FED-Insider mit bärischer Zins-Prognose: Bitcoin und Aktien knicken ein
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FED-Insider mit bärischer Zins-Prognose: Bitcoin und Aktien knicken ein

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Simeon Koch

Jerome Powell lässt sich aktuell nicht in die Karten schauen. Aufgeregten Fragen zur künftigen Zinspolitik geht er aus dem Weg, zu groß scheint aktuell der Einfluss der von ihm geführten nordamerikanischen Zentralbank (engl.: Federal Reserve; kurz: FED) auf den nervösen Aktienmarkt. Zu groß die potenzielle Zerstörungskraft sorgloser Worte. Powells schmallippige Zurückhaltung macht so manchen Beobachter argwöhnisch. Das beredte Schweigen aus der monetären Führungsriege ließ die euphorische Erwartung rascher Zinssenkungen zuletzt abkühlen, aber auf wenigstens zwei oder drei hofften sogar zweifelnde Anleger. Selbst diese konservativen Schätzungen erschütterte nun der hochrangige Banker Neel Kashkari: Der Chef eines regionalen FED-Ablegers in Minneapolis deutete an, dass man die Zinsen bis nächstes Jahr unangetastet lasse, wenn die Inflation hartnäckig bleibe. Die bärische Prognose trifft die Aktien- und Krypto-Märkte in einer entscheidenden Phase ihrer zuletzt beschleunigten Rallye. Auf hohem Preisniveau steigen Unsicherheit und Volatilität, mit wechselhaften Arbeitsmarktdaten, zäher Teuerung und intransparenter Geldpolitik schweben gleich mehrere Damoklesschwerter über den zarten Knospen des Bullenmarktes.

Starker Arbeitsmarkt verunsichert die FED

Jerome Powell war nicht immer so bedacht in seiner Wortwahl. Vor knapp zwei Jahren trieb die nordamerikanische Zentralbank die Börsen vor sich her in den Bärenmarkt. Immer neue Zinserhöhungen sollten die aus dem Ruder laufende Inflation stoppen. Monat für Monat erschütterte die FED Anleger weltweit mit Hiobsbotschaften, die Pressekonferenzen mit Powell wurden zum Publikumsmagneten. Selbst die obersten Währungshüter schienen damals ratlos, im September 2022 bekannte Powell recht offen auf einer Pressekonferenz: „Keiner weiß, ob dieser Prozess in die Rezession führen wird – oder wie schwer diese Rezession wäre“. Seitdem wurde der Mantel des Schweigens über die meisten offiziellen Pläne zur Geldmarktpolitik der nahen und ferneren Zukunft gelegt – einzig die Bekämpfung der Inflation gibt der FED-Präsident immer noch mit der gleichen Verve als oberste Priorität aus. Und ausgerechnet diese Inflation war zuletzt träger als erhofft: Nach dem Höchststand von rund neun Prozent im Sommer 2022 ließ sich die Zunahme der Verbraucherpreise bis Juni 2023 auf drei Prozent drücken. Im Sommer desselben Jahres stieg sie dann plötzlich wieder auf 3.7 Prozent, der letzte Wert aus dem Februar lag bei 3.2. Das Ziel der Notenbank bei etwa zwei Prozent ist damit noch in weiter Ferne – und zu allem Überdruss spielt nun auch der Arbeitsmarkt nicht mehr mit.

Im Februar stellten nordamerikanische Unternehmen mehr neue Arbeitnehmer ein als erwartet. Was als Signal für eine robuste Wirtschaft und auf den ersten Blick wie ein Zeichen der allgemeinen Erholung wirkt, ist für die bullischen Aktienmärkte ein Kontraindikator. Um Inflation zu bekämpfen, muss zunächst einmal die Kaufkraft sinken. Kann sich die breite Bevölkerung weniger leisten, werden die allgemeinen Preise nach unten angepasst, damit Unternehmen mit ihren Produkten und Dienstleistungen weiterhin Geld verdienen. Einhergehende Sparmaßnahmen allerdings führen auch zu erhöhter Arbeitslosigkeit, da Firmen Stellen abbauen müssen, wenn der Umsatz schwächelt. Dass die Inflationsbekämpfung durch hohe Zinsen viele Menschen ihren Job kostet, bringt der FED Kritik ein – die Zentralbank sieht darin wohl allerdings die einzige Möglichkeit, exzessive Preissteigerungen zu verhindern. Steigt die Beschäftigung in den Vereinigten Staaten zu schnell an, befeuert die zusätzliche verfügbare Geldmenge durch neu ausgeschüttete Einkommen die Inflation. Paradoxerweise muss die Notenbank also darauf hoffen, dass die Wirtschaft schwächelt, damit sie die Zinsen wieder senken und die Geldhähne wieder öffnen kann – was wiederum sogenannten Risk-On-Assets wie Tech-Aktien oder Kryptowährungen zugutekommt.

„Es ist fraglich, ob Zinssenkungen überhaupt nötig sind"

Wenig hilfreich ist dabei die hohe Inflation aus dem Februar: Gegenüber der Tagesschau kommentierte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen: „Die monatliche Preisdynamik ist zu hoch, um eine unmittelbare Leitzinssenkung zu erwarten“, die Inflationszahlen in Kombination mit den vieldeutigen Arbeitsmarktdaten dürften „der FED missfallen“. Auch die DekaBank warnte: „Die für Sommer 2024 allgemein erwarteten Leitzinssenkungen der Notenbanken sind keine Selbstläufer“. Verbessert wurden diese Aussichten auch durch den Arbeitsmarkt-Bericht für den März nicht, den die nordamerikanische Regierung noch am Freitagabend veröffentlichte. 303 000 neue Jobs entstanden im vergangenen Monat, prominente Prognosen waren nach dem starken Wachstum im Februar von einer Abkühlung auf etwa 200 000 frische Stellen ausgegangen. Gegenüber der Tagesschau konstatierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP-Bank: „Die Serie an guten Arbeitsmarktdaten will einfach nicht abreißen. Dass der Arbeitsmarkt rund läuft, ist für alle Beschäftigten in den USA eine gute Nachricht.“

Mit 6.4 Millionen ist die Arbeitslosenzahl laut der jüngsten Statistik im langfristigen Vergleich niedrig, auch die derzeitige Quote von 3.8 Prozent liegt unter den Schätzungen. Zwar teilte die FED in einem aktualisierten Ausblick im März mit, den Leitzins bis Jahresende um 0.75 Prozentpunkte senken zu wollen, was drei Zinsschritten entspricht. Die Arbeitsmarktdaten aus dem Februar und März stellen diese Vorhersage aber immer vehementer infrage. Deutlicher als im breiten Markt erwartet hat die FED nun selbst Öl ins Feuer dieser Spekulationen gegossen, als Neel Kashkari von der Filiale in Minneapolis vor wenigen Stunden verlauten ließ: „Wenn die Inflation sich weiterhin seitwärts bewegt, dann frage ich mich, ob wir das Zinsniveau überhaupt kürzen sollten“. Außerdem sei „gerade viel Momentum in der Wirtschaft“, womit Kashkari auch auf die Arbeitsmarktdaten anspielte. Als wären seine Äußerungen nicht schon kalte Dusche genug für den Markt, fügte Kashkari noch an, dass selbst Zinserhöhungen „nicht vom Tisch“ seien – wiewohl diese Extremmaßnahme „kein wahrscheinliches Szenario sind angesichts dessen, was wir aktuell wissen“.

Wie geht der Bullenmarkt weiter?

Die Verunsicherung der Anleger war in der Nacht auf Freitag zu spüren gewesen: Deutlich setzten die großen nordamerikanischen Indizes um den Standard & Poor’s 500 und den Industrie-Index Dow Jones zurück, der Bitcoin führte seine Korrekturbewegung der vergangenen zwei Wochen fort und drückte die allermeisten Altcoins noch tiefer in die roten Zahlen. Schließlich bedeutet längerfristige restriktive Geldpolitik, dass für sprunghafte Anstiege in hochspekulativen Anlagen nicht so viel Geld zur Verfügung stehen dürfte wie bei niedrigen Zinsen. Nach den März-Daten fingen sich die Märkte wieder, zumindest deutet aktuell wenig auf eine baldige Rezession hin. Dennoch sind die starken Arbeitsmarktdaten keine besonders gute Nachricht für das aktuelle Aufwärtsmomentum. Denn die FED bekommt dank der Signale intrinsischer Stärke ihres Heimatmarktes immer weitere Argumente, um die Zinsen vorerst auf hohem Niveau zu belassen: „Je besser und je länger die US-Wirtschaft auf ihrem soliden Wachstumspfad bleibt – und hierfür ist nun einmal der Arbeitsmarkt ein guter Indikator –, desto mehr stellt sich die Frage, ob überhaupt Zinssenkungen nötig sind“, resümiert Thomas Gitzel von der VP-Bank.

Ob sich Kashkaris Prognose bewahrheitet, ist derzeit freilich nicht Stein gemeißelt, sein Einfluss auf die wichtigsten Protagonisten der FED dürfte eher begrenzt sein. Ob und wie der Bull Run bei Bitcoin und Co. weitergeht, erfahren Sie in den regelmäßigen Updates unserer Analysepakete zu Bitcoin/Ethereum und den Altcoins. Unsere technische Analyse ist in ruhigen wie unruhigen Marktphasen gleichermaßen wertvoll, da sie fundamentale Ereignisse ausblendet und damit immun ist gegen emotional bedingte Fehler. Wir vertreten die Annahme, dass Ereignisse wie dieses höchstens als Katalysatoren für bereits prognostizierte Kursbewegungen fungieren. Das Ausmaß der aktuellen Rücksetzer in den Kryptowährungen und den Leitindizes haben wir schon vor den kontroversen Zins-Äußerungen von Neel Kashkari angekündigt.

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Simeon Koch

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