„Das neue Nvidia“: Aufstrebender KI-Chip-Spezialist ARM attackiert Apple
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„Das neue Nvidia“: Aufstrebender KI-Chip-Spezialist ARM attackiert Apple

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Simeon Koch

Es gibt Firmen, die kaum jemand kennt, obwohl fast jeder ihre Produkte nutzt. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist der englische Chipentwickler Advanced RISC Machines, kurz: ARM, dessen Halbleiterprodukte und Mikroprozessoren in beinahe allen Smartphones namhafter Hersteller zu finden sind. Apple und Qualcomm unterhalten wichtige Partnerschaften mit ARM und bezahlen Millionen für deren Chip-Lizenzen, in mehr als 90 Prozent aller Mobiltelefone von Samsung bis Xiaomi finden sich ARM-Prozessoren. Mit knapp 6000 Mitarbeitern und einem jährlichen Milliardenumsatz ist das Unternehmen eigentlich kein Leichtgewicht, das so ohne weiteres unter dem Radar fliegen könnte. Und doch rückte der Konkurrent von Chip-Giganten wie Nvidia oder Intel erst in den letzten Tagen so richtig ins internationale Rampenlicht. Eine große Rolle dabei spielte einmal mehr Künstliche Intelligenz (kurz: KI), neue Arm-Technologie könnte den Fortschritt bei KI-Anwendungen auf Smartphones immens beschleunigen. Formidable Umsatzprognosen und eine offene Kampfansage an Apple taten ihr Übriges. Von der anhaltenden KI-Fantasie an der Börse profitieren aber auch die Großen: Während sich der Preis der ARM-Aktie kürzlich verdoppelte, übertrumpfte Nvidia den Marktwert von Amazon.

ARM-Aktie in einer Woche verdoppelt

Als Apple im Jahr 2006 gerade am ersten iPhone schraubte – Steve Jobs musste erst mühsam davon überzeugt werden, ein Smartphone auf den Markt zu bringen – sollte Intel die Prozessoren für das neue Mobiltelefon fertigen. Intel aber lehnte ab, der damalige Geschäftsführer des Hardware-Riesen hielt das geplante iPhone für ein Nischenprodukt ohne großes Potenzial. Steve Jobs war wenig erfreut von dieser Zurückweisung und besann sich auf ein kleines Unternehmen aus Cambridge, das er 1990 mitgegründet hatte: ARM. Damit begann der Aufstieg der Chip-Designschmiede, die ihre Produkte gar nicht selbst baut, sondern lediglich die Patente dazu entwickelt und anschließend Lizenzen vergibt – unter anderem an Apple und Qualcomm. Im September 2023 wurde ARM dann im Nasdaq, dem nordamerikanischen Technologie-Index, gelistet mit einem Anteilswert von $51. Die Marktkapitalisierung von damals rund $54 Milliarden hat sich seitdem – wohlgemerkt in kaum fünf Monaten – fast verdreifacht und steht aktuell bei rund $153 Milliarden, die Aktie ist mittlerweile knapp $150 wert. Letzten Dienstag stand sie noch bei $73.

Beim Börsengang brachten sich Tech-Riesen wie Apple, Google und mit Intel auch ein wichtiger ARM-Konkurrent in Stellung für große Investitionen – spätestens in den letzten Tagen zogen Kleinanleger in Scharen nach. Mit einer neuen Chip-Reihe steigert ARM seine Umsätze deutlich, wie Geschäftsführer Rene Haas vergangene Woche bekanntgab. In allen Premium-Smartphones kommt das frische Patent zur Anwendung, auch große Rechenzentren werden beliefert. Im abgelaufenen Quartal verzeichnete ARM einen Umsatz von $824 Millionen und einen operativen Gewinn von $338 Millionen, womit die wichtigsten unternehmerischen Kennzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 respektive 17 Prozent gesteigert werden konnten. Für das laufende Quartal gab ARM eine Umsatzprognose zwischen $850 und $900 Millionen Dollar heraus, Analysten hatten mit einem Wert um $750 Millionen gerechnet. Zu einer der wichtigsten Einnahmequellen soll künftig die Vermarktung von KI-Chipdesigns werden. Die Euphorie um das ARM-Wertpapier ist laut Branchekennern auf die Jagd vieler Investoren nach dem "neuen Nvidia" zurückzuführen. Dabei läuft es beim echten Nvidia, das ARM-Lizenzen für zentrale Prozessoren in ihren KI-Chips nutzt, alles andere als schlecht.

Nvidia überflügelt Amazon – ARM attackiert Apple

Erst im letzten Jahr stieg Nvidia durch Kursgewinne der eigenen Aktie jenseits der 300 Prozent zum erst fünften Unternehmen nordamerikanischen Unternehmen mit einer Börsenbewertung von mehr als $1 Billion auf, aktuell rangiert man bei knapp $1.8 Billionen. Kurzzeitig konnte Nvidia in den letzten Tagen sogar Amazon vom vierten Platz der wertvollsten Unternehmen der USA verdrängen, an der Spitze steht aktuell hauchdünn Microsoft, mit ein paar Milliarden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Apple. Zuletzt war Nvidia im Jahr 2002 wertvoller als Amazon gewesen, damals waren beide gut $5 Milliarden schwer. Entscheidend für die künftige Wahrnehmung des Nvidia-Papiers an der Börse dürften auch die Quartalszahlen des Chip-Giganten sein, die am 21. Februar veröffentlicht werden. Nvidia, dessen Chips im wichtigen Absatzmarkt China nach einem USA-Embargo an Popularität verloren hatten und in ihrer besten Ausführung nur über den chinesischen Schwarzmarkt erhältlich sind, spannt seine Anleger mit den Geschäftszahlen länger auf die Folter als alle anderen Tech-Giganten auf den vorderen Plätzen der Börsenwert-Bestenliste. Google, Meta und Amazon verkündeten ihre Geschäftsergebnisse schon vor einigen Tagen, teils mit großen Überraschungen.

Ausgerechnet ARM könnte Nvidia dazu verhelfen, in Zukunft weiter in der Top-Fünf vorzustoßen, eine offene Kampfansage der Briten an Apple ließ die Branche kürzlich aufhorchen. Apple-Chips für iPhones und Mac-Computer setzen auf ARM-Technologie, der Lizenzhalter verdient damit aber nicht genug. Denn Apple verwendet seine Chips fast ausschließlich selbst, die weitere Vermarktung außerhalb der Apple-Produktlinien ist damit stark eingeschränkt, was auch die ARM-Einnahmen schmälert. Da Apple aber die Lizenzen für die bisher stärksten ARM-Chipdesigns hält, will der Entwickler nun ein neues Patent ausarbeiten und an Apple-Konkurrenten vergeben, um die Verkäufe der entworfenen Chips und Prozessoren im breiten Markt anzukurbeln. Im Herbst soll das neue Modell mit dem angriffslustigen Namen Blackhawk erscheinen und nicht nur die bisherigen Apple-Fabrikate, sondern auch die Kerntechnologie im neuen Samsung Galaxy S24 übertreffen. Über Qualcomm könnte ARM bereits in den nächsten Wochen einen frischen Chip launchen, laut Gerüchten soll Microsoft schon im Mai neue Notebooks mit der generalüberholten ARM-Technologie ankündigen. Wer auch immer von diesem Wettrennen profitiert – die Preisentwicklung der wichtigsten Tech-Aktien um Apple, Microsoft und Amazon, aber auch Qualcomm und Nvidia analysieren wir laufend für die Kunden unseres TECH33-Pakets, Zielzonen für aktuelle und künftige Kursverläufe und eindeutige Signale für lukrative Einstiege inklusive.

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Simeon Koch

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