Der Elektroauto-Marktführer Tesla hat gestern nach Marktschluss seine Quartalszahlen präsentiert und ist dabei teils deutlich hinter den Erwartungen geblieben. Um mehr als die Hälfte ging der Nettogewinn in den letzten drei Monaten verglichen mit dem ersten Quartal des Vorjahres zurück. Die Absatzzahlen fielen sogar stärker als während der Frühphase der Corona-Pandemie 2020, schon vor einigen Wochen hatte Tesla publik gemacht, dass die Verkaufsstatistik zuletzt so schwach war wie seit vier Jahren nicht. Mit den Quartalszahlen bekamen die Anleger diese Hiobsbotschaft nun schwarz auf weiß: Teslas Auto-Umsatz fiel im Jahresvergleich um satte 13 Prozent auf nunmehr $17.38 Milliarden, bei den allgemeinen Umsätzen kullerten mehr als $2 Milliarden von der Uhr, auch hier steht ein deutliches Minus von fast neun Prozent zu Buche. Auch diesmal aber wusste Elon Musk, seine Anleger mit frischen Hoffnungen zu trösten. Der Billig-Tesla soll entgegen kürzlich aufgekommener Spekulationen doch schon bald vom Band laufen, neue Modelle will man laut dem milliardenschweren Geschäftsführer in den nächsten Monaten vorstellen.
Tesla unterbietet selbst vorsichtige Prognosen
Selten wurden die Bilanzen des ehemaligen Tech-Topperformers so bang erwartet. Die Börsenstimmung in den Stunden vor Veröffentlichung glich gestern dem fieberhaften Countdown zur Vorstellung der Quartalszahlen von Chip-Gigant Nvidia vor einem Monat. Nahezu allein schien der Hardware-Riese damals die Investoren-Hoffnungen um Künstliche Intelligenz zu schultern, die den großen nordamerikanischen Indizes zu immer neuen Höchstständen verhalfen. Und entsprechend fragil schien diese kollektive Abhängigkeit von den Geschäftsergebnissen eines einzelnen Konzerns. Nvidia aber lieferte und der Markt atmete auf. Zum Offenbarungseid geriet gestern auch Teslas Abschluss-Statistik für die zurückliegenden drei Monate. Noch kurz vor dem gestrigen Abend hatten viele Analysten ihre Erwartungen nach unten korrigiert, zu schwach schienen die jüngst rekordverdächtig rückläufigen Verkaufszahlen. Hinzu kommt die wachsende Konkurrenz aus China und anhaltende Schwierigkeiten mit dem prestigeträchtigen Edelstahl-Boliden Cybertruck, dessen gesamte Linie Tesla wieder einbestellen muss, um einen technischen Defekt zu beheben.
Die Tesla-Zahlen für Q1 2024, nebst Analysten-Prognosen sowie Q1 und Q4 2023.
Nach Abverkäufen von mehr als 40 Prozent in den letzten Wochen stand die Tesla-Aktie schon vor den Quartalszahlen auf wackligen Beinen. Und die Vorzeichen sollten nicht besser werden. Denn selbst mit den verhaltenen Schätzungen konnte der schlingernde E-Auto-Gigant nicht mithalten. Die Umsätze fielen im Vergleich zum ersten Quartal im Vorjahr um neun Prozent und verzeichneten den stärksten Rückgang seit 2012. Während man im letzten Abschnitt des vergangenen Geschäftsjahres noch $25.17 Milliarden eingenommen hatte, stehen nun gerade mal $21.3 Milliarden zu Buche. Mit einem Minus von 13 Prozent ist auch der Umsatz mit Neuwagen deutlich rückläufig, von zuletzt $21.56 Milliarden korrigierte diese Kennzahl auf magere $17.38 Milliarden. Noch heftiger traf es den Gewinn je Aktie: Nach $0.85 im ersten und $0.71 im vierten Quartal 2023 waren Experten mit einer Vorhersage von $0.49 bereits zurückhaltend geblieben. Die letztlich erreichten $0.45 lagen schließlich gute 47 Prozent unter dem Vorjahresvergleich, ähnlich schnitt mit $1.54 Milliarden der bereinigte Nettogewinn ab (nach $2.93 Mrd. in Q1 und $2.49 Mrd. in Q4 2023). Erwartet wurden hier bereits abgespeckte $1.91 Milliarden, das finale Ergebnis las sich im ersten Moment wie die nächste Hiobsbotschaft nach den durchwachsenen letzten Monaten.
Robotaxi in Planung – Billig-Tesla jetzt also doch?
Elon Musk hatte allerdings schon vor dem gestrigen Abend eine Erklärung parat: Für die schwachen Absatzzahlen seien der Brandanschlag in der Gigafactory Berlin-Grünheide und Unruhen im Roten Meer verantwortlich. Unter den Magnificent Seven war Tesla schon über die letzten Wochen und Monate das Sorgenkind gewesen. Während Microsoft, Nvidia und Co. mit Innovationen bei Künstlicher Intelligenz auftrumpfen konnten, war das Wachstum im E-Auto-Markt beschränkt und zeitweise gar rückläufig, was auch die aufstrebende Konkurrenz in China zunehmend zu spüren bekommt. Der vermeintliche bilanzielle Tiefschlag gestern Abend schlug sich allerdings nicht an der Börse nieder: Nachdem die Aktie des Unternehmens in den letzten Wochen merklich Federn gelassen hatte, bewegte sich der Kurs nachbörslich deutlich aufwärts. Elon Musk gab sich seinerseits redlich Mühe, die irritierten Anleger zu beruhigen und hatte damit sichtlich Erfolg: Neue Modelle wolle man „im Frühjahr 2025 oder sogar schon spät im aktuellen Jahr“ präsentieren, zudem sei man in Gesprächen mit „einem großen Automobilkonzern“, um das hauseigene autonome Assistenzsystem lizensieren und in markenfremden Fahrzeugen implementieren zu lassen. In der zugehörigen Präsentation wurden Bilder der Robotaxi-Technologie gezeigt, was zusätzlichen Optimismus säte.
Tesla selbst sprach im offiziellen Statement zu den gestrigen Zahlen von „neuen Fahrzeugen und auch günstigeren Modellen“, die man zeitnah auf den Markt bringe. Zuletzt war die Gerüchteküche um den Billig-Tesla namens Model 2 hochgekocht, als durchzusickern schien, dass der Konzern das vor Jahren angekündigte leistbare Familienauto auf der Prioritätenliste deutlich zurückgestuft habe. Etwas nebulös gab sich der weltweit wertvollste börsengelistete Autobauer bei seinen vorsichtigen Wachstumsprognosen: Zwar müssten sich Investoren darüber im Klaren sein, dass die „Zunahme gefertigter Modelle deutlich niedriger sein könnte als die Wachstumsraten 2023“, dennoch wolle man die aktuellen Produktionskapazitäten „voll ausschöpfen“ und in neue Fabriken investieren. Auf die Frage, ob er sich angesichts seiner vielen Unternehmen rund um Starlink, SpaceX und sein Startup Neuralink, das kürzlich dem ersten menschlichen Testpatienten einen Gehirn-Chip einpflanzte, von der Tesla-Spitze zurückziehe, gab Musk keine eindeutige Antwort. In jedem Fall aber werde er alles tun, um sicherzustellen, dass Tesla „sehr erfolgreich“ werde respektive bleibe. Wie gut ihm das mit Blick auf den Aktienkurs gelingt, können Sie in unserem TECH33-Paket verfolgen. Dort analysieren wir neben Tesla die global wichtigsten Technologie-Werte rund um Microsoft, Nvidia, Apple und Amazon.



