Nächster Pharma-Boom nach Cannabis? Ocugen feiert "Meilenstein"
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Nächster Pharma-Boom nach Cannabis? Ocugen feiert "Meilenstein"

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Simeon Koch

Es rumort gehörig in der Pharmabranche. Die deutsche Cannabis-Legalisierung könnte eine internationale Welle der Dekriminalisierung lostreten, kürzlich sprach sich Joe Biden als erster nordamerikanischer Präsident überhaupt in der wichtigsten Rede des Jahres für eine juristische Neubewertung des Rauschmittels aus. Kurz darauf schlug seine Vizepräsidentin Kamala Harris in dieselbe Kerbe. Auch in der Europäischen Union wird über eine Genehmigung nachgedacht. Im Windschatten der Cannabis-Euphorie arbeitet einer der wichtigsten Innovatoren einer wenig beachteten Branche an seinem fulminanten Comeback: Das Biotech-Unternehmen Ocugen will mit neuartigen Präparaten die Augenmedizin revolutionieren und bisher unheilbare Erkrankungen an der Netzhaut kurieren. Schon in den vergangenen Monaten machten die wichtigsten Präparate aus der Ocugen-Pipeline wichtige Fortschritte, mittlerweile wird die Entwicklung in den Vereinigten Staaten behördlich unterstützt und priorisiert. Mit einem Medikament gegen die kaum behandelbare Krankheit Retinitis pigmentosa ist nun eines von Ocugens Flaggschiff-Produkten für finale klinische Tests zugelassen worden. Auf Ocugens Weg zum Markteintritt markiert diese Genehmigung einen großen Schritt, allein seit Ende Januar hat sich der Wert der Aktie verdreifacht. Laut unserer Analyse ist das Aufwärtspotenzial in der aktuellen Impulsbewegung aber noch lange nicht erschöpft.

Ocugen bekommt staatliche Hilfe – und muss aufs Geld schauen

„Der Beginn der dritten Testphase und der klinischen Studien ist ein signifikanter Meilenstein für Patienten und ein Höhepunkt für Ocugen als Unternehmen“, wurde Shankar Musunuri, Geschäftsführer und Mitgründer von Ocugen in einer Presseaussendung vom gestrigen Montag zitiert. Mit 150 Teilnehmern soll die nächste Etappe auf dem Weg zur finalen Zulassung bestritten werden, im vergangenen Jahr waren die ersten beiden Testphasen bereits erfolgreich. Bewährt sich das Medikament mit dem Namen OCU400 auch in dieser Proberunde, steht die Tür zu einem Markt offen, der allein in den Vereinigten Staaten 110 000 und weltweit rund 1.6 Millionen Patienten mit der fokussierten Krankheit umfasst. Bisher existierte für die irreversible Netzhauterkrankung kein potentes Gegenmittel. Ocugens medizinischer Leiter Huma Qamar gab sich in der offiziellen Ankündigung der dritten klinischen Testphase optimistisch: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den von uns ausgewählten Studienzentren und führenden Netzhautchirurgen, um diese neuartige Gentherapie zu entwickeln, die einen ungedeckten medizinischen Bedarf bedienen würde.“ Erst vor wenigen Wochen hatte Ocugen bekanntgegeben, dass man die dritte klinische Testphase plane, nun nimmt dieses Vorhaben konkrete Formen an. Dass die Entwicklung von Ocugens Medikament schon im vergangenen Dezember behördlichen Sonderstatus bekam, bedeutet einen wichtigen Wettbewerbsvorteil und dürfte die Chancen auf eine Zulassung steigern.

4-Stundenchart der Ocugen-Aktie

Nach finanziellen Schwierigkeiten in den vergangenen Jahren könnte das aktuelle Projekt, das in einer Reihe mit gleich mehreren angekündigten Augenmedizin-Produkten steht, einen Befreiungsschlag bedeuten. Während der Coronapandemie hatte Ocugen versucht, mit einem Impfstoff auf den indischen Markt zu kommen, scheiterte aber an den Zulassungshürden und musste sich dazu gegenüber seinen Investoren vor Gericht verantworten. Dass man sich nun wieder auf die Augenmedizin konzentriert, bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln des 2013 gegründeten Pharmakonzerns. In trockenen Tüchern ist die in der Regel sehr teure dritte klinische Testphase aber noch nicht. Denn bereits die vergangenen beiden Testphasen und auch die Entwicklung der anderen Medikamente belasten die Bilanz merklich. Vergangene Woche gab Ocugen bekannt, aktuell über Bargeld-Reserven von rund $40 Millionen zu verfügen, verglichen mit gut $90 Millionen Ende 2022. Laut eigenen Schätzungen sollen die finanziellen Mittel reichen, um die geplanten Projekte bis ins vierte Quartal des aktuellen Jahres fortzuführen, spätestens dann sei aber frisches Kapital vonnöten. Helfen soll dabei ein Förderprogramm des National Institute of Allergy and Infections Diseases, eines renommierten nordamerikanischen Forschungszentrums, das zum Gesundheitsministerium der Vereinigten Staaten gehört. Für die dritte klinische Testphase des aktuell aussichtsreichsten Kandidaten in Ocugens Pipeline, OCU400, gab die nordamerikanische Lebensmittelbehörde (engl.: United States Food and Drug Administration) vor wenigen Tagen grünes Licht.

Tageschart der Ocugen-Aktie

Wie weit kann die Ocugen-Aktie steigen?

Die Hoffnung auf eine baldige Marktzulassung dank behördlicher Unterstützung ist trotz der angespannten finanziellen Situation auch bei der Ocugen-Aktie zu spüren. Nach einem Zwischenhoch Mitte Februar bei knapp $1.50 ging es zwar rasch wieder auf etwa $0.75 hinab, seitdem aber konnte der Widerstand bei $1.81 überboten werden. Beim ersten Versuch, diese Marke nachhaltig zu überflügeln, musste sich das Papier noch einmal in den Bereich um $1.35 verabschieden, dieses deutlich höhere Tief aber fungierte anschließend als Sprungbrett für einen neuerlichen Satz in Richtung der $2-Marke. Kurzfristig wähnen wir den Kurs in einer fünfteiligen türkisfarbenen Aufwärtsbewegung, deren Impulswelle 3 langfristig nicht nur den Widerstand bei $18.77 durchbrechen, sondern sogar die türkise Zielzone zwischen $30.60 und $49.31 anlaufen sollte. Vom aktuellen Kurs bei etwa $1.80 würde das einen Zuwachs zwischen 1500 bis 2500 Prozent bedeuten. Hält Ocugen seinen zuletzt erfolgreichen fundamentalen Kurs und bringt die angekündigten Medikamente tatsächlich auf den Markt, sind derartige Kursziele durchaus denkbar, die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff hatte die Aktie im Sommer 2019 auf mehr als $20 katapultiert. Dennoch bleibt Ocugen zumindest vorerst ein hochvolatiler, stark risikobehafteter Pennystock, bei dem das immense Wachstumspotenzial großem Verlustrisiko gegenübersteht. Sorgen, dass Ocugen auf halbem Weg das Geld ausgehen könnte, will das Unternehmen jedenfalls nicht aufkommen lassen: „Das Team von Ocugen hat strategisch Ressourcen zugewiesen, um den laufenden Fortschritt seiner Gentherapieversuche voranzutreiben, und bemüht sich weiterhin um staatliche Finanzierung zur Unterstützung seiner Impfstoffprogramme.“

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Simeon Koch

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