Donald Trump hat am Wochenende auf der Bitcoin Conference in Nashville im Bundesstaat Tennessee ein starkes Bekenntnis zur Unterstützung der Kryptowährungsbranche abgegeben. Der ehemalige Präsident der USA versprach, die „Verfolgung“ der Blockchain-Industrie zu beenden, wenn er die Präsidentschaftswahlen im November gewinnt. Vor einem begeisterten Publikum erklärte Trump, dass er die Vereinigten Staaten zur führenden Nation für Kryptowährungen machen wolle und kündigte an, am ersten Tag seiner Amtszeit den Vorsitzenden der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC), Gary Gensler, zu entlassen. Diese Ankündigung stieß auf großen Beifall, „Trump“-Rufe hallten durch den Saal. Trumps Rede war für viele der Höhepunkt der dreitägigen Konferenz, bei der auch Branchegrößen wie Microstrategy-CEO Michael Saylor, ARK Invest-Gründerin Cathie Wood und der nordamerikanische Whistleblower Edward Snowden sprachen. Snowden warnte vor Datenschutz-Risiken beim Bitcoin, während Saylor millionenschwere Preisprognosen für die kommenden Jahre abgab. Trumps voraussichtliche Wahlgegnerin Kamala Harris trat nicht auf, suchte aber hinter den Kulissen die Nähe von großen Krypto-Unternehmen.
Edward Snowden warnt vor Bitcoin-Kontrolle
$3 Millionen soll ein Bitcoin laut Michael Saylor 2045 wert sein – wenn es schlecht läuft. Denn das ist der Bear Case, also bärische Szenario, das Saylor auf der Bitcoin Conference für die Entwicklung des weltgrößten Krypto-Assets präsentierte. Die moderate und wahrscheinlichere Prognose liege bei rund $13 Millionen, die bullische sogar bei astronomischen $49 Millionen, erklärte Saylor selbstbewusst. Auf die Euphorie-Bremse trat hingegen der weltberühmte Whistleblower Edward Snowden, der einst globale Spionagefälle des nordamerikanischen Geheimdienstes NSA in den höchsten politischen Kreisen aufgedeckt und danach Zuflucht in Russland gesucht hatte. Snowden nahm per Videoschalte an der Konferenz teil und warnte davor, dass Bitcoin nicht so anonym sei, wie häufig angenommen – besonders, wenn man Wallets künftig nur noch mit persönlicher Identifikation nutzen könne: „Wenn sie deine Transaktionshistorie haben, haben sie deine Lebensgeschichte“, mahnte Snowden und fügte an: „Sie wissen, was du liest, was du kaufst, an wen du schickst, wen du politisch unterstützt, wohin deine Spenden geflossen sind“. Er sei selbst von der Technologie des Bitcoin überzeugt, sehe die politischen Anstrengungen zur stärkeren Kontrolle von Krypto-Transaktionen aber kritisch: „Uns läuft die Zeit davon, das Problem zu beheben, und die Konsequenzen dieses Ignorierens sind noch viel schlimmer“.
Und auch vor politischer Vereinnahmung warnte Snowden zum Abschluss seiner Rede. Mit Blick auf die politische Vereinnahmung des Bitcoin im aktuellen Wahlkampf um die Präsidentschaft in den USA unterstrich Snowden: „Gebt eure Stimme ab, aber tretet keinem Kult bei“. Bezogen war das wohl auch auf die plötzliche Kehrtwende Donald Trumps, der Bitcoin vor wenigen Monaten noch als gefährliche Konkurrenz für den US-Dollar bezeichnet hatte und sich nun als großer Befürworter darstellt. Trump selbst ließ sich von Snowdens klaren Worten offenbar nicht beeindrucken und nutzte seine Rede zum Abschluss der Konferenz, um die gegenwärtige Haltung der Biden-Regierung gegenüber Kryptowährungen scharf zu kritisieren. Wenn er ins Weiße Haus einzöge, gebe es einen sofortigen Kurswechsel, polterte Trump: „Ich verspreche der Bitcoin-Community, dass am Tag meiner Amtseinführung die anti-krypto Kampagne von Joe Biden und Kamala Harris beendet sein wird“. Noch 2019 hatte Trump auf Twitter gepostet, dass er „kein Fan von Kryptowährungen“ sei, schließlich seien sie „unreguliert und können rechtswidriges Verhalten, einschließlich Drogenhandel und andere illegale Aktivitäten erleichtern“. Diese Meinung scheint Trump nun abgelegt zu haben.
„Verkauft niemals eure Bitcoin!“
Ähnlich wie Snowden warnte der Republikanische Präsidentschaftskandidat vor politischen Risiken des Bitcoins – diesmal aber mit Blick auf den internationalen wirtschaftlichen Wettbewerb mit China: "Sie werden dominieren, und wir dürfen China nicht dominieren lassen“, urgierte Trump, schließlich mache das Reich der Mitte in Sachen Krypto-Adaption „bereits zu große Fortschritte“. Schon vor einigen Wochen hatte Trump gefordert, das Bitcoin-Mining mehrheitlich in die USA zu verlegen, um die übrigen schürfbaren Bitcoins in heimische Reserven überführen zu können. Jene Bitcoins, die man schon jetzt besitze und künftig in die Hände bekomme – etwa durch Beschlagnahmungen von verurteilten Kriminellen – will Trump laut eigener Aussage in einem nationalen „Bitcoin-Vorrat“ halten: „Wenn ich gewählt werde, wird es die Politik meiner Regierung sein, dass die Vereinigten Staaten von Amerika 100 Prozent aller Bitcoin behalten, die die US-Regierung derzeit hält oder in Zukunft erwirbt.“ Auch will Trump eine präsidiale Beratungsstelle für Kryptowährungen einrichten, um die Branche weiter zu unterstützen. „Verkauft niemals euer Bitcoin“, riet er dem Publikum noch und versetzte seine Zuhörer damit in Entzücken.
Weniger erfreulich war Trumps Rede für die aktuellen Entscheidungsträger der nordamerikanischen Börsenaufsicht SEC. Deren Vorsitzenden Gary Gensler will Trump nämlich umgehend entlassen, wenn er gewählt wird – ein Ansinnen, das er in seiner Rede auf der Bitcoin Conference ein weiteres Mal durchklingen ließ. Gensler musste in den vergangenen Monaten heftige Kritik von Krypto-Unterstützern und auch aus den Reihen der eigenen Behörde Kritik einstecken, weil er sich bei der Zulassung der Spot-ETFs für Bitcoin und Ethereum quergestellt haben soll. Der regulatorische Umgang mit Kryptowährungen werde sich unter ihm als Präsident ändern, versprach Trump – allerdings werde man die Entwicklung der Branche weiterhin sorgfältig im Auge behalten. Ändern werde sich aber eine zentrale Sache: „Wir werden Regulierungen haben. Aber von nun an werden die Regeln von Leuten geschrieben, die diese Branche lieben und sie nicht hassen.“ Unter seiner Ägide werde Amerika mithilfe des Krypto-Sektors zur „Bitcoin-Supermacht“ und dem „Krypto-Zentrum des Planeten“ aufsteigen, kündigte Trump vollmundig an. Das Publikum in Nashville reagierte begeistert.
Kamala Harris verhandelt mit Coinbase und Ripple
Während Trump seine Krypto-freundliche Positionierung untermauert, versucht auch Vizepräsidentin Kamala Harris, die Beziehung zwischen ihrer Demokratischen Partei und der Krypto-Industrie zu verbessern. Nach Joe Bidens freiwilligem Ausscheiden aus dem Wahlkampf ist Harris seine designierte Nachfolgerin, eine endgültige Entscheidung über ihre Nominierung wird erst auf einem Parteitag im August gefällt. Dennoch wirbt Harris schon jetzt für Unterstützung aus der Krypto-Branche, die wegen zahlreicher Konflikte mit der SEC zuletzt nicht mehr besonders gut auf die Biden-Regierung zu sprechen gewesen war. Laut einem Bericht der Financial Times hat Harris‘ Beraterteam kürzlich Kontakt zu führenden Krypto-Unternehmen wie Coinbase, Circle und Ripple Labs aufgenommen. Ziel sei es laut den Berichten, einen konstruktiveren Dialog zu fördern und eine regulatorische Rahmenordnung zu schaffen, die das Wachstum der Branche unterstützt. Für die Demokratische Partei ist dieser bislang noch inoffizielle Kurswechsel beachtlich und ein weiteres Signal für die Bedeutung von Bitcoin und Co. in der aktuellen Politik und im Wahlkampf zur Präsidentschaft. Wer von den Kursentwicklungen bei Bitcoin und Ethereum sowie den wichtigsten Altcoins profitieren will, sollte mal einen Blick auf unsere regelmäßigen Kursanalysen werfen.


Michael Saylors Bitcoin- Preisprognosen bis 2045: $3 Millionen im bärischen, $49 Millionen im bullischen Fall

