Vom Sorgenkind zum Top-Performer: Was ist bei Cardano los?
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Vom Sorgenkind zum Top-Performer: Was ist bei Cardano los?

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Simeon Koch

„Ich glaube nicht, dass es Bitcoin in Zukunft geben wird“, teilte Cardano-Gründer Charles Hoskinson kürzlich gegen die weltgrößte Kryptowährung aus. Bitcoin sei „eine Religion, kein Ökosystem” und deshalb zum Scheitern verdammt: „Die Hashrate wird sinken und Bitcoin einen langsamen Tod sterben“. Das hatte gesessen – stieß der Krypto-Community aber sauer auf. Wie zum Trotz veröffentlichten Analysten eines kleinen Thinktanks kurz darauf einen Report unter dem Titel „Warum ihr alle eure ADA verkaufen solltet“. Der polemische Angriff auf einen der ältesten Altcoins ließ Hoskinson kalt – obgleich die Kritik teilweise ernst zu nehmen ist. Nach den schwierigen letzten Monaten zählt der Cardano-Coin ADA im aktuellen Aufschwung des gesamten Sektors zu den Top-Performern. Grund genug, einen Blick auf das Projekt und die neuesten Entwicklungen zu werfen und die Frage zu beantworten: Ist das Narrativ der Ethereum-Killer zu Ende erzählt?

Das Baby des ETH-Entwicklers wird groß

Cardano durchlebte in den vergangenen Monaten einen zähen Bärenmarkt und kam selbst dann kaum vom Fleck, wenn es anderen Altcoin-Projekten wenigstens mal kurz gelang, den Kopf aus dem roten Sumpf zu strecken. Dabei gilt Cardano als eine der renommiertesten Kryptowährungen überhaupt und hat wegen seines wissenschaftlichen Ansatzes viele Fans. Zur Popularität trägt auch der Gründer Charles Hoskinson bei, der einst mit Vitalik Buterin Ethereum entwickelte, dann aber von Bord ging, um 2015 Cardano auf den Weg zu bringen. Von Beginn an hatte sich das 2017 gelaunchte Netzwerk zum Ziel gesetzt, das dritte Zeitalter der Blockchain-Technologie einzuläuten. Demnach sei das erste Paradigma der dezentralen Wertspeicherung verpflichtet und durch Bitcoin geprägt gewesen, die zweite Entwicklungsstufe habe Ethereum mit seinen Smart Contracts und dezentralen Finanzanwendungen (engl.: Decentralized Finance; kurz: DeFi; respektive Decentralized Applications; kurz: dApps) erklommen. Cardano wolle nun die grundlegendsten Probleme von Ethereum lösen, hieß es schon in den ersten Ankündigungen der Roadmap.

Das Netzwerk versteht sich als Allzweck-Blockchain mit ähnlichen Funktionen wie Ethereum, allen voran Smart Contracts. Der entscheidende Unterschied ist die deutlich gesteigerte Skalierbarkeit bei gleichzeitig geringeren Transaktionskosten. Bei der Weiterentwicklung der eigenen Funktionen, deren Transaktionskosten mit dem nativen ADA-Coin bezahlt werden, durchlief Cardano fünf Phasen. In den ersten drei Etappen wurden grundlegende Funktionen wie die Übertragung der ADA-Coins, der Ausbau der Knotenpunkte des eigenen Proof-of-Stake-Systems Ouroborus (kurz: PoS; Konsensmechanismus zur dezentralen Signatur und Prüfung von Transaktionen zwischen Betreibern autorisierter Knotenpunkte) unter den teilnehmenden Servern sowie Smart Contracts aktiviert. Spannend wurde es in den Phasen vier und fünf: Unter anderem kamen Sidechains dazu, also alternative Wege für Transaktionen, um die Skalierbarkeit zu erhöhen und die Interoperabilität zu verbessern.

Der wissenschaftliche Altcoin

In der aktuellen Phase namens Voltaire soll die Dezentralität vollends entfaltet und die Infrastruktur weiter ausgebaut werden, um günstige Alternativen zu teuren und instabilen Währungssystemen zu schaffen. Dabei will Cardano gezielt Anwendungsmöglichkeiten in Entwicklungsländern ausbauen. 2021 verkündete Cardano mit der äthiopischen Regierung die damals größte praktische Anwendung der Blockchain-Technologie im Altcoin-Sektor: Die Daten von fünf Millionen Schülern wurden über digitale Identitätsnachweise auf der Cardano-Chain gespeichert, um Noten und Abschlüsse zu dokumentieren – Pionierleistung und Meilenstein in der frühen Tokenisierung von traditionell und zentralisiert gespeicherten Daten. Damit stellte Cardano unter Beweis, dass Besitznachweise auf der Blockchain, also NFTs (engl.: Non Fungible Tokens) auch für andere Dinge verwendet werden können als für Spekulationen um sündteure verpixelte Bilder wie etwa die Crypto Punks auf Ethereum.

Abhilfe will Cardano in Entwicklungsländern auch bei Bankgeschäften schaffen. Einem Großteil der afrikanischen Bevölkerung sind Kredite nicht zugänglich, hohe Überweisungsgebühren schmälern die Rücküberweisungen, die Auswanderer mit besseren Jobs im Ausland an ihre Familien tätigen. Zum frühen Hype um Cardano trug auch der wissenschaftliche Ansatz des Projekts bei, der es von vielen Altcoin-Projekten abhebt. Das Unternehmen hinter Cardano ging schon 2017 eine Partnerschaft mit der Universität von Edinburgh ein, um das Blockchain Technology Laboratory zu gründen. Bis heute werden wichtige Entscheidungen über die Weiterentwicklung der Blockchain im Peer-Review-Verfahren getroffen, eine Art der Feedbackschleife, die bei wissenschaftlichen Publikationen gängig ist. Dabei werden Ergebnisse anonym von mehreren Wissenschaftlern untersucht und überprüft, ähnlich wie bei einem dezentralen Blockchain-Konsensmechanismus. Dieser Prozess hilft auch dabei, Probleme zu identifizieren und rechtzeitig zu beheben. Nicht von ungefähr kommt auch der Name des nativen Tokens: ADA ist nach der britischen Mathematikerin Ada Lovelace benannt, die eine frühe Form des Computers entwarf und damit als erste Programmiererin weltweit gilt.

Cardano zündet – trotz berechtigter Kritik

Insgesamt wird es ein Maximalangebot von 45 Milliarden ADA geben, 16 Prozent davon gingen an die Entwickler, 57.6 Prozent wurden in einem Initial Coin Offering (kurz: ICO) ausgegeben, was Cardano gute $62 Millionen einbrachte. Bis zum Umstieg von Ethereum auf Proof of Stake war Cardano die größte und wichtigste Blockchain, die dieses Prinzip erfolgreich umsetzte. Im schnelllebigen Krypto-Markt mit seinen ebenso explosiven wie kurzen Hype-Zyklen hat das Image des Ethereum-Killers bei Cardano zuletzt allerdings an Zugkraft eingebüßt. Der Bärenmarkt war beschwerlich, erratische Auftritte von Charles Hoskinson verunsicherten die Anleger. Die Analysten des kleine Thinktanks K33 Research warfen Cardano kürzlich das „völlige Fehlen von bedeutenden Aktivitäten im Netzwerk“ vor: „Ein Smart-Contract-Netzwerk braucht eine sinnvolle Nutzung, damit sein nativer Token einen Wert hat. Das Cardano-Netzwerk hat jedoch weder einen sinnvollen Nutzen noch einen glaubwürdigen Weg, diesen zu erreichen“.

Tatsächlich war es um Cardano in den letzten Monaten medial und auch kurstechnisch recht still geworden. Zwar teilte man kürzlich mit, täglich 90 000 Transaktionen abzuwickeln, K33 kommentierte dazu allerdings: „Wer schon eine Weile im Krypto-Space aktiv ist und Blockchain-Transaktionen noch immer mit sinnvoller Aktivität gleichsetzt, hat im Unterreich geschlafen.“ Im Report wurde außerdem konstatiert, dass ADA „die Rallye von anderen Smart-Contract-Tokens bislang nicht mitmachen konnte, während die Märkte allgemein gestiegen sind“. Diese Bewegung scheint Cardano nun allerdings nachzuholen: In den letzten Stunden legte der Kurs um gute zehn Prozent zu. Cardano selbst gibt sich selbstsicher: Im Activity-Bericht schrieb Cardano von mehr als 2000 Tagen ununterbrochener Laufzeit, zuletzt hatte es im Januar 2023 Zweifel an der Stabilität des Netzwerks gegeben, als ein Teilausfall die Hälfte der Knotenpunkte lahmlegte, die Blockchain aber weiterlaufen konnte. Die Resilienz sei durch gesteigerte Dezentralität weiter gesteigert worden.

Die Stille um Cardano in den Medien sei demnach trügerisch: Cardanos Entwickler zählen zu den aktivsten im Krypto-Sektor, außerdem unterstrich die Cardano Foundation wichtige Kooperationen, etwa mit dem milliardenschweren brasilianischen Energiekonzern Petrobas. K33 Research ist zwar ein wenig relevanter Player im Krypto-Bereich, die Kritik sollte aber ernst genommen werden. Mit Plattformen wie Avalanche oder Solana drohen große und kapitalstarke Konkurrenten der Cardano-Blockchain in Sachen Smart Contracts den Rang abzulaufen. Auch den Anschluss an Ethereum hatte man kurstechnisch zuletzt verloren, die Diskrepanz könnte nun aber wieder aufgeholt werden. Denn auch fundamental hat Cardano wichtige Schritte gesetzt, um die Dynamik der letzten Bullenzyklen wieder aufzunehmen. Im Januar hat sich die Anzahl der Smart Contracts auf Cardano nahezu verdoppelt, zu den gut 1300 Projekten, die aktiv auf der Blockchain gebaut werden, kamen knapp 160 dazu. Wie sich der Preis von Cardano und anderen Altcoin-Größen wie Solana oder Avalanche nun weiterentwickelt, verfolgen wir regelmäßig und detailreich in den täglichen Updates unseres Altcoin-Pakets – inklusive klaren Signalen zu Einstiegs- und Handelsmöglichkeiten. Das Narrativ um die Ethereum-Killer mag an Zugkraft verloren haben. Nun ist es Zeit, dass Cardano aus eigener Kraft wächst. Die jüngste Entwicklung spricht schon mal dafür.

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Simeon Koch

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