Schlafen am Fließband: Elon Musk provoziert nach Grünheide-Streit
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Schlafen am Fließband: Elon Musk provoziert nach Grünheide-Streit

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Simeon Koch

Seit Tesla vergangenes Jahr die Krone als Marktführer in Sachen Elektroautos an den chinesischen Shootingstar BYD verloren hat, kommt Elon Musks Milliardenunternehmen nicht mehr zur Ruhe: Erst sorgten Streiks von unzufriedenen Mitarbeitern in Schweden für Unruhe, dann legte Musk sich höchstpersönlich mit den Aktionären an, als er via Twitter mehr Mitbestimmungsrecht forderte und die Ausgliederung eminenter Innovationsabteilungen andeutete. Und zu allem Überdruss droht Tesla nun Ungemach am wichtigsten europäischen Standort, der deutschen Gigafactory in Berlin-Brandenburg: Gestern wurde bekannt, dass die Bürger der Stadt Grünheide bei einer Abstimmung gegen die umfassende Erweiterung des Werks votiert haben. Geplant war ein Ausbau auf einer Fläche von etwa 170 Hektar. Um einen Güterbahnhof, Lagerhallen und einen Betriebskindergarten zu bauen, sollten dabei rund 100 Hektar Wald weichen. Grünheide ist für Tesla der Schlüssel zu stärkerer Präsenz im europäischen Markt – umso folgenreicher erscheint das negative Referendum für den Stromer-Giganten. Allerdings wurde seitens der Gemeinde noch nicht über die Baupläne abgestimmt, das Referendum ist gesetzlich nicht bindend. Tesla erwägt, sich über die Absage der Bürger hinwegzusetzen und versucht zu beschwichtigen. Elon Musk fordert bedingungslosen Fortschritt.

Tesla will in Brandenburg eine Million Autos pro Jahr herstellen

Zwei Drittel der Bürger des Brandenburger Städtchens Grünheide sprachen sich Anfang der Woche bei der offiziellen Befragung per Wahlzettel gegen die Erweiterung der bereits 300 Hektar großen Riesenfabrik aus. Für Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach zeigt dieses Votum, dass „die Bedenken und Befürchtungen der Menschen deutlich überwiegen“. Eine finale Absage bedeute das aber noch nicht für das ambitionierte Projekt, das auch für die Region eine wichtige Quelle von Prestige und Arbeitsplätzen wäre, betonte Steinbach: „Ich sehe das Abstimmungsergebnis auch als eine Motivation für die Gemeinde und Tesla, die noch nicht beseitigten Bedenken in den nächsten Wochen und Monaten konzeptionell zu beantworten“. Was genau damit gemeint ist, führte der Politiker nicht weiter aus. Grünheides Bürgermeister Arne Christiani versicherte in einer ersten Stellungnahme, die Entscheidung der Bürger zu respektieren, bleibt aber ein Verfechter der Zusammenarbeit mit Tesla, die jährlich millionenschwere Steuereinnahmen garantiert. Bereits bei der Errichtung der Gigafactory, die im Frühjahr 2022 in Rekordzeit aus dem Boden gestampft wurde, hatte Tesla von der brandenburgischen Landesregierung rege Unterstützung erfahren, durch eine Reihe von Ausnahmegenehmigungen reizte das Projekt die Grenzen des Baurechts aus.

Dass sich die Ausweitung des Fabrikgeländes bis in ein Wasserschutzgebiet erstrecken soll, stößt Naturschützern sauer auf, Anwohner befürchten Staub- und Lärmbelästigung. Auch von Umwelt- und Wasserverschmutzung ist die Rede, dabei unterstreicht Tesla, den Hauptfluss an Produktionsmitteln auf die Schiene verlagern und zu diesem Zweck den geplanten Güterbahnhof bauen zu wollen. Elon Musk selbst erklärte, durch die Erweiterung wirtschaftliche und infrastrukturelle Vorteile für die Region zu schaffen. So werde das Verkehrsaufkommen durch die Werksbahn entlastet, durch größere Lagerflächen schaffe man außerdem mehr Liefersicherheit, was wiederum zur besseren Planbarkeit und Koordinierung von Transporten führe. Aktuell beläuft sich die Produktionskapazität in Grünheide bei 12 500 Beschäftigten auf 6000 Autos pro Woche, aufs Jahr gerechnet werden in der Gigafactory rund 300 000 Fahrzeuge gefertigt. Ans Kapazitätslimit kommt man damit bislang noch nicht, die Anlage ist für ein Produktionsvolumen von 500 000 Fahrzeugen jährlich ausgelegt. Und trotzdem hegt Elon Musk bereits Pläne, diese Grenzen deutlich auszuweiten und das Potenzial des Werks auf rund eine Million Autos im Jahr zu verdoppeln. Dafür benötigt Tesla allerdings die Zustimmung der Gemeinde, was mit Blick auf die Bürgerbefragung zwar schwierig erscheint, aus politischer Sicht aber per se nicht unbedingt ein Problem darstellt, schließlich hat Tesla mächtige Fürsprecher.

„Beispiellose wirtschaftliche Dynamik“ dank Elon Musk

So lobte etwa die Bundesregierung das Projekt als hochkarätiges Vorbild für künftige Ansiedlungen und die Erschließung industriell bislang ungenutzter Flächen. Besonders in Zeiten der sektorübergreifend schwächelnden Industrie und historisch schwachen Wachstumsprognosen schien das Tesla-Werk ein Hoffnungsschimmer auf dem Weg zur konjunkturellen Erholung. Als Wachstumstreiber fällt aber auch Tesla momentan aus: Lieferschwierigkeiten durch Unruhen im Roten Meer und anhaltende Protestwellen an skandinavischen Produktionsstätten belasten die Produktionszahlen. Die drastisch gesenkten Preise kurbeln zwar den Absatz an, führen aber auch dazu, dass große Firmen wie SAP für ihre Dienstwagen auf andere Marken umsteigen müssen. Erst Ende Januar enttäuschte Tesla mit seinen Quartalszahlen und lieferte sich bühnenreife Scharmützel mit Journalisten und Medienhäusern, die Produktionsmängel an mehreren Modellen entdeckt haben wollten. Ins Kreuzfeuer geriet auch der edelstählerne Cybertruck, eines der aufsehenerregendsten Tesla-Projekte überhaupt. In einem Video hatte Tesla ein Rennen mit einem Porsche-Sportwagen inszeniert, an den offiziellen Angaben zu den Leistungsdaten aber derart gedreht, dass hinterher öffentliche Manipulationsvorwürfe laut wurden. Der Cybertruck geriet letzte Woche dann erneut in den Fokus, als Kunden sich öffentlichkeitswirksam über Rostspuren an der, laut Hersteller, rostfreien Karosserie beschwerten. Tesla reagierte pikiert und erklärte die Korrosion mit Metall-Ablagerungen, die man abwischen könne. Anfällig für externe Rostpartikel ist die unlackierte Oberfläche des futuristischen Edelstahl-Pickups offenbar trotzdem, wie sogar das Fahrzeug-Handbuch verrät.

In Grünheide droht nun eine Auseinandersetzung zwischen Gemeindevertretern und Bürgern. Bürgermeister Christiani hatte zwar vor der Abstimmung zugesagt, sich an das Ergebnis zu halten, zeigte sich im Nachhinein aber überrascht über das negative Votum. Demnach sei die Absage einzig auf mangelnde Information zurückzuführen: „Ich ärgere mich darüber, dass es nicht gelungen ist, den Menschen darzustellen, dass ganz wichtige Infrastrukturprojekte Bestandteil dieses Bebauungsplans sind“. Eine generelle Tesla-feindliche Haltung sei in der Gemeinde nicht zu spüren, vielmehr sei öffentlich destruktive Stimmung gemacht worden: „Die Berichterstattung über das Gesamtvorhaben Tesla ist im letzten Jahr eher ins Negative gegangen“. Laut Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, sollten „nicht die Risiken, sondern die Chancen der Investition im Mittelpunkt stehen, auch mit Blick auf die Umwelt“. Die Gigafactory habe seit ihrer Entstehung vor etwa zwei Jahren für eine „beispiellose wirtschaftliche Dynamik in der Hauptstadtregion gesorgt“, künftig strebe man danach, „noch intensiver das Gespräch zu suchen und über die Erweiterung des Werks zu informieren“.

Tesla will chinesische Konkurrenz ausstechen – was macht die Aktie?

Etwas glatter läuft es für Elon Musk und Tesla derweil mit den Plänen einer neuen Gigafabrik in Mexiko, deren Bau spätestens im März beginnen soll. Auch hier gibt es laut dem zuständigen Gouverneur Samuel García jedoch vielfältige Herausforderungen: „Es gibt bereits ein Problem mit der Elektrizität, mit dem Wasser und der Umwelt“. Trotzdem wird Tesla das Leben in Mexiko deutlich leichter gemacht als in Brandenburg, denn bereits jetzt lassen die Behörden die notwendige Infrastruktur einrichten und Straßen zum künftigen Werk bauen. Laut Tesla wolle man auch in der sechsten Gigafabrik des Unternehmens „Vollgas“ geben, möglicherweise wird ein Teil der Kapazität bereits für das neue Modell 2 eingeplant, das die Produktpalette von Tesla um eine günstige Alternative erweitern soll.

Mit dem Codenamen „Redwood-Projekt“ werden die Pläne um das voraussichtlich etwa $30 000 teure Modell bezeichnet, das bis 2026 in den Verkauf gelangen und den günstigen Preisen der chinesischen Konkurrenz um BYD die Stirn bieten soll. Musk kündigte an, auf revolutionäre Fertigungstechnologie zu bauen, die neue Maßstäbe in der Automobilindustrie setzen werde. Außerdem verlangte er von Arbeitern und Ingenieuren einer texanischen Tesla-Fabrik, vor Ort bei der Produktionsstätte zu nächtigen, um die Produktionszeit zu drücken. Bereits in der Vergangenheit war Musk mit derart ambitionierten Vorhaben äußerst erfolgreich, zuletzt gab die Tesla-Aktie aber deutlich nach. Warum unsere technische Analyse der Aktie dennoch eine glorreiche Zukunft prognostiziert und wann man am besten einsteigt, um die besten Gewinnchancen zu haben, ist unserem TECH33-Paket zu entnehmen, das Tesla und eine ganze Reihe der größten nordamerikanischen Tech-Unternehmen abdeckt, etwa die kürzlich mit ihren Quartalszahlen überraschenden Microsoft und Apple, den Zahlungsdienstleister PayPal, der künftig noch stärker auf Künstliche Intelligenz setzen will sowie das Unternehmen der Stunde: der Chip-Gigant Nvidia, der just gestern seine Zahlen veröffentlichte und die Wall Street abermals in Euphorie versetzte.

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Simeon Koch

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