Der Krypto-Markt ist der nordamerikanischen Börsenaufsicht ein Dorn im Auge, das ist nichts Neues. Besonders geht der Securities and Exchange Commission (kurz: SEC) gegen den Strich, dass sie keinen Zugriff auf Altcoins zu bekommen scheint. Erst die vorläufige Niederlage in der Ripple-Klage im Sommer, dann die zähneknirschende Genehmigung der Spot-ETFs für den größten Altcoin Ethereum: Der SEC-Vorwurf des illegalen Wertpapierhandels gegen diverse Krypto-Projekte scheint immer mehr an Substanz zu verlieren. Nun scheinen die Regulationsbemühungen einen weiteren herben Dämpfer zu erleiden. Mitte der Woche wurde bekannt, dass die SEC ihre Ermittlungen gegen Ethereum einstellt, die sie vergangenes Jahr aufgenommen hatte. Der Vorwurf lautete, dass Ethereum ein nicht-reguliertes und damit illegales Wertpapier sei. Kurz vor Bekanntwerden des behördlichen Rückziehers war der Chef der SEC-Abteilung für Kryptowährungen zurückgetreten, was die Gerüchteküche bereits anheizte. Als die Börsenaufsicht das freiwillige Ende ihrer Ermittlungen mitteilte, jubilierte der Metamask-Entwickler Consensys auf X, vormals Twitter: „Ethereum überlebt die SEC!“ – dabei ist Ethereum der Status als Rohstoff noch gar nicht sicher. Ganz zu schweigen von anderen Altcoins.
Die SEC verwickelt sich in Widersprüche
Die Securities and Exchange Commission hat einfach kein Glück, wenn es um die Regulierung von Kryptowährungen geht. Oder besser gesagt: Sie steht sich dabei andauernd selbst im Weg und untergräbt damit ihre eigene Glaubwürdigkeit. 2018 erklärte der ehemalige SEC-Direktor William Hinman: „Basierend auf meinem Verständnis des gegenwärtigen Stands von Ether, des Ethereum-Netzwerks und seiner dezentralen Struktur, sind wir der Meinung, dass die derzeitigen Angebote und Verkäufe von Ether keine Wertpapiertransaktionen sind.“ Seitdem versuchte seine eigene Behörde, diese Aussagen zu revidieren, zwischenzeitlich kamen sogar Gerüchte auf, Hinman könnte von Ethereum bezahlt worden sein und wäre deshalb befangen gewesen. Befeuert wurden diese Anschuldigungen durch einen Ripple-Anwalt, der der SEC im eigenen Gerichtsverfahren vorwarf, Ethereum wegen interner Verstrickungen zu bevorzugen. Ripple selbst legte die Hinman-Aussagen und geleakte E-Mails aus dieser Zeit als Beweismittel vor, um die vermeintlichen inneren Widersprüche in den Wertpapier-Vorwürfen der SEC gegen diverse Altcoins hervorzuheben.
Auch Consensys, Gründer der Browser-Wallet Metamask, verwies auf Hinmans Rede, als der Krypto-Dienstleister die Börsenbehörde vor wenigen Wochen für ihre ETH-Ermittlungen verklagte. Bis heute scheint die SEC keinen roten Faden in ihrer Wertpapier-Argumentation zu finden. Den Ripple-Prozess verlor man in der ersten Instanz, den Bitcoin erklärte man rund um die ETF-Zulassung im Januar zweifelsfrei zum Rohstoff. Zwar hat SEC-Chef Gary Gensler damals betont, dass es sich „bei der großen Mehrheit der Krypto-Assets um Fälle für das Wertpapier-Gesetz“ handle – womit sie ins Zuständigkeitsgebiet der SEC fallen würden. Dafür aber hagelte es aus den eigenen Reihen heftige Kritik. Dennoch versuchte die Börsenaufsicht weiterhin, klare Kante gegen Altcoins zu zeigen und nahm dabei vor allem den Branchenprimus Ethereum ins Visier. Auch hier aber offenbarten sich bald Ungereimtheiten. So schrieb die SEC selbst in ihrer vorläufigen Genehmigung für Ethereum-Spot-ETFs, dass die Commodity Futures Trading Commission (kurz: CFTC), also die Behörde für den Handel mit Rohstoffen, für den ersten nordamerikanischen Altcoin-ETF zuständig sein werde.
Ist die „prinzipienlose Kampagne“ zu Ende?
Der SEC-Vorsitzende Gary Gensler ließ sich rund um die Ethereum-ETFs zu keinem ausführlichen Statement hinreißen, dementierte die Aussagekraft dieses auffälligen Details aber auch nicht überzeugend. Für Consensys liegen die Widersprüche auf der Hand, in einem Statement vom Dienstag heißt es: „Nachdem die SEC 2018 erklärt hat, dass ETH kein Wertpapier sei, hat sie 2023 heimlich entschieden, Macht über dieses digitale Asset zu fordern und eine unzulässige Ermittlung gegen Ethereum in die Wege zu leiten“. Am 25. April holte Consensys zum Gegenschlag aus und klagte vor einem Gericht die Einstellung der SEC-Untersuchung ein, weil „Ethereum ein Rohstoff ist und die SEC deshalb kein gesetzliches Recht dazu hat, gegen ETH zu ermitteln oder es zu regulieren“, wie Consensys klarstellte. Stein des Anstoßes war zuletzt der Umstieg auf Ethereum 2.0 und Proof of Stake im September 2022: Laut SEC seien etwa Staking-Rewards mit Aktien-Dividenden zu vergleichen. Nach der Zulassung der Ethereum-ETFs forderte Consensys eine Klarstellung bezüglich der ETH-Ermittlungen.
Laut Consensys sei es „zwingend erforderlich, dass die SEC ihre prinzipienlose und undurchsichtige Regulierungskampagne aufgibt“, um eine Branche zu schützen, die „als Rückgrat für unzählige neue Technologien und Innovationen“ diene. Zwischenzeitlich leitete die SEC auch gegen Consensys selbst Untersuchungen ein, weil MetaMask durch Altcoin-Swaps angeblich als illegaler Wertpapierhändler auftrete. Für Consensys ist der SEC-Rückzug ein „großer Sieg für Ethereum-Entwickler, Technologie-Anbieter auf der Blockchain und alle, die an der Industrie teilhaben“. Dennoch bleibe „noch mehr zu tun, um Kryptowährungen in den Vereinigten Staaten zu schützen“. Weitere Verfahren gegen große Krypto-Anbieter sind anhängig, die SEC forderte etwa Coinbase dazu auf, den Handel mit mehreren Kryptowährungen einzustellen – darunter Solanas SOL-Token, Caradanos ADA und MATIC von Polygon. Coinbase erzielte kürzlich einen ersten Erfolg vor Gericht, als die Coinbase-Wallet von einem ähnlichen Vorwurf wie gegen MetaMask freigesprochen wurde. Dennoch geht der Kampf um die Regulation im Krypto-Markt weiter. Im Gegensatz zur Strategie der SEC lassen sich die Kurse von Solana, Chainlink, XRP und Co. gut prognostizieren. Wichtige Preisbereiche für lukrative Investments finden Sie in unseren täglichen Analysen zu Bitcoin und Ethereum sowie den wichtigsten Altcoins.




