Fast ein bisschen verlegen schlenderte Jensen Huang Anfang der Woche auf die große Bühne in San José und hieß sein milliardenschweres Publikum auf der GTC-Konferenz von Nvidia höflich willkommen. Mit den ruhigen Tönen war es aber spätestens vorbei, als der Geschäftsführer des Superchip-Produzenten zwei Platinen hervorzauberte und in die Kameras hielt. „Das hier ist wahrscheinlich zehn Milliarden Dollar wert“, erklärte Huang mit einer Seelenruhe, als würde er seinen Gästen gerade die Dessertkarte erklären. Gemeint war die neue Prozessor-Generation unter dem Namen Blackwell, deren Entwicklung diese Summe verschlungen haben soll und mit der Nvidia ähnlich historische Erfolge feiern will wie mit seinem Vorgänger namens Hopper, der bisher als unumstrittene Benchmark in Sachen KI-Hardware galt. Nun ist Blackwell ungefähr dreißigmal so leistungsstark wie Grace Hopper, Huang tat es fast ein bisschen leid, sein bisheriges Prestigeprodukt im Glanz des neuen Schmuckstücks verblassen zu sehen. „Du warst auch brav, mein Junge“, wisperte er dem ausgebooteten Hopper mit einem Augenzwinkern zu. Das Publikum lachte.
Das Lachen dürfte den meisten kleinen Unternehmen, die mit Künstlicher Intelligenz arbeiten, aber beim Preis für das neue Wunderwerk vergehen: Schlappe $40 000 soll ein Chip der Serie Blackwell kosten. Um am Puls der Zeit und damit konkurrenzfähig zu bleiben, muss man also tief in die Tasche greifen, schließlich lässt sich mit einem Chip allein auch noch keine ganze Künstliche Intelligenz betreiben. Wer ein solches finanzielles Risiko nicht eingehen kann, dem bleiben diese technologischen Sphären also verschlossen – zumindest in Sachen Hardware. Was aber wäre das Internet, wenn es nicht auch hierfür bereits eine Lösung parat hätte. Schon kurz nach ihrer Geburt wurde die digitale Welt dafür gefeiert, absolute Gleichberechtigung herzustellen: Jeder hat Zugang, Informationen, Ideen und Meinungen können ohne geografische Grenzen übermittelt werden. Im klassischen, zentralisierten Internet ließ sich diese Version nur bedingt verwirklichen: Paywalls, Algorithmen und Big Tech stehen der Gleichheit im Weg. In Sachen Gleichberechtigung beim Zugang zu Rechenleistung bekommt das Internet nun eine neue Chance, seinen hehren Versprechen gerecht zu werden – allerdings nicht im herkömmlichen Web2, sondern im Web3 der Blockchains.
Nvidia auf der Blockchain: Was ist eigentlich DePIN?
Das Web3 unterscheidet sich im Wesentlichen darin vom Web2, dass es dezentral organisiert ist. Unerlässlich dafür ist die Blockchain-Technologie, deren System auf Knotenpunkte gestützt ist, die unabhängig voneinander operieren. Das ist von Vorteil, wenn man zuverlässige Daten vermitteln will, die aber keinem Kontrollmonopol einer einzelnen Instanz unterliegen. Am Beispiel der Rechenleistung ist das gut zu erklären: Die Idee, digitale Performance dezentral anzubieten ist nicht neu. In der Gaming-Branche wurden schon vor ein paar Jahren Plattformen entwickelt, auf denen Rechenleistung gemietet werden kann. Man braucht also keinen teuren PC oder potente Grafikkarten, sondern lediglich einen guten Internet-Anschluss. Die Rechenleistung wird an einen externen Server ausgelagert, die Inhalte – etwa ein Videospiel – wiederum werden in Echtzeit gestreamt. So lässt sich selbst ein Mittelklasse-Smartphone in einen hochleistungsfähigen Gaming-Rechner verwandeln. Vorausgesetzt natürlich, die Internetverbindung ist entsprechend und die grafische Darstellung auf dem Endgerät ist gut genug. Auch Nvidia mischt übrigens schon länger in dieser Sparte mit: Der Cloud-Gaming-Service GeForce Now wurde im Oktober 2015 als Beta-Version veröffentlicht und ging im Frühjahr 2020 final ans Netz.
Hier allerdings drängt sich das Problem der Zentralisierung im Web2 auf: Nvidia hat die vollständige Kontrolle über sein System, kann darüber verfügen, wer Zugang erhält und die verfügbaren Kapazitäten nach Lust und Laune verändern. Außerdem kann bei Nvidia zwar digitale Kapazität gemietet werden – was aber tut man, wenn man selbst überschüssige Rechenleistung zur Verfügung hat? Und genau hier kommt die Blockchain ins Spiel, gemeinsam mit dem zuletzt äußerst populären Narrativ der Decentralized Physical Infrastructure Networks (DePINs), zu Deutsch also grob dezentrale physische Infrastrukturnetzwerke. Was sich kompliziert anhört, ist im Kern relativ simpel: Durch die Blockchain-Technologie kann physische Infrastruktur dezentral genutzt werden. Und das ohne Mittelsmann. Besitzt jemand einen hochleistungsfähigen PC oder gar eine Server-Farm, nutzt diese Kapazität aber nur teilweise und möchte daran auch in passiven Phasen verdienen, kann diese überschüssige Rechenleistung über entsprechende Blockchain-Protokolle vermietet werden. Auf der anderen Seite steht jemand, der zwar Bedarf an starker Hardware hat, diese aber nicht selbst besitzt. Das trifft etwa auf Digitalkünstler oder kleinere Filmschaffende zu, die große Speicherkapazitäten für ihre Projekte benötigen, allerdings nicht die finanziellen Mittel haben, um selbst entsprechende Geräte zu betreiben. Natürlich rückt aktuell aber vor allem Künstliche Intelligenz als Anwendungsfeld in den Fokus des DePIN-Narrativs. Damit ist DePIN Teil des aktuell vielleicht wichtigsten Altcoin-Narrativs überhaupt: Künstliche Intelligenz auf der Blockchain.
800 Prozent in einem halben Jahr: Warum explodieren Render und Co.?
Einer der namhaftesten Vertreter dieser Branche ist der Render-Token (RNDR), dessen Ökosystem Cloud-Computing-Lösungen für Unternehmen und (private) Entwickler bietet. Anders als zentralisierte Cloud-Services wie etwa der Amazon Web Service (AWS), die Google Cloud oder Microsoft Azure nutzt Render die Vorzüge der Blockchain: Individuelle Nutzer können ihre Rechenleistung und damit ihre physische Hardware-Infrastruktur zur Verfügung stellen. Ähnlich wie auf Smart Contract-Plattformen wie Cardano, Solana oder Chainlink steht hierbei der Gedanke im Vordergrund, dass Transaktionen jeglicher Art ohne vermittelnde Instanz durchgeführt werden können – seien es Finanzgeschäfte, Datenaustausch über Lieferketten wie bei VeChain oder eben die Vermittlung von Rechenleistung bei Render. Bei Render steht – wie der Name schon sagt – das sogenannte Rendern im Vordergrund, also der Prozess, bei dem aus Rohdaten mithilfe von Computergrafik ein Bild oder Video erstellt wird. Damit ist Render primär auf künstlerische Anwendungen spezialisiert, die durch KI-Modelle wie das Videoprogramm Sora von OpenAI aber zunehmend in den Mainstream vordringen. Entsprechend groß war die Euphorie um das Projekt, das von Herbst 2023 bis März diesen Jahres um mehr als 800 Prozent von rund $1.30 auf $11 stieg. Der Hype ist nicht verwunderlich, schließlich dürften die notwendigen Rechner-Kapazitäten für Künstliche Intelligenz laut Expertenschätzungen in den nächsten Jahren exponentiell anwachsen und zehn Prozent des weltweit verfügbaren Stroms verbrauchen. Ein vielversprechendes Modell für DePIN-Netzwerke, die sowohl ungenutzte Rechenleistung als auch überschüssige Energie vermitteln.
Der Render-Token dient dabei als Zahlungsmittel und Belohnung für durchgeführte Aufträge – wenn also Rechenleistung über die Blockchain zur Verfügung gestellt wurde. Der DePIN-Sektor hat aber noch weitaus mehr zu bieten als Renders Grafikbearbeitung. Der dezentralen Vermittlung allgemeiner Computerleistung hat sich etwa das noch recht kleine Projekt CUDOS verschrieben, um ungenutzte Rechenleistung und Cloud Computing lukrativ nutz- und vermarktbar zu machen. Dafür arbeitet CUDOS etwa mit dem Hardware-Riesen AMD zusammen, dessen Aktie wir in unserem beliebten TECH33-Paket analysieren. Neben Rechenleistung wird aber auch Speicherkapazität über die Blockchain vermittelt. So ermöglicht das Krypto-Projekt Filecoin, eigenen ungenutzten Speicherplatz für andere Nutzer zur Verfügung zu stellen. Ähnlich wie bei Render verwenden auch CUDOS und Filecoin ihre nativen Token zur internen Bezahlung und Belohnung der teilnehmenden Nutzer. Die jeweiligen Protokolle – nur ein kleiner Ausschnitt der großen Bandbreite im DePIN-Sektor – grenzen sich von zentralisierten Anwendungen wie Nvidias GeForce Now insofern ab, als sie dank der Blockchain-Technologie nicht nur ohne kostspieligen Vermittler auskommen, sondern auch privaten Nutzern niederschwelligen und demokratischen Zugang ermöglichen. Ihre dezentrale Struktur macht die Netzwerke sicher, Transaktionen nachverfolgbar und ermöglicht durch Smart Contracts die Interaktion zwischen Nutzern ohne Vertrauensvorschuss. Gleich mehrere Smart Contract-Plattformen wie Avalanche, Cardano oder Solana analysieren wir regelmäßig in unserem Altcoin-Paket – mit optionaler Videoanalyse und exklusiven Signalen für lukrative Einstiege. Spätestens mit dem Startschuss der Altcoin-Rotation könnten in diesem Sektor immense Kursgewinne entstehen.




