Seltene Erden sind eine Gruppe von Rohstoffen, die für die Herstellung von Hightech-Produkten wie KI-Chips, Elektroautos, Smartphones, Windräder und militärischer Ausrüstung unverzichtbar sind. Ihre Bedeutung wächst mit dem globalen Ausbau digitaler und grüner Technologien. Obwohl sie weltweit vorkommen, beherrscht China mit etwa 90 % der veredelten Produktion den Markt – dank günstiger Förderbedingungen, effizienter Extraktionstechnologien und politisch kontrollierter Lieferketten. Diese Marktdominanz verschafft China einen strategischen Vorteil, den es zunehmend durch Exportbeschränkungen nutzt. Für westliche Länder wird das zur Gefahr, denn bei Lieferengpässen drohen technologische Rückschritte und politische Erpressbarkeit
Was sind seltene Erden?
Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 chemischen Elementen, zu denen unter anderem Neodym, Praseodym, Dysprosium, Europium und Yttrium gehören. Trotz ihres Namens kommen sie in der Erdkruste relativ häufig vor, allerdings meist in sehr geringer Konzentration und schwer trennbarer Form. Sie sind entscheidend für die Herstellung vieler moderner Technologien und Produkte wie etwa Magneten für Elektromotoren, Leuchtstoffe für Bildschirme, Katalysatoren, Windräder, Smartphones und besonders für KI-Chips. Letztere benötigen spezielle Metalle wie Gallium und Germanium für Hochfrequenz- und Optoelektronik, also für Bauteile, die große Datenmengen extrem schnell verarbeiten müssen.
In der deutschen Autoindustrie werden seltene Erden vor allem für leistungsstarke Elektromotoren und Batterien gebraucht. Wenn China also Exportverbote verhängt, bekommen deutsche Hersteller Probleme bei der Produktion von E-Autos und digitalisierten Fahrzeugteilen. Ohne diese Materialien geraten Lieferketten ins Stocken, Innovationen verzögern sich und die Wettbewerbsfähigkeit leidet.
China mit Exportverbot seltener Erden
Kurz vor Weihnachten hat China bekannt gegeben, den Export für Technologien zur Verarbeitung von Seltenen Erden einzustellen. Konkret geht es dabei um die Herstellung von industriell wichtigen Magneten aus den gefragten Rohstoffen, deren Produktion derzeit zu drei Vierteln von China kontrolliert wird. Das chinesische Handelsministerium erweiterte damit einen „Katalog verbotener und exportbeschränkter Technologien“, der auch schon Anwendungen zur Produktion von Seltenerdmetallen und -legierungen führt. Betroffen sind seit August auch kritische Materialien wie Gallium und Germanium, die bei der Chipherstellung unverzichtbar sind.
Brisant ist diese Nachricht vor allem, weil sie die seit Jahrzehnten bestehende Abhängigkeit westlicher Industrienationen von China als Produzent und Lieferant Seltener Erden verschärft. Erst kürzlich war auf EU-Ebene diskutiert worden, wie man betroffene Zukunftsbranchen von chinesischen Lieferketten lösen könnte. Nun will China mit dem Exportverbot laut eigener Aussage die eigene Marktposition stärken. Das eigentliche Ziel ist, ein chinesisches Quasi-Monopol abzusichern, das den Westen seit Langem politisch und wirtschaftlich bedroht.
Ist der Westen mit Seltenen Erden erpressbar?
Die Europäische Union und die USA betrachten die Situation schon länger als Gefahr für die nationale Sicherheit. Hubertus Bardt, Geschäftsführer des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) bezeichnete die Versorgungssicherheit in Sachen Rohstoffen mit Blick auf Seltene Erden in einer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme als „Scheinriesen“: Chinas Marktdominanz werde zum Risiko, „weil die starke Marktposition in einem eskalierenden Systemkonflikt als wirtschaftlicher Druckhebel politisch missbraucht werden könnte.“ Seltene Erden gelten in den meisten aufstrebenden Technologie-Branchen als unersetzliche Rohstoffe, sind etwa zur Herstellung von Elektroautos, Bildschirmen, Smartphone-Chips oder militärischer Ausrüstung notwendig.
Gerade die globale Energiewende führt zu gesteigertem Bedarf und möglicher Verknappung auf den Märkten, was Staaten mit akutem Bedarf an Seltenen Erden politisch und wirtschaftlich erpressbar machen könnte. Im Ernstfall gilt: Entweder, man beugt sich den Bedingungen des Lieferanten – oder man gerät in uneinholbaren technologischen Rückstand. Da verwundert es nicht, dass sich westliche Industrienationen möglichst schnell von Chinas Quasi-Monopol abnabeln wollen, das für nahezu 90% der weltweiten veredelten Produktion verantwortlich zeichnet. Bei dieser Veredelung kommt China ein Extraktionsverfahren mithilfe bestimmter Lösungsmittel zugute, das europäische und nordamerikanische Unternehmen, die Seltene Erden fördern, aufgrund der technischen Komplexität und wegen der übermäßigen Umweltbelastung nicht imitieren können.
Warum ist der Westen von China abhängig?
China hat also kein prinzipielles Monopol auf diese Trenntechnologie, aber einen immensen Effizienz- und Kostenvorteil. Mangelware sind vor allem schwere Seltene Erden wie Dysprosium, das beim Bau von Motoren für Elektrofahrzeuge benötigt wird und fast ausschließlich in China zur Weiterverwendung aufbereitet wird. Das untermauert den chinesischen Status als weltgrößter Anbieter, aber auch größter Nachfrager von Metallrohstoffen. Die Marktmacht durch die Förderung aus eigenen Vorkommen wird dabei noch durch den exklusiven Zugriff auf Bergwerke in anderen Ländern, etwa in Afrika, gesteigert.
Seine Wurzeln hat die chinesische Marktdominanz in den frühen 1990er-Jahren. Bis dahin waren die USA Hauptproduzent für Seltene Erden, die nordamerikanischen Bergwerke wurden allerdings unrentabel, als China den Rohstoffmarkt mit Seltenerdmetallen zu geringen Preisen flutete. Gemeinsam mit strengen Umweltauflagen für den Bergbau waren die Schließungen der ehemals so wichtigen westlichen Förderstätten ursächlich dafür, dass sich die USA und Europa auf den Import Seltener Erden aus China verlegten.
Wankt das Monopol?
Ab 2005 ging China allerdings dazu über, die Rohstoffe zunehmend für die eigene Industrie zu nutzen und Exporte zu beschränken. Gleichzeitig stieg durch die verstärkte Nachfrage nach digitaler Technologie und elektronischen Bauteilen, in denen häufig Seltene Erden enthalten sind, der Preis. Um die eigene Autarkie zu wahren, wurden weltweit Projekte gestartet, um Seltene Erden zu fördern und neue Techniken der Veredelung und Verarbeitung zu entwickeln. Allerdings liegen viele dieser Abbaustätten in abgelegenen Regionen wie der Arktis, Grönland oder in Kanada, die Fördermengen sind oft gering und die Kosten hoch.
2012 reichten die USA, Japan und die EU Klage bei der WTO gegen chinesische Handelsbeschränkungen auf Seltene Erden ein, was zu diplomatischen Verstimmungen, aber auch zur Aufhebung einiger Exporthürden – die WTO erklärte die Drosselung des Exports für nicht rechtmäßig. China focht das Urteil an und begab sich langsam, aber sicher zurück auf den Weg zur künstlichen Verknappung Seltener Erden im internationalen Handel – eine Strategie, der nun eine weitere Eskalationsstufe hinzugefügt wurde.
„Was wir erleben, ist ein Wettrennen!“
Don Swartz, Geschäftsführer von American Rare Earths, einem Unternehmen, das eine Seltene-Erden-Mine und Einrichtungen zur Verarbeitung in Wyoming baut, sagte zu Reuters: „China ist bestrebt, seine Marktdominanz aufrechtzuerhalten. Was wir erleben, ist ein Wettrennen“. Und in diesem Wettrennen scheint China als einer der vielversprechendsten Wachstumsmärkte der nächsten Jahre und Jahrzehnte gute Karten zu haben. Der Westen könnte aber aufholen: Neue Förderverfahren werden entwickelt, Recycling soll den Rohstoffverbrauch minimieren. Denn auch in Zukunft dürfte es nicht leichter werden, an den Schatz des Drachen heranzukommen.
Die wichtigsten Fragen rund um seltene Erden beantwortet
Was zählt als Seltene Erden?
Zur Gruppe der Seltenen Erden gehören insgesamt 17 chemische Elemente: die 15 sogenannten Lanthanoide sowie Scandium und Yttrium. Besonders bekannt und wirtschaftlich wichtig sind Neodym, Praseodym, Dysprosium und Europium. Sie haben einzigartige magnetische, elektrische und optische Eigenschaften, die in vielen Hightech-Produkten gebraucht werden.
Hat Deutschland auch Seltene Erden?
Ja, auch in Deutschland gibt es Vorkommen Seltener Erden, vor allem in Sachsen und Bayern. Diese sind aber bislang wirtschaftlich kaum nutzbar, weil die Konzentrationen gering sind und der Abbau aufwendig und teuer wäre. Hinzu kommen hohe Umweltauflagen, die den Abbau zusätzlich erschweren.
Wo gibt es Seltene Erden?
Seltene Erden kommen weltweit vor, vor allem in China, den USA, Australien, Brasilien, Indien und einigen Ländern Afrikas. China hat jedoch die größte Kontrolle über die Verarbeitung und liefert den Großteil der veredelten Produkte. Viele Länder haben eigene Lagerstätten, aber China dominiert die gesamte Wertschöpfungskette.
Was kostet 1 Kilo seltene Erde?
Der Preis hängt stark vom jeweiligen Element ab. Ein Kilogramm Neodymoxid kostet beispielsweise zwischen 100 und 150 US-Dollar, Dysprosiumoxid kann 400 US-Dollar oder mehr kosten. Manche seltene Erden sind günstiger, andere sehr teuer, je nach Nachfrage, Reinheit und Marktverfügbarkeit.




