Gaetz‘ Sex-Skandal und rote Zahlen: Warum bluten Cannabis-Aktien?
#Trendmärkte

Gaetz‘ Sex-Skandal und rote Zahlen: Warum bluten Cannabis-Aktien?

Author

Simeon Koch

Noch vor wenigen Wochen sollte Matt Gaetz US-Finanzminister werden – so zumindest lautete der Wunsch des designierten Präsidenten Donald Trump, der Gaetz nominierte. Nun ist klar: Gaetz zieht sich nicht nur von dieser wichtigen Nominierung zurück, sondern gerät auch noch in juristische Schwierigkeiten, die seine politische Position gefährden könnten. Ein Ethikbericht des US-Parlaments wirft ihm Drogenmissbrauch, verbotene Prostitution und Sex mit einer Minderjährigen vor.

Matt Gaetz steht unter Beschuss: Chatverläufe, Rechnungen und Online-Zahlungen sollen Sex-Skandale und Korruption beweisen.

Sollte Gaetz verurteilt werden und seine politischen Ämter verlieren, käme dem Cannabis-Sektor einer seiner wichtigsten Fürsprecher in den Vereinigten Staaten abhanden. Dabei geht es dem Markt schon jetzt nicht besonders gut: Nach einem politisch brisanten Jahr rutschen immer mehr Cannabis-Giganten in die roten Zahlen. 2025 könnte dennoch deutliche Besserung bringen.

Biden, Trump, Deutschland: Cannabis wird zum Politikum

Selten hatten zwölf Monate eine derartige politische Tragweite für den Cannabis-Sektor. Im März erwähnte Joe Biden als erster US-Präsident überhaupt das grüne Kraut in der wichtigsten Rede seiner Amtszeit – und sprach sich ausdrücklich für eine Entkriminalisierung aus. Die Demokratische Vizepräsidentin und spätere Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris legte nach und forderte offensiv: „Wir müssen Marihuana legalisieren!“ Nach Jahrzehnten des erbitterten Kampfes gegen Drogen war eine Cannabis-Legalisierung auf Bundesebene quasi über Nacht zu einem drängenden Thema des Wahlkampfes um das mächtigste Amt der Welt geworden.

Canopy Growth steht laut unserer Analyse kurz davor, eine mehrjährige Korrektur abzuschließen. Der nächste Impuls kann auf neue Allzeithochs führen.

Die Bedeutung dieser politischen und wissenschaftlichen Neubewertung für den Cannabis-Sektor ist immens. Dass Cannabis zwar in vielen Bundesstaaten, aber noch nicht auf Bundesebene legal ist, bedeutet gleich mehrere gesetzliche Hürden für Cannabis-Unternehmen. Steuerliche Erschwernisse und Beschränkungen bei der Beschaffung von Fremdkapital würden fallen, wenn die strenge Drogenpolitik endlich in den gesamten Vereinigten Staaten gelockert würde. Da trifft es sich gut, dass der gewählte Präsident Donald Trump seine Meinung zu Cannabis in den letzten Jahren grundlegend geändert hat. Nominierte Trump in seiner letzten Amtszeit noch Cannabis-Gegner für die Ämter der höchsten Staatsanwälte, so tat er mit Matt Gaetz nun das genaue Gegenteil.

Gaetz‘ Nominierung sorgte für Euphorie unter Cannabis-Anlegern und innerhalb der gesamten Branche, die Freude verflog allerdings schnell. Gaetz zog zurück und begründete den Schritt mit möglichen politischen Vorwürfen und mangelnder Unterstützung von Parteifreunden und anderen Abgeordneten. Schon damals ging es um einen Ethikbericht, der angeblich einen sexuellen und Drogenskandal rund um Gaetz aufdecken sollte. Mitte November war dieser Bericht wegen andauernder Ermittlungen noch unter politischem Verschluss. Nun wurden Ergebnisse publik, die Gaetz ernstlich belasten.

Sex-Skandal: Cannabis-Sektor verliert Fürsprecher

Auf 37 Seiten wird Gaetz in dem Bericht beschuldigt, durch illegale Sex-Käufe, Drogendelikte und Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen während seiner Amtszeit als Abgeordneter mehrfach straffällig geworden zu sein. Gaetz hatte von Januar 2017 bis zur US-Wahl 2024 seinen Heimatstaat Florida im Repräsentantenhaus des US-Kongresses vertreten und war dabei zu einem der wichtigsten Cannabis-Unterstützer der Republikanischen Partei aufgestiegen.

Innovative Industrial Properties gerät in Turbulenzen, weil einer der wichtigsten Mieter nicht zahlt. Laut unserer Analyse ist das nächste Korrektur-Tief bereits nah.


Sollte Gaetz nach dem Rückzug von seiner Nominierung als Staatsanwalt im Trump-Kabinett durch den jüngsten Skandal auch noch seine politischen Ämter verlieren, wäre das eine schlechte Nachricht für den gesamten Cannabis-Sektor. Ungemütlich dürfte es für Gaetz in jedem Fall werden. Laut dem Bericht habe Gaetz „gegen die Hausordnung und andere Verhaltensstandards verstoßen“, die „Prostitution, Vergewaltigung, illegalen Drogenkonsum, unzulässige Geschenke, besondere Vorteile oder Privilegien und Behinderung des Kongresses verbieten“.

Einfach gesagt: Zum Sex-Skandal kommen in Gaetz‘ Fall auch noch Vorwürfe wegen Bestechlichkeit. Als Beweise führen die Ermittler Textnachrichten, Reisebelege und Online-Zahlungen für zwielichtige Dienstleistungen an, die Untersuchung läuft bereits seit 2021. Matt Gaetz selbst protestierte und nannte die Bezichtigungen „peinlich“. Auf X, vormals Twitter, schrieb der Republikaner: „Wenn man einer Frau, die man datet, Geld gibt – worum sie gar nicht gebeten hat und ohne sexuellen Kontext –, heißt das jetzt also Prostitution?“

Außerdem sei es unlauter, mit diesen Vorwürfen am Weihnachtstag um die Ecke zu kommen „und nicht in einem Gerichtssaal, wo ich meine Beweise und Zeugen hätte präsentieren können“. Am Montag hatte Gaetz noch versucht, die Veröffentlichung des Berichts durch eine Klage zu unterbinden – erfolglos.

IIP, Tilray und Aurora leiden – SynBiotic und Organigram punkten

Stark angefangen und stark nachgelassen – mit dieser Binse lässt sich das Jahr für den Cannabis-Sektor also treffend zusammenfassen. Schien der institutionelle Ansturm auf den Sektor mit Investitionen von Amazon, PayPal und Uber noch im Sommer erheblich, so belastete das politische Chaos im vierten Quartal den Markt wieder deutlich. Nicht nur in den USA gab es für Cannabis-Fans einen politischen Dämpfer. Kurz vor der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar sorgte auch die deutsche CDU für eine Hiobsbotschaft: Im November kündigte Spitzenkandidat Friedrich Merz an, die Cannabis-Legalisierung bei einem Wahlsieg wieder rückgängig zu machen.

 Der deutsche Lokalmatador SynBiotic dürfte schon Anfang des Jahres seine Welle-II-Korrektur abgeschlossen haben. Kurzfristig sollten die 3.01€ halten.

Diese schlechten Nachrichten vom erhofften Cannabis-Vorreiter auf dem europäischen Kontinent belasteten vor allem Canopy Growth und Tilray, die beide stark auf den deutschen Markt setzen. Bei Tilray drückt das Durcheinander um Cannabis-Clubs und Verkaufslizenzen in Deutschland auf die Bilanz, Hoffnung aber macht die neue Cannabis-Einstellung von Donald Trump. Kurz vor Weihnachten erklärte Tilray-Chef Irwin Simon, dass er von einer bundesweiten Freigabe zur Freizeitnutzung unter Trump ausgehe – also von einer faktischen Cannabis-Legalisierung innerhalb der kommenden vier Jahre.

Die Hoffnung auf eine politische Kehrtwende allein aber vermag den Markt bislang noch nicht zu beflügeln. Aurora und Innovative Industrial Properties (IIP) fielen mit ihren Aktien kurz vor den Feiertagen auf Mehrmonatstiefs, besonders IIP steht sinnbildlich für die Schwäche des Sektors. Der größte Vermieter von Business-Immobilien an Cannabis-Produzenten leidet nämlich unter ausbleibenden Mietzahlungen seiner wichtigsten Kunden. Fast 20 Prozent der Gesamtmiete fallen IIP damit weg, die Zahlungsfähigkeit aller Beteiligten leidet. Das sorgt an der Börse nicht unbedingt für Vertrauen, die jüngsten Abverkäufe waren folgerichtig.

Hält OrganiGram die wichtige Unterstützung bei C$1.98, kann es bald hoch hinaus gehen. Abonnenten erhalten konkrete Zielzonen.


Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten aus dem Cannabis-Markt: Der deutsche Cannabis-Marktführer SynBiotic gab unlängst bekannt, an einem neuen Reinigungsverfahren für Cannabis-Pflanzen zu arbeiten. Das bedeutet höhere Qualität beim Endverbraucher und schnellere, sichere Produktion für den Verkäufer. Interessiert daran könnte auch der kanadische Hersteller Organigram sein, der im Sommer millionenschwer in die Sanity Group investierte, einen der führenden deutschen Anbieter für medizinisches Cannabis.

Dabei schloss Organigram gleich auch eine mehrjährige Liefervereinbarung nach Deutschland. Im letzten Quartal erzielte das Unternehmen 31 Millionen US-Dollar Umsatz (+22 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und reduzierte den Nettoverlust auf 3.8 Millionen (Vorjahr: 18.5 Millionen). Deutschland gehört schon jetzt zu einem der wichtigsten Absatzmärkte von Organigram, das als einer der wenigen Cannabis-Produzenten über eine EU-Zertifizierung für regulierte Einfuhren verfügt.

Aber auch auf den US-Markt pokert Organigram weiterhin – und ist damit in bester Gesellschaft. Denn auch Canopy, Innovative Industrial Properties und Tilray könnte eine US-Legalisierung zum endgültigen Durchbruch verhelfen. Ohne Matt Gaetz könnte das schwieriger werden – allzu schlecht stehen die Chancen unter Trump aber auch nicht.

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.