In den 1950er Jahren synthetisierte ein Chemiker des Unternehmens Monsanto einen chemischen Wirkstoff, der signifikante herbizide Eigenschaften aufwies. Dieser Wirkstoff, uns heute bekannt als Glyphosat, wurde erstmals 1974 als Hauptwirkstoff des Unkrautvernichtungsmittels Roundup auf den nordamerikanischen Markt gebracht und wurde ein Riesenerfolg, denn da wo Glyphosat einschlägt, wächst im wahrsten Sinne des Wortes kein Gras mehr. Die Entdeckung von Glyphosat und die Entwicklung von Roundup trugen maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg von Monsanto bei und machten Glyphosat zu einem der am häufigsten verwendeten Herbizide weltweit.
Die Übernahme und die Glyphosat-Debatte
Nach einem langwierigen Prozess, der sich zwei Jahre lang hinzog, übernahm das deutsche Unternehmen Bayer schließlich im Sommer 2018 das Agrarunternehmen für rund $63 Milliarden. Nach Abschluss der Übernahme wurden Monsanto und seine Produkte Teil des Geschäftsbereichs Crop Science von Bayer, der, am Umsatz gemessen, zweitstärksten Sparte des Unternehmens.
Die Übernahme ermöglichte es Bayer, sein Portfolio an Saatgut und Pflanzenschutzmitteln zu erweitern und sich als globaler Anbieter in der Agrarindustrie zu positionieren. Seit einigen Jahren steht Glyphosat jedoch wegen möglicher Gesundheitsrisiken in der Kritik. Die Unsicherheit bezüglich seiner langfristigen Auswirkungen hat zu anhaltenden Debatten über seine Verwendung geführt. Einige Studien legen nahe, dass Glyphosat mit bestimmten Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden könnte, während andere Forschungen diese Verbindungen nicht eindeutig bestätigen können.
Bayers Engagement und Herausforderungen
Mancherlei Klagen verstärkten den Verdacht der gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Aber damit sind nicht ausschließlich Gerichtsverfahren der jüngsten Zweit gemeint, denn Bayer übernahm Monsanto keineswegs als Unternehmen mit reiner Weste, sondern zu einer Zeit, als bereits laufende Prozesse im Zusammenhang mit Glyphosat liefen. Die Übernahme führte dazu, dass Bayer auch die damit verbundenen rechtlichen Angelegenheiten und Verpflichtungen von Monsanto übernahm. Bayer hat in den Vereinigten Staaten einige dieser Fälle durch Vergleiche beigelegt, um die rechtlichen Streitigkeiten zu beenden. Um mit diesen alten Klagen abzuschließen, legte das Unternehmen 2020 ein milliardenschweres Programm auf (Stand Ende 2022: $6.4 Mrd.), jedoch ohne dabei Haftungseingeständnisse abzugeben. Ein Großteil der Beschwerden wurde von Bayer bereits beigelegt. Dieses Frühjahr hieß es bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das Jahr 2022, dass von den inzwischen insgesamt rund 154 000 eingereichten Klagen rund 109 000 verglichen worden seien oder die Vergleichskriterien nicht erfüllten. Doch noch immer beschäftigen Monsantos Roundup-Nachwehen das Unternehmen.
Einige Rückschläge musste der deutsche Chemie-Gigant nämlich im Oktober dieses Jahres einstecken, denn nicht alle Kläger geben sich mit Vergleichen zufrieden. Die erste Niederlage (Schadensersatzzahlung: $1.25 Millionen) beendete die Siegesserie des Unternehmens, das alle neun vorangegangenen Roundup-Prozesse gewonnen hatte. Darauffolgend knüpften zwei weitere Urteile an, die zulasten von Bayer ausfielen (Schadensersatzzahlungen: $175 Millionen und $332 Millionen), doch einige dieser Urteile möchte das Unternehmen nun anfechten. Auch könnten manche Schadensersatz-Summen noch sinken, da diese in den Vereinigten Staaten oft durch Laienjurys festgesetzt werden, aber im Nachhinein häufig durch Richter wieder gesenkt werden.
Bayers Strategie nach der Monsanto-Übernahme
Nun könnte man sich fragen, ob Bayer 2018 nicht möglicherweise die Katze im Sack gekauft hat, aber an dieser Stelle gilt es sich darauf zurückzubesinnen, dass Glyphosat respektive Roundup nicht der Hauptgrund für die Übernahme Monsantos war, sondern vielmehr seine führende Position im Bereich der gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und Saatgutprodukten. Durch die Kombination von Bayers Expertise im Bereich Pflanzenschutzmittel und Monsantos Fachwissen im Bereich GVO entstand ein Unternehmen, das eine umfassende Palette an Produkten für die Landwirtschaft anbieten kann. Auch wenn das Thema GVO nicht ohne Kontroversen ist, spült diese Sparte der Bayer AG (deren Börsenwert sich auf knapp $40Mrd. beläuft) bemerkenswerte Summen in die Kassen. Nicht zuletzt aufgrund dieser beständigen Liquidität konnten die Rücklagen für etwaige weitere Prozesse auf $10.9 Mrd. erhöht werden. Diese Herangehensweise spiegelt die Verantwortung Bayers wider und unterstreicht das entschlossene Ziel des Unternehmens, die Folgen der vergangenen Entscheidungen von Monsanto zu bereinigen und zurückliegende Fehler zu korrigieren. Trotz besagter laufender Prozesse demonstriert die Bayer-AG eine positive Haltung und einen klaren Fokus auf die Bewältigung dieser Situation, sowie der Sicherstellung nachhaltigen Wachstums.
Aufgrund dieser Umstände rückte der Anteilsschein des Unternehmens verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Die aktuelle Lage der Bayer-Aktie wird auch unsererseits intensiv beobachtet. Das BAYN-Wertpapier verfolgt zurzeit seine bärische Primärroute, wie wir im letzten Update berichteten. Nach dem Abschluss dieser Korrekturbewegung sollte sich ein nachhaltiger Aufwärtstrend seinen Weg in den Chart bahnen. Übrigens: Kommenden Dienstag analysieren wir wieder den Chart der Bayer-Aktie neben BMW, Brenntag und Continental für unsere Abonnenten des DAX40-Pakets.



