Totgesagte wachsen stärker: China ist zurück – und fliegt zum Mond
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Totgesagte wachsen stärker: China ist zurück – und fliegt zum Mond

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Simeon Koch

Wer Achterbahnen liebt, hatte zuletzt seine helle Freude mit dem chinesischen Markt. Anfang des Jahres zitterten westliche Autohersteller vor der übermächtigen Konkurrenz in Sachen Elektroantrieb aus dem Reich der Mitte, ein paar Tage später enttäuschte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt mit verhaltenen Wachstumsdaten. Premierminister Li Qiang bat öffentlich um Vertrauen und offenbarte damit in den Augen vieler Experten die vermeintliche Angreifbarkeit des chinesischen Marktes. Untergangspropheten weideten sich ohnehin schon länger am Blick nach Peking, wo Xi Jinping zwar milliardenschwere Hilfspakete in Aussicht stellte, die Börsen-Panik nach den Konkursen ominöser Schattenbanken und des Immobilien-Riesen China Evergrande aber auch nicht vergessen machen konnte. Gleichzeitig zeigt besonders die chinesische Industrie Anzeichen rascher Erholung, ausgefeilte Technologie rund um erneuerbare Energien ist auf dem Vormarsch und repräsentiert einen immer größeren Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Abzulesen ist die Erholung nicht nur an Chinas immensem Bedarf an Industrierohstoffen wie Kupfer oder Silber, sondern auch an starken Signalen aus dem Fertigungssektor und einer deutlichen Zunahme der Investitionen und Produktion in der Industrie. Die ökonomische Talsohle dürfte durchschritten sein. Dass China hoch hinaus will, untermauerte die nationale Raumfahrtbehörde vor wenigen Tagen: In Vorbereitung einer Mondmission wurden chinesische Satelliten ins All geschossen.

Milliarden fürs Militär: Chinas Botschaft an den Westen

Jahrzehntelang legte China jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Bereich auf und verhalf den BRICS-Staaten rund um Brasilien, Russland, Indien und Südafrika als ökonomische Speerspitze dazu, den westlichen Block der größten Industrienationen, auch bezeichnet als Große 7 (kurz: G7) nach Wirtschaftsleistung zu überflügeln. Mit 5.2 Prozent Wachstumsrate aus dem vergangenen Jahr liegt China zwar immer noch deutlich über den größten Volkswirtschaften der Welt (die Vereinigten Staaten steigerten ihr Bruttoinlandsprodukt (kurz: BIP) im selben Zeitraum um 3.1 Prozent, die Europäische Union legte um rund 0.6 Prozent zu, Deutschland schrumpfte um 0.3 Prozent), mit Blick auf die Rasanz vergangener Expansionsphasen erschienen die Zahlen aber ernüchternd. Laut Präsident Xi Jinping befindet sich China aktuell in einer Transformationsphase, die vorerst noch anhalten dürfte. Für die nächsten Jahre steckt man sich aber bereits große Ziele – auch geopolitisch. Im Nationalen Volkskongress, dem wichtigsten (wirtschafts-)politischen Entscheidungsgremium Chinas, der vor einigen Tagen zusammentrat, um die wirtschaftliche Zukunft des Landes zu planen, gab sich die Regierung angriffslustig: Premierminister Li Qiang rief als Wachstumsziel „rund fünf Prozent“ aus, betonte aber auch, dass es „nicht einfach sein“ werde, „die diesjährigen Ziele zu erreichen“.

Angesichts der jüngsten Turbulenzen auf dem chinesischen Markt will die Staatsführung künftig eine gesunde Balance aus Expansion und makroökonomischer Robustheit erreichen. Dabei wolle man mit Blick auf vorhandene Strukturen weniger radikal vorgehen als in der Vergangenheit, betonte Li Qiang: „Wir sollten an den Prinzipien festhalten, Fortschritt zu verfolgen und gleichzeitig Stabilität durch Fortschritt zu fördern – und Neues zu schaffen, bevor wir Altes abschaffen.“ Auffällig war bei der Bekanntgabe der Wirtschaftsprognosen die angekündigte Aufstockung des Militärbudgets um gute sieben Prozent auf nun rund 214€ Milliarden. Dass das nach dem nordamerikanischen Exportverbot für leistungsstarke KI-Chips von Nvidia nach China nicht nur ein Zeichen an den Westen sein soll, sondern auch an den ungeliebten Nachbarn Taiwan, machte Li Qiang in seinem schriftlichen Arbeitsbericht klar. Demnach werde man „die Sache der Wiedervereinigung Chinas entschlossen vorantreiben“. Im ersten Entwurf war von einer „friedlichen Wiedervereinigung“ die Rede gewesen. Dieser Zusatz wurde in der finalen Version gestrichen. Zwar vermied Peking, trotz verhärteter wirtschaftlicher Fronten, die offene verbale Konfrontation mit westlichen Industrienationen, die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen im Reich der Mitte dürften dem größten Schwellenland der Welt in Auseinandersetzung mit seinen Rivalen aber wohl neues Selbstvertrauen verleihen.


Chinas Wirtschaft hebt ab – zum Mond will man bis 2030

So stieg die nationale Industrieproduktion in den ersten zwei Monaten des Jahres um überraschende sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, gleichbedeutend mit der stärksten Wachstumsrate seit fast zwei Jahren. Das letzte Frühjahr hatte lediglich mit einem Zuwachs von 2.4 Prozent aufwarten können, die letzte Messung im vergangenen Dezember zeitigte einen Wert von 4.6 Prozent. Die Investitionen in wirtschaftliche Fertigungsanlagen stiegen um 4.2 Prozent und damit so stark wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Wie die staatliche Statistikbehörde mitteilte, gewannen auch die Verkaufszahlen im Einzelhandel 5.5 Prozent hinzu. Die Steigerung der zuletzt sehr behäbigen Binnennachfrage ist ein wichtiges Zeichen der wirtschaftlichen Erholung, im Januar und Februar 2023 hatte der Wert nur bei 3.5 Prozent gelegen. Im vergangenen Jahr stiegen die Zuwachsraten im Einzelhandel bis in den Mai (9.3 Prozent) stark an und blieben bis zum Jahresende (7.2 Prozent) auf konstant hohem Niveau. Wiederholt sich diese Dynamik auf höherer Ebene, könnte der Handelssektor die schwierige Phase der Corona-Pandemie endgültig hinter sich lassen, als die gesamten Einzelhandelsverkäufe um rund 20 Prozent einbrachen. In den Jahren zuvor hatte man konstante Zunahmen im zweistelligen Prozentbereich erzielt.

Ein gutes Zeichen ist auch die Konsolidierung im Produzenten-Preisindex, der abbildet, wie gut heimische Produzenten für ihre Waren und Dienstleistungen bezahlt werden. Von einem Indexwert von 113.5 im Oktober 2021 war es bis zum Sommer 2023 auf 94.6 Punkte bergab gegangen, kürzlich stieg der Wert wieder in Richtung der 100-Punkte-Marke. Bemerkenswert ist hierbei eine deutliche Zunahme bei der Nachfrage nach Computer-Hardware und Smartphones, die laut Experten auf steigende Zuversicht unter Konsumenten und gesteigerte Kauffreude hindeutet. Im letzten Quartal konnten die Smartphone-Verkäufe erstmals seit zwei Jahren wieder gesteigert werden. Zwar schwächelt der angeschlagene Immobiliensektor weiter, das Investment-Minus von neun Prozent bedeutet aber eine leichte Besserung im Vergleich zum vergangenen Jahresende, das mit einem Verlust von 9.6 Prozent zu Buche geschlagen hatte. Licht ins Dunkel möchte China aber nicht nur in der eigenen Immobilienbranche bringen, sondern auch in Sachen Weltraum-Forschung: In den nächsten Jahren will das Land die erdabgewandte Seite des Mondes erkunden. Und weil die Kommunikation von dort aus schwierig ist, schoss man vor zwei Tagen kurzerhand einen neuen Satelliten ins All. Bis 2030 will die Kommunistische Partei Chinas, die die Staatsgeschicke führt, die erste bemannte Mondmission der Landesgeschichte entsenden. Wann es auch für die chinesischen Aktientitel nach der unsanften Landung der letzten Wochen wieder in Richtung Mond geht, erfahren Sie in unserem China Titans-Analysepaket – Echtzeitsignale für lukrative Einstiege inklusive.

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Simeon Koch

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