Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag – Nach Kommunikationspannen: Schluckt die UniCredit jetzt die Commerzbank? 
In der letzten Woche sorgte der Verkauf von Commerzbank-Anteilen seitens der deutschen Bundesregierung an die italienische Großbank UniCredit nicht nur bei den Arbeitnehmern für Wirbel. An den folgenden Tagen wurde die Kritik an der Bundesregierung wegen der überraschenden Verkaufsaktion immer lauter. Offenbar ermöglichte eine ganze Reihe an Kommunikationspannen zwischen der Bundesfinanzagentur, der Börsenaufsicht Bafin und der nordamerikanischen Großbank JPMorgan, die mit der Abwicklung der Auktion beauftragt war, sodass UniCredit-CEO Andrea Orcel die Anteile in Höhe von 4.5 Prozent von Dienstag auf Mittwoch quasi in einer Nacht-und-Nebel-Aktion erwerben konnte. Die Bundesregierung ist wohl noch am Dienstagabend davon ausgegangen, dass die Anteile an verschiedene institutionelle Investoren aufgeteilt würden. Da die UniCredit bereits im Vorfeld weitere 4.5 Prozent der Commerzbank-Anteile am Markt eingesammelt hatte, ist sie jetzt mit insgesamt neun Prozent nach der Bundesregierung, die nach dem Verkauf noch zwölf Prozent hält, der zweitgrößte Aktionär des deutschen Geldinstituts. Und die Italiener möchten offenbar noch mehr, Andrea Orcel strebt wohl eine Fusion an. Ihm zufolge würde ein Zusammenschluss „erheblichen Mehrwert für alle Stakeholder“ und einen „stärkeren Wettbewerber im Bankenmarkt“ schaffen. Sollte der angestrebte Zusammenschluss nicht zustande kommen, werde man als „aktiver Aktionär“ die Transformation der Commerzbank vorantreiben. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die UniCredit offenbar bei der Europäischen Zentralbank eine Genehmigung beantragt hat, um bis zu 30 Prozent der Commerzbank-Anteile zu erwerben.
Dienstag – Entscheidung gefallen: Friedrich Merz ist Kanzlerkandidat für die Union
Bleiben wir doch noch kurz in Deutschland: Wie am Dienstag verkündet wurde, hat sich die Union auf Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2025 festgelegt. CSU-Chef Markus Söder verzichtet auf eine eigene Kandidatur und unterstützt Merz ausdrücklich. „Friedrich Merz macht's, und das mit voller Rückendeckung“, betonte Söder bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Die Entscheidung soll am kommenden Montag offiziell von den Parteigremien bestätigt werden. Merz, seit 2022 CDU-Vorsitzender, erklärte, er wolle im Wahlkampf den Fokus auf die Wirtschaft legen. Die Lage sei „prekär“ und er strebe eine Politik an, die statt „großer Fördertöpfe“ auf den Weg zu bringen, die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessert, um an die erfolgreichen vergangenen Jahrzehnte anzuknüpfen und das Land wieder auf Kurs zu bringen: „Das ganze Konzept nennt sich soziale Marktwirtschaft“, so Merz. In Deutschland trübte sich die Stimmung zuletzt zunehmend ein: Unter anderem stehen bei den Automobil-Giganten VW und BMW Entlassungen und möglicherweise gar Werksschließungen auf dem Plan, der Chemieriese BASF will weg – und Deutschland fiel zuletzt aus der globalen Wohlstandsspitze. Das zuletzt stark polarisierende Thema Migration werde laut dem 68-jährigen Merz zwar eine Rolle spielen, solle jedoch nicht den Wahlkampf dominieren. Söder und Merz betonten zudem die Geschlossenheit der Union, um die Ampel-Koalition abzulösen: „Wir rocken das gemeinsam“, sagte Söder am Tag der Bekanntgabe. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 lieferten sich Markus Söder und der damalige CDU-Vorsitzende Armin Laschet einen wochenlangen Streit um die Kanzlerkandidatur. Auch nachdem Laschet als Kandidat feststand, äußerte sich Söder wiederholt öffentlich kritisch über ihn. Am Ende verlor die Union die Wahl gegen die SPD.
Mittwoch – Microsoft: Aktienrückkaufprogramm und KI-Investitionen 
Microsoft plant einen massiven Aktienrückkauf im Wert von $60 Milliarden, wie der Konzern aus Redmond in dieser Woche bekanntgab. Das Rückkaufprogramm hat kein festgelegtes Enddatum und kann jederzeit gestoppt werden. Zusätzlich wird das nach Marktkapitalisierung derzeit nach Apple zweitwertvollste Unternehmen der Welt seine Quartalsdividende um etwa zehn Prozent von $0.75 auf $0.83 pro Anteilsschein anheben. Insgesamt werden so also vierteljährlich zukünftig rund $6 Milliarden an die Aktionäre ausgezahlt. Microsoft setzt auch weiterhin stark auf Künstliche Intelligenz, was sich auch in der Beteiligung bei einer weiteren Finanzierungsrunde des KI-Marktführers OpenAI widerspiegelt. Im letzten Quartal investierte das Unternehmen fast 78 Prozent mehr in KI-Technologien, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern respektive seinen Vorsprung bei dieser Schlüsseltechnologie weiter auszubauen. Microsoft gehört zu den wenigen großen Tech-Konzernen, die ihre Einnahmen aus dem KI-Bereich in den Quartalsberichten offenlegen. Wie wir bereits am Mittwoch in unserem HKCM-Newsflash berichtet haben, bringt Microsoft gemeinsam mit dem Vermögensverwaltergiganten BlackRock einen KI-Investmentfonds mit einem Volumen von $30 Milliarden auf den Weg, der den Bau von Rechenzentren und Energieprojekten für KI-Anwendungen fördern soll. Unterstützt von Partnern wie Nvidia und MGX zielt der Fonds vor allem auf den Markt in den USA ab, plant aber auch internationale Investitionen, um das Wachstum im KI-Sektor global voranzutreiben.
Donnerstag – Überraschend stark: Federal Reserve senkt Leitzins um 0.5 Prozent
Die nordamerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) hat zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren ihren Leitzins gesenkt – und das um 0.5 Prozentpunkte. Wie wir hier bereits gestern aufgezeigt haben, hatte der Markt zwar durchaus eingeplant, dass die Fed um zwei Zinsschritte kürzen könnte, die Mehrheit war aber davon ausgegangen, dass es hier nur um 0.25 Prozentpunkt nach unten geht. Somit folgt die Federal Reserve jedenfalls unter anderem der Europäischen Zentralbank (EZB), die bereits am Montag den Zins gesenkt hat, und zwar bereits zum zweiten Mal in Folge. Der Zins in den Vereinigten Staaten liegt nun in einer Spanne zwischen 4.75 und 5 Prozent. Grund für den Schritt seien die kontinuierlich abnehmende Inflation und zuletzt etwas schwächelnde Arbeitsmarktdaten. Fed-Chef Jerome Powell sagte, man habe „Vertrauen gewonnen, dass sich die Inflation in Richtung des 2-Prozent-Ziels bewegt“, das „geduldige Vorgehen im vergangenen Jahr“ habe sich ausgezahlt. Zugleich ließ Powell durchblicken, dass wohl 2024 noch zwei weitere Zinsschnitte um insgesamt 0.5 Prozentpunkte folgen könnten, im Jahr 2025 soll der Leitzins dann planmäßig fünf weitere Male nach unten korrigiert werden. Die Entscheidung fiel kurz vor den Präsidentschaftswahlen in den USA, was politische Spannungen schürt. Niedrigere Zinsen kurbeln in der Regel die Wirtschaft an, da Kredite günstiger und mehr Investitionen und Konsumausgaben gefördert werden. Dies spiele – laut dem republikanischen Kandidaten Donald Trump – der aktuellen Regierung aus dem Lager der Demokraten in die Karten. Kritiker sind zudem der Meinung, dass die starke Zinssenkung um 0.5 Prozentpunkte unnötig gewesen sei, da die Wirtschaft in den USA trotz leicht schwächerer Arbeitsmarktdaten robust sei und es keine deutlichen Anzeichen für einen bevorstehenden Abschwung gegeben habe. Eine moderate Senkung um 0.25 Prozentpunkte hätte ausgereicht, um die wirtschaftliche Richtung zu signalisieren, während der nun getätigte Schritt ein übertriebenes Alarmsignal an die Märkte senden könnte. So bestehe nun die Gefahr, dass die Fed bei einem unerwarteten Anstieg der Inflation zu abrupten Kurswechseln gezwungen sein könnte.
Freitag – CEO-Donahoe muss gehen: Nike holt Elliott Hill zurück
Nike tauscht den Mann an der Spitze aus: Der ehemalige Topmanager Elliott Hill kehrt aus dem Ruhestand zurück und übernimmt ab dem 14. Oktober die Führung des angeschlagenen Sportartikelriesen. Hill war mehr als 30 Jahre für Nike in Führungsrollen in Nordamerika und Europa tätig und wird zur Mitte des nächsten Monats den bisherigen Chef John Donahoe ablösen, der noch bis Ende Januar als Berater an Bord bleiben soll. Die Aktie des nordamerikanischen Unternehmens reagierte positiv auf Ankündigung und sprang um rund zehn Prozent nach oben. Der ehemalige Ebay-Chef Donahoe war 2020 mit der Mission angetreten, das Unternehmen zu modernisieren – unter anderem auch durch stärkere Fokussierung auf Direktverkäufe. Dies führte jedoch dazu, dass Wettbewerber in den Sportgeschäften präsenter wurden und Nike dort zuletzt zunehmend den Schneid abkauften. Kritiker bemängeln, dass Nike unter Donahoe an Innovationskraft eingebüßt habe. Gleichzeitig habe das Unternehmen den Markt mit zu vielen Neuauflagen populärer Klassiker überflutet, was zu einer Übersättigung führte. Nach einem Umsatzboom während der Coronapandemie stagnierte das Geschäft, Ende Juni brach die Aktie innerhalb weniger Stunden um über 20 Prozent ein. Hill soll nun das Steuer herumreißen und Nike wieder auf Erfolgskurs bringen. Ein Coup gelang Donahoe übrigens dennoch: So konnte er dem großen Konkurrenten aus Deutschland dessen „Kronjuwel“ abluchsen – ab 2027 läuft nämlich die deutsche Fußballnationalmannschaft nicht mehr mit Adidas, sondern mit Nike-Jerseys auf.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!




