Bitcoin, Altcoins und Small-Cap-Aktien: Wann geht der Markt wieder ins Risiko?
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Bitcoin, Altcoins und Small-Cap-Aktien: Wann geht der Markt wieder ins Risiko?

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Simeon Koch

Jetzt mal ehrlich: Wer glaubt eigentlich felsenfest daran, dass uns bei Bitcoin, Altcoins und dem Aktienmarkt noch ein fulminanter Bullrun bevorsteht? Wer hat in den letzten Wochen nicht das eine oder andere Mal vehement daran gezweifelt und beim Blick auf ein tiefrotes Portfolio kurz mal die Nerven verloren? Wer hat sich bei Altcoins und kleineren Aktien nicht mehrfach vorgeworfen, vorschnell eingestiegen zu sein – schließlich sinken die Preise seit Wochen und man hätte locker einen tieferen Einstieg finden können, wenn man nur ein wenig länger abgewartet hätte. Und, Hand aufs Herz, welcher Krypto-Investor hat in den letzten Wochen nicht zumindest mal kurz bereut, in den letzten Monaten lieber Altcoins gekauft anstatt in Top-Aktien wie Nvidia, Microsoft oder Apple investiert zu haben? All diese Fragen und Zweifel suchen besonders diejenigen Anleger heim, die über das vergangene halbe Jahr in riskantere Assets wie etwa Kryptowährungen oder kleine Aktien investiert haben. Auch der letzte Kleininvestor dürfte den wichtigsten Grund für die anhaltend fallenden Preise mittlerweile verstanden haben: Es fehlt die Risikofreude im Markt. Die Masse der Kleinanleger schert sich nicht um kleine Aktien oder Bitcoin, solang die großen Tech-Werte so stark performen. Wer bis jetzt mit einem tiefroten Krypto-Portfolio ausgehalten hat, könnte dennoch bald belohnt werden: Es zeichnet sich eine Trendwende im Markt ab – emotional wie preislich.

Haben Sie die Nase voll? Gut so!

Eine kurze Frage an alle Bitcoin- und Altcoin-Investoren: Können Sie sich noch an den 5. Juli erinnern? Innerhalb von drei Tagen fiel der Bitcoin damals von rund $64 000 auf gut $53 000 – nur wenige Wochen nach der letzten großen Attacke auf das aktuelle Allzeithoch. Damals, Anfang Juli, hatte alles noch so gut ausgesehen. Open Interest und Funding Rate waren abgekühlt, der Anstieg in den Bereich um $72 000 in der ersten Juniwoche war von Spot-Käufen getrieben. Zum ersten Mal seit dem letzten Top Mitte März schien der Kryptomarkt genug Kraft gesammelt zu haben, um den ins Stocken geratenen Bullenmarkt fortzusetzen. Vier Monate schmerzhafte Konsolidierungsphase sind schließlich mehr als genug, oder? Krypto-YouTuber und Analysten waren euphorisch, rechneten mit einem kraftvollen Ausbruch – und natürlich geschah einmal mehr das genaue Gegenteil. Den gesamten Juni über fiel Bitcoin stetig, verlor bis zum 1. Juli gute zehn Prozent, bevor es in einem Flashcrash an besagtem 5. Juli gleich noch ein paar Stockwerke bergab ging. Während Ende Juni der meteorologische Sommerbeginn gefeiert wurde, schien Bitcoin schon in den matschigen, düsteren Herbst einzutauchen – und das war erst der Anfang.

Der Small-Cap-Index Russell 2000 dürfte bald in die Rallye der beigen Welle b starten. Kleinen Aktien dürften dann deutliche Kursgewinne bevorstehen.

Dann nämlich ging die Achterbahnfahrt der geschundenen Anleger-Gefühle erst so richtig los. Nach dem Tief vom 5. Juli kämpfte sich der Bitcoin innerhalb weniger Tage auf über $70 000 zurück – jetzt musste diese quälende Abwärtsphase doch endlich ein Ende nehmen. Erneut aber scheiterte der Bitcoin am Widerstandsbereich um das aktuelle Allzeithoch – und crashte diesmal noch heftiger. Die globale Börsenpanik der ersten Augustwoche drückte die größte Kryptowährung unter $50 000. Diesmal fiel die Erholungsrallye schon deutlich weniger überzeugend aus – und auch in den Folgewochen schien dem Markt immer mehr die Puste auszugehen. Wo man dachte, die Verkäuferseite wäre jetzt mal endlich erschöpft, folgte ein Dump dem nächsten, vor allem bei den Altcoins. Viele Kryptowährungen tendieren aktuell wieder ihrem Tief von Anfang August entgegen – das Sommerloch scheint einfach nicht enden zu wollen. Umso verständlicher erscheint der breite Zweifel, der sich besonders unter Investoren im Risiko-Asset-Bereich breit macht. Wer das schmerzhafte halbe Jahr, das im Kryptomarkt und bei kleinen Aktien mittlerweile hinter uns liegt, schon verdrängt hatte, der möge diesen kleinen Flashback entschuldigen – er ist notwendig, um zu verstehen, in welcher Zyklusphase wir uns befinden.

Risiko-Investments sind gerade unsexy

„Der Bitcoin wird so lange kapitulieren, bis du glaubst, dass der Bullenmarkt definitiv vorbei ist – und dann geht es erst richtig los“ – das schrieb schon im Frühling ein Analyst auf X, vormals Twitter. Und so könnte es tatsächlich kommen. Betrachtet man die Kommentarspalten auf Social Media und Kommentare zu Video-Analysen, so wird schnell klar: Diejenigen, die an den Bullenmarkt glauben, sind eindeutig in der Unterzahl. Hier und da ist zwischen Entrüstung und Frustration über kontinuierlich fallende Altcoin-Portfolios immer wieder ein Satz zu lesen: „Es ist doch wie in jedem bisherigen Zyklus.“ Und tatsächlich könnten Bitcoin, die Altcoins und kleine Aktien kurz vor einem entscheidenden Ausbruch stehen – sofern sich die Muster vergangener Zyklen tatsächlich wiederholen. Und tatsächlich deutet gerade einiges genau darauf hin, was Investoren kleiner Aktien und Kryptowährungen seit Monaten sehnlichst erwarten: eine Trendwende bei der Risikobereitschaft. Dass Aktien mit kleiner Marktkapitalisierung und auch Altcoins zuletzt so schwach performten, hat einen einfachen Grund: Weder institutionelle noch Kleinanleger sehen aktuell eine besondere Notwendigkeit darin, ihr Risiko zu steigern. Milliardenschwere Großanleger profitieren immer noch von hohen Anleihezinsen, weil die laufenden Renditen von Staatsanleihen an den Leitzins der nordamerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) gekoppelt sind. Warum also ins Anlage-Risiko gehen, wenn milliardenschwere Positionen im Anleihenmarkt aktuell fürstliche Renditen abwerfen?

Sobald die Zinsen auf langfristige US-Staatsanleihen fallen, dürften Institutionelle in Risiko-Assets umschichten. Wir erwarten eine Korrektur bei den 10-Year Bonds.

Ähnlich geht es Kleinanlegern, nur ein paar Dimensionen kleiner. In den letzten Monaten eilten die Top-Indizes wie S&P 500 oder auch der Composite-Index der Technologie-Börse Nasdaq von einem Rekord zum nächsten. Die Ursache waren unaufhörliche Steigerungen bei den größten Aktien dieses Planeten: Tech-Giganten um Nvidia entwickelten sich so stark, dass ihre Dominanz auf dem Markt in besorgniserregende Sphären vorstieß – vergleichbar mit den Phasen vor der Weltwirtschaftskrise 1929 oder der Dotcom-Bubble Anfang der 2000er. Warum also sollten Kleinanleger ihr Risiko durch kleinere Aktien oder Kryptowährungen im Portfolio erhöhen, wenn die Top-Werte jede Woche neue Rekorde auflegten? Die einfache Erklärung für die anhaltenden Abverkäufe von Risiko-Assets ist also ziemlich simpel: Risiko ist aktuell einfach unsexy. Und damit der Bitcoin wieder nachhaltig steigen kann, muss zunächst die Risikofreude in den Markt zurückkehren. Was es dafür ebenfalls braucht, klingt auf den ersten Blick paradox, wird aber schnell plausibel: Damit sich das Risikoprofil des Marktes verschiebt, müssen die großen Jungs um Microsoft, Apple und Co. schwächeln. Und auch die Attraktivität der Anleihen muss sinken, während die Geldpolitik gelockert wird. Dann nämlich fließt frische Liquidität in Risiko-Assets und institutionelle Investoren wie Kleinanleger springen hinterher.

Was für eine baldige Trendwende spricht

Deutliche Anstiege bei Aktien und Kryptowährungen stellt auch ein zusehends schwächelnder Dollar-Index in Aussicht. Der Dollar-Index (DXY) misst den Wert des US-Dollars im Vergleich zu einem Korb aus sechs wichtigen Währungen, darunter Euro, Yen und Pfund Sterling, und gibt an, wie stark oder schwach der Dollar im internationalen Vergleich ist. In Zeiten hoher Leitzinsen ist der DXY stark, weil höhere Zinsen ausländische Investoren anziehen, die in US-Dollar denominierte Anlagen bevorzugen, was die Nachfrage nach dem Dollar erhöht und seinen Wert steigen lässt. Gleichzeitig erschwert ein wertvoller Dollar das Exportgeschäft vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen aus der Risiko-Anlageklasse. Sinken die Zinsen und der Dollar-Index werden Kredite billiger und Exporte für kleine Unternehmen lukrativer, was häufig Preissteigerungen in deren Aktien nach sich zieht. In Zeiten eines starken DXY flüchten viele Investoren in Dollar-Positionen – der DXY folgt also ähnlichen Logiken wie Staatsanleihen (engl.: Bonds). Auch hier erwarten wir in naher Zukunft deutliche Rücksetzer, was Aufschwüngen in Risiko-Anlagen wie Small-Cap-Aktien oder Kryptowährungen Tür und Tor öffnet.

Der US-Dollar-Index (DXY) korrigiert, wovon Risiko-Assets profitieren sollten. Ein alternativer Ausbruch über 107.11 Punkte würde Bitcoin und Co. unter Druck setzen.

Schon vor knapp zwei Monaten sendeten die Small-Cap-Aktien des Russell 2000 deutlich bullische Signale aus. Damals stagnierten die Top-Werte, während kleine Aktien zulegen konnten. Ähnlich wie bei einer Altcoin-Rotation im Kryptomarkt fließt in solchen Phasen Kapital aus den großen in kleinere Assets. In Bullenmärkten erreichen häufig zunächst die dominanten Aktien oder Kryptowährungen ihr Top, bevor die kleineren Werte nachziehen – eben weil die Gewinne aus den Top-Titeln umgeschichtet werden und Investoren durch risikoreichere Trades weitere Profite einfahren wollen. Die Small-Cap-Tendenz von Mitte Juli könnte sich nun weiter verstärken: Laut unserer Analyse sollte der Russell 2000 in der nächsten Zeit deutlich Boden gut machen, während große Aktien wegen stark gedrückter Kurs-Gewinn-Verhältnisse erstmal stagnieren oder sogar korrigieren könnten. Die Top-Titel scheinen überbewertet, während kleinen Aktien und Altcoins vielerorts große Chancen zugeschrieben werden. Schließlich dürften auch die erwarteten Leitzins-Senkungen der Fed ab September und die damit gelockerte Geldpolitik für einen deutlichen Aufschwung im Risiko-Sektor sorgen. Zudem erwarten wir anhaltende Korrekturen im Anleihenmarkt, die institutionelle Investoren zurück in risikoreichere Anlageklassen spülen dürften. Dranbleiben dürfte sich besonders jetzt lohnen – denn wer in dieser wichtigen Phase des Marktes pennt, ist selbst schuld.

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Simeon Koch

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