Was wir bis jetzt mit Künstlicher Intelligenz erlebt haben, war noch gar nichts. So zumindest sieht das Sam Altman, alter und neuer Geschäftsführer beim KI-Marktführer OpenAI. Mit 100 Millionen Nutzern nach gerade mal zwei Monaten wurde OpenAIs KI-Modell ChatGPT zum erfolgreichsten Programm der digitalen Geschichte, was die Geschwindigkeit des Wachstums betrifft. Der Chatbot verblüffte mit menschenähnlichen sprachlichen Fähigkeiten und machte Künstliche Intelligenz zum Dauerthema in Politik, Wirtschaft und Medien. Beeindruckt ist Sam Altman von seinem Flaggschiff aber schon lange nicht mehr, schließlich sei ChatGPT „unfassbar dumm“ im Vergleich zu allem, was OpenAI in naher Zukunft geplant habe. Und das könnte tatsächlich stimmen, wenn die jüngsten und bisher ambitioniertesten Pläne des ehemaligen Start-ups Realität werden: Schon kommende Woche soll eine neue Suchmaschine vorgestellt werden – betrieben mit Künstlicher Intelligenz und angeblich um Längen besser als der bisher unangefochtene Marktführer Google. OpenAI hält sich bisher bedeckt, im Hintergrund sollen die Vorbereitungen aber auf Hochtouren laufen. Das Projekt könnte die Nutzung des Internets grundlegend verändern. Und OpenAI braucht dringend frische Innovation.
Googelt ChatGPT bald besser als Google?
OpenAI hätte sich kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um seine vermeintlich bahnbrechende Innovation vorzustellen – wenn es denn so kommt. Am kommenden Dienstag findet mit der jährlichen Entwicklerkonferenz einer der wichtigsten Termine überhaupt in Googles Kalender statt. Dort will Google laut Insidern seine neue KI-gestützte Suche mit dem Namen Search Generative Experience (SGE) vorstellen. Deutlich effizienter als bestehende Algorithmen soll Googles neues Suchmodell maßgeschneiderte Ergebnisse bringen, kreative Entwürfe in Text und Bild erstellen und sich menschenähnlich mit Nutzern unterhalten können. Genau diesen großen Neuigkeiten könnte nun aber OpenAI mit einer Präsentation der eigenen KI-Suchmaschine am Montag um wenige Stunden zuvorkommen, wie renommierte nordamerikanische Medien übereinstimmend berichten. Bisher hat ChatGPT noch Probleme damit, seriöse Informationen zu recherchieren und aufzubereiten – das soll sich nun ändern. Für bezahlende Kunden integrierte OpenAI seinen Chatbot schon in der Suchmaschine Bing von Microsoft, dem wichtigsten Mäzen des KI-Shootingstars.
Die neue KI-Suchmaschine soll frischen Wind in OpenAIs schlaffe Segel pusten, denn in Sachen Innovation herrschte nach dem fulminanten Aufstieg von ChatGPT weitgehend Flaute. Schon vor ein paar Wochen startete man ein Pilotprojekt, um den Chatbot besser ans Internet anzubinden, verwarf es aber bald wieder mangels Erfolgs. Allzu oft stößt ChatGPT an seine Grenzen, die jüngsten Informationen, mit denen der Algorithmus trainiert wurde, stammen aus dem Jahr 2023. Die neue Suchmaschine soll auf derselben Nutzeroberfläche wie ChatGPT aufbauen, allerdings aktive Internet-Recherche betreiben und ihre menschenähnlichen Antworten nicht nur mit profunden Fakten, sondern auch detaillierten Quellenangaben und Verlinkungen versehen können. Damit könnte ChatGPT etwa über aktuelle Geschehnisse in der Welt berichten und sie gleich auch mithilfe von digital verfügbaren Quellen erklären. Interne Quellen ließen bereits durchsickern, dass OpenAI offensiv Google-Mitarbeiter abwerben soll, um seine Suchmaschinen-Pläne voranzutreiben.
Elon Musk und Amazon: Harte Konkurrenz auf dem KI-Markt
OpenAIs Flucht nach vorne ist auch bitter nötig, denn die Konkurrenz im KI-Sektor wird immer größer. Das ebenfalls von Microsoft alimentierte französische Start-up Mistral und Elon Musks xAI holen auf, die Software-Firma Perplexity hat mittlerweile nicht nur eine Milliardenbewertung, sondern bereits eine KI-gestützte Suchmaschine auf dem Markt, die Quellen angeben kann. Zu den prominentesten Investoren gehören Nvidia und Amazon-CEO Jeff Bezos. Und auch Amazon selbst arbeitet mit dem KI-Entwickler Anthropic zusammen, um einen eigenen Chatbot aufzubauen und „die volle Kraft der KI“ zu entfesseln, wie der Konzern ankündigte. Unter Anthropics Partnern findet sich übrigens auch Google. OpenAIs Geschäftsführer Sam Altman will sich davon aber nicht einschüchtern lassen. Er sieht seine Aufgabe darin, eine völlig neue Form der Künstlichen Intelligenz zu entwerfen: „Was man wirklich will, ist eine Anwendung, die einem nicht mehr einfach nur behilflich ist“, deutete er in einem Interview vor wenigen Tagen an. Vielmehr wolle man einen „superkompetenten Assistenten“ entwickeln, der „absolut alles über unser ganzes Leben wissen wird – jede E-Mail, jedes Gespräch, das ich je geführt habe“. Altman ist sich sicher mit seinen Plänen, Kritik scheint bei dieser Vision einer allwissenden persönlichen KI aber vorprogrammiert. Wie es bei all diesen großen Plänen mit den Aktien des OpenAI-Mäzens Microsoft und des aktuellen Suchmaschinen-Marktführers Google weitergeht, erfahren Sie in den regelmäßigen Updates unseres beliebten TECH33-Pakets.



