Bitcoin und Altcoins vor Ausbruch: Wann geht der Krypto-Bullenmarkt weiter?
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Bitcoin und Altcoins vor Ausbruch: Wann geht der Krypto-Bullenmarkt weiter?

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Simeon Koch

Können Sie sich noch an die Bitcoin-Euphorie Mitte März erinnern? Wenige Wochen zuvor waren die ersten Bitcoin-ETFs der Vereinigten Staaten genehmigt worden, zum ersten Mal in seiner Geschichte stieg der Bitcoin noch vor dem Halving auf ein neues Allzeithoch. Damals stellte sich die Frage: Warum ist dieser Bitcoin-Zyklus so anders? Für viele Analysten schien die Antwort schnell klar. Es musste einen Zusammenhang geben zwischen dem verfrühten Rekordhoch und dem massiven Einstieg institutioneller Investoren über die neuen Spot-ETFs. Die starke Performance seiner Leitwährung verhalf dem gesamten Kryptomarkt zu teils astronomischen Kurssprüngen, viele Altcoins vervielfachten ihren Kurswert innerhalb weniger Wochen. Dann aber schlug die Stimmung um. Der Bitcoin prallte in den letzten Monaten mehrfach an der $70 000-Marke ab. Über das zähe Sommerloch hinweg bluteten selbst die etabliertesten Altcoins regelrecht aus. Vielen Anlegern raubten die heftigen Abverkäufe Anfang Juli und spätestens am vergangenen Montag den letzten Nerv, Milliardenbestände wurden im Verlust abgestoßen. Dabei beginnen die meisten Rallyes genau dann, wenn es niemand erwartet – und genau das könnte in den kommenden Wochen erneut passieren. Darauf lassen drei wichtige Indikatoren schließen: die historische Kursentwicklung des Bitcoins, die Marktkapitalisierung des Altcoin-Sektors und die Bitcoin-Dominanz.

Ist Ihr Portfolio im Minus? Nur Geduld!

Wer sich gerade Vorwürfe macht, Altcoins zum falschen Zeitpunkt gekauft zu haben, der sollte wissen, dass es aktuell vielen Krypto-Spekulanten nicht anders geht. Allein Anfang vergangener Woche wurde mehr als $1 Milliarde an Hebelpositionen aus dem Markt gewischt. Der Bitcoin erlebte seinen heftigsten Abverkauf in diesem Zyklus, Ethereum sogar den höchsten Tagesverlust seit drei Jahren. Viele Altcoins unterboten ihre Bärenmarkt-Tiefstände, manche sogar ihre Allzeittiefs. Besonders nach der Euphorie im Frühjahr und der durchweg starken Zugewinne im Kryptomarkt hätte kaum jemand mit einer derart drastischen und langwierigen Korrektur gerechnet. Vorbei ist der Bullenmarkt trotzdem nicht, schließlich sind monatelange Abwärtsphasen während übergeordneten Aufschwüngen im Kryptomarkt nichts Ungewöhnliches – vor allem im volatilen Altcoin-Sektor. Ein berühmtes Börsensprichwort lautet: Time in the market beats timing in the market. Auf Deutsch also: Zeit im Markt ist wichtiger als der perfekte Einstieg – den erwischt man nämlich sowieso nicht. Anstatt über rote Zahlen im Portfolio zu trauern, sollten Sie also lieber die Nerven behalten, nach vorne schauen und sich eine Strategie für den nächsten Ausbruch überlegen. Der könnte nämlich früher kommen, als viele denken.

In den letzten beiden Bullenmärkten durchlief der Bitcoin nach dem Halving für rund fünf Monate einen Seitwärtskanal. Wiederholt sich dieses Muster?

In jedem bisherigen Krypto-Bullenmarkt durchliefen der Bitcoin und die Altcoins in den Monaten nach dem Bitcoin-Halving lange Konsolidierungsphasen. In diesen quälend erscheinenden Wochen ohne große Kursbewegungen ist der Bitcoin in einem Trendkanal gefangen, während die Altcoins sukzessive an Wert verlieren. Das liegt daran, dass die anfangs große Euphorie mit anhaltender Konsolidierung lähmender Langeweile und Resignation unter unerfahrenen Anlegern weicht. Viele verlieren die Lust an der Spekulation, weil der Markt ihnen nicht die Action bietet, die sie suchen. Sinkendes Interesse und fallende Preise führen zu einer Abwärtsspirale aus stetigen und manchmal auch plötzlichen Abverkäufen – wie zuletzt Anfang Juli oder vergangene Woche. Altcoins brauchen einen starken Bitcoin, um zu performen. Und genau diese Stärke fehlt der größten Kryptowährung für gewöhnlich, wenn sie sich nach dem Halving durch ihre traditionelle Konsolidierungsphase schleppt. In diesem Jahr kommt erschwerend hinzu, dass der Bitcoin schon vor den normalerweise schwachen Sommermonaten sein neues Allzeithoch erreichte. Gewinnmitnahmen früher Investoren fielen also mit der allgemeinen Lethargie der Finanzmärkte in dieser Phase des Jahres zusammen. Ängste um eine vermeintlich nahende Rezession verstärkten die Abkehr des breiten Marktes von Risiko-Assets zusätzlich.

Bullrun-Top im Frühling oder Winter 2025?

Blickt man auf die Historie der letzten beiden Bitcoin-Zyklen, so erkennt man sogar eine zeitliche Gemeinsamkeit. Sowohl 2016 als auch 2020 durchlief der Bitcoin für knapp 160 Tage einen Seitwärtskanal, bevor er erfolgreich ausbrach und die heiße Phase des Bullenmarktes einläutete. Bleibt der Kryptomarkt dieser historischen Regelmäßigkeit treu, so würde der Ausbruch aus der aktuellen horizontalen Konsolidierung in der letzten Septemberwoche gelingen – also in etwa fünf bis sechs Wochen. Spekulationen über den Zeitpunkt eines möglichen Zyklustops sind schon etwas schwieriger, weil diese in deutlich fernerer Zukunft beheimatet sind. Im Bullenmarkt 2017 brauchte der Bitcoin vom Halving bis zum Top rund 530 Tage, also fast eineinhalb Jahre. 2021 dauerte dieser Anstieg mit 548 Tagen nur marginal länger. Sollte sich der aktuelle Zyklus irgendwo in der Mitte einpendeln, wäre im Oktober 2025 mit einem finalen Top zu rechnen. Zu beachten ist allerdings, dass das jüngste Allzeithoch noch vor dem Halving und deutlich früher als in vorherigen Zyklen erreicht wurde. Sinnvoller wäre also eine Rechnung vom ersten Bruch des alten Allzeithochs bis zum nächsten Zyklus-Top. Für diese bullische Reise brauchte der Bitcoin 2017 gut 270 Tage, im vergangenen Bullenmarkt waren es sogar 330. Würde man für diesen Zyklus von einem Mittelwert bei rund 300 Tagen ausgehen, würde der Bitcoin sein Zyklustop schon im ersten Quartal 2025 erreichen.

Vom Halving bis zur Altcoin-Season dauerte es in den letzten beiden Zyklen jeweils etwa 230 Tage. Zunächst muss die Bitcoin-Dominanz ihr finales Hoch erreichen.

Für den Moment ist aber ohnehin interessanter, wann dem Kryptomarkt – und vor allem den heftig abverkauften Altcoins – der Ausbruch zur nächsten längeren Rallye gelingt. Als wichtiger Indikator gelten hierfür einerseits die Bitcoin-Dominanz und die gesamte Marktkapitalisierung des Altcoin-Sektors. Die Bitcoin-Dominanz bezeichnet den Anteil des Bitcoins an der gesamten Marktkapitalisierung im Krypto-Sektor. Vor dem Bullenmarkt 2017 lag die Bitcoin-Dominanz bei deutlich über 90 Prozent. Damals dümpelte Ethereum bei ein paar Dollar herum, kaum ein Altcoin, den wir heute kennen, war überhaupt schon gelauncht. Dann spielte sich zum ersten Mal ab, was später als Altcoin-Season bekannt werden sollte. Innerhalb weniger Wochen brach die Bitcoin-Dominanz regelrecht ein – obwohl der Bitcoin-Kurs anstieg. Und das hatte einen einfachen Grund: Während der Bitcoin einem neuen Allzeithoch bei rund $20 000 entgegenstrebte, explodierten die damals bestehenden Altcoins. Der Bitcoin-Preis verzehnfachte sich – Altcoins aber wuchsen um ein Vielfaches und drückten damit die BTC-Dominanz. Heute sind viele dieser Altcoins in der Versenkung verschwunden, damals waren sie die großen Helden. Der Altcoin Dash etwa verzeichnete 2017 ein Wachstum von schwindelerregenden 13 900 Prozent. Ethereum gewann im selben Zeitraum gut 9000 Prozent an Kurswert, Litecoin immerhin 5000 Prozent.

Wann beginnt die Altcoin-Season? 

Eine abfallende Bitcoin-Dominanz ist also ein Anzeichen für eine beginnende Altcoin-Season. Wenig überraschend war in den letzten Monaten das genaue Gegenteil der Fall: Die Bitcoin-Dominanz stieg stetig und erreichte kürzlich fast 60 Prozent. Während des Bärenmarktes hatte sie noch bei rund 40 Prozent gelegen. Auch das ist angesichts der Kursentwicklungen im Kryptomarkt einfach erklärt: Der Bitcoin stieg schnell auf ein Allzeithoch und verharrte dann in seinem aktuellen Seitwärtskanal. Währenddessen aber verloren Altcoins kontinuierlich an Wert – ergo stieg der Anteil des Bitcoins an der gesamten Krypto-Marktkapitalisierung stetig an. Betrachtet man die historische Entwicklung der Bitcoin-Dominanz zeigt sich auch hier eine wichtige Gemeinsamkeit der letzten beiden Zyklen: Vom zweiten Bitcoin-Halving im Juli 2016 bis zum finalen Top der Bitcoin-Dominanz Anfang 2017 vergingen ziemlich genau 230 Tage. Vom dritten Halving im Mai 2020 bis zum Beginn der bisher letzten Altcoin-Season (gleichbedeutend mit dem letzten Top der Bitcoin-Dominanz) vergingen 236 Tage. Der Unterschied zum Bullenmarkt davor betrug also nicht einmal eine Woche. Würden auch dieses Mal rund 230 Tage zwischen dem Halving und dem finalen Top der BTC-Dominanz liegen, so wäre Anfang Dezember des aktuellen Jahres mit dem Beginn einer Altcoin-Season zu rechnen.

In der nächsten Impulswelle sollte die Marktkapitalisierung der Top-125 Altcoins ihr bisheriges Jahreshoch von Mitte März deutlich überflügeln.

In welche Sphären der Altcoin-Sektor nach einem möglichen Ausbruch vorstoßen könnte, zeigt unsere Analyse der Altcoin-Marktkapitalisierung mithilfe der Elliott-Wellen. Um den Altcoin-Sektor repräsentativ abzubilden, verwenden wir die Kennzahl Total 3, also die Top-125 Altcoins ohne Bitcoin und Ethereum. Demnach befindet sich die Marktkapitalisierung dieser Top-125 Altcoins seit Beginn der Daten-Aufzeichnung in einer übergeordneten fünfteiligen Aufwärtsbewegung, bezeichnet durch die beigen römischen Ziffern. Zum Bullenmarkt-Top Ende 2021 erreichte diese Makro-Struktur das Top der beigen Welle I, woraufhin der Altcoin-Sektor gemeinsam mit dem Bitcoin in den Bärenmarkt abtauchte. Von seinem Top bei gut $1.1 Billionen Gesamtwert verloren die größten 125 Altcoins bis zum Tief im Januar fast 75 Prozent an kumuliertem Wert. Die Erholung aber ging rasch vonstatten: Bis zum bisherigen Top des aktuellen Zyklus im März kletterte die Altcoin-Marktkapitalisierung zurück auf $788 Milliarden und verdreifachte sich damit beinahe vom Bärenmarkttief bei $286 Milliarden im Frühjahr 2023. Dieser impulsive Anstieg der türkisfarbenen Welle (3) musste allerdings korrigiert werden – das sollte die farbgleiche Folgewelle (4) bis zum letzten Tief am vergangenen Montag erledigt haben.

Bis zum Bullenmarkt-Top steht den größten 125 Altcoins laut unserer Analyse ein durchschnittliches Wachstum von bis zu 500 Prozent bevor.

In der nächsten großen Aufwärtsbewegung rechnen wir mit einem Ausbruch über das bisherige Zyklushoch und damit über den Widerstand bei $788 Milliarden. Zuständig dafür ist die magentafarbene Impulswelle (5), die gleichzeitig die grüne Welle [1] komplettieren sollte. Damit dürfte der aktuelle Bullenmarkt aber noch lange nicht vorbei sein. Laut 2-Tageschart sollte die übergeordnete beige Welle III nicht nur das bisherige Allzeithoch bei $1.13 Billionen hinter sich lassen, sondern bis in die beige Zielzone zwischen $2.55 und $3.25 Billionen vorstoßen. Vom aktuellen Marktwert der Top-125 Altcoins würde das einen Anstieg zwischen 350 und fast 500 Prozent bedeuten. Natürlich werden aber nicht alle Altcoins gleich stark ansteigen. Sofern unsere Analyse in etwa eintrifft, werden einige Altcoins diese Prognose erfüllen, andere werden schwächer performen. Wieder andere werden deutlich stärker ansteigen, um den Mittelwert der Total 3 bis in die beige Zielzone zu bewegen. Trotz dieser bullischen Berechnung ist beim Investment in Altcoins gebührende Vorsicht geboten. Wie die letzten Monate gezeigt haben, ist dieser Sektor nahezu unberechenbar – und das in beide Richtungen. Die hier präsentierten Informationen sind spekulative Annäherungen möglicher Kursentwicklungen auf Basis historischer Daten. Die Zukunft kann man damit freilich nicht vollumfänglich vorhersagen. Um erfolgreich zu investieren, ist eigene Recherche unerlässlich. Dabei helfen unsere regelmäßigen Einzelanalysen der spannendsten Altcoins. Auf diese Weise sind Sie dem Markt einen Schritt voraus – egal, was er in den nächsten Monaten anstellt.

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