Tesla kürzt Preise: Elon Musk kämpft mit China und Cybertruck-Desaster
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Tesla kürzt Preise: Elon Musk kämpft mit China und Cybertruck-Desaster

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Simeon Koch

Während die Inflation alles andere verteuert, werden Elektroautos immer billiger. Unter dem Druck der chinesischen Konkurrenz hat sich der E-Auto-Weltmarktführer Tesla dazu entschieden, die Preise für seine Autos auf den wichtigsten Absatzmärkten erheblich zu senken. Zunächst betraf diese Maßnahme nur den nordamerikanischen Markt, wo Elon Musks ehemaliger Tech-Shootingstar seine beliebtesten Modelle mit Preisreduktionen von bis zu $2000 pro Stück anbietet. Kurz darauf gab Tesla bekannt, die rigorosen Preiskürzungen auf den europäischen und chinesischen Markt auszuweiten. Wie schon in der Vergangenheit, versucht Tesla, durch aggressive Preispolitik seine zuletzt angekratzte Dominanz zurückzuerlangen, könnte sich damit aber selbst in wirtschaftliche Bredouille bringen – schließlich sind die Auslieferungen von Neuwagen zum ersten Mal seit vier Jahren rückläufig. Nach dem empfindlichen finanziellen Schaden durch den Brandanschlag auf die Gigafactory in Berlin-Grünheide muss Tesla jetzt auch noch alle bisher ausgelieferten Cybertruck-Modelle zur Revision zurücknehmen. Die heute Abend anstehenden Quartalszahlen werden so aufmerksam verfolgt wie selten zuvor. Dabei stehen Teslas größte Konkurrenten aus China ebenso unter Druck: Die Prophezeiung eines „Blutbads“ auf dem E-Automarkt der Volksrepublik scheint nämlich konkrete Formen anzunehmen: Allein die drei größten Konzerne produzieren dieses Jahr fast eine Viertelmillion Elektrofahrzeuge mehr, als der chinesische Markt überhaupt aufnehmen kann.

Tesla taumelt – wegen Brandanschlag auf Gigafactory?

Kurz vor der Bekanntgabe der Tesla-Quartalszahlen am heutigen Abend deutscher Zeit ist die Aktie des E-Auto-Giganten auf ein 15-Monatstief gefallen – nach einem Minus von fast 40 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres der nächste Schlag für den einstigen Tech-Musterschüler. Preiskürzungen und schwindende Nachfrage ließen die Maschinerie drastisch abkühlen, im zurückliegenden Quartal ging Teslas Produktion um gut 60 000 Autos zurück. Die Auslieferungen schrumpften um mehr als acht Prozent, zum ersten Mal seit vier Jahren schrieb man hier rote Zahlen. Elon Musk führte die schwache Performance auf zwei zentrale Faktoren zurück: Einerseits auf den Brandanschlag in Grünheide, bei dem für Tesla ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden sein soll, und andererseits auf die anhaltenden Unruhen im Roten Meer, wodurch Lieferketten im Technologie- und Rohstoffsektor unterbrochen wurden. Probleme bereitet Tesla besonders der wichtige Absatzmarkt China, der zuletzt für ein Fünftel des Gesamtumsatzes verantwortlich zeichnete. Hier stehen die Mitbewerber Schlange, mit BYD liefert man sich an der Branchenspitze ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen, das Tesla im letzten Quartal zumindest vorerst wieder für sich entscheiden konnte.

Zwar ging bei Tesla im Jahr 2023 die Rekordmenge von rund 1.8 Millionen Autos über den Tresen und der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um solide 15 Prozent. Dennoch gehen die Prognosen für den kurz bevorstehenden Quartalsbericht von einer weiteren Verlangsamung des Tesla-Wachstums aus. Etwas paradox muten angesichts der Umsatz-Sorgen die drastischen Preiskürzungen an, die Tesla am Wochenende bekanntgab. Die Modelle X, Y und S sind in den Vereinigten Staaten nun jeweils $2000 günstiger zu haben, der autonome Fahrassistent kostet in Nordamerika statt $12 000 nur noch $8000. Wenige Stunden später dehnte Tesla die Fahrzeug-Rabatte auf die wichtigen Märkte in Europa, China, den Mittleren Osten und Afrika aus. Elon Musk schrieb dazu auf X: „Die Tesla-Preise müssen sich regelmäßig ändern, um die Produktion auf die Nachfrage abzustimmen“. Vor einigen Wochen hatte Tesla eine ähnliche Aktion gestartet, die verlief aber im Sande und konnte keinen nennenswerten Nachfrage-Zuwachs generieren. Als erste Konsequenz der schleppenden Marktlage gab Tesla letzte Woche bekannt, weltweit zehn Prozent aller Angestellten zu entlassen. Die Abverkäufe der Tesla-Aktie konnte das kaum bremsen, zumal mit den Plänen für einen Billig-Tesla einer der wichtigsten Hoffnungsschimmer zuletzt enttäuschter Anleger vorerst auf Eis gelegt wurde.

Cybertruck-Flop und China belasten die Bilanz

Kaum zu bremsen ist im Ernstfall offenbar auch der futuristische Tesla-Pickup aus Edelstahl, der auf den klangvollen Namen Cybertruck hört – und dabei geht es zu Teslas Leidwesen nicht um den kommerziellen Erfolg der Serie. Mit fast 3900 Verkäufen seit Dezember macht der Cybertruck in den Vereinigten Staaten nur einen Bruchteil von Teslas Absatz aus, der sich monatlich auf insgesamt rund 50 000 Fahrzeuge beläuft. Lange hielt Tesla mit den konkreten Zahlen seiner Cybertruck-Verkäufe hinter dem Berg, schließlich war das Prestigeprojekt marketingtechnisch zuletzt nicht besonders glänzend verlaufen. Die Cybertruck-Statistiken wurden nun aber doch publik, ausgerechnet weil der Edelstahl-Bolide wegen eines technischen Defekts am Gaspedal schlimmstenfalls kaum zu bremsen ist: Unter ungünstigen Umständen kann sich die Platte auf dem Strompedal in Maximalstellung blockieren, die Fehlfunktion betrifft die gesamte Reihe. Die Reparatur ist zwar nicht aufwendig und der mechanische Fehler schnell behoben – das fragwürdige Image des Cybertrucks als übereilig präsentierte Innovation, die dem strauchelnden E-Auto-Giganten wieder etwas Glamour verschaffen soll, verfestigt sich allerdings trotzdem.

Kompliziert ist die Lage im Stromer-Geschäft aber nicht nur für Tesla, sondern auch für die aufstrebende Konkurrenz aus Fernost. Auf dem chinesischen Markt streitet sich eine ganze Reihe ambitionierter E-Auto-Konzerne um die Vorherrschaft auf einem Absatzmarkt, dessen Bedarf an zukunftsfähigen Antriebsmodellen lange kaum zu stillen war. Ähnlich wie in Deutschland scheint nun aber auch im Reich der Mitte Sättigung einzutreten, wenn es um E-Autos geht. Die wichtigsten staatlichen Gremien zur wirtschaftlichen Planung in China erwarten, dass allein im laufenden Jahr 150 neue Automodelle auf den nationalen Markt drängen, davon sollen 110 elektrisch sein. Laut Prognose der Nationalen Kommission für Entwicklung und Reform (kurz: NDRC) dürften in China dieses Jahr ungefähr 2.1 Millionen E-Autos und Hybride nachgefragt werden. Allein die drei größten Autohersteller BYD, Aito und Li Auto, planen allerdings schon jetzt, rund 2.3 Millionen Fahrzeuge für den chinesischen Markt zu produzieren. Auch hier greifen die führenden Player zu drastischen Preiskürzungen, um ihren eigenen Absatz anzukurbeln, unter anderem reduzierte BYD seine Fahrzeuge um bis zu zehn Prozent vom Ursprungspreis. Zu einer neuen ökonomischen Attacke im Reich der Mitte holt derweil auch Tesla aus: Laut einem Tweet von Elon Musk soll der vollautonomische Fahrassistent bald auch in China verfügbar sein. Als chinesischer Vorreiter gilt auf diesem Gebiet XPeng, dessen Aktie wir neben BYD und einer ganzen Reihe weiterer wichtiger Player dieses Wachstumsmarktes in unserem China Titans-Paket analysieren. Tesla tummelt sich mit Giganten wie Microsoft, Apple und Nvidia im beliebten TECH33-Paket.

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Simeon Koch

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