Nach paradoxer Tesla-Rallye: Meta mit starken Zahlen und Kursabsturz
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Nach paradoxer Tesla-Rallye: Meta mit starken Zahlen und Kursabsturz

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Simeon Koch

Die aktuelle Earnings Season nach dem ersten Quartalsabschluss des Jahres gestaltet sich ähnlich turbulent wie die vergangenen Wochen im gesamten Tech-Sektor: Am Dienstag trat Tesla mit haarsträubenden Zahlen an die Öffentlichkeit und vermeldete den stärksten Umsatzrückgang seit mehr als zehn Jahren. Den Aktienkurs kümmerte das wenig. Nach kaskadierenden Abverkäufen von insgesamt mehr als 40 Prozent seit Jahreswechsel gelang ausgerechnet am Abend dieser bilanziellen Hiobsbotschaft eine fulminante bullische Antwort. Bei Meta, einem von Teslas hochkarätigen Sitznachbarn in der illustren Runde der Magnificent Seven, geschah am Mittwoch das genaue Gegenteil: Im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres steigerte der Social Media-Gigant seine Einnahmen um fast ein Drittel, der Gewinn verdoppelte sich sogar. Trotzdem rauschte die Aktie innerhalb weniger Stunden um mehr als 20 Prozent ab. Verkehrte Welt an der Börse? Mitnichten, denn die scheinbar paradoxe Entwicklung beider Wertpapiere ist recht einfach erklärt: Während es Elon Musk trotz schwacher Geschäftszahlen gelang, Hoffnung unter den Anlegern zu säen, verlor Mark Zuckerberg trotz markiger Worte und großer Ankündigungen in Sachen Metaversum und Künstliche Intelligenz den Rückhalt vieler Investoren. Einen Bärendienst erwiesen dem Konzern größere geplante Ausgaben als zuvor erwartet – und regulatorische Schwierigkeiten in den USA und der EU.

Tesla-Zahlen schwach, Meta stark – die Aktien machen das Gegenteil

Märkte preisen Zukunftsaussichten sofort ein – diese zugegebenermaßen etwas ausgeleierte Börsenweisheit wurde selten so eindrücklich bewiesen wie in der zurückliegenden Woche. Gleich mehrere Tech-Riesen um Google und Microsoft präsentierten ihre Geschäftszahlen für das zurückliegende erste Quartal. Die Show stahlen den Software-Spezialisten diesmal aber ausgerechnet der zuletzt unterkühlte Shootingstar Tesla und die Facebook-Mutter Meta, die zuletzt wegen juristischer Scharmützel in Europa und Nordamerika von sich reden machte. Erst musste man international mit dem jüngsten Bezahlmodell für Facebook und Instagram zurückrudern, das User vor die Wahl stellte, entweder zu bezahlen oder umfangreiche Datenschutz-Einschnitte in Kauf zu nehmen. Dann forderte die Europäische Union Millionen, um externe behördliche Content-Moderation zu finanzieren. Gemeinsam mit Tiktok und einigen weiteren Tech-Unternehmen ging Meta in die Offensive und verklagte die EU. Nach der EU-Rekordstrafe von 1.2€ Milliarden, die Meta vor etwa einem Jahr wegen Datenschutz-Vergehen kassiert hatte, liegt man also wieder über Kreuz. Und das interessierte die Börse mehr als der frische Geschäftsbericht. Während Tesla schwache Daten präsentierte, Elon Musk aber Großes ankündigte, sorgte Mark Zuckerberg trotz starker Meta-Bilanzen für wenig Aufbruchsstimmung. Die Tesla-Aktie schoss nach oben, Meta knickte gehörig ein.

Und das, obwohl die Vorzeichen bei Meta zuletzt sehr positiv waren: Die Zahlen zum vierten Quartal 2023 waren gut, Meta teilte mit, erstmals Dividende zu zahlen und entfachte damit Euphorie unter den Anlegern. Von Jahresbeginn bis Anfang April legte die Meta-Aktie schwindelerregende gut 50 Prozent zu und schien auf dem besten Weg, den börslichen Husarenritt zu konsolidieren. Schließlich prognostizierten Experten angesichts eines florierenden Werbegeschäfts auf den Meta-Plattformen gute Zahlen – die dann sogar noch übertroffen wurden. Marktbeobachter hatten Meta einen Quartalsumsatz von $36.14 Milliarden prophezeit, am Ende standen $36.46 Milliarden zu Buche. Im Vergleich zu den $28.65 Milliarden des ersten Quartals 2023 bedeutete das einen Anstieg von fast 30 Prozent. Der Gewinn verdoppelte sich auf $12.4 Milliarden, im März letzten Jahres hatte man $5.71 Milliarden Profit gemeldet. Zu verdanken war dieser Anstieg dem lukrativen Werbegeschäft: Allein im März griffen täglich laut Unternehmensangaben mehr als drei Milliarden Nutzer auf Meta-Dienste zu. „Es war ein guter Start in das Jahr“, resümierte Geschäftsführer Mark Zuckerberg und zog im nächsten Satz ein positives Fazit über Metas KI-Ambitionen: „Die neue Version von Meta AI und Llama 3 (dem unternehmenseigenen autonomen Sprachmodell, Anm. d. Red.) ist ein weiterer Schritt zum Aufbau der weltweit führenden KI. Wir sehen ein gesundes Wachstum bei unseren Apps und auch beim Aufbau des Metaversums machen wir weiterhin stetige Fortschritte.“

Meta drohen juristische Probleme – und horrende Ausgaben

Woher aber rührte dann der plötzliche Pessimismus unter den Anlegern? Die Antwort darauf findet sich im zweiten Teil von Zuckerbergs Statement. Denn die nahe Zukunft wartet für Meta erstmal mit einigen Herausforderungen auf. Die hartnäckigen Regulatoren in Europa und den USA und ihre strenge Datenschutz-Politik könnte demnach „erhebliche Auswirkungen auf unser Geschäft und unsere Finanzergebnisse haben“. Und auch bei Metas Prestigeprojekt, dem eigenen Metaversum, läuft es weiter nicht so richtig rund. Mit dem Sonnenbrillen-Riesen Ray Ban arbeitet man schon länger an einer Virtual Reality-Brille. Die zuständige Abteilung Reality Labs bleibt allerdings ein notorischer Verlustbringer: Im vergangenen Quartal rutschte man mit $3.85 Milliarden in die roten Zahlen. Nach einem Minus von $4 Milliarden im Vorjahresquartal war das keine wirkliche Verbesserung. An großen Plänen mangelt es Zuckerberg freilich nicht – nur sind die ganz schön teuer. Meta AI solle zum „weltweit führenden KI-Dienst sowohl bei der Qualität als auch bei der Nutzung“ avancieren. Das werde laut dem Meta-Gründer aber noch Jahre dauern und immenses Kapital verschlingen. Allein in diesem Jahr rechnet Meta in der KI-Sparte mit Ausgaben zwischen $96 und $99 Milliarden. Wichtige Analysten wie Barclays und Goldman Sachs senkten ihre Kursziele prompt, halten ein Investment aber weiterhin für sinnvoll. Was aus technischer Perspektive für die kurz- und langfristige Entwicklung der Meta-Aktie zu erwarten ist, erfahren Sie in unserem TECH33-Analysepaket. Vertreten sind hier die wichtigsten Tech-Giganten um Microsoft, Google, Tesla und Co.

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Simeon Koch

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