Pepe, Doge und Shiba Inu: Warum gehen Meme Coins gerade To The Moon?
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Pepe, Doge und Shiba Inu: Warum gehen Meme Coins gerade To The Moon?

Author

Simeon Koch

Stellen Sie sich vor, Sie sind in einer fremden Stadt. Sie sind hier gelandet, weil Ihnen ein Freund empfohlen hat, mal herzukommen – vielleicht sind Sie auch einfach mit dem Auto vorbeigefahren und neugierig geworden, weil alles sehr modern und futuristisch aussieht. Sie schnappen ein paar Sätze von Passanten auf, vom besten Theater am Platz ist da die Rede. Sie haben schon mal davon gehört, vor längerer Zeit, aber schafften es bisher nie, in diese Stadt und zu diesem Theater zu fahren. Jetzt aber gehen Sie hin. Als Sie ankommen, merken Sie, dass die Vorstellung schon läuft und die günstigen Tickets ausverkauft sind. Man bekommt nur noch die teuren und das Stück scheint schon dem Ende zuzugehen. Lohnt sich das noch? Sie hadern mit sich selbst, da werden Sie von einer Gruppe angesprochen, die wie Sie vor dem Eingang steht und wartet. Es sind ein paar junge Leute, die Ihnen vorschlagen, in ein Kino zu gehen, gleich um die Ecke. Es ist nicht so angesehen wie das altehrwürdige Theater, aber soll auch ganz gut sein, manchmal sogar besser.

Also gehen Sie mit und gelangen zu einem Kino, das aussieht, wie eine Kopie des Theaters von eben – nur gibt es hier viel mehr Vorstellungssäle und in jedem Film sitzen deutlich weniger Leute. Im Inneren des Lichtspielhauses hängen unzählige Plakate von sehr kurzen und längeren Filmen, mal aufwendig, mal dilettantisch gestaltet. Es geht oft um Tiere oder um Elon Musk und Donald Trump. Genau bei diesen Filmen sind die Tickets sehr günstig. Ein Blick in die Säle verrät, dass es dort kurzweilig zugeht: Da gibt es smarte Comedy und spannende Geschichten, die Besucher haben eine gute Zeit. Sie schauen in größere Kinosäle, dort laufen trockene wissenschaftliche Dokumentationen. Die Besucher scheinen gelangweilt und mürrisch, weil der Vortrag nicht besonders spannend ist – Action sucht man hier vergeblich. Es wird zwar angekündigt, dass es bald spannender wird, aber es sieht nicht danach aus. Außerdem sind die Karten hier viel teurer als bei den lustigen Filmen über Tiere und Elon Musk. Wo also gehen Sie hin, um in der neuen Stadt einen guten Abend zu haben?

Millionen Prozent Kursgewinn für sinnlose Coins

Was aber hat das mit dem Krypto-Markt zu tun? Um das zu begreifen, muss man zunächst Meme Coins und ihre Marktdynamik verstehen. In den vergangenen Tagen schoss der Bitcoin in Richtung der $70 000-Marke und könnte durch ein neues Allzeithoch noch vor dem anstehenden Halving für ein historisches Novum sorgen – auch dank Rekordzuflüssen in den Bitcoin-Spot-ETFs. Schon vor diesem Bitcoin-Ausbruch erlebten Altcoins wie Bittensor (TAO) oder auch Fetch.ai (FET) mit Anwendungsfällen im Bereich der Künstlichen Intelligenz sprunghafte Anstiege, zuletzt beschränkte sich das starke Wachstum aber primär auf die beiden Marktführer Bitcoin und Ethereum. Während etablierte Altcoin-Projekte noch auf die große Altcoin-Season warten, explodierten sogenannte Meme Coins, also Kryptowährungen, die auf einem viralen Witz oder lustigen Bildern basieren, aber keinen intrinsischen Zweck für die Blockchain-Infrastruktur verfolgen. Darin unterscheiden sie sich von Orakel-Protokollen wie Chainlink, Smart-Contract-Plattformen wie Cardano oder Interoperabilitäts-Anbietern wie Polkadot, die allesamt wichtige technische Funktionen für die Anwendung der Blockchain-Technologie in unserem Alltag bieten. Meme Coins verstehen sich als humoristisches Symbol einer treuen Community, die den Preis nach oben treibt, weil sie Spaß daran hat – und sich immense Profite verspricht.

Als erster relevanter Meme Coin trat Dogecoin im Jahr 2013 auf den Plan, als die allermeisten heute berühmten Kryptowährungen noch nicht einmal in den Kinderschuhen steckten. Bis heute machte Dogecoin ein Plus von rund 33 000 Prozent und ist mit einem Kurswert von $0.18 trotzdem noch rund 80 Prozent von seinem bisherigen Allzeithoch bei etwa $0.74 entfernt. Wer hier noch einsteigen will, kann sich an der technischen Analyse unseres Altcoin-Pakets orientieren, in dessen Videoanalyse auch Dogecoin von unserem maskierten Analysten Phantom besprochen wird. Die Vorliebe des Krypto-Marktes für scheinbar sinnbefreite Projekte mit drolligen Namen und Titelbildern verfestigte sich, im August 2020 folgte mit Shiba Inu so etwas wie der kleine Bruder von Dogecoin. Anders als Dogecoin, dessen Blockchain eine Abspaltung von Litecoin darstellt, läuft Shiba Inu als Second Layer auf Ethereum. Ebenso wie bei Dogecoin ist Shiba Inus Markenzeichen ein Hündchen, in diesem Fall das der gleichnamigen japanischen Rasse – performte mit mehreren Millionen Prozent Kurszuwachs seit Veröffentlichung 2020 aber sogar noch um ein Vielfaches besser als sein Meme-Vater im Geiste. Das aktuell dominante Dreigestirn der Meme Coins vervollständigte Pepe Coin im Frühjahr 2023, ein etwas ungelenk gezeichnetes Froschgesicht, das mit seiner leidenden Miene schon vor Jahren zum Internethit wurde.

Die Magie des Bitcoin-Theaters – und süßer Hunde

Pepe katapultierte sich mit einem Wertzuwachs von rund 12 500 Prozent in den letzten zwölf Monaten in die Top-50 der größten Kryptowährungen, Shiba Inu rangiert unmittelbar hinter Dogecoin auf Platz neun nach Marktkapitalisierung. Obgleich alle drei Projekte auf eine riesige Schar an frenetischen Unterstützern auf allen möglichen Social Media-Plattformen vertrauen können, die sich an den absurden Kursexplosionen der augenscheinlich inhaltslosen Meme-Projekte erfreuen, zeichnete sich in den letzten Monaten unter den großen Meme Coins ein Trend zur Entwicklung konkreter Anwendungen ab – sowohl auf der Blockchain als auch in der echten Welt. Schon seit Jahren liebäugelt Elon Musk damit, Dogecoin als offizielles Zahlungsmittel für Tesla oder auf X, vormals Twitter, zu installieren, erst kürzlich preschte Ferrari vor und verkündete, Dogecoin neben Bitcoin und Ethereum als Bezahlung für seine Sportwagen anzunehmen. Shiba Inu will ein eigenes Metaversum kreieren und ins Krypto-Gaming einsteigen, einzig Pepe ist nach wie vor ein klassischer Internetwitz ohne technischen Tiefgang – ähnlich wie zahllose Nachahmer, die sich mit Comic-Gesichtern von Elon Musk oder Donald Trump schmücken.

Warum aber gehen diese Meme Coins gerade durch die Decke? Und was hat das mit einem teuren Theater zu tun? Durch die Bitcoin-Spot-ETFs erreicht der Krypto-Markt deutlich mehr private Anleger als zuvor und gewinnt schneller an Aufmerksamkeit als in vorherigen Bullenmärkten. Immer mehr Leute ohne große Krypto-Kenntnis stolpern in den Blockchain-Sektor wie in eine fremde Stadt und suchen nach Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen. Trotzdem sind die meisten spät dran, die Bitcoin-Vorstellung scheint nahe einem neuen Allzeithoch schon ihrem vorläufigen Ende entgegenzusteuern. Im Bitcoin-Theater haben nur jene einen Platz, die früh dabei waren oder bereit sind, später bei viel höheren Preisen einzusteigen. Für neue Investoren erscheint der Altcoin-Markt umso interessanter: Große Kursexplosionen sind bisher zumeist ausgeblieben, bei steigender Bitcoin-Dominanz schichten viele Krypto-Anleger in die größte Kryptowährung um, worunter viele Altcoin-Kurse leiden. Für Neulinge ohne tiefgehende technische Kenntnisse erscheinen die etablierten Altcoins mit teils komplexer Funktion aber wie eine komplizierte wissenschaftlicher Doku, während Meme Coins mit einfachen Geschichten, lustigen Bildern und einer auffälligen Community locken. Die Verfechter etablierter Coins warten derweil ungeduldig darauf, auch ihr Projekt explodieren zu sehen und werden beim Blick auf die absurden Anstiege der Memes mürrisch.

Gefährdet der Meme-Coin-Hype den Bullenmarkt?

In einem Kino, in dem trockene Dokumentationen mit Comedy-Filmen konkurrieren, würden sich die meisten neuen Besucher wohl für die Streifen mit witzigen Tieren, Elon Musk und Donald Trump entscheiden. Das ist nicht nur vollkommen nachvollziehbar, sondern auch eine plausible Erklärung für den Meme-Coin-Hype, befeuert durch neue und risikofreudige Investoren. Vor allem die günstigen Preise für Meme Coins, die oft nur beim Bruchsteil eines Cents liegen, erscheinen vielen kleineren Käufern und Tradern attraktiv, die hohe Volatilität sowieso. Meme Coins haben sich als feste Größe im Krypto-Markt etabliert und verdienten sich den Ruf absurder Profitmöglichkeiten in den letzten Bullenmärkten redlich. Das ist auch außerhalb des Krypto-Marktes bekannt – was leicht zu verstehen, unterhaltsam und dann auch noch lukrativ ist, kann eigentlich nur gut ankommen. Experten und erfahrenen Anlegern bereitet der Meme-Hype trotzdem Kopfzerbrechen, denn die aktuelle Marktentwicklung stellt die Tradition vergangener Bullenmärkte auf den Kopf: Bisher explodierten Meme Coins erst, als der Aufwärtszyklus des Marktes schon fast vorbei war.

Traditionell sickerte das Geld der Investoren die Rangliste der größten Kryptowährungen stringent abwärts: Erst stieg Bitcoin stark an, dann folgten große und etablierte Altcoin-Produkte, die sogenannten Large-Caps (Kryptowährungen mit hoher Marktkapitalisierung, auf Englisch also Large Market Cap) und dann erst die Small-Caps (Coins mit kleiner Marktkapitalisierung). Dass die Meme Coins wie in der Vergangenheit mit ihren Ausbrüchen das Ende des Bullenmarktes signalisieren, ist aktuell aber nicht zu befürchten. Erstens widerspricht die Dynamik nur auf den ersten Blick der Tradition des Marktes, da die großen Meme Coins bereits zu den Large Caps gehören. Zweitens entsteht durch die neue Aufmerksamkeit des Krypto-Markts eine ganz neue Situation: Früher kamen unerfahrene Investoren erst in der Spätphase des Bull Runs in die Krypto-Stadt und zum Bitcoin-Theater. Heute passiert das eben schon viel früher, was den Meme Coins zugutekommt. Ein Einstieg in bereits stark gestiegene Meme-Projekte ist natürlich trotzdem riskant – genauso schnell, wie der Preis nach oben schoss, kann er auch wieder abstürzen. Aber genau dafür werden diese Actionfilme unter den Kryptowährungen ja auch geliebt.

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Simeon Koch

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