Paukenschlag in Herzogenaurach: Über 70 Jahre lang fungierte der Sportartikelhersteller Adidas mit kleinen Unterbrechungen als Hauptausrüster der deutschen Fußballnationalmannschaft; bei allen vier Weltmeisterschafts- sowie den drei Euromeisterschaftstiteln schmückten die weltberühmten drei Streifen die Trikots der deutschen Kicker. Diese Ära wird nun bald zu Ende gehen: Wie in der letzten Woche nämlich bekannt wurde, werden der Deutsche Fußballbund (kurz: DFB) und das deutsche Traditionsunternehmen ab 2027 getrennte Wege gehen; der DFB ist eine deutlich besser dotierte Partnerschaft mit dem großen Konkurrenten Nike eingegangen. Für die DFB-Verantwortlichen war diese Entscheidung aus ökonomischer Sicht alternativlos, hatte der nordamerikanische Branchenführer wohl ein doppelt so hohes Angebot abgegeben wie der DAX40-Konzern Adidas. Anders sieht dies ein Großteil der deutschen Politik, deren Protagonisten in den vergangenen Tagen deutliche Worte fanden. Und Nike? Nun ja, das Dow30-Unternehmen verzeichnet mit der DFB-Partnerschaft im Konkurrenzkampf mit dem ewigen Rivalen Adidas sicherlich einen Prestigeerfolg – an dem eher tristen Ausblick für das kommende Geschäftsjahr 2024/25 ändert dies aber nichts…
Lauterbach: Kommerz vernichtet „eine Tradition und ein Stück Heimat“
In den vergangenen Tagen hagelte es seitens der deutschen Politik Kritik an der Entscheidung des DFB, zukünftig nicht mehr mit Adidas, sondern mit dem in den USA ansässigen Unternehmen Nike zusammenzuarbeiten. Gesundheitsminister Lauterbach sprach auf der Plattform X von einer „Fehlentscheidung, wo Kommerz eine Tradition und ein Stück Heimat“ vernichte. Wirtschaftsminister Habeck kann sich das „deutsche Trikot ohne die drei Streifen kaum vorstellen“, er habe sich vom Deutschen Fußballbund etwas „mehr Standortpatriotismus gewünscht“. Auch CSU-Chef Söder beurteilt die Entscheidung als „falsch [und] unverständlich“, für den CDU-Vorsitzenden Merz ist sie gar „unpatriotisch“ – und dem Linken-Politiker Ramelow geht die „Reduzierung aufs Geld und Dollarzeichen […] echt auf die Nerven“.
„Wo ist der Standortpatriotismus der deutschen Wirtschaftspolitik?“
DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig konterte die Aussagen der Politik-Protagonisten postwendend: „Ich habe mich schon sehr gewundert, dass sich Politiker kenntnisfrei und vor allem ohne Faktenlage populistisch so weit aus dem Fenster lehnen. Das muss ich ehrlich sagen, ist eine neue Qualität“. Seiner Auffassung nach hätte der eine oder andere „besser geschwiegen“. Vor allen Dingen Robert Habeck bekam hier sein Fett ab: Rettig sei sehr darüber verwundert, dass sich ein Wirtschaftsminister auf diese Art und Weise äußert – „ohne die Rahmenbedingungen und den Prozess zu kennen“. Ex-DFB-Boss Oliver Bierhoff legte gar nochmals einen drauf: Die Politiker sollten sich ohne Wissen über die Hintergründe und Fakten „aus der Diskussion raushalten […]. Wo ist der Standortpatriotismus der deutschen Wirtschaftspolitik? Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr zum Standortpatriotismus beiträgt. Stattdessen verlassen uns Unternehmen wegen hoher Energiekosten, hoher Steuern und zu viel Bürokratie.“
„Das mit Abstand beste wirtschaftliche Angebot“ kam von Nike
Dem Sprecher der DFB-Geschäftsführung Holger Blask zufolge habe Nike das wirtschaftlich „mit Abstand beste Angebot abgegeben“. Bislang nicht bestätigte Quellen sprechen unter anderem gegenüber dem Handelsblatt von über 100€ Millionen jährlich, die Nike in den Verband pumpen werde – in diesem Fall wären dies mindestens 50€ Millionen mehr als die Summe, die Adidas zuletzt pro Jahr zur Verfügung stellte. Die Entscheidung sei dem Verband also quasi von den vorliegenden Zahlen abgenommen worden, die Angebote seien nicht ansatzweise vergleichbar gewesen. Man sei gegenüber dem deutschen Fußball und seinen Mitgliedern dazu verpflichtet, die für den gesamten Verband beste Entscheidung zu treffen, um auch weiterhin die „Mitgliedsverbände und die Basis im Amateurbereich“ finanzieren zu können.
Nike-CEO Donahoe: „Wenn wir unser Bestes geben, kann uns niemand schlagen“
Der CEO des Branchenprimus Nike, John Donahoe, kommentierte die DFB-Vertragsunterzeichnung übrigens mit den Worten: „Wenn wir unser Bestes geben, kann uns niemand schlagen“. Abseits dieses DFB-Coups gibt’s in der Firmenzentrale in der nordamerikanischen Provinz Oregon derzeit jedoch nicht ganz so viel Grund zur Freude: Wie der Finanzchef Matthew Friend zum Ende der letzten Woche im Zuge einer Telefonkonferenz bekanntgab, gehe man davon aus, dass der Umsatz in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2024/25 um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz zurückgehen werde. Dementgegen konnte Nike im abgelaufenen dritten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres – also in den drei Monaten bis Ende Februar – Erlöse in Höhe von $12.4 Milliarden verzeichnen und somit marginal mehr umsetzen als im Vorjahresvergleichszeitraum.
Erst im Dezember hatte das Unternehmen angekündigt, aufgrund der wirtschaftlichen Lage ein milliardenschweres Sparprogramm realisieren zu müssen. Unter anderem sollen zwei Prozent der weltweit insgesamt etwa 83 700 Jobs wegfallen, betroffen sein könnten also bis zu 1700 Mitarbeitende. Darüber hinaus möchte Nike sowohl die Produktlinie als auch die Management-Ebene verkleinern, die Lieferketten verbessern sowie die Automatisierung vorantreiben. Insgesamt sollen so in den kommenden drei Jahren rund $2 Milliarden eingespart werden.
Die Nike-Aktie: unser charttechnischer Ausblick
Um Ihnen die volle Ladung Mehrwert mit auf den Weg zu geben, möchten wir Ihnen abschließend noch einen kleinen Einblick in unsere derzeitige Analyse zum Nike-Anteilsschein gewähren. Hier wurde es am Donnerstag im Zuge der oben beschriebenen Telefonkonferenz kurzzeitig äußerst volatil – zunächst auf der Ober-, direkt im Anschluss dann auch auf der Unterseite. Letztlich verkaufte der Titel in der Spitze um fast zehn Prozent ab. Unserer primären Erwartung zufolge sollte es hier mittelfristig jedoch zu deutlichen Anstiegen kommen, welche durchaus bis in den $150-Bereich reichen könnten. Jedoch schreiben wir diese Zuwächse vorrangig lediglich einer korrektiven B-Welle zu, sprich: In der Folge dürfte es hier zu massiven Abverkäufen kommen; Kurse unterhalb der $80-Marke sind hier absolut denkbar. Erst wenn dieser finale Rücksetzer abgeschlossen wurde, sehen wir die Aktie wieder nachhaltig auf der Oberseite durchstarten. Wir verfolgen im Hintergrund zudem einen alternativen Wellencount, in welchem der Titel seine Korrektur bereits abgeschlossen hätte und er entsprechend auf direktem Wege in Richtung neuer Höchststände aufbrechen würde. Für den Moment schreiben wir einem solchen bullischen Verlauf jedoch lediglich eine niedrige Eintrittswahrscheinlichkeit zu.




