„Das hier ist ein Sieg für Ripple, die Krypto-Industrie und den Rechtsstaat. Der Gegenwind der SEC gegen die XRP-Community ist ein für alle Mal weg“ – mit diesen Worten feierte Ripple-Geschäftsführer Brad Garlinghouse am Mittwoch den Erfolg gegen die nordamerikanische Börsenaufsicht vor Gericht. Vor vier Jahren hatte die Securities and Exchange Commission (SEC) gegen den Zahlungsdienstleister Ripple Labs Klage wegen illegalem Wertpapierhandel erhoben. Im Kern ging es um XRP, den nativen Token der Blockchain, die Ripple für seine Services nutzt. Die SEC erkannte in XRP ein unreguliertes und damit rechtswidrig gehandeltes Wertpapier, weil Ripple mit Token-Verkäufen Kapital beschaffte und ein Rendite-Versprechen impliziert haben soll. Die Ripple-Klage war der erste große Altcoin-Prozess der SEC, in den Folgejahren brachte die Behörde zahlreiche Klagen gegen weitere Krypto-Projekte ein – stets mit ähnlichen Vorwürfen. Dass Ripple nun in vielen Punkten freigesprochen wurde und eine vergleichsweise geringe Strafe zahlt, wird im Krypto-Markt als Befreiungsschlag für den gesamten Altcoin-Sektor gedeutet. Wie wichtig ist das Ripple-Urteil wirklich?
Ripple zahlt $125 Millionen Strafe
Ripple ist einer der ältesten Altcoins und nach Marktkapitalisierung das fünftgrößte Krypto-Projekt überhaupt, wenn man den Stablecoin USDT exkludiert. Ripple Labs wurde bereits 2012 gegründet und betreibt seitdem ein Zahlungsprotokoll für internationale Finanz-Transaktionen. Kunden sind vor allem Banken, die große Geldmengen grenzüberschreitend versenden müssen. Ripples Blockchain und der native Token XRP ermöglichen weitaus günstigere und schnellere Transaktionen als etwa das SWIFT-System oder klassische Banküberweisungen. Dass Ripple mit Verkäufen seines XRP-Tokens bis 2020 rund $1.3 Milliarden an Eigenkapital anhäufte, interpretierte die Börsenaufsicht als illegalen Wertpapierhandel. Ursprünglich forderte die SEC eine Strafzahlung von $2 Milliarden – eine Forderung, die weithin als gezielter Angriff auf Ripples finanzielle Stabilität verstanden wurde. Bereits im Sommer vergangenen Jahres aber erzielte Ripple den ersten großen Erfolg, als ein New Yorker Gericht feststellte, dass nur ein kleiner Bruchteil aller XRP-Transaktionen mit Verstößen gegen das Wertpapiergesetz gleichzusetzen sei.
Konkret geht es dabei um knapp 1300 Verkäufe an institutionelle Investoren aus der Frühphase des Blockchain-Projekts. Nach dem Rechtsspruch im Juli 2023 verkündete die zuständige Richterin am gestrigen Mittwoch die Strafe: Ripple muss eine Zivilstrafe in Höhe von $125 Millionen zahlen. Trotz des Schuldspruchs und der damit verbundenen Strafe ist das Urteil für Ripple ein großer Erfolg – besonders mit Blick auf die offenbar unverhältnismäßigen Forderungen der SEC. Mindestens ebenso wichtig ist für Ripple, dass nur die frühen XRP-Verkäufe an institutionelle Investoren als mögliche Wertpapiergeschäfte eingestuft wurden. Somit ist der freie Handel mit dem XRP-Token nicht rechtswidrig. Eine gegenteilige Entscheidung der zuständigen Juristen hätte das jähe Aus für Ripples Geschäftsmodell bedeutet. Schließlich nutzt Ripple den XRP-Token als Vehikel für umfangreiche Bargeld-Transaktionen in verschiedenen Währungen, die für den Versand in XRP konvertiert und anschließend wieder rückgetauscht werden können. Eine Einstufung als illegales Wertpapier hätte die effiziente Nutzung des XRP-Netzwerks drastisch eingeschränkt und Ripple damit sein wichtigstes Verkaufsargument genommen.
Pechsträhne der SEC hält an
Entsprechend euphorisch fielen die Reaktionen auf das Urteil innerhalb der XRP-Community aus. In den Stunden nach der Urteilsverkündung stieg der XRP-Preis um 20 Prozent und zeigte zeitweise die beste Performance unter den Top-500 Kryptowährungen. Ripple ist trotz der Millionenstrafe sehr zufrieden mit dem Urteil, CEO Brad Garlinghouse sagte der Presse: „Wir respektieren die Entscheidung des Gerichts und haben nun Klarheit darüber, wie wir das Wachstum unseres Unternehmens vorantreiben können.“ Vollends geschlagen gab sich die SEC dann aber doch nicht und ließ über einen Sprecher ausrichten: „Wie mittlerweile schon mehrere Gerichte festgestellt haben, gelten die Wertpapiergesetze, wenn Firmen Anlageverträge anbieten und verkaufen – unabhängig von der Technologie oder der Bezeichnung, die sie dafür verwenden.“ Und tatsächlich ist Ripple nun trotz des vorläufig positiven Ausgangs unter besonderer juristischer Beobachtung. Sollte Ripple künftig weitere Token ausgeben oder Services anbieten, die unter Bestimmungen des Wertpapiergesetzes fallen, muss das Unternehmen detaillierte Registrierungserklärungen einreichen. Laut Gericht sei es „wahrscheinlich, dass Ripple künftig weitere Verstöße begehen könnte“. Die SEC selbst, deren Klage laut formalem Gerichtsbeschluss „teilweise anerkannt, teilweise abgelehnt“ wurde, könnte nun Berufung gegen das Urteil einlegen. Der Feierstimmung unter XRP-Unterstützern tut dies aktuell aber keinen Abbruch.
Und auch für andere Altcoin-Projekte ist der Ausgang des jahrelangen Ripple-Prozesses von großer Bedeutung. Dass Ripple statt der SEC-Forderung von $2 Milliarden doch nur $125 Millionen an Strafe bezahlen muss, markiert einen weiteren herben Rückschlag beim Versuch der Börsenaufsicht, regulatorische Kontrolle über Kryptowährungen zu erlangen. Im Frühling scheiterte die SEC in Teilen mit einer Klage gegen Coinbase wegen illegalen Wertpapierhandels. Im Juni musste die Behörde ihre Vorwürfe gegen den Metamask-Entwickler Consensys zurückziehen. Kurz zuvor hatte das Parlament der Vereinigten Staaten einen Gesetzesentwurf der SEC abgelehnt, der institutionellen Anlegern und Banken die Interaktion und den Handel mit Kryptowährungen erheblich erschwert hätte. Und auch aus den eigenen Reihen hagelt es Kritik am Vorgehen der Börsenhüter. So kritisierte Hester Peirce, eine Kommissarin der SEC, ihren eigenen Chef Gary Gensler am Rande der Zulassung mehrerer Bitcoin-ETFs im Januar für seine skeptische Haltung gegenüber dem Krypto-Sektor. Laut Peirce hätte man die „zirkusähnliche Atmosphäre“ rund um die Bitcoin-Fonds „vermeiden können“, wenn man Kryptowährungen wie andere Anlageklassen behandle.
Ripple bald über $1?
Diese Misserfolge der SEC stützen die Vorwürfe von Ripple-CEO Garlinghouse und weiteren Granden des Blockchain-Marktes, dass die SEC den Bogen bei ihren Kampagnen gegen Altcoins überspanne. Auch der neuerdings Bitcoin-freundliche Präsidentschaftskandidat Donald Trump schaltete sich unlängst in diese Debatte ein und kündigte an, den SEC-Vorsitzenden Gary Gensler als eine seiner ersten Amtshandlungen zu entlassen, sollte der ehemalige Präsident ins Weiße Haus zurückkehren. All das sind positive Nachrichten für große Altcoin-Projekte wie Polygon oder Cardano, die sich ebenfalls Wertpapier-Vorwürfen und Ermittlungen der SEC ausgesetzt sehen. Ripple jedenfalls scheint diesen juristischen Klotz am Bein jetzt vorerst abgeschüttelt zu haben, Partnerschaften mit großen Banken wie etwa Santander oder der brasilianischen Itaú sollen nun für neues Wachstum sorgen. Die letzten Bullenmärkte waren eher enttäuschend für Ripple – in den nächsten Monaten könnte XRP laut unserer Elliott-Wellen-Analyse aber zumindest über die $1-Marke zurückkehren, über den korrektiven Berg ist der Coin jedoch noch längst nicht. Konkrete Preisprognosen und Zielzonen für lukrative Einstiege oder Verkäufe finden Sie in unseren regelmäßigen Analysen zu Bitcoin/Ethereum sowie den spannendsten Altcoins um Solana, Cardano oder Chainlink.


SEC-Chef Gary Gensler bezeichnete das Ripple-Urteil als "Enttäuschung", Brad Garlinghouse warf Gensler im Gegenzug vor, "nicht im Sinne des amerikanischen Volkes" zu handeln.

