus rasant seinem Ende zugeht – sozusagen das letzte Hurra all jener, die das Risiko vor dem großen Crash nochmal auf die Spitze treiben wollen. Entsprechend beunruhigend erschien Anfang des Jahres die ungewöhnlich frühe Dominanz von Meme Coins, schließlich ist immer noch davon auszugehen, dass sich der Bullenmarkt in seiner Frühphase befindet. Was aber hat ein Top-Signal am Beginn des Bullenmarktes zu suchen? Auf diese Frage fand kaum jemand eine Antwort. Manche begannen gar zu spekulieren, dass die Meme Coins mit ihren starken Preissprüngen auf einen drastisch verkürzten Bullenzyklus hindeuten könnten.
Pepe-Frosch als Protest: Community und Tokenomics
Kaum jemand denkt dabei an jene Erklärung, die auf den ersten Blick widersinnig, auf den zweiten aber verblüffend plausibel erscheint: Meme Coins sind kein Top-Signal mehr. Sie sind das Gesicht des aktuellen Zyklus – als Zeichen einer tief verwurzelten Internetkultur und als Symbol eines Protests gegen Marktmanipulation durch mächtige Player. Manipulation wie im Beispiel des zusammengebrochenen Coins aus der Einleitung. Bei den allermeisten neuen Krypto-Projekten erhalten frühe Investoren – oft institutionelle oder sehr finanzkräftige Player – vorzeitigen und bevorzugten Zugang zu reservierten Token-Beständen. Diese Private Sales geschehen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, die Coins sind normalerweise um ein Vielfaches günstiger als bei der initialen Listung auf öffentlichen Börsen. Je nach Projekt werden auf diese Weise bereits vor der Veröffentlichung größere Anteile der verfügbaren Kryptowährung an prominente Anleger ausgegeben, um finanzielle Mittel für das Projekt selbst aufzubringen. Zwar werden die im Vorverkauf erworbenen Bestände oft für eine gewisse Zeit gesperrt (engl.: locked), die sogenannten Unlocks, also die Freigaben, beginnen in der Regel aber schon bald nach dem öffentlichen Verkaufsstart – zum Nachteil der Kleinanleger, die erst dann einkaufen können.
Denn natürlich wollen Investoren aus dem Vorverkauf ihre Gewinne mitnehmen – und sind selbst dann noch deutlich im Plus, wenn der Token nach seinem Launch schon klar in den roten Zahlen herumkrebst. Weitere freigegebene Bestände verstärken den Verkaufsdruck und diejenigen, die erst nach der offiziellen Listung eingestiegen sind, rutschen immer weiter ins Minus. Viele Meme Coins protestieren gegen diese Praxis, indem sie alle Token auf einen Schlag freigeben, was nachträgliche Verwässerung unmöglich macht. Im Verhältnis zu undurchsichtigen Freigabe-Zeitplänen bei vermeintlich seriösen neuen Altcoin-Projekten sind die sogenannten Tokenomics, also die Statistiken zur zirkulierenden Menge an Coins, bei vielen Meme Coins klar geregelt und nachvollziehbar. Natürlich bleiben sie ohne großen Nutzwert hoch spekulativ, schließlich werden sie mit der Absicht gekauft, in naher Zukunft Profit zu machen. Da genau das aber auf praktisch alle Kryptowährungen zutrifft, ist das für die meisten Marktteilnehmer kein Hinderungsgrund mehr, Meme Coins zu kaufen.
Wird das der Meme Coin-Bullrun?
Ob man nun darauf spekuliert, dass ein Projekt wegen seiner Gaming- oder DePIN-Infrastruktur Aufmerksamkeit erhält oder hofft, dass ein Meme Coin durch seine engagierte Community aggressiv gekauft wird, ist mit Blick auf das Ergebnis einerlei. Wichtig ist nur, dass der Kaufdruck die Verkäufe ausgleicht und im besten Fall übersteigt. Und das ist bei Altcoin-Projekten mit laufenden Token-Unlocks deutlich gefährlicher als bei vielen Meme Coins, deren voller Bestand oft schon verfügbar ist – und die über häufig über außergewöhnlich treue Unterstützer-Communities verfügen. All das verschafft Meme Coins aktuell eine führende Position im Krypto-Markt. Und das könnte auch erstmal so bleiben. Ob dieser Zyklus der Bull Run der Meme Coins wird, zeigt sich spätestens, wenn die breite Euphorie in den Altcoin-Sektor zurückgekehrt ist. Daten der Krypto-Börse Coinbase deuten nämlich darauf hin, dass die Altcoin-Season noch nicht begonnen hat und noch bevorstehen dürfte. Wer auf das allererste Krypto-Meme spekulieren will, findet regelmäßige Analysen zu Doge Coin in der Videoanalyse unseres Altcoin-Pakets. Mit einer ganzen Reihe weiterer Coins um Solana, XRP, HBAR, Cardano, Polkadot oder Quant kommen dabei aber auch alle anderen Altcoin-Fans voll auf ihre Kosten. Auch erhalten Abonnenten dieses Pakets täglich Analysen zu den Leit-Kryptos Bitcoin und Ethereum – und zwar ohne Aufpreis!




