Comeback nach -75%? Eine der verrücktesten Aktien-Stories der letzten Jahrzehnte geht weiter
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Comeback nach -75%? Eine der verrücktesten Aktien-Stories der letzten Jahrzehnte geht weiter

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Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Celanese liegt rund 74 Prozent unter seinem Allzeithoch von 2022.
  • Kostensenkungen und neue Spezialprodukte sollen die Ertragskraft verbessern.
  • Die Aktie ersetzt Aurora Cannabis im Hype-Aktienpaket.

Eine Aktie, die 2022 noch bei fast 174 Dollar notierte, ist heute für rund 45 Dollar zu haben. Was nach einem klassischen Absturz klingt, ist bei Celanese nur die halbe Geschichte. Der US-Chemiekonzern hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. In der Schweiz gegründet, von der Konkurrenz aufgekauft, von Blackstone privatisiert und anschließend wieder an die Börse gebracht. Die Aktie ist zuletzt heftig abgestürzt, aber Celanese steckt in viel mehr Produkten, als man denken würde. Jetzt soll das Comeback gelingen – wir begleiten das Wertpapier ab sofort im HYPE-Paket!

Vom Schweizer Hinterhof zum Börsen-Pingpong

Die Geschichte von Celanese beginnt ungewöhnlich. Nicht in einem riesigen Chemiewerk, sondern in einem kleinen Schuppen im Schweizer Basel. Dort experimentierten die Brüder Henri und Camille Dreyfus bereits ab 1912 mit Zelluloseacetat. Daraus entstanden unter anderem feuerfeste Materialien für Film und Flugzeuge. Während des Ersten Weltkriegs wurde daraus ein lukratives Geschäft mit Flugzeuglacken. 1918 gründete Camille Dreyfus schließlich in New York die American Cellulose & Chemical Manufacturing Company – den späteren Kern von Celanese.


Celanese hat eine der verrücktesten Aktien-Stories der letzten Jahrzehnte hinter sich. Wie geht es jetzt weiter?


Der Name Celanese kam wenig später hinzu. Die neu entwickelte Kunstfaser auf Zellulosebasis wurde 1921 unter diesem Namen vermarktet. Aus einem Spezialprodukt entwickelte sich mit der Zeit ein breit aufgestellter Chemiekonzern. Bereits 1930 wurde Celanese an der New Yorker Börse gehandelt. Heute produziert das Unternehmen längst nicht mehr nur Fasern, sondern unter anderem Spezialchemikalien, technische Kunststoffe und Materialien für zahlreiche industrielle Anwendungen.

Besonders kurios ist die weitere Börsengeschichte. 1987 fusionierte die US-Gesellschaft mit dem deutschen Pharma-Riesen Hoechst. 1999 wurde die Celanese AG aus dem Hoechst-Konzern herausgelöst und erneut an die Börse gebracht. 2004 übernahm dann der Finanzinvestor Blackstone die Mehrheit, privatisierte das Unternehmen und brachte Celanese bereits 2005 wieder an die New York Stock Exchange. Es war damit bereits der dritte große Börsenauftritt des Unternehmens – eine ungewöhnliche Pingpong-Story für einen Chemiekonzern.

Celanese steckt in mehr Produkten, als Anleger denken

Heute ist Celanese vor allem in zwei großen Geschäftsbereichen aktiv: der Acetyl Chain und den Engineered Materials. Dahinter verbergen sich Produkte, die für Endkunden oft unsichtbar bleiben, aber in zahlreichen Industrien gebraucht werden. Dazu gehören etwa technische Kunststoffe, Spezialpolymere und chemische Grundstoffe, die unter anderem in Autos, Elektronik, Medizinprodukten und industriellen Anwendungen eingesetzt werden.


Celanese, mittlerweile fest in den USA verankert, steckt vor allem in den Lieferketten wichtiger Produkte des täglichen Lebens, von Handys über Autos bis hin zu Elektrogeräten.


Das Geschäftsmodell ist deshalb weniger glamourös als bei einem Chipkonzern oder einer bekannten Konsummarke – dafür steckt Celanese an vielen Stellen in Lieferketten. Besonders interessant sind Materialien mit speziellen Eigenschaften: Sie können beispielsweise leicht, hitzebeständig, chemikalienresistent oder besonders langlebig sein. Genau diese Spezialisierung ermöglicht höhere Margen als bei einfachen Massenchemikalien und macht die Produkte für Kunden schwerer austauschbar.

Ein wichtiger Wachstumsschwerpunkt liegt dabei auf Anwendungen in Medizin und Elektronik. Im zweiten Quartal 2026 profitierte Celanese laut Management insbesondere von der Dynamik dieser Plattformen. Gleichzeitig versucht der Konzern, seine Produktionsstruktur radikal effizienter zu machen. Das Ziel ist klar: weniger Kosten, weniger Kapitalbindung und mehr Gewinn aus dem bestehenden Portfolio.

Erst verzehnfacht, dann -75 Prozent: Diese Aktie kennt Extreme!

An der Börse hat Celanese in den vergangenen Jahren eine Achterbahnfahrt hingelegt. Am 5. Januar 2022 erreichte die Aktie mit rund 174 Dollar ihr bisheriges Allzeithoch. Eine Verzehnfachung vom Startpreis von rund 16 Dollar 2005. Danach drehte die Stimmung jedoch massiv. Inflation, Energiepreise, schwächere industrielle Nachfrage und die schwierigen Rahmenbedingungen für die Chemiebranche setzten dem Konzern zu.


Von über 170 auf 40 Dollar: Celanese ist heftig abgestürzt, aber will zurück zu altem Glanz. Was dabei helfen soll? Solide Produkte und ein Sparkurs.


Im Frühjahr 2025 fiel die Aktie schließlich auf rund 40 Dollar – den niedrigsten Stand seit 2012. Von dort aus gelang zunächst eine deutliche Erholung. Im April 2026 kletterte Celanese zeitweise wieder auf etwa 65 Dollar. Seitdem ist jedoch erneut Ernüchterung eingekehrt. Anfang September notierte die Aktie nur noch bei rund 45 Dollar und damit etwa 36 Prozent unter ihrem damaligen 52-Wochen-Hoch.

Damit steht die Aktie rund 74 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Genau darin liegt aber auch die Besonderheit der aktuellen Situation: Celanese ist kein junges Unternehmen, das erst beweisen muss, dass sein Geschäftsmodell funktioniert. Vielmehr versucht ein etablierter Chemiekonzern, nach einer schwierigen Phase seine Kostenstruktur, Bilanz und Wachstumsperspektiven wieder in Einklang zu bringen.

Jetzt soll die operative Wende kommen

Die jüngsten Zahlen liefern dafür zumindest erste Argumente. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Celanese einen Umsatz von 2.8 Milliarden Dollar – 18 Prozent mehr als im Vorquartal. Das Wachstum kam dabei nicht nur von höheren Verkaufspreisen. Die Absatzmengen legten um vier Prozent zu, während die Preise um 14 Prozent stiegen.

Noch interessanter ist die Gewinnentwicklung. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2.45 Dollar und damit auf dem höchsten Niveau seit fast drei Jahren. Das bereinigte EBIT erreichte 470 Millionen Dollar, das operative EBITDA 649 Millionen Dollar. Die entsprechenden Margen lagen bei 17 bzw. 24 Prozent.


Celanese hat große Pläne, aber Risiken bleiben. Die Aktie hat viel mitgemacht in den letzten Jahren und muss erst das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen.


Gleichzeitig arbeitet Celanese an seiner Kostenbasis. Ein Werk für technische Kunststoffe im südkoreanischen Ulsan wurde geschlossen, das Produktionsnetz für Nylon 6.6 optimiert und die geplante Schließung eines Acetatfaser-Standorts im belgischen Lanaken weiter vorangetrieben. Zusammen sollen diese Maßnahmen mehr als 50 Millionen Dollar jährliche Fixkosteneinsparungen bringen.

Das ist für Anleger entscheidend. Denn Celanese muss nicht zwangsläufig massiv wachsen, um wieder deutlich profitabler zu werden. Ein Teil der Ertragsstory kann bereits daraus entstehen, dass der Konzern seine Produktionskapazitäten besser an die tatsächliche Nachfrage anpasst und unrentable Strukturen abbaut.

Vorsicht: Diese Risiken bleiben!

Eine der größten Herausforderungen bleibt die Verschuldung. Celanese verkauft deshalb Beteiligungen und nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte. Ende August vereinbarte der Konzern etwa den Verkauf weiterer 19 Prozent am Nutrinova-Food-Ingredients-Geschäft für rund 152 Millionen Dollar an Mitsui. Bis Ende 2027 sollen insgesamt eine Milliarde Dollar aus Veräußerungen erlöst werden, um unter anderem die Bilanz zu stärken.

Für Anleger ist die Strategie ein zweischneidiges Schwert: Weniger Schulden können Zinslast und finanziellen Druck reduzieren, gleichzeitig schrumpft der Konzern. Entscheidend ist daher, ob Celanese mit einem kleineren und fokussierteren Portfolio langfristig profitabler werden kann. Erste Anzeichen dafür gibt es: Im zweiten Quartal erzielte das Unternehmen den höchsten bereinigten Gewinn je Aktie seit beinahe drei Jahren und setzte wichtige Kostenmaßnahmen schneller als geplant um.

Die Ausgangslage für eine Erholung ist damit durchaus interessant. Spezialmaterialien für Medizin und Elektronik eröffnen neue Wachstumsfelder, während das klassische Geschäft weiterhin Cashflows liefert. Doch die Risiken bleiben erheblich. Celanese ist stark von der globalen Industrie abhängig, weshalb eine schwache Nachfrage aus Autoindustrie, Maschinenbau oder Elektronik schnell auf Umsatz und Margen durchschlagen kann. Hinzu kommen Rohstoffpreise, Energiekosten und die zyklische Natur des Chemiegeschäfts.

Hype-Paket: Eine Aktie für die nächste Phase

Celanese kommt deshalb zu einem interessanten Zeitpunkt ins Hype-Aktienpaket der HKCM. Das Hype-Paket umfasst insgesamt 15 Titel, die regelmäßig überprüft und rotiert werden. Die Prognosen basieren auf der Elliott-Wellen-Analyse und zeigen Zielzonen sowie mögliche Bereiche für Einstiege, Ausstiege oder Positionsanpassungen. Celanese ersetzt dort am 9. September Aurora Cannabis. Gleichzeitig wird das Portfolio mit weiteren Titeln wie Rollins, Zoetis und Boston Scientific neu ausgerichtet.



Ob aus Celanese tatsächlich das nächste große Comeback wird, lässt sich nicht allein anhand der Fundamentaldaten beantworten. Für Anleger ist vielmehr entscheidend, ob die Restrukturierung, der Schuldenabbau und das Wachstum in Medizin und Elektronik zusammenkommen. Nach einem Kursverlust von rund 74 Prozent ist bei Celanese jedenfalls bereits sehr viel Negatives eingepreist – und genau das macht die Aktie für die aktuelle Hype-Rotation interessant.

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