China subventioniert für Milliarden – und will den US-Dollar stürzen
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China subventioniert für Milliarden – und will den US-Dollar stürzen

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Simeon Koch

China hat keine Lust mehr auf den US-Dollar. Und das nicht erst seit gestern. Dass die Währung der Vereinigten Staaten weltweit als Reservewährung verwendet wird, verleiht ihrem Heimatland immense wirtschaftliche Macht und auch politischen Einfluss. Außerdem erlaubt es der größten Volkswirtschaft der Welt, Schulden in schwindelerregenden Höhen aufzunehmen – ein weiterer Wettbewerbsvorteil gegenüber der globalen Konkurrenz. Mehrfach versuchten aufstrebende Widersacher, die Dollar-Hegemonie zu brechen und einen Prozess loszutreten, der in Fachkreisen als De-Dollarisierung bezeichnet wird. Russland versucht seit Jahren, das Dollar-Monopol im Rohstoffhandel zu kippen, nimmt seit einiger Zeit kaum noch Dollar für sein eigenes Erdöl an, hat damit aber so seine Probleme. Vor wenigen Monaten kündigten die BRICS-Staaten an, eine eigene goldgedeckte Währung konzipieren zu wollen, um ernstzunehmende Dollar-Alternativen zu schaffen. Aber auch diesem Projekt räumen Experten – zumindest kurzfristig – keine besonders guten Chancen ein, die nordamerikanische Weltwährung zu übertrumpfen. Nun will China die monetäre Zusammenarbeit der asiatischen Staaten stärken, um ein Gegengewicht zur wirtschaftlichen Macht der Vereinigten Staaten zu schaffen. China selbst investiert massiv in grüne Innovationen aus der eigenen Wirtschaft – und geht auf Kuschelkurs mit Deutschland, um die ökonomischen Beziehungen zu stärken. Die Bundesregierung gerät dadurch zwischen die globalen Wirtschaftsfronten.

Milliarden für BYD: Verzerrt China die Weltwirtschaft?

Dass die wirtschaftliche Entwicklung in China von zentraler Stelle koordiniert und vorangetrieben wird, ist kein Geheimnis. Die Staatsführung in Peking um Präsident Xi Jinping erarbeitet Entwicklungspläne auf mehrere Jahre hinaus, wie gewöhnlich stellte der Nationale Volkskongress auch in diesem Jahr kollektive wirtschaftliche Richtlinien auf. Bereits vor einigen Wochen kündigte Xi Jinping ein umfassendes Subventionspaket in Höhe von $140 Milliarden an, das über besondere Staatsanleihen finanziert werden und die zuletzt ins Wanken geratene Wirtschaft stabilisieren soll. Welche Ausmaße die Finanzspritzen von oben in der Volksrepublik tatsächlich annehmen und wo sie konkret hinfließen, war bislang aber primär Insidern bekannt. Eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (kurz: IfW) scheint nun zu belegen, dass mehr als 99 Prozent der börsennotierten chinesischen Unternehmen staatlich massiv unterstützt werden. Im Fokus stehen dabei innovative Schlüsseltechnologien, besonders im Bereich der erneuerbaren Energien – im vergangenen Jahr dürfte dieser Sektor laut Experten für rund 40 Prozent des chinesischen Wirtschaftswachstums verantwortlich gewesen sein. Die Daten des IfW stammen aus dem Jahr 2022, laut den Wirtschaftsforschern profitiert China auch durch seinen exklusiven Zugang zu wichtigen Rohstoffen wie Seltene Erden, auf die das Reich der Mitte seit Jahrzehnten ein Quasi-Monopol innehat.

Laut IfW-Studie ist der Elektroauto-Riese BYD einer der ausgewiesenen Lieblinge der chinesischen Staatsführung, wenn es nach finanziellen Zuwendungen geht. Im Jahr 2020 soll der Konzern noch umgerechnet rund $250 Millionen aus Staatsmitteln bezogen haben, 2022 waren es den veröffentlichten Daten zufolge bereits etwa $2.3 Milliarden. Am Umsatz gerechnet wuchsen die Subventionen damit von 1.1 auf 3.5 Prozent – wobei der Umsatz in diesem Zeitraum auch kräftig anstieg: 2020 machte BYD pro Aktie einen Gewinn von etwa $1.85, 2022 hingegen über $7. Und dennoch bilden die vom IfW publizierten Kennzahlen offenbar nur einen Bruchteil der tatsächlichen Staatshilfen für chinesische Unternehmen ab: „Die Zahlen erfassen das wahre Ausmaß und den Umfang der Subventionen für grüne Technologien in China nur unzureichend“, ordnete IfW-Forschungsdirektor Dirk Dohse die Recherche ein. Denn auch indirekte Subventionen – etwa in Form von verbilligten Ersatzteilen für BYD – seien innerhalb des chinesischen Marktes keine Seltenheit. Kritik an der zentralen Förderung von BYD kam zuletzt von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, als BYD seinen nordamerikanischen Konkurrenten Tesla kurzzeitig an der E-Auto-Weltspitze ablösen konnte: „Der Preis dieser Autos wird durch riesige staatliche Subventionen künstlich gedrückt – das verzerrt unseren Markt“. Zwar konnte Tesla den Platz an der Stromer-Sonne schon im letzten Monat wieder zurückerobern, die IfW-Daten scheinen von der Leyens Vermutungen aber zu stützen.

China lobt Deutschland – und legt sich mit den USA an

Ähnlich sieht das auch der IfW-Forschungsdirektor Dohse, die staatlichen Subventionen in China hätten aber auch ihr Gutes: „Zwar ist die europäische Industrie gegen die Konkurrenz aus China preislich oftmals nicht mehr konkurrenzfähig – ohne Chinas subventionierte Technik würden aber auch Produkte teurer und knapper, die Deutschland für die grüne Transformation benötigt.“ Die Europäische Union hat dennoch ein Antisubventionsverfahren gegen Importe von E-Autos aus China eingeleitet und erwägt Strafzölle, was chinesische Auto-Hersteller wiederum erfinderisch macht, um etwaige Sanktionen umgehen zu können. Im Zwiespalt zwischen unverzichtbaren günstigen Produkten aus China und der harten EU-Linie gegen Preisdumping bewegt sich am Wochenende auch Bundeskanzler Olaf Scholz, der zu einem halbwöchigen China-Besuch aufbricht. Im Gepäck hat er ausdrückliche Forderungen namhafter deutscher Industrie-Vertreter, die Kooperation mit China wieder zu intensivieren, um den Industriesektor zu entlasten, der unter hohen Betriebskosten ächzt. China hat mit Scholz bisher gute Erfahrungen gemacht, 2022 drückte er gegen den Widerstand seines Regierungskabinetts den Einstieg der chinesischen Reederei Cosco an einem Containerterminal des Hamburger Hafens durch. Dass das Kanzleramt diese Woche ein TikTok-Profil anlegte, nahm China ebenfalls positiv auf und lobte den „pragmatischen“ Kurs Deutschlands. An den ambitionierten Wachstumsprognosen von rund fünf Prozent hält China fest, den wichtigsten Aktien-Konzerne stehen laut der Analyse unseres China Titans-Pakets in vielen Fällen deutliche Kursanstiege bevor.

Die EU-Untersuchungen wegen womöglich wettbewerbsschädigender Subventionen bei Windenergie und E-Mobilität kritisiert China derweil scharf. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums warf der EU vor, China zu diskriminieren und eine protektionistische Haltung an den Tag zu legen. Auch in Sachen Windenergie steuert China auf eine marktdominierende Stellung zu: Laut offiziellen Statistiken soll die Volksrepublik über 60 Prozent der weltweiten Produktionskapazitäten verfügen, Europa folgt mit 19 Prozent noch vor den Vereinigten Staaten, die gerade mal neun Prozent ihr Eigen nennen dürfen. Die nordamerikanische Finanzministerin Janet Yellen unterstrich vor wenigen Tagen, dass man die eigene Wirtschaft vor Chinas aggressiver Expansionspolitik besonders im Bereich der E-Mobilität, bei Batterien und Solarmodulen schützen werde. Die Preise chinesischer Windturbinenhersteller liegen rund 20 Prozent unter ihrer Konkurrenz aus Europa und den USA. Dem Westen will China aber nicht nur bei erneuerbaren Energien, sondern auch in Sachen Währung den Rang ablaufen. Zwar ist seit der Ankündigung einer offiziellen BRICS-Währung im vergangenen Jahr nicht viel passiert, den ersten Schritt hin zur Unabhängigkeit vom US-Dollar will man nun aber durch groß angelegte Währungstausch-Möglichkeiten setzen. Mit 29 Schwellenländern hat China zu diesem Zweck Verträge mit einem Volumen von rund $550 Milliarden abgeschlossen. Dadurch soll nicht nur Währungsstabilität in der Region gewährleistet, sondern auch die Abhängigkeit vom Dollar-System verringert werden. Die Dollar-Hegemonie dürfte zwar so schnell nicht bröckeln, China aber hat Geduld – immerhin läuft die Zeit aktuell für die Wirtschaft im Reich der Mitte.

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Simeon Koch

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