Dieses Jahr läuft nicht für Tesla. Seit Monaten liegen die Verkaufszahlen unter den Erwartungen, im ersten Quartal verzeichnete der ehemalige E-Auto-Shootingstar den stärksten Umsatz-Rückgang seit einem Jahrzehnt. Elon Musk gelang es damals, die Aktionäre mit Versprechen zu neuen Modellen und einem baldigen Start des selbstfahrenden Robo-Taxis zu beschwichtigen. Kürzlich musste der Tesla-Chef aber auch in dieser Sache zurückrudern und gestand, dass seine Pläne „allzu optimistisch“ gewesen seien. Kaum besser waren die Geschäftszahlen für das abgelaufene zweite Quartal: Ein hauchdünnes Umsatz-Plus steht im Kontrast zum massiven Gewinnrückgang von über 40 Prozent im Jahresvergleich. Der Erlös aus Automobilverkäufen kann sich nach dem schwachen Frühling etwas erholen, hinkt dem Vorjahr aber deutlich hinterher. Während Tesla mit Dumping-Preisen der internationalen Konkurrenz hadert, kann ausgerechnet die US-Konkurrenz um Ford und General Motors im Elektroauto-Rennen punkten. Immer mehr Beobachter sehen außerdem politische Gründe für Teslas Durchhänger: Vergrault Elon Musks Trump-Unterstützung die Kunden?
Gewinn bricht ein: Teslas Motor stottert
Kommt Tesla vom Weg des kontinuierlichen Wachstums ab? Zumindest temporär lassen die letzten Geschäftszahlen diesen Schluss zu. In den drei Monaten von April bis Juni verzeichnete Tesla einen Umsatz von $25.5 Milliarden. Das bedeutet zwar ein leichtes Plus zum ersten Quartal des vergangenen Jahres ($24.9 Milliarden) und deutet nach dem schwachen Frühjahr ($21.3 Milliarden) auf langsame Erholung hin – die Profitabilität des Konzerns hat aber schon bessere Zeiten gesehen. Ein dickes Minus von 43 Prozent im Jahresvergleich überschattet den Gewinn pro Aktie von $0.52. Ähnlich sieht es mit einem Rückgang von 42 Prozent beim Nettogewinn aus, der sich nunmehr auf $1.8 Milliarden beläuft. Gemessen an einem Nettogewinn von $3.1 Milliarde und einem Überschuss pro Aktie von $0.91 im ersten Vierteljahr 2023 erscheinen diese Zahlen alarmierend. Betrachtet man die Statistiken des ersten Quartals 2024 mit einem Nettogewinn von $1.54 Milliarden und einem Gewinn pro Aktie von mageren $0.45, scheint Tesla sich aber zumindest aus dem Tief der letzten Monate herauszuarbeiten.
Die Tesla-Zahlen für Q2 2024, nebst Analysten-Prognosen sowie Q1 2024 und Q2 2023.
Weitere Indizien für den zarten Aufwärtstrend liefern die Verkaufszahlen in der Automobil-Sparte des mittlerweile weit diversifizierten Unternehmens. Zwar ging die Produktion von gut 430 000 gefertigten Fahrzeugen im ersten Quartal auf knapp 411 000 in den letzten drei Monaten zurück – gleichzeitig aber nahmen die Auslieferungen neuer Modelle um fast 60 000 Autos auf fast 444 000 zu. Auch hier steht im Vergleich zum Vorjahresquartal aber immer noch ein deutliches Minus von rund fünf Prozent. Auch der harte Preiskampf mit der schlagkräftigen Konkurrenz aus China ist weiterhin zu spüren: Die operative Gewinnmarge im Kerngeschäft sank auf 6.3 Prozent und damit um fast ein Drittel, nachdem Tesla im ersten Quartal 2023 noch mit einer Marge von 9.6 Prozent geglänzt hatte. Äußerst gut läuft es wiederum bei einem von Teslas wachstumsstärksten Geschäftszweigen: Die Verkäufe von Batterien und elektrischen Speichersystemen verdoppelten sich im Jahresvergleich auf satte $3 Milliarden. Die schwächelnden Autoverkäufe gleicht das freilich nicht aus, der nächste Einnahmen-Boost soll laut Tesla-Geschäftsführer Musk aber nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Musks „Hangover“ wegen Trump? Konkurrenz holt auf
Für den nächsten Wachstumsschub sollen laut Musk autonome Fahr-Technologie und humanoide Roboter sorgen. Schon im Juni gab Tesla bekannt, dass bereits einige Modelle des menschenähnlichen Roboters Optimus in den eigenen Fabriken arbeiten. Bis Ende 2025 will Tesla seinen Roboter auch als Arbeitskraft an andere Unternehmen vermieten können. Im nächsten Jahr will man außerdem vollständig autonome Software für selbstfahrende Modelle auf den Markt bringen. Musk selbst sagte dazu, er wäre „schockiert“, wenn Tesla dieses Ziel nicht in den nächsten Monaten erreiche. Gleichzeitig wolle man die Zahl der arbeitenden Optimus-Roboter in den eigenen Fabriken auf „mehrere tausend“ hochschrauben. Der Innovationsdruck steige laut Musk merklich, schließlich erlebe man aktuell „eine Art Hangover“, weil die internationale Konkurrenz ihre Preise weiterhin drastisch kürze – „das macht es ein bisschen schwieriger für Tesla“. Es ist aber nicht nur der globale Wettbewerb, der Tesla zu schaffen macht. Ausgerechnet die nationale Konkurrenz alteingesessener Automobil-Konzerne scheint dem vermeintlich enteilten Marktführer wieder näher zu kommen.
Die Tesla-Zahlen für Q1 2024, nebst Analysten-Prognosen sowie Q1 und Q4 2023
Zum ersten Mal seit Jahren fiel Teslas Marktanteil in den Vereinigten Staaten bei Elektroautos unter 50 Prozent, vor einem Jahr hatte sie noch fast 60 Prozent betragen. Im gleichen Zeitraum konnte der traditionsreiche Auto-Riese Ford seine Verkäufe im Stromer-Segment um fast zwei Drittel auf 24 000 Fahrzeuge nach oben schrauben. General Motors steigerte seinen E-Auto-Absatz um kräftige 40 Prozent auf 22 000 Stück. Von Teslas 165 000 Verkäufen im zweiten Quartal sind diese Zahlen zwar noch weit entfernt, die Lücke aber wird kleiner. Die Ursachen dafür könnten laut Marktbeobachtern politischer Natur sein. Laut Marktforschern sind Elektroautos besonders unter jungen Leuten beliebt und werden häufig aus ökologischen Gesichtspunkten gekauft. Große Anteile dieses Kundenpools sind politisch eher dem linken und progressiven Spektrum zugewandt. Musks offene Unterstützung für Donald Trump, die nach dem Attentat auf den republikanischen Kandidaten noch deutlicher zutage trat, dürfte viele dieser potenziellen Kunden vor den Kopf gestoßen haben. Besonders auf seiner Social-Media-Plattform X stärkte Musk seinem Favoriten Trump und dessen designiertem Vize Vance in den letzten Wochen lautstark den Rücken. Zuletzt aber schlug der Milliardär wieder leisere Töne an: „Ich behaupte nicht, dass Trump ohne Fehler ist“, schrieb er am Wochenende, „wir brauchen jedoch eine Verwaltung, die eher leistungsorientiert ist und die individuellen Freiheiten fördert“.






