Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag – VW in der Krise: Finanzchef Mayer muss Platz räumen
Bei VW kriselt es gewaltig: Nachdem die Geschäfte in den vergangenen Monaten deutlich schwächelten – die Rendite sank bei der Kernmarke zuletzt auf 2.3 Prozent –, wackeln nicht nur zahlreiche Jobs, das Unternehmen zieht sogar in Erwägung, ganze Werke zu schließen – auch hierzulande. Nun muss die erste hochrangige Führungskraft ihren Platz räumen: So wird der Finanzchef Patrik Andreas Mayer durch David Powels ersetzt, der bisher für die Finanzen bei der VW-Tochter Seat verantwortlich zeichnete. Mayer soll im Gegenzug Powels Posten bei Seat übernehmen. Powels bringt umfangreiche internationale Erfahrung aus seiner Zeit im Volkswagen-Konzern mit. Er war bereits in mehreren wichtigen Märkten tätig, unter anderem in seinem Heimatland Südafrika sowie in Deutschland, Brasilien und China. Unter seiner Führung hat sich Seat in den letzten Jahren wirtschaftlich besser entwickelt als die Kernmarke VW. Im zweiten Quartal 2024 erzielte Seat zusammen mit der sportlichen Marke Cupra eine Rendite von 5.2 Prozent. Mayer, der seit Oktober 2022 im Amt war, musste offenbar gehen, nachdem seine Sparmaßnahmen bislang nicht die erhofften Gewinnsteigerungen brachten.
Dienstag – Tech-Partnerschaft zwischen Oracle und Amazon
Der nordamerikanische Software-Konzern Oracle gab am Dienstag bekannt, dass man eine Partnerschaft mit dem Online-Riesen Amazon respektive mit dessen Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) geschlossen hat. Durch die Kooperation können Kunden künftig Oracle-Datenbanken über AWS-Server nutzen, was deren Reichweite und Flexibilität massiv erhöht. Dies kündigte Oracle-CEO Safra Catz bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen an – und diese waren abermals stark: So konnte das Unternehmen dank eines anhaltenden Booms im Cloud-Geschäft die Erwartungen der Analysten übertreffen und fuhr einen Nettogewinn in Höhe von $2.9 Milliarden ein. Der Umsatz stieg indes um acht Prozent auf $13.3 Milliarden, wobei das Cloud-Geschäft allein um 22 Prozent auf $5.6 Milliarden zulegte. Vor allem die Sparte Infrastructure as a Service (IaaS) wuchs überdurchschnittlich um 46 Prozent. Hierbei bietet Oracle Unternehmen die Möglichkeit, IT-Ressourcen wie Rechenleistung, Speicher und Netzwerke über das Internet zu mieten, anstatt eigene Server zu betreiben. So können Firmen flexibel auf leistungsstarke Infrastruktur zugreifen und ihre Anwendungen effizienter betreiben, ohne Ressourcen in die Anschaffung teurer Hardware investieren zu müssen. Beispielsweise nutzt der KI-Shootingstar OpenAI Oracle-Rechenzentren für das Training seiner KI-Modelle wie ChatGPT. Beide Kooperationsparteien – also sowohl Oracle als auch Amazon – sind übrigens fixe Bestandteile unseres TECH33-Aktienpakets, das Wertpapier des Einzelhändlergiganten Amazon findet sich zudem in unserem US-Titans-Paket wieder.
Mittwoch – PayPal und Venmo integrieren Ethereum Name Service
Ein weiterer kleiner Schritt in Richtung Mainstream: Der nordamerikanische Zahlungsdienstleister PayPal und seine Tochter Venmo haben den Ethereum Name Service (ENS) in ihre Apps integriert, um die Abwicklung von Krypto-Transaktionen zu erleichtern. Beim ENS handelt es sich um ein System, das lange, komplizierte Krypto-Wallet-Adressen durch leicht lesbare Namen ersetzt, ähnlich wie Domains im Internet. Anstatt einer langen alphanumerischen Adresse können Nutzer beispielsweise alice.eth verwenden, um Zahlungen zu empfangen. So soll das Risiko von Fehlern und Verlusten bei Transaktionen verringert und der gesamte Prozess deutlich benutzerfreundlicher gestaltet werden. Zusätzlich haben die beiden Plattformen eine Liste der häufigsten Kontakte eingeführt. Die ENS-Integration ist bislang nur in den Vereinigten Staaten verfügbar, wo PayPal und Venmo rund 270 Millionen Nutzer haben. PayPal ist in den letzten Jahren stetig weiter in den Krypto-Sektor vorgedrungen: Seit 2020 können Nutzer in bestimmten Ländern Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum kaufen, verkaufen und halten. Zudem ermöglicht die Funktion Checkout with Crypto Zahlungen bei Millionen Händlern weltweit. Im August 2023 führte PayPal zudem seinen eigenen an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin PYUSD ein, um digitale Zahlungen weiter zu erleichtern und die Krypto-Adoption voranzutreiben.
Donnerstag – Astronomischer Aufstieg: OpenAI strebt $150-Milliarden-Bewertung an
Zuletzt sah es so aus, als würde sich der OpenAI-Großinvestor Microsoft, der bereits mehr als $10 Milliarden in das Start-up pumpte, zunehmend vom KI-Marktführer distanzieren – in einer neuen Finanzierungsrunde für den von Sam Altman geführten ChatGPT-Entwickler scheint der einst von Bill Gates gegründete Konzern nun jedoch wieder eine zentrale Rolle einzunehmen: So möchte OpenAI weitere $6.5 Milliarden einsammeln, und hierbei unter anderem auf Liquiditätsspritzen der drei wertvollsten Börsenunternehmen der Welt – Microsoft, Apple und Nvidia –zurückgreifen. Es ist ein astronomischer Aufstieg, den OpenAI seit 2015 durchläuft: Unter anderem von Elon Musk, Sam Altman, Ilya Sutskever und Greg Brockman gegründet, schwang sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren zum absoluten Shootingstar im Bereich der Künstlichen Intelligenz auf – 2023 kam OpenAI bereits auf eine Bewertung in Höhe von $29 Milliarden, im Februar dieses Jahres lag dieser Wert dann schon bei $80 Milliarden. Erst im August ließ die Unternehmensführung verlauten, dass man im Rahmen der nächsten Finanzierungsrunde eine Bewertung von $100 Milliarden anstrebe. Nun sollen es also bereits $150 Milliarden sein…
Freitag – Deutschen Bahn verkauft DB Schenker 
Wie heute bekannt wurde, übernimmt das dänische Logistikunternehmen DSV die Deutsche-Bahn-Tochter DB Schenker, Kostenpunkt: 14.3€ Milliarden. Der Abschluss der Transaktion wird im Jahr 2025 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung vom Bahn-Aufsichtsrat und der Bundesregierung. Die Übernahme stößt auf heftigen Widerstand seitens der Gewerkschaft ver.di und der Schenker-Betriebsräte, die Arbeitsplatzverluste befürchten und einen Verkauf an den Finanzinvestor CVC präferiert hätten. Mit der Transaktion will die Deutsche Bahn ihren Schuldenstand, der über 30€ Milliarden liegt, deutlich reduzieren. DSV plant, in den kommenden Jahren 1€ Milliarde in Deutschland zu investieren und bis zu 2000 Verwaltungsstellen zu streichen. Schenker erwirtschaftete 2023 mit seinen weltweit 75 000 Mitarbeitern, von denen rund 15 000 in Deutschland tätig sind, einen Umsatz von 19€ Milliarden und zählt zu den weltweit größten Logistikunternehmen. Zuletzt war Schenker der einzige profitable Geschäftsarm der Bahn, die sich nun einzig auf den Schienenverkehr in Deutschland und Europa konzentrieren will. In den kommenden Jahren soll das Schienennetz saniert werden, um Pünktlichkeit und Effizienz im Fernverkehr zu steigern.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!




