„Hier geht etwas vor“, sagte Jensen Huang, Geschäftsführer des Chip-Giganten Nvidia, zum Auftakt seiner Eröffnungsrede auf der diesjährigen GTC-Konferenz im kalifornischen San José und stellte fest: „Die gesamte Wirtschaft wird auf den Kopf gestellt“. Eine Erklärung hatte er auch gleich parat: „Der Computer ist heute das wichtigste Instrument unserer Gesellschaft. Fundamentale Veränderungen dieser Technologie schreiten voran und transformieren jede einzelne Branche“. Damit war die Richtung vorgegeben für die Zusammenkunft der größten KI- und Technologie-Konzerne, auf der Nvidia wie erwartet den stärksten Chip vorstellte, der jemals in einen Prozessor verbaut wurde. Es geht aber nicht nur um Nvidia in den nächsten Tagen, das betonte Huang, an sein Publikum gewandt: „Sie sind nicht hier, um nur zuzuhören und passiv dabei zu sein. Sie sind hier, um zu präsentieren, über ihre Forschung und Innovation zu sprechen!“ Der Gastgeber war sichtlich zufrieden: „$100 Billionen der weltweiten Industrie sind hier in diesem Raum vertreten, das ist unglaublich!“ Eingeladen wurden neben den nordamerikanischen Tech-Giganten um Microsoft, Meta und OpenAI auch deutsche Vertreter. Mit Siemens etwa schraubt Nvidia an einem industriellen Metaversum und autonomer 3D-Modellierung für die fertigende Industrie. Mit SAP will man generative KI in Unternehmensanwendungen weltweit etablieren – und Infineon könnte ein Problem lösen, das Nvidia schon lange Kopfzerbrechen bereitet: den immensen Energieverbrauch von Rechenzentren.
Siemens-Metaversum und SAP-Chatbots: Nvidia entdeckt Deutschland
Tagelang arbeiten Konstrukteure aktuell an detaillierten 3D-Modellen, etwa für den südkoreanischen Schiffbauer HD Hyundai, dessen nachhaltig betriebene Frachter aus teils mehreren Millionen Teilen bestehen, die samt und sonders animiert werden müssen. Das Design dieser digitalen Zwillinge komplexer industrieller Maschinen revolutioniert der Münchner DAX-Konzern Siemens, künftig soll der Arbeitsaufwand mithilfe von Künstlicher Intelligenz in diesem Bereich von mehreren Tagen pro Modell auf wenige Stunden reduziert werden. Generative KI soll dabei die fotorealistische Visualisierung komplexer Daten und Konstruktionen ermöglichen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden bei Siemens Roland Busch werde man „revolutionieren, wie Produkte designt, hergestellt, gewartet und wahrgenommen werden. Auf dem Weg zum industriellen Metaverse ermöglicht diese nächste Generation von Industriesoftware unseren Kunden, Produkte zu erleben, als wären sie in der realen Welt“. Dieses industrielle Metaversum entwickelt Siemens in Kooperation mit Nvidia und dessen Plattform Omniverse, die für solche Zwecke geschaffen wurde. Huang bemerkte zur Partnerschaft mit dem deutschen Industrie-Allrounder: „Siemens bringt die Plattformen von Nvidia zu seinen Kunden und eröffnet Entscheidern in allen Branchen neue Möglichkeiten, die nächste Welle KI-unterstützter digitaler Zwillinge jeder Größe zu entwickeln“.
Auch die Deutsche Bahn will künftig auf die Kombination aus Nvidias Omniverse und die stark skalierbare Benutzeroberfläche Xcelerator von Siemens setzen, um die Koordination ihrer Züge zu verbessern und die Nachhaltigkeit zu optimieren. Dafür werden digitale Replikate von Eisenbahnnetzen und einzelnen Zügen erstellt, mit denen imaginäre Experimente durchführbar sind. Ebenso wollen Siemens und Nvidia technologische Grundlagen für autonome Fabriken entwickeln – ein Feld, in dem Amazon schon seit einiger Zeit recht erfolgreich ist und als Vorreiter gilt. Im Hintergrund operiert bei großen Unternehmen weltweit auch die Software des europäischen Branchenprimus SAP, der bereits vor einigen Wochen tiefgreifende Umstrukturierungen im eigenen Betrieb ankündigte, um interne KI-Bemühungen voranzutreiben. Nun will SAP generative KI und große autonome Sprachmodelle in seine Cloudlösungen einbauen, um selbstlernende Algorithmen seinem weltweiten Kundenstamm zugänglich zu machen. Um das „Fein-Tuning von LLMs (KI-Sprachmodellen; Anm. d. Red.) für spezielle Szenarien durchzuführen“, setzt SAP auf eine Plattform von Nvidia, auf der KI-Modelle aufgebaut werden können. Ähnliche unabhängige Startrampen für Künstliche Intelligenz will Nvidia auch Staaten und Regierungen zur Verfügung stellen, damit politische Entscheidungsträger nicht auf die Produkte der Tech-Giganten setzen müssen und Datenschutz-Richtlinien wahren können.
Löst Infineon eines der größten KI-Probleme?
Bei all dem Hype um Künstliche Intelligenz und ihre wirtschaftliche Entwicklung, die den Sektor bis 2030 auf eine Marktkapitalisierung von fast $2 Billionen katapultieren soll – ausgehend von aktuell rund $140 Milliarden – hat Nvidia laut Adam White vom größten deutschen Chiphersteller Infineon ein großes Problem: „Je nach Schätzung verbrauchen die Rechenzentren heute weltweit so viel Strom wie Australien oder sogar wie Frankreich.“ Halte die gegenwärtige Entwicklungsdynamik an, könnten die für KI verwendeten Server-Farmen „in ein paar Jahren dieselbe Menge an Energie verbrauchen wie ganz Indien“, schließlich verbrauchen KI-System dreimal mehr Energie als herkömmliche Rechenzentren, die laut Infineon schon jetzt mehr als zwei Prozent der globalen Energieversorgung beanspruchen. Laut Expertenschätzungen könnten KI-Anwendungen 2030 ganze zehn Prozent des weltweit verfügbaren Stroms verbrauchen, was die Geschäftsmodelle der wichtigsten KI-Betreiber rund um Nvidia, Microsoft, Google und Amazon ernsthaft gefährden könnte. Hier aber scheint Infineon eine vielversprechende Lösung zu bieten: Mit einem neuen Chip-Modul plant der DAX-Riese, den Energieverbrauch von KI-Hardware um zehn bis fünfzehn Prozent zu senken.
Das ermögliche „eine Einsparung im hohen Megawatt-Bereich, was zu geringeren CO₂-Emissionen und einem Rückgang der Betriebskosten in Millionenhöhe über die gesamte Lebensdauer des Systems“ führe, verkündete Infineon. Tech-Giganten wie Nvidia dürften hellhörig werden, Infineon erwartet hohe Nachfrage. Und wie die Kooperationen mit Siemens und SAP zeigen, hat Nvidia nicht nur stets ein Auge auf den deutschen Markt, sondern auch großes Interesse an Geschäftsbeziehungen zu etablierten Industriekonzernen, wie Jensen Huang in seiner Auftaktrede zur GTC-Konferenz hervorhob: „Generative KI ist die prägende Technologie unserer Zeit. Durch die Zusammenarbeit mit den dynamischsten Unternehmen der Welt werden wir das Versprechen von KI für jede Branche verwirklichen.“ Der gemeinsame Fortschritt dürfte den Aktienkursen aller Beteiligten zugutekommen, Deutschland könnte seine Stellung als KI-Standort weiter festigen: In Europa ist man der zweitwichtigste Entwickler von KI-Anwendungen. Wenn Sie die lukrativsten Möglichkeiten für Investments bei den größten deutschen Unternehmen um Siemens, SAP und Infineon nicht verpassen wollen, empfehlen wir unser DAX40-Analysepaket. Theoretisch fundierte Prognosen zur Entwicklung der Wertpapiere von Tech-Giganten wie Nvidia, Microsoft, Meta und Amazon finden Sie in unserem TECH33-Paket. Auch hier mit Echtzeit-Signalen zu vielversprechenden Handelsmöglichkeiten.




