Bitcoin todlangweilig: Wer jetzt pennt, ist selbst schuld!
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Bitcoin todlangweilig: Wer jetzt pennt, ist selbst schuld!

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Simeon Koch

Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre – dann könnte man sich schon fast sicher sein, dass der Krypto-Bullenmarkt bald wieder richtig Fahrt aufnimmt. Traditionell performen die Finanzmärkte im Herbst und Winter am besten. Der Sommer ist dafür deutlich schwächer. Im Kryptomarkt war das Sommerloch dieses Jahr so schmerzhaft wie schon lange nicht mehr. Viele Altcoins korrigierten über Monate und erwischten Investoren damit auf dem falschen Fuß. Dabei sind deutliche und kontinuierliche Kursverluste für Bitcoin und Co. um die Jahresmitte schon fast normal. In der Regel kam das Interesse der Anleger im letzten Drittel des Jahres zurück – oft mit einem solchen Schwung, dass die Preise in kurzer Zeit stark anstiegen. Das beste Beispiel für diese Saisonalität liegt genau ein Jahr zurück: Im August 2023 kam es zur letzten heftigen Korrektur des Bärenmarktes. Noch einmal plumpste der Bitcoin auf $25 000 zurück, bevor er auf über $70 000 anstieg. Nun steht das vierte Quartal wieder vor der Tür – und mit ihm die erwarteten Zinskürzungen der nordamerikanischen Notenbank. In den letzten beiden Zyklen brach der Bitcoin 160 Tage nach dem Halving aus seinen Konsolidierungsphasen aus. In diesem Jahr wäre das Ende September. Es sieht also ganz so aus, als ginge es bald wieder los – wenn da nicht die Angst vor einer großen Rezession wäre. Dabei ist das gar nicht der Hauptgrund für die Krypto-Schwäche.

Warum kollabieren die Altcoins?

Können Sie sich noch an die Preisbewegungen der größten Kryptowährungen im letzten Herbst erinnern? Nein? Kein Wunder. Schließlich ist damals nichts Spannendes passiert. Von Januar bis März 2023 hatte der Markt eine Rallye erlebt, dann aber trat der Bitcoin über die Sommermonate in eine quälend langweilige Seitwärts-Konsolidierung ein und durchlief diesen horizontalen Kanal bis Ende Oktober. Mitte August, also einige Wochen vor dem finalen Ausbruch und dem Anstieg auf ein neues Allzeithoch, erlebte der Bitcoin die letzte Kapitulation des damaligen Sommers: Von knapp $30 000 ging es innerhalb eines Tages hinab auf rund $25 000. Ein Minus von fast 15 Prozent innerhalb von 24 Stunden. Was darauf folgte, war dasselbe wie vorher, nur noch schlimmer. Über zwei Monate bewegte sich der Kurs kaum – bis im Oktober die Liquidität zurückkehrte und den Bitcoin so unvermittelt aus seiner Lethargie riss, dass viele den Einstieg verpassten. Starker Anstieg im Frühling, quälend langweilige Konsolidierung im Sommer, letzte Kapitulation im August – kommt Ihnen das bekannt vor? Sollte sich dieses Muster wiederholen, würde die Seitwärtsphase seit Beginn des parallelen Kanals rund 220 Tage dauern. Diese Prognose deckt sich übrigens mit unserer Berechnung von letzter Woche: In den letzten zwei Zyklen ist der Bitcoin rund 160 Tage nach dem Halving aus seiner Konsolidierung ausgebrochen. Die Spitzen beider Zeitpfeile liegen beinahe gleichauf.

Die aktuelle Konsolidierung ähnelt verblüffend dem Sommer 2023: Mehrfach scheiterte der Bitcoin, bevor eine letzte Kapitulation im August den finalen Ausbruch vorbereitete.

Dass sich solche Muster wiederholen, hat mehrere Gründe. Zunächst endet das angesprochene Sommerloch. Zwischen Mai und September ist auf den Märkten in der Regel wenig los, die Liquidität (also die zirkulierende Geldmenge) ist geringer als während der heißen Monate in der kalten Jahreszeit. Dadurch können Kurse leichter bewegt werden, die Volatilität steigt also. An den Aktienmärkten äußert sich die verringerte Nachfrage häufig in zähen Seitwärtsbewegungen. Bei hochspekulativen Assets wie Kryptowährungen sorgt nachlassendes Momentum schnell dafür, dass die gesamte Marktemotion kippt. Besonders Altcoins sind stark von der Emotion im Markt abhängig, sie steigen in kurzen Boom-Phasen und profitieren von Narrativen, die bei Anlegern für Fantasie sorgen. In ruhigen Marktphasen können Altcoins diese Dynamik nicht aufrechterhalten und fallen durch anhaltende Gewinnmitnahmen. Da Kryptowährungen allerdings noch nicht als vollends etablierte Asset-Klasse gelten, rotiert das investierte Kapital in diesem Markt schneller. Sprich: In Hype-Phasen fließt das Geld überproportional schnell in den Markt, weil Investoren von sprunghaften Preisanstiegen profitieren wollen. In ruhigem oder unsicherem Marktumfeld wird das Kapital aber genauso schnell wieder abgezogen. Wenn man eine Amazon- oder Google-Aktie hält, dann geht man guten Gewissens auch mal durch einen Crash. Bei einzelnen Altcoins ist aber nicht annähernd so gewiss, ob sie nach heftigen Rücksetzern zu alter Stärke zurückfinden.

 

Das Schlimmste, was dem Markt passieren kann

Ruhige Marktphasen sind – besonders, wenn sie länger andauern – also in aller Regel sehr schmerzhaft für den breiten Kryptomarkt, das liegt in der Natur der Asset-Klasse und in ihrem Image auf dem traditionellen Finanzmarkt begründet. Wenn das Anleger-Interesse dann aber im Herbst zurückkehrt, kann es umso schneller wieder bergauf gehen. Und genau das erlebten Bitcoin und Co. zuletzt im Herbst 2023. Mehrere Male wurde der Bitcoin-Kurs an der Oberkante seines Trendkanals knapp über $30 000 abgelehnt und sackte zum Schluss noch einmal deutlich ein, bevor er unerwartet nach oben ausbrach. Auch in diesem Sommer scheiterte der Bitcoin mehrfach an der Oberkante seines Trendkanals, diesmal bei rund $70 000. Und auch die August-Kapitulation scheint sich zu wiederholen. Ob es der letzte Abverkauf vor einer ebenso zähen Seitwärtsphase sein wird wie im September 2023, lässt sich noch nicht im Detail prognostizieren. Die Vorzeichen aber ähneln sich verblüffend. Und das hat nicht nur saisonale Gründe. Denn auch die Marktpsychologie spielt, wie so oft, eine entscheidende Rolle: Wenn der Markt langweilig wird, ziehen sich die meisten Investoren zurück. Das Schlimmste, was dem Markt passieren kann, ist, wenn überhaupt nichts passiert. Und die größten Bewegungen geschehen meistens, wenn niemand damit rechnet.

Es könnte nervenaufreibend werden: Im durchschnittlichen US-Wahljahr durchliefen die Märkte vor dem Wahltag im November eine korrektive Phase. Dann wurde es explosiv.

Viele haben sich in den letzten Wochen die Finger verbrannt – Trader wie Spot-Käufer. Dennoch hat die starke Volatilität immer wieder Interesse geweckt: In den kurzen Rally-Phasen schöpfte der Markt Hoffnung. Wenn es heftig bergab ging, schrien viele Buy the dip! und investierten ihr (häufig) letztes Kapital. Paradoxerweise ist es für Menschen am schlimmsten, wenn überhaupt nichts passiert – weder positiv noch negativ. Wir schlagen uns lieber mit Enttäuschungen herum, als einfach nur abzuwarten. Besonders stark ist diese Tendenz im schnelllebigen Kryptomarkt, in dem viele nur das schnelle Geld wittern, aber nicht bereit sind, für ihre Rendite ein paar Monate im Minus auszusitzen. Natürlich sorgten auch die Hiobsbotschaften einer vermeintlichen Rezession für Abgabedruck. Wie man an der raschen Erholung der Aktienmärkte sieht, ist das aber nicht der Hauptgrund für die anhaltende Schwäche im Kryptomarkt. Vielmehr leiden Bitcoin und die Altcoins unter mangelndem Interesse. Wer aber ein bisschen von Kryptowährungen versteht, der weiß: Von der Ruhe vor dem Sturm sollte man sich nicht einlullen lassen. Zwar ist ein baldiger Ausbruch auf neue Allzeithochs keineswegs gewiss und die nächsten Wochen können noch einmal nervenaufreibend werden. Dennoch hat uns die Geschichte gezeigt: Wer in solchen Flauten pennt, ist selbst schuld.

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Simeon Koch

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