Es ist Freitag und somit lassen wir eine weitere spannende Handelswoche hinter uns. Was so alles in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns in unserem Wochenrückblick an.
Montag – Von London nach New York? Shell erwägt Börsenumzug
Wie am Montag bekannt wurde, will der Öl-Konzern Shell, der vor über 100 Jahren aus einer Fusion der niederländischen Royal Dutch Petroleum Company und der britischen Shell Transport and Trading Company hervorging, von der Londoner an die New Yorker Börse umziehen (Lesen Sie hier mehr zur Entstehungsgeschichte der Börse). Seit geraumer Zeit ist Shell unzufrieden mit der Bewertung an der Londoner Börse, die nach Unternehmenseinschätzung im Vergleich zu den nordamerikanischen Konkurrenten deutlich zu niedrig sei. Diesbezüglich äußerte sich jüngst auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende Ben van Beurden zu Wort. Der 65-jährige Niederländer sieht den Konzern ebenfalls als „massiv unterbewertet“ an und ließ verlauten, dass das man bereits im Jahr 2021 mit dem Gedanken gespielt habe, an die New York Stock Exchange zu wechseln. Letztlich sei man aber zum Ergebnis gekommen, dass es sich hierbei um „eine zu große Hürde“ handle. Nichtsdestotrotz könne er sich aber gut vorstellen, dass die Pläne dieses Mal tatsächlich umgesetzt werden. Zumeist werden Öl-Unternehmen in den USA etwas besser bewertet als ihre Pendants auf dem europäischen Kontinent, auch weil Investoren in Nordamerika eine etwas positivere Haltung gegenüber konventionellen Energieunternehmen haben. In den letzten Jahren hatte sich die Bewertungslücke nochmals vergrößert, als die EU strengere Regeln für Investitionen im Bereich der fossilen Brennstoffe beschloss. In unserem US-Titans-Aktienpaket analysieren wir mit ExxonMobil, Chevron und Occidental Petroleum drei der nordamerikanischen Shell-Konkurrenten. Zudem haben wir in diesem Artikel die jüngsten Entwicklungen auf dem weltweiten Rohöl- und Erdgasmarkt beleuchtet.
Dienstag – KI-Chips: Attackieren Google und ARM den Platzhirsch Nvidia?
Der Suchmaschinengigant Google hat am Dienstag eine neue Version seiner Chips für KI-Rechenzentren vorgestellt. Darüber hinaus kündigte die Alphabet-Tochter die Entwicklung des Zentralprozessors (engl.: Central Processing Unit; kurz: CPU) Axion an, der auf den vom britischen Unternehmen ARM designten Chips basiert. Google möchte somit den unangefochtenen KI-Chip-Platzhirsch Nvidia attackieren, der zuletzt mit schier unglaublichen (Quartals-)Zahlen aufwartete und neben dem KI-Pionier OpenAI als bislang größter Profiteur des anhaltenden Hypes rund um Technologien im Bereich der Künstlichen Intelligenz gilt. Bereits jetzt stellen die von Google produzierten TPUs (engl.: Tensor Processing Units) eine der wenigen Alternativen zu den fortschrittlichen Nvidia-Chips dar. Die nun folgenden TPU v5p-Chips sollen laut Google eine um 30 Prozent bessere Leistung als „allgemeine ARM-Chips und eine um 50 Prozent bessere Leistung als die aktuellen Generationen der x86-Chips von Intel und AMD“ bieten. Die Nutzung der neuen Prozessoreinheit Axion, die in Kooperation mit ARM entstehen soll, will Google ausschließlich über seine Cloud anbieten, zu kaufen gibt es sie nicht. Laut Mark Lohmeyer, einem verantwortlichen Manager bei Google Cloud, mache man es den „Kunden leicht, ihre bestehenden Workloads“ in die Cloud zu übertragen und so Axion problemlos zu nutzen – und zwar ohne, dass etwaige Änderungen an der jeweiligen Software durchgeführt werden müssten. Axion wird bereits in verschiedenen Google-Diensten verwendet und soll später im Jahr öffentlich zugänglich gemacht werden. Der TPU v5p ist ab sofort über die Google Cloud verfügbar. Verfügbar sind in unserem TECH33-Aktienpaket Analysen zu den begehrten Tech-Aktien um Nvidia, AMD und Google. Den Intel-Anteilsschein analysieren wir im Rahmen unseres US-Titans-Paket. In beiden Paketen – wie übrigens auch beim China-Titans- und beim DAX40-Paket – erhalten Sie nicht nur täglich schriftliche Updates, sondern auch Mitteilungen zu lukrativen Einstiegs- und Handelsmöglichkeiten.
Mittwoch – $126.5 Milliarden ETF-Zuflüsse im März
Wie der Vermögensverwalter und US-Titan BlackRock am Mittwoch verkündete, flossen allein im März weltweit rund $126.5 Milliarden in unterschiedliche ETFs (engl.: Exchange Traded Funds; dt.: Börsengehandelte Fonds); zum Vergleich: Im Januar waren es etwa $80.56 Milliarden, im Februar investierten Anleger weltweit knapp $110 Milliarden in ETFs. Die ETF-Zuflüsse im März waren die drittumfangreichsten seit dem Jahr 2021. Wie gewohnt, standen auch im dritten Monat des Jahres vor allen Dingen Aktien-ETFs ganz oben in der Gunst der Investoren, flossen hier doch ganze $96.6 Milliarden. Durchaus überraschend ist aber, dass im Bereich der Sektor-ETFs etwa $600 Millionen aus dem Technologiesektor herausgezogen wurden, der damit zum ersten Mal seit Juni 2023 Abflüsse verzeichnete. Die umfangreichsten ETF-Zuflüsse konnte im März der Industriesektor verbuchen. Es folgen die Sektoren Material (+ $1.3 Milliarden) und Energie (+ $600 Millionen). Laura Cooper, ETF-Expertin bei BlackRock, resümiert: „In den letzten Monaten haben wir eine defensive Neigung beim Aktienkauf beobachtet“, man erkenne, „dass Investoren mehr Exposition gegenüber zyklischen Sektoren eingehen“. In den letzten Jahren und Monaten konzentrierte sich das Geld der Anleger in einer nie dagewesen Art und Weise auf die Tech-Branche. Die allesamt diesem Sektor zuzuordnenden Magnificent Seven (dt.: Glorreichen Sieben) – also Microsoft, Apple, Alphabet, Amazon, Meta, Tesla und Nvidia – besitzen eine größere Marktkapitalisierung als alle Gesamtaktienmärkte der Welt (abseits der USA). Entsprechend spekulieren viele Anleger darauf, dass sich das massive Wachstum dieses Sektors nun auch zunehmend auf die (noch) hinterherhinkenden übrigen Branchen ausweitet. Welche interessanten Neuigkeiten es aktuell rund um den Bitcoin-Spot-ETF gibt, der den erfolgreichsten Start aller jemals aufgesetzten ETFs hinlegte, lesen Sie übrigens hier!
Donnerstag – $525 Millionen: Amazon wird zur (Straf-)Kasse gebeten
Im Jahr 2018 verklagte das auf die Grundlagenforschung zur Speichertechnik spezialisierte Unternehmen Kove den Amazon-Konzern aufgrund potenzieller Patentrechtsverletzungen. Nun, fast sechs Jahre später, bestätigte ein Geschworenengericht in der Provinz Illinois, dass Amazon respektive die Cloud-Tochter Amazon Web Services (kurz: AWS), wenngleich nicht absichtlich, tatsächlich drei Kove-Patente verletzt hat (wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht, seien die Cloud-Storage-Patente für das Betreiben des Cloud-Dienstes „essenziell“) und verurteilte den von Jeff Bezos gegründeten Konzern zu einer Strafzahlung in Höhe von $525 Millionen. Amazon widersprach diesen Anschuldigungen, verwies darauf, dass die Patente längst abgelaufen seien und kündigte an, gegen den Gerichtsentscheid in Berufung zu gehen. Kove hat übrigens noch weitere Klagen gegen Big Player der nordamerikanischen Tech-Branche eingereicht. So verklagte das in Chicago beheimatete Unternehmen Google respektive den Mutterkonzern Alphabet in einem ähnlichen Zusammenhang, hier steht das Urteil aber noch aus. In den Vereinigten Staaten ist es nicht unüblich, dass bei Patentprozessen derart umfangreiche Strafen ausgesprochen werden, die dann wiederum im Rahmen von Berufungsverfahren deutlich nach unten korrigiert werden. Derweil gibt es auch Positives aus dem Hause Amazon im Hinblick auf die AWS-Sparte zu berichten: So wurde im Marz bekanntgegeben, dass man mehr als $5 Milliarden in mehrere Datencenter in Saudi-Arabien investiert.
Freitag – Berufung: FTX-Gründer Bankman-Fried will nicht 25 Jahre in den Knast
Kürzlich wurde Samuel Bankman-Fried, Gründer der betrügerischen Handelsplattform FTX, in den USA zu einer 25-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Im Detail sprach das Gericht den 32-jährigen ehemaligen Milliardär und Krypto-Shootingstar in sieben Fällen des Betrugs und der Verschwörung schuldig, nachdem er und seine Komplizen bis zu $8 Milliarden an Kundengeldern veruntreut hatten. Als der Krypto-Broker FTX im Zuge eines Bank Runs im November 2022 kollabierte, zog er den gesamten Sektor und zahlreiche kooperierende Unternehmen mit in den Abgrund. Jedenfalls hat Bankman-Fried keine Lust, einen Großteil seines Lebens im Gefängnis zu verbringen, weshalb sein Anwalt Marc Mukasey nun angekündigt hat, in Manhattan vor das Berufungsgericht ziehen zu wollen. Die Chancen für Bankman-Fried, der sich vor dem FTX-Zusammenbruch zu einem der größten Wahlkampfspender der demokratischen Partei aufschwang, schätzen Experten aber als äußerst gering ein, wurde er doch von drei seiner geständigen Partner schwer belastet. Bankman-Fried hingegen räumte lediglich ein, Fehler beim Risikomanagement gemacht zu haben: „Ich habe eine Reihe schlechter Entscheidungen getroffen“. Weiterhin aber bestreitet er, (bewusst) Geld gestohlen zu haben. Sein Anwalt wirft dem Gericht vor, aufgrund des öffentlichen Drucks ein Exempel an Bankman-Fried statuieren zu wollen und ihn deshalb übermäßig stark zu bestrafen. Letztlich blieb das Gericht mit den 25 Jahren Gefängnis aber weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Und vielleicht sollten Bankman-Fried und sein Anwalt mal einen Blick in die Türkei werfen: Dort wurde Faruk Fatih Özer, der ehemalige CEO der Krypto-Börse Thodex, die im Jahr 2021 zusammenbrach und Nutzer-Vermögenswerte in Milliardenhöhe veruntreute, im September 2023 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 11 196 Jahren, zehn Monaten und 15 Tagen verurteilt.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!







