Es ist Freitag und somit lassen wir eine weitere spannende Handelswoche hinter uns. Was so alles in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns in unserem Wochenrückblick an.
Montag – wie im März: Inflation in Deutschland zeigt sich stabil 
Wie am Montag bekanntgegeben wurde, lag die hiesige Teuerungsrate im April bei 2.2 Prozent und somit auf dem gleichen Level wie im März. Noch vor einem Jahr, im April 2023, sahen sich die Menschen in Deutschland mit einer Inflationsrate in Höhe von 7.2 Prozent konfrontiert. Mit Ausnahme der Monate Juni und Juli ging der Verbraucherpreisindex seither kontinuierlich zurück. Nichtsdestotrotz bewegen sich die Preise hierzulande – im Vergleich zu Vor-Ukraine-Konflikt- oder gar Vor-Corona-Zeiten – weiterhin auf sehr hohem Niveau, gibt die Inflationsrate doch letztlich stets die Veränderung der Preise im Vergleich zur Veränderung im Vorjahresmonat wieder. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute gehen jedenfalls davon aus, dass die Inflation in Deutschland auf das Gesamtjahr 2024 gerechnet bei 2.3 Prozent liegen sollte – 2023 stiegen die Preise über das Jahr hinweg um ganze 5.9 Prozent. Die Europäische Zentralbank (kurz: EZB), die den Leitzins zuletzt das vierte Mal in Serie bei 4 Prozent beließ, definiert eine Inflation in Höhe von 2 Prozent als optimales Niveau für den Währungsraum – laut Alexander Krüger, seinerseits Chefvolkswirt einer Privatbank, wird diese „letzte Wegstrecke zum Preisziel“ aber die schwierigste, weshalb auch durchaus zu erwarten sei, dass es mit der Inflation vor Erreichen dieser Marke kurzzeitig nochmals etwas nach oben gehe. Nach oben – ja, gewissermaßen durch die Decke – gingen im letzten Jahrzehnt auch die Immobilienpreise in nahezu allen westlichen Industrieländern; so auch in Deutschland. Hierzulande scheint sich aber zumindest eine Trendwende eingestellt zu haben, konnte man doch zuletzt den stärksten Wertverfall bei Immobilienpreisen in den letzten 60 Jahren beobachten.
Dienstag – 3M, McDonald’s, Coca-Cola, Amazon
Zuletzt sorgen Quartalszahlen großer Tech-Konzerne respektive die in der Folge einsetzenden Kursbewegungen für teils ungläubige Gesichter unter den Anlegern: Während der E-Autobauer Tesla fast schon katastrophale Zahlen präsentierte, die Aktie seither aber mehrere Dutzend Prozent nach oben sprang, zogen beim Social Media-Giganten Meta eigentlich starke Ergebnisse einen massiven Abverkauf nach sich. Nun öffneten in dieser Woche weitere Hochkaräter der nordamerikanischen Börsenlandschaft ihre Bücher, darunter am Dienstag der Online-Zahlungsdienstleister PayPal, der Onlinehändler Amazon sowie die US-Titans McDonald’s, 3M und Coca-Cola. Der Fastfood-Gigant McDonald’s konnte hierbei den Erwartungen der Analysten nicht gerecht werden; der bereinigte Gewinn je Aktie lag statt bei $2.72 bei $2.70 und der Umsatz wuchs lediglich um 1.9 Prozent; erwarten worden waren hier 2.1 Prozent. Zuletzt hatte McDonald’s unter anderem mit einem Boykott in muslimisch geprägten Regionen zu kämpfen, begründet durch die Unterstützung der Israelis im Gaza-Konflikt seitens der USA. Dementgegen steht der 3M-Konzern, der den Erwartungen im ersten Quartal absolut gerecht wurde. Mit einem Gewinn je Aktie in Höhe von $2.39 wurde die Analystenprognose um $0.28 übertroffen; der Umsatz blieb erwartungsgemäß stabil bei $7.7 Milliarden. Indes soll die Dividende im Zuge der Abspaltung der Gesundheitssparte Solventum leicht gesenkt werden. Und auch der Getränkeriese Coca-Cola blickt auf ein erfolgreiches Quartal zurück: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz um drei Prozent auf $11.3 Milliarden und auch beim bereinigten Gewinn je Anteilsschein verzeichnete das Unternehmen ein Plus von sieben Prozent ($0.72). Indes konnte auch Amazon die Erwartungen der Analysten schlagen. Die Erlöse wurden hier im Jahresvergleich um 13 Prozent auf $143.3 Milliarden gesteigert; der Konzerngewinn schoss sogar von $3.2 Milliarden auf $10.4 Milliarden nach oben.
Mittwoch – Philip Morris: mit IQOS in die USA
Die Kurse zahlreicher Cannabis-Aktien legten am Dienstag massiv zu – unter anderem schob sich Canopy Growth innerhalb weniger Handelsstunden um über 80 Prozent nach oben –, als in den Vereinigten Staaten bekanntgegeben wurde, dass die ansässige Drogenbehörde Cannabis auf Bundesebene neu eingestuft hat. Zuvor hatten sich sowohl Präsident Biden als auch seine Vizepräsidentin Harris zur Thematik geäußert – wohl auch, um im Hinblick auf die bald anstehenden Wahlen noch etwas auf Stimmenfang zu gehen. Schätzungen zufolge könnte sich das legale Geschäft mit Marihuanaprodukten in den nächsten Jahren allein in den USA auf rund $50 Milliarden verdoppeln; hinzu kommt eine mögliche Legalisierungswelle in Europa, angetrieben durch die (Teil-)Legalisierung in Deutschland. Auch der Tabakkonzern Philip Morris International (PMI) zeigte zuletzt großes Interesse an diesem großen (Cannabis-)Kuchen, unter anderem möchte die in der Schweiz ansässige Firma für $650 Millionen das israelische Cannabisunternehmens Syqe Medical übernehmen, das Aerosol-Inhalatoren für medizinisches Cannabis herstellt. Abseits des Cannabis-Markts will Philip Morris nun jedenfalls mit seinem Kassenschlager der letzten Jahre, dem Tabakverdampfer IQOS, in die USA vorstoßen. IQOS ist bereits jetzt das meistverkaufte Gerät für erhitzten Tabak weltweit und steht exemplarisch für die Bemühungen der großen Zigarettenkonzerne, dem rückläufigen „klassischen“ Tabakkonsum mit „gesünderen“ Alternativen entgegenzuwirken.
Donnerstag – Causa Monsanto: Bayer erzielt Teilerfolg vor Gericht
Während der neue Meister der Fußballbundesliga Bayer 04 Leverkusen in dieser Saison noch kein Pflichtspiel verloren hat – erst gestern gewann das Team der Stunde bei der AS Rom im Halbfinalhinspiel der Europa League mit 2:0 – feiert der Leverkusener DAX40-Konzern, aus dem die Werkself ursprünglich hervorging, zuletzt nur selten Erfolge: Seit der im Sommer 2018 finalisierten Übernahme des nordamerikanischen Agrarkonzerns Monsanto, seinerseits auf die Entwicklung und den Vertrieb von gentechnisch veränderten Pflanzen, Saatgut und Pestiziden spezialisiert, sieht sich der deutsche Chemie- und Pharma-Riese in den USA aufgrund von mit Krebserkrankungen in Verbindung gebrachten Monsanto-Produkten mit schier unzähligen Klagen konfrontiert. Hierbei musste das Unternehmen auch bereits ein ums andere Mal Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe leisten – was sich natürlich extrem negativ auf die Geschäftszahlen auswirkte, weshalb im Februar auch die Dividende um 95 Prozent gekürzt wurde. Jedenfalls wird Bayer in den Vereinigten Staaten nicht nur wegen des Unkrautbekämpfungsmittels Glyphosat verklagt, welches unter dem Markennamen Roundup vertrieben wird, sondern auch im Zusammenhang mit der Industriechemikalie PCB (Polychlorierte Biphenyle), die – vor ihrem Verbot in den USA – unter anderem bei der Produktion von Beleuchtungskörpern und Dichtungsmassen verwendet wurde. Ein Berufungsgericht in der Provinz Washington hat nun ein knapp drei Jahre altes Urteil aufgehoben, in dessen Zuge drei Lehrkräften insgesamt $185 Millionen Schadensersatz zugesprochen worden waren, nachdem diese das in der Schule vorhandene PCB für Hirnschädigungen verantwortlich gemacht hatten. Die Bayer-Anwälte argumentierten nun, dass die jeweiligen Bauteile nicht von Monsanto, sondern von dritten Firmen hergestellt wurden. Darüber hinaus hätte die Schule diese bereits Jahrzehnte zuvor austauschen müssen. Für den Leverkusener Konzern ist dieses Urteil ein äußerst wichtiges, reichten doch etwa 200 weitere Personen, die die betroffene Schule besuchten, bereits Klage ein.
Freitag – Apple plant größten Aktienrückkauf seiner Geschichte
Zehn Prozent weniger iPhones verkauft und ein Umsatzrückgang von vier Prozent: Apples Quartalszahlen fielen durchwachsen aus, lagen aber knapp über den Schätzungen. Erwartet wurde ein Umsatz von $90.3 Milliarden, geworden sind es $90.75 Milliarden. Und auch der Gewinn pro Aktie übertraf mit $1.53 hauchzart die Prognose von $1.50. Dennoch steht mit einem Umsatzrückgang von 4.3 Prozent das fünfte rote Quartal seit Anfang 2023 zu Buche. Dabei hatte das Jahr eigentlich gut angefangen für Apple. Im Januar schwang man sich erstmals zum Weltmarktführer bei Smartphones auf; nach einem durchweg defizitären Vorjahr stieg der Umsatz wieder. Dann aber wurde der Druck auf dem wichtigen Absatzmarkt China immer größer – ebenso wie der Rückstand bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz auf die Branchenführer um Microsoft und Google. Kurzerhand begrub man die Pläne für ein Apple-Auto, um sich nochmals intensiver auf KI zu konzentrieren. „Wir bleiben sehr optimistisch, was unsere Chancen im Bereich der Generativen KI angeht“, sagte Apple-Geschäftsführer Tim Cook bei der Präsentation des Quartalsberichts. Auch zu China habe er „ein gutes Gefühl“, schließlich denke er „langfristiger als nur an die nächste Woche“. Gute Nachrichten hatte der CEO dann aber doch noch für die gespannten Anleger: Der Apple-Vorstand hat unlängst dem größten Aktienrückkauf der Unternehmensgeschichte zugestimmt. In den nächsten Monaten sollen Firmenanteile in Höhe von $110 Milliarden zurück in Apples Besitz wandern.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!





