Tech-Turbulenzen: Google wegen Monopol verurteilt, Microsoft und Apple gegen OpenAI
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Tech-Turbulenzen: Google wegen Monopol verurteilt, Microsoft und Apple gegen OpenAI

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Simeon Koch

Google ist überall. Das dürfte jedem aufgefallen sein, der regelmäßig ein Smartphone verwendet oder anderweitig das Internet nutzt. Sowohl auf iPhones als auch auf den Android-Smartphones von Samsung ist Google in der Regel vorinstalliert. Was für viele Nutzer Alltag ist, prangert die US-Justiz nun offen an: In einem historischen Prozess, der bereits seit 2022 läuft, entschied ein nordamerikanisches Gericht kürzlich, dass Google ein illegales Monopol betreibe und wettbewerbsbeschädigende Praktiken an den Tag lege, um diesen unfairen Vorteil zu schützen. Die vielerorts geforderte Zerschlagung des Suchmaschinen-Riesen steht zwar noch nicht im Raum, dennoch drohen Google empfindliche Strafen – etwa die zwangsweise Abspaltung des Browsers Chrome oder des Betriebssystems Android. Zumindest aus Großbritannien gibt es für Google aktuell gute Nachrichten. So setzt die britische Verbraucherschutzbehörde ein weiteres Monopol-Verfahren gegen Apple und Google vorerst aus. Fragwürdige Machtstrukturen bereiten Apple auch andernorts Kopfschmerzen: Gemeinsam mit Microsoft sieht sich der iPhone-Produzent gezwungen, zum KI-Marktführer OpenAI auf Distanz zu gehen – und das, obwohl man sich eben erst angenähert hatte.

OpenAI-Einstieg die „dümmste Idee“ von Microsoft?

Die Partnerschaft zwischen großen Tech-Konzernen und OpenAI ist eines der zentralen Themen in der aktuellen Diskussion über Künstliche Intelligenz. Seit Microsoft im Jahr 2019 erstmals $1 Milliarde in OpenAI investierte, hat sich die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen kontinuierlich vertieft. Mit einer zusätzlichen Investition von $10 Milliarden im Januar 2023 sicherte sich Microsoft nicht nur den Status als OpenAIs größter Investor, sondern auch als exklusiver Cloud-Anbieter. Diese Partnerschaft hat beiden Seiten bedeutende Vorteile gebracht: OpenAI erhielt Zugang zu Microsofts enormen Rechenressourcen und finanziellen Mitteln, während Microsoft fortschrittliche KI-Technologien wie GPT-Modelle in seine Produkte und Dienste integrieren konnte. OpenAIs Algorithmen verstärkten etwa Microsofts Cloud-Flotte Azure und den KI-Assistenten Copilot. Die scheinbar so glückliche Beziehung zwischen Sam Altmans KI-Shootingstar und dem Windows-Entwickler aus dem Silicon Valley begann aber bereits vor einigen Monaten zu kriseln. Erst sorgten die Verwirrungen um den vorübergehenden Rücktritt von OpenAI-Geschäftsführer Sam Altman für Unmut, dann investierte Microsoft plötzlich in den aufstrebenden KI-Konkurrenten Mistral.

Ist Microsoft von OpenAI abhängig? Nein, meint CEO Satya Nadella: „Wir haben die Leute, wir haben die Rechner, wir haben die Daten, wir haben alles“.

Auch öffentlich litt das Ansehen des ChatGPT-Entwicklers: So warf Elon Musk dem Unternehmen vor, seine gemeinnützige Mission verraten zu haben und verklagte OpenAI kurzerhand. Dass Microsoft und auch der ewige Konkurrent an der globalen Börsenspitze Apple dem KI-Marktführer nun formal den Rücken kehren, hat auch mit diesen Vorwürfen zu tun. Angesichts zunehmender regulatorischer Bedenken haben sowohl Microsoft als auch Apple beschlossen, sich von OpenAI zurückzuziehen. Anfang Juli 2024 kündigte Microsoft an, seine Rolle als nicht stimmberechtigter Beobachter im OpenAI-Board aufzugeben. Microsoft begründete diesen Schritt damit, dass die Beobachterrolle nicht mehr notwendig sei, da die Fortschritte der neu formierten Board-Mitglieder signifikant seien. Auch Apple entschied sich, seine Pläne für eine Beobachterposition im Board zu verwerfen, um regulatorische Risiken zu vermeiden. Kommentiert wurde diese überraschende Maßnahme von Eric Schmidt, ehemals Geschäftsführer von Google, der die Kooperation zwischen Microsoft und OpenAI in einem Interview als „dümmste Idee, die ich je gehört habe“, bezeichnete.

Beziehungschaos: Microsoft und Apple distanzieren sich

Obwohl die Partnerschaft Microsoft Zugang zu OpenAIs fortschrittlichen Modellen verschafft habe, bestehe die Gefahr, dass der Windows-Konzern langfristige Abhängigkeiten in Sachen KI aufbaue. Die Tatsache, dass OpenAI seine Technologien auch anderen Cloud-Anbietern wie Amazon und Google zur Verfügung stellt, verstärke diese Konkurrenzsituation zusätzlich. Diese Streitfrage hebt das paradoxe Verhältnis von Microsoft und OpenAI auf eine neue Ebene. Während Microsoft von der Integration von OpenAIs Technologien in Produkte wie Microsoft 365 profitiert hat, bleibt OpenAI eine unabhängige Firma, die ihre Modelle auch an Microsofts Wettbewerber verkaufen kann. Dies führt zu einer komplexen Lage, in der Microsoft sowohl Partner als auch Rivale im KI-Markt ist. Microsoft nutzt ChatGPT-Technologie für Bing, während OpenAI eine eigene Suchmaschine als Google-Konkurrenz auf den Markt bringen will, was die beiden ungleichen Partner auch noch zu Konkurrenten im Suchmarkt macht. Komplizierter wird die Situation noch durch die großen gemeinsamen Pläne zur Entwicklung eines Supercomputers namens Stargate, für dessen Rechenzentren Microsoft und OpenAI gemeinsame Ausgaben von atemberaubenden $115 Milliarden planen. Ganz schön viel Zündstoff also für einen veritablen Liebesstreit.

Im November 2023 verließ Sam Altman OpenAI überraschend, heuerte bei Microsoft an, kehrte aber ein paar Wochen später wieder zurück. Anleger warfen ihm daraufhin Täuschung vor.

Skurrile Blüten trieb diese ökonomische On-Off-Beziehung Anfang August: In seinem Jahresbericht kategorisierte Microsoft seinen eigentlichen Top-Partner OpenAI als Konkurrenz bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz und fortschrittlicher Suchmaschinen. Ein Sprecher von OpenAI bemühte sich im Interview mit CNBC zu versichern, dass sich das Verhältnis beider Firmen dadurch nicht verändere. Schließlich sei man die Kooperation bereits mit dem Verständnis eingegangen, dass man früher oder später in Konkurrenz zueinander treten werde. Und tatsächlich sind diese Beteuerungen durchaus glaubhaft. Dass Microsoft sich formal von OpenAI distanziert ist keine emotionale Kurzschlussreaktion, sondern vielmehr nüchternes Kalkül. Schließlich legen internationale Wettbewerbshüter schon seit Monaten besonderes Augenmerk auf ökonomische Verflechtungen im KI-Sektor, Stichwort: Antitrust, zu Deutsch: Kartellrecht. Regulierungsbehörden weltweit überwachen M&A-Transaktionen im KI-Bereich zunehmend kritisch, um monopolistische Verhaltensweisen zu verhindern. Tech-Giganten müssen bei Investitionen in einschlägige Start-ups also deutlich vorsichtiger agieren als bisher, um nicht in juristische Bredouille zu geraten. Dass es ziemlich ungemütlich werden kann, wenn man ins Fadenkreuz der Kartelljäger gerät, erlebt aktuell der Tech-Mitbewerber Google.

Verurteilung wegen Monopol: Google vor Aufspaltung?

Vor wenigen Tagen nämlich hat ein US-Bundesrichter festgestellt, dass Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, ein illegales Monopol im Bereich der Online-Suche etabliert hat. Laut dem Urteil zahlte Google im Jahr 2021 allein $26.3 Milliarden, um seine Suchmaschine als Standard auf Smartphones und in Webbrowsern zu platzieren. Dies geschah durch exklusive Vereinbarungen mit großen Geräteherstellern wie Apple und Samsung. Das Urteil markiert einen bedeutenden Erfolg staatlicher Behörden in der laufenden Reihe von Antitrust-Fällen gegen große Technologiekonzerne. Das US-Justizministerium prüft nun eine Reihe von Maßnahmen zur Behebung der wettbewerbswidrigen Praktiken. Zu den diskutierten Optionen gehört die Abspaltung des Android-Betriebssystems von Google, ein Schritt, der das Unternehmen von seiner dominierenden Position im Bereich der mobilen Betriebssysteme trennen würde. Darüber hinaus wird der Verkauf von AdWords, Googles wichtigem Suchanzeigenprogramm, sowie eine mögliche Abspaltung des Chrome-Webbrowsers in Erwägung gezogen. Google will nun in Berufung gehen, ein Ende des Prozesses ist aktuell noch nicht abzusehen. Viel konkreter sind unsere Preisprognosen für die nahe und ferne Zukunft der Top-Aktien von Apple, Microsoft und Alphabet, die wir allesamt in unserem beliebten Tech33-Paket analysieren – gemeinsam mit Giganten wie Nvidia, Meta und Palantir.

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Simeon Koch

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