Gestern hat der Zahlungsdienstleister PayPal seine Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal veröffentlicht und dabei ein solideres Bild abgegeben als erwartet. Nach einem formidablen Abschluss des vergangenen Jahres waren Experten erst von einer Bestätigung des kräftigen Trends ausgegangen. Neue Zinssorgen, geopolitische Spannungen in Nahost und hartnäckig kursierende Rezessionsprognosen schienen den Erfolg von PayPal dann aber akut zu gefährden. Schließlich gilt der Zahlungsdienstleister als wichtiger Gradmesser für die Stimmung und Konsumfreude unter Privatpersonen und Unternehmen verschiedenster Größe – und genau diese Kauflaune schien kürzlich zu leiden. Entsprechend getrübt war die Stimmung in den letzten Wochen rund um die PayPal-Aktie, der augenscheinlich die Kraft fehlte, aus einem anhaltenden Abwärtstrend auszubrechen. Das änderte sich, als der Silicon Valley-Pionier vor wenigen Stunden seine Bücher öffnete: Sowohl das abgewickelte Transaktionsvolumen als auch Umsatz und Gewinn zogen im Vorjahresvergleich stark an. Das starke letzte Quartal 2023 konnte nicht überboten werden, dafür kündigte PayPal für das aktuelle Jahr stärkeres Wachstum an als weithin vorhergesagt.
Starker Jahresvergleich, letztes Quartal unterboten
Dass an der Börse gerade nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint, demonstrierten in den letzten Tagen die Schwergewichte Tesla und Meta. Schon vor Wochen hatte Elon Musk versucht, die Erwartungen der Anleger einzunorden und bezeichnete die nächsten Monate als Übergangsphase zwischen zwei „Wachstumswellen“. Dann gab Tesla den stärksten Umsatzrückgang seit mehr als zehn Jahren bekannt. Die Aktie des Unternehmens explodierte dennoch um mehrere Dutzend Prozent – ganz im Gegenteil zum Meta-Papier, das nach herausragenden Quartalszahlen einbrach. Nun also war mit PayPal einer der zuletzt schwächsten Titel an der Tech-Börse Nasdaq an der Reihe – und lieferte. Im Vergleich zum ersten Quartal des vergangenen Jahres wuchs das Volumen aller über PayPal abgewickelten Zahlungen um deutliche 14 Prozent auf knapp $404 Milliarden Dollar an, der Umsatz stieg um satte zehn Prozent auf $7.7 Milliarden. Auch der Gewinn pro Aktie kletterte deutlich auf $1.08, nach den ersten drei Monaten 2023 hatte er noch bei $0.85 gelegen. Mit einem Plus von gut $150 Millionen oder 20 Prozent ließ sich auch der Nettogewinn nicht lumpen. Und obwohl das zurückliegende vierte Quartal und auch die Analystenschätzungen knapp unterboten wurden, wurde die PayPal-Bilanz durchweg positiv aufgefasst.
Die PayPal-Zahlen für Q1 2024, nebst Analysten-Prognosen sowie Q1 und Q4 2023.
Grund für die positive Stimmung nach PayPals Geschäftszahlen waren nicht nur die grünen Vorzeichen im Jahresvergleich, sondern vor allem der positive Ausblick auf die kommenden Monate. Laut offizieller Stellungnahme geht PayPal mittlerweile von einem Gewinnwachstum im „mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich“ für das laufende Jahr aus. Noch im Februar hatte das Unternehmen vorsichtig mitgeteilt, dass man allerhöchstens mit marginalen Zuwächsen rechne, im Vordergrund stünden zunächst eine rigorose Verschlankung der Firma. Geschäftsführer Alex Chriss etwa kündigte an, rund neun Prozent aller Angestellten weltweit zu entlassen und komplexe bürokratische Strukturen „über die gesamte Organisation“ abzubauen. Finanzvorständin Jamie Miller bekannte damals: „Wir machen gerade einfach zu viele Dinge auf einmal. Wir müssen Entscheidungen treffen und uns fokussieren.“ Trotz der starken Zahlen zum Jahresabschluss konnte sich die PayPal-Aktie in den zurückliegenden Monaten für keine Richtung entscheiden, auf zaghafte Ausbruchsversuche folgten stets deutliche Abverkäufe und zwangen das Wertpapier in eine zähe Seitwärtsbewegung.
Bullischer Ausbruch: PayPal-Aktie bald bei $800?
Als sich zwischen Mitte März und Anfang April ein Aufwärtstrend einzustellen schien, wurde die Aktie in den Tagen vor Bekanntgabe der Quartalszahlen wieder stark abverkauft. Aus technischer Analysesicht war das keine Überraschung, schließlich durchläuft der Kurs laut unserem Primärszenario aktuell eine fünfteilige Aufwärtsbewegung, deren erste Zwischenkorrektur bis vor Kurzem noch im Gange war. Entgegen pessimistischen Fundamental-Prognosen hatten wir schon seit Wochen mit einem impulsiven Ausbruch in jenen Preisbereichen gerechnet, die kurz vor PayPals Earnings Call angesteuert wurden. Und so kam es dann auch: Ausgehend vom Tief der von uns identifizierten Korrekturwelle am 19. April legte die PayPal-Aktie in der Spitze um rund 20 Prozent zu, durchbrach den wichtigen Widerstand bei gut $68 und startete damit die bullische Impulsbewegung. Zwar setzte der Titel in den letzten Stunden wieder etwas zurück, der Weg aufwärts ist aber vorgezeichnet. Und das auch langfristig: Bis zum zyklischen Top sollten Preisziele zwischen rund $560 und knapp $870 erreicht werden. Ähnlich wie bei Meta und Tesla offenbaren sich auch bei PayPal die Vorteile der technischen Analyse: Was auf den ersten Blick wie eine Anomalie der Börse erscheint (sinkende Kurse bei guten und Anstiege bei schwachen Geschäftszahlen) entpuppt sich letztlich als strukturell erwartbare Entwicklung. Wer von der nüchternen technischen Perspektive auf Meta, Tesla, Paypal und eine ganze Reihe weiterer Tech-Riesen profitieren möchte, ist mit unserem TECH33-Analysepaket bestens beraten.



