Es ist Freitag und wir lassen eine weitere spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im Wochenrückblick an.
Montag: US-Senat ermittelt gegen BMW
Das Finanzkomitee des US-Senats ermittelt wegen möglicher Menschenrechtsverstöße gegen den deutschen Automobilriesen BMW. Diese Verstöße sollen nicht bei BMW direkt, sondern bei einem Zulieferer aus China geschehen sein: Laut Vorwurf importiere der bayerische Konzern nach wie vor Fahrzeugteile in die Vereinigten Staaten, die aus der Region Xinjiang stammen. Seit Monaten wird in westlichen Medien über chinesische Repressalien gegen die dort ansässige Minderheit der Uiguren berichtet. Schon im Februar verboten die Vereinigten Staaten die Einfuhr von vermutlich betroffenen Bauteilen. Damals stauten sich innerhalb weniger Tage mehr als 10 000 Neuwagen der VW-Luxusmarken Audi, Porsche und Bentley in US-Häfen. Auch die Bundesregierung forderte deutsche Autobauer ausdrücklich dazu auf, sich aus Xinjiang zurückzuziehen. BMW teilte noch vor wenigen Wochen mit, man habe „Maßnahmen gesetzt, um den Import betroffener Produkte zu stoppen“. Der US-Kongress aber bezweifelt, dass BMW sich an die Vorgaben hält. Bis zum 21. Juni muss der Konzern Rechenschaft ablegen, um einem möglichen Importverbot zu entgehen.
Dienstag: Humanoide Roboter arbeiten für Tesla
Tesla lässt Exemplare seines humanoiden Roboters Optimus selbstständig in Fabriken arbeiten. Das teilte der E-Auto-Gigant am Dienstag in einem Posting auf X, vormals Twitter, mit. Der Konzern postete eine Art Zeitstrahl der eigenen Errungenschaften unter Elon Musk seit 2018. Als Randnotiz bemerkte Tesla für das Jahr 2024, dass man „Optimus dreimal grundlegend überarbeitet“ habe und der Roboter sich mittlerweile „selbstständig in unseren Büros und Forschungsräumen bewegt“. Außerdem würden „zwei Optimus-Roboter autonom Aufgaben in der Fabrik“ übernehmen. Bis Ende 2025 soll Optimus so weit sein, dass Tesla seinen Roboter als Arbeitskraft an andere Unternehmen verkaufen kann. Laut Tesla-Geschäftsführer Elon Musk soll Optimus auf lange Sicht das wertvollste Tesla-Produkt werden. Auf einer Anlegerversammlung im texanischen Tesla-Hauptquartier kündigte Musk an, Tesla könne in fünf Jahren zehnmal so viel wert sein wie jetzt – vielleicht gar zehnmal so viel wie das aktuell größte Börsenunternehmen der Welt, Microsoft, das gute $3 Billionen auf die Waage bringt. Mit Blick auf Optimus prophezeite Musk, dass es in Zukunft mehr Roboter als Menschen auf der Erde geben werde – „irgendwo in der Größenordnung von zehn Milliarden, vielleicht 20 oder 30“.
Mittwoch: Was verdient Deutschland mit der Fußball-EM?
Am Freitag beginnt die Endrunde der Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Zehn Städte stellen Stadien für die Austragung der weltweit verfolgten Spiele zur Verfügung und beherbergen Millionen Fußballfans. Der Bärenanteil der Einnahmen aus dem Turnier geht allerdings an den Kontinentalverband UEFA – auch, weil die Dachorganisation der europäischen Verbände das Risiko für Koordination und Umsetzung des Turniers trägt. Insgesamt erwartet die UEFA Gesamteinnahmen von fast 2.5€ Milliarden, davon dürften rund 1.5€ Milliarden Gewinn übrig bleiben. Eine halbe Milliarde der Einnahmen kommt von Sponsoren, darunter der Discounter Lidl und der DAX-Konzern und Ausrüster des DFB-Teams Adidas. Die ausrichtenden Städte finanzieren Fanfeste und Public Viewings vor Ort. Dafür zahlt Frankfurt etwa 30€ Millionen, für München, Düsseldorf und Dortmund sind es jeweils gut 20€ Millionen. Die Tourismus-Einnahmen sollen sich im Gegenzug auf insgesamt 250-300€ Millionen belaufen. Zwar wirke sich ein großes Fußballturnier kaum auf die Gesamtwirtschaft aus, sagte Michael Grömling vom Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) dem ZDF – am wichtigsten sei aber ohnehin der Image-Effekt: „Eine aus sportlicher und organisatorischer Sicht erfolgreiche EM macht den Standort attraktiver“.
Donnerstag: Ripple expandiert, Milliarden-Strafe für Terra-Luna
Der XRP-Herausgeber Ripple hat die Übernahme der New Yorker Depotbank Standard Custody abgeschlossen, die auf digitale Vermögenswerte spezialisiert ist. Ripple bastelt schon länger an einem eigenen Stablecoin und möchte dafür auf die Ressourcen und Lizenzen von Standard Custody zurückgreifen. Die Depotbank verfügt über eine Zulassung des New York Department of Financial Services (NYDFS), einer der wichtigsten Behörden für Finanz-Dienstleistungen in den Vereinigten Staaten. Schon Anfang des Jahres hatte Ripple die Übernahme von Standard Custody als Meilenstein auf dem Weg zur Tokenisierung realer Vermögenswerte angekündigt; im Mai kaufte man bereits den Schweizer Krypto-Verwahrer Metaco für 250€ Millionen. Während Ripples Stablecoin-Projekt Form annimmt, hat die Kryptofirma Terraform Labs ihre Strafe für den Kollaps des hauseigenen TerraUSD-Coins erhalten. Der Luna-Crash war einer der stärksten negativen Katalysatoren zu Beginn des letzten Bärenmarktes und verbrannte Milliarden von Investorengeldern. Das insolvente Terraform Labs soll rund $4.5 Milliarden Strafe zahlen, um den Prozess beizulegen. Die Ermittlungen gegen die Gründer, denen Betrug in Höhe von $40 Milliarden vorgeworfen wird, laufen weiter.
Freitag: Microsoft verschiebt KI-Premiere
Der weltweite Börsen-Spitzenreiter Microsoft hat sich dazu entschieden, die Einführung seiner KI-Suchfunktion Recall zu verschieben. Das Windows-Programm sollte in Sekundenabständen Bildschirmaufnahmen bei der Nutzung von Microsoft-Geräten speichern, um Nutzern dabei zu helfen, Informationen auf dem eigenen PC wiederzufinden. Die regelmäßigen Screenshots sollten von Recall analysiert und interpretiert werden. Damit könnte man etwa eine Webseite wieder aufrufen, deren Namen man vergessen hat, an deren Design man sich aber noch erinnern kann. Eine grobe Beschreibung des Layouts oder der Bilder einer solchen Internetseite könnte Recall dazu befähigen, sie anhand des getrackten Suchverlaufs zu identifizieren. Dass Microsoft kurz vor dem geplanten Startdatum am kommenden Dienstag einen Rückzieher macht, liegt auch an ernstlichen Bedenken von Datenschutz-Experten, die Microsoft vor etwaigen Datenlecks gewarnt hatten. Kämen Hacker etwa an Recall-Listen, könnten sie das digitale Verhalten von Windows-Nutzern lückenlos nachverfolgen. Das Thema Privatsphäre wird bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz immer wichtiger: In dieser Woche kassierte auch die Facebook-Mutter Meta heftige Kritik von Datenschützern, weil der Konzern seine Europa-KI mit Nutzerdaten von Social Media füttern will.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen guten Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!







