Was für eine Woche für XRP. Nach Donald Trumps Wahl zum 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten hielt Gary Gensler, seines Zeichens Vorsitzender der US-Börsenaufsicht und ausgewiesenes Feindbild der leidgeprüften XRP-Community, eine Rede, die sehr nach Abschied klang. Schon im Sommer hatte Trump versprochen, Gensler als erste Amtshandlung im Weißen Haus zu entlassen, was für Euphorie unter Ripple-Anhängern sorgte. Mitte letzter Woche kamen dann Gerüchte auf, der Ripple-CEO Garlinghouse habe sich mit Trump getroffen, um über dessen Krypto-Strategie zu beratschlagen. Gleichzeitig nahm der Aktien-Broker Robinhood XRP wieder in sein Angebotsportfolio auf. Daraufhin verdoppelte sich der XRP-Preis innerhalb weniger Stunden und legte damit die stärkste Rallye seit dem letzten Bullenmarkt hin.
Es scheint also, als könnte die Stimmung kaum besser sein im Hause Ripple. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Immer weniger Krypto-Enthusiasten scheinen Ripple nämlich so zu sehen wie CEO Brad Garlinghouse, der sein Unternehmen gerne als tapfere Speerspitze des Altcoin-Sektors und Verfechter eines freien Kryptomarktes darstellt. „Wir können nicht zulassen, dass Ripple mit seiner Anti-Bitcoin-Agenda am politischen Prozess in den Vereinigten Staaten teilnimmt“, schrieb am Wochenende etwa Pierre Rochard, Vizepräsident für Forschung beim Bitcoin-Mining-Unternehmen Riot Platforms. Ryan Selkis, ehemaliger Geschäftsführer des Krypto-Marktforschungsinstituts Messari warf Garlinghouse sogar vor, die Idee des freien Kryptomarktes zu verraten. Hat Ripple also ein handfestes Image-Problem? Und wie beeinflusst das die aktuelle Rallye?
Garlinghouse trifft Trump – und verrät den Bitcoin?
Angefangen hat alles mit einem Interview bei Fox Business, bei dem Brad Garlinghouse auf sein vermeintliches Treffen mit Donald Trump angesprochen wurde, das bis dahin nichts weiter war als ein loses Gerücht. Garlinghouse aber gab sich geheimnisvoll und verlegte sich darauf, das vermeintliche Tête-à-Tête mit Trump weder zu bestätigen noch zu dementieren. Das war aber offenbar genug für die XRP-Community, um eine maßgebliche Ripple-Beteiligung an der Planung von Trumps künftiger Krypto-Politik zu vermuten. Der Kurs schoss nahezu senkrecht in die Höhe. Angesprochen auf Trump meinte Garlinghouse: „Trump findet die Kryptoindustrie gut und ich denke, er erkennt ihr Potenzial für Innovation und Unternehmertum.“
Während Ripple-Anhänger die unverhoffte Verbindung zu Donald Trumps neuer Regierung feierten, wurde im Kryptomarkt Kritik an den Plänen von Brad Garlinghouse laut. Der ehemalige Messari-CEO Ryan Selkis schrieb am Samstag: „Brad Garlinghouse wirbt für Ripple und die Umsetzung von digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs). Das unterstütze ich nicht!“ Stein des Anstoßes ist Ripples enge Zusammenarbeit mit vielen großen Banken und die daraus erwachsende Sympathie gegenüber digitalen Zentralbankwährungen, die Ripple gerne auf seiner XRP-Blockchain implementieren würde. Für das Unternehmen wäre das mit einem kometenhaften Aufstieg zu einer der wichtigsten technischen Finanz-Anwendungen gleichzusetzen. Viele Krypto- und Bitcoin-Fans halten aber rein gar nichts von digitalen, zentral kontrollierbaren Fiat-Währungen – Trump übrigens auch nicht.
Ende der „zirkusähnlichen Zustände“ durch Gensler-Aus?
Noch im Juni sprach Trump sich auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social explizit gegen die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung in den Vereinigten Staaten aus. Die Äußerung war Teil von Trumps kryptofreundlichem Wahlkampfprogramm, mit dem er weite Teile der Bitcoin-Community auf seine Seite zog. Um seine Wahlversprechen einzulösen, scheint Trump nun den Kryptomarkt zu sondieren und stößt dabei auf begeisterte Bereitschaft etablierter Blockchain-Unternehmen. So brachte sich neben Brad Garlinghouse auch Cardano-Gründer Charles Hoskinson Anfang letzter Woche ins Gespräch, um mit der neuen Regierung einen rechtlichen Rahmen für die innovationsfreundliche Regulierung von Kryptowährungen und vor allem Altcoins zu schaffen.
Die breite Euphorie im Altcoin-Sektor wurde in den letzten zwei Wochen zusätzlich von den Aussichten auf ein baldiges Aus von SEC-Chef Gary Gensler befeuert, dessen harte Hand im Umgang mit Kryptowährungen schon Kritiker aus den eigenen Reihen auf den Plan rief. Bereits bei der Zulassung der Bitcoin-ETFs im Januar bemängelte die hochrangige SEC-Beamtin Hester Peirce, dass man die „künstliche Hysterie“ und „zirkusähnliche Atmosphäre“ um die ETF-Genehmigung durch seriösere Reglementierung hätte vermeiden können. Peirce gilt dem Kryptomarkt gegenüber als deutlich aufgeschlossener und wird aktuell bereits als Nachfolgerin Gary Genslers gehandelt.
Wie hoch kann XRP steigen?
Aktuell spricht also ziemlich viel für eine positive Zukunft des Kryptomarktes – vor allem bei Ripple, dessen jahrelange Auseinandersetzung mit Gary Genslers SEC für die einen zum Meme, für die anderen zum Albtraum wurde. Wie weit aber kann es für XRP in der aktuellen Rallye aufwärtsgehen? Mit der plötzlichen Kursexplosion hat XRP vergangene Woche ein wichtiges Kursziel erreicht, das wir für unsere Abonnenten bereits vor Wochen mit einer Zielzone markiert hatten. Nur kurz überstieg der Kurs die Unterkante unserer Zielzone, setzte den neuen Widerstand bei $1.27 und fiel anschließend wieder ein gutes Stück zurück. Alle, die von XRP nun einen Durchmarsch in Richtung der Allzeithochs oberhalb der $3 erwarten, müssen wir an dieser Stelle aber enttäuschen.
Zwar dürfte XRP in der nächsten großen Impulswelle die psychologisch wichtige $3-Marke attackieren, zunächst aber muss die vorhergehende grüne Korrekturwelle [4] vollendet werden. Vom aktuellen Kurswert erwarten wir deshalb eine stufenweise A-B-C-Korrektur bis zum grünen Welle-[4]-Tief knapp oberhalb der Unterstützung bei $0.28. Zielzonen für neue Einstiege auf diesem Preislevel setzen wir für unsere Abonnenten, sobald die Chartstruktur konkrete Berechnungen zulässt. Auch ein imminenter Ausbruch über den Widerstand bei $1.27 wäre laut Alternative denkbar und zu 33% wahrscheinlich. Dieser Ausbruch würde aber lediglich ein neues Top der magentafarbenen Welle alt.(D) bringen und den langen finalen Abverkauf der grünen Welle [4] nur weiter hinauszögern.


Langfristig sollte XRP in die Region um $3 zurückkehren. Zunächst aber ist die grüne Welle [4] abzuschließen. Ein früherer Breakout ist 27% wahrscheinlich.
Bevor der nächste große Impuls in Richtung $3 vorstoßen kann, erwarten wir einen deutlichen Abverkauf in Richtung der Unterstützung bei $0.28.

